InformationsgesellschaftAm Medienpranger
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"Ich finde es gut, wenn Frauen bei uns Karriere machen"

Schirrmacher: Zu rechtfertigen ist das nicht, es sei denn durch Lebensläufe. Und, um auch dieses Bekenntnis abzugeben, es dauert eine Weile, bis man es überhaupt merkt. Hinzu kommt der Zeitfaktor: Bei uns in der FAZ bleiben die Leute sehr lange auf ihrem Posten, dadurch verzögert sich die Regeneration um 10 bis 15 Jahre. Allein schon aus der Perspektive der Demografie ist es Wahnsinn, nicht auf Aufstiegschancen für Frauen zu setzen. Die Frage ist, warum es so lange gedauert hat...

Di Lorenzo: ...und noch dauern wird.

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Göring-Eckardt: Ihr räumt ja schließlich nicht einfach euren Platz!

Schirrmacher: Na ja, es stehen überall Pensionierungswellen bevor.

Göring-Eckardt: Das ist die Lösung? Und dann wird jede Stelle eher mit einer Frau besetzt als mit einem Mann?

Schirrmacher: So eine Ansage würde potenzielle männliche Bewerber entmutigen. Das kann ich nicht riskieren. Ich kann aber sagen, die meisten derjenigen, die ich im Augenblick gerne anwerben würde, wenn ich könnte, sind Frauen. Übrigens gilt das nicht nur für den Journalismus. Einer der besten Verlagschefs in Deutschland ist Julia Jäkel. Entscheidend ist, dass sich die nach der traditionellen männlichen Haushaltsökonomie gestalteten Arbeitswelten verändern. Bei uns gibt es immer mehr männliche Redakteure, die Erziehungsurlaub nehmen. Und uns allen ist bewusst, dass man etwa einer unserer leitenden Redakteurinnen, die jetzt ein Kind bekommt, noch nicht einmal den Eindruck vermitteln darf, dass das ein Problem für die Arbeitsorganisation sein könnte.

Göring-Eckardt: Das klingt heldenhaft und ändert wenig an der Realität.

Di Lorenzo: Mich würde interessieren: Warum war die bereits erwähnte Initiative der 300 Frauen, die in einem Brief an deutsche Chefredakteure gefordert haben, innerhalb von fünf Jahren 30 Prozent der Führungspositionen in den Medien mit Frauen zu besetzen, der FAZ kaum mehr als eine Meldung wert?

Schirrmacher: Was hätten wir machen sollen?

Di Lorenzo: Mehr berichten. Auch über die Realität im eigenen Blatt.

Schirrmacher: Nein, nein, da sind wir anders.

Göring-Eckardt: Kritik und Selbstkritik, das funktioniert so nicht?

Schirrmacher: Das wäre doch völlig verlogen. Fakten zählen. Ich kann nur sagen, dass praktisch alle Redakteure, die ich in den letzten Jahren eingestellt habe, Frauen waren. Aber es sind langsame Prozesse, weil die Branche Angst hat, überhaupt einzustellen, und weil die Demografie in den Unternehmen die herrschenden Verhältnisse begünstigt. Bei uns ist der Prozess wirklich im Gange. Ich habe von dem Brief vorher nichts gewusst.

Di Lorenzo: Hat keiner von uns!

Schirrmacher: Doch, die Süddeutsche hatte es vorher, und auch der Spiegel hatte es. Ich wusste es nicht. Hätte ich es gewusst, hätte ich die Debatte sofort in die FAZ gezogen.

Di Lorenzo: Es waren 30 Frauen aus unserer Redaktion beteiligt, und ich kannte nur Gerüchte.

Göring-Eckardt: So muss es doch sein. Bei der ZEIT hat der Brief auch gewirkt: Sie haben sich ja dann recht schnell zur Quote verpflichtet.

Schirrmacher: Ich finde die Zahl von 30 Prozent ja eher bescheiden. Und ich sage Ihnen: Nichts an diesem Brief kann ich nicht unterschreiben. Die FAZ ist sehr unhierarchisch strukturiert, und keiner kann sich anmaßen, für alle zu reden. Es gab Frauen in unserer Redaktion, die haben den Brief unterschrieben, und es gab Frauen, die haben sich geweigert und waren sogar empört. Ich finde es gut, wenn Frauen bei uns Karriere machen, ohne dass der Eindruck entsteht, sie machen sie nur deshalb, weil wir uns dazu verpflichtet haben.

Göring-Eckardt: Herr Schirrmacher, Sie haben in einem Essay in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung das politische Versagen der Babyboomer angeprangert, die reihenweise gescheitert sind oder der Politik den Rücken gekehrt haben, von Christian Wulff über Roland Koch und Ole von Beust bis Peter Müller und Friedrich Merz. Frauen kommen gar nicht vor. Warum?

Di Lorenzo: Nur Sie kommen in Schirrmachers Essay als Ausnahme von der Regel vor.

Göring-Eckardt: Aber nicht Ursula von der Leyen, nicht Angela Merkel. Die sind genau wie ich weder erschöpft noch weggerannt.

Schirrmacher: Weil es ein Phänomen von Männern ist. Es gibt den alten Mythos, dass Männer bis zuletzt auch auf verlorenem Posten aushalten. Das stimmte für Helmut Schmidt, aber eben nicht für seine Enkel. Besser gesagt: Es ist ein Phänomen von Westmännern, und Frau Merkel gehört auch nicht zu den Babyboomern. Ich denke hier post-gender. Mir ging es darum, das Phänomen einer Fluchtbewegung, die es so noch nie gab, zu beschreiben, in diesem Fall von Männern. Die Frauen gehörten da nun nicht dazu. Angela Merkel ist 1954 geboren, passt also nicht mehr direkt in die Kohorte. Ursula von der Leyen...

Di Lorenzo: ...nur ein Jahr älter als wir...

Schirrmacher: ...ist noch im Amt und ja offenbar sehr beliebt in Deutschland. Nichts an ihr macht sie zu einem exemplarischen Fall.

Di Lorenzo: Als ich den Artikel las, habe ich Frank Schirrmacher spontan gratuliert. Ich glaube, dass seine Frage berechtigt ist, warum diese Politiker versagt haben, aber ich glaube, diese Kumulation des Scheiterns könnte man bei fast jeder anderen Generation feststellen.

Schirrmacher: Bei welchen Politikern?

Di Lorenzo: Überlegen Sie mal, wie über die Generation Kohl seit Ende der achtziger Jahre geredet wurde. Da hieß es, ihnen gehe es nur noch darum, ihr Bild für die Geschichtsbücher zu bewahren. Sie sind nicht davongelaufen, aber sie sind auch später in die Politik eingetreten. Helmut Schmidt war schon fast 30, als er zur SPD kam, und hat eine grausige Erfahrung hinter sich, die er auch immer wieder thematisiert. Oder denken Sie nur daran, wie die Enkelgeneration von Willy Brandt zu einem gewissen Zeitpunkt dastand: Engholm, der plötzlich nicht mehr der Saubermann war und sich gekränkt zurückzog; ein am Ende in einem Pool planschender Verteidigungsminister, der über eine Fotostrecke in der Bunten stolperte; Lafontaine, der sich beleidigt aus dem Staub machte und dann, als es ihm zu langweilig wurde, einen Konkurrenzladen aufmachte. Oder denken Sie an Karl-Theodor zu Guttenberg. Er ist die größte Enttäuschung einer Generation, von der man gedacht hat, sie habe einen neuen Politikertypus hervorgebracht. Ich kann auch nicht erkennen, dass Daniel Bahr, Niels Annen, Philipp Mißfelder leuchtende Vorbilder für die 30-Jährigen sind! Ich will damit nur sagen: Wenn man ein verbindendes negatives Moment finden möchte, dann findet man es in fast jeder politischen Generation.

Leserkommentare
  1. Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

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    Nein, ich denke nicht die freiheitsliebenden Bürger sind überfordert. Ich bin der Meinung die Medien, Politiker und Banker leben in einem Elfenbeinturm.

    Dieses "interview" ist ja mal wieder ein guter Beweis, wie auch andere Offenbarungen wie Guttenberg, etc...

  2. Die Vision ist eine ganz einfache: Ich sage was ich denke und argumentiere. Du sagst was du denkst und argumentierst dagegen. Widerlegst du meine Argumente, übernehme ich deine. Widerlege ich deine Argumente übernimmst du meine.

    Ergebnis: Ein pragmatischer Mehrheitsbeschluss

    http://www.youtube.com/wa...

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    Das funktioniert nur bei entsprechender Aufgeschlossenheiten den Argumenten gegenüber, was jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich möglich ist.
    Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben.
    Argumentation ist gut und wichtig, aber die Frage ist auch mit wem und in welchem Rahmen. Das Hauptrisiko der Piraten ist der Populismus, denn dem folgt ein Schwarm, bzw. eine Herde am liebsten.

    • manu26
    • 28. Mai 2012 20:23 Uhr

    Wenn es nicht ein paar Menschen gäbe, die an das glauben, was da im Video präsentiert wird, wäre es zum Lachen. Ich jedenfalls wusste nicht, ob ich lachen oder nur den Kopf schütteln sollte, als ich es sah.

    Interessantes Gespräch. Wohl investierte Zeit es zu lesen. Meine Lieblingsstelle:
    "Wir müssen weiter – um es mit Habermas zu sagen – das Rückgrat des politischen Diskurses bleiben, und zwar in Medien, die uns nach der schwärzesten aller Diktaturen geschenkt worden sind, die nicht hysteriegetrieben sind, nicht von Konformität erdrückt werden, sondern im Prinzip eine potenzielle Freiheit, Unabhängigkeit und Vielfalt haben, die beneidenswert und ziemlich einzigartig in der Welt sind." (Di Lorenzo)
    Und das meine ich nicht ironisch, auch wenn es vielen leider ironisch anmutet.

    Die vielfältigen Kommentare sind leider weitestgehend ein Trauerspiel – wie so oft.

    • C4
    • 29. Mai 2012 8:56 Uhr

    "Widerlegst du meine Argumente, übernehme ich deine. Widerlege ich deine Argumente übernimmst du meine."

    Hört sich gut an, ist wohl aber leider ein Idealfall der reinen Lehre. In der Regel scheitert doch schon der Konsenz darüber, ob ein Argument widerlegt ist, oder nicht, an themenfremden Parametern, wie Ego, Ideologie, Parteilichkeit, persönlichen Interessen, etc.

    Und sollte es tatsächlich einmal zu einem rein sachlichen Austausch kommen, einzig verpflichtet dem Ringen um die hehre Wahrheit, wird man zumeist bald feststellen, wie komplex dieselbe tückischerweise daherzukommen pflegt, so dass ihr mit ja, oder nein, schwarz oder weiß, schlicht nicht beizukommen ist.

    Vielleicht helfen dialektischere Methoden?

  3. Immer wieder empfehlenswert, "Warum Mainstreammedien Mainstream sind":
    http://zmag.de/artikel/Wa...

  4. Über die Entfernung meines Accounts würde ich mich freuen (wie auch über die Verschonung von Ihren Werbemails). Danke, der Kommentato/sk

    Sie bemitleiden Medienpranger und lassen nicht mal eine einfache Frage/Feststellung durch!?

    Besten Dank, liebe "Zeit"/mk

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  5. di Lorenzo: Mir macht die Frage, wie heute öffentliche Diskurse organisiert werden, Sorgen. Ich beobachte in den deutschen Medien seit einiger Zeit einen besorgniserregenden Hang zum Gleichklang. Das Merkwürdige dabei ist, dass der Konformitätsdruck nicht von bösen Regierungen oder finsteren Wirtschaftsmächten ausgeübt wird. Vielmehr kommt er aus unserer eigenen Mitte, er geht von den Journalisten…aus.

    Ja, und? Was ist die Konsequenz daraus? - Hallo Frau Göring-Eckardt: Was ist jetzt ihre Frage?

    Göring-Eckardt: Was erwarten Sie von dieser neuen Partei?

    Fazit: Das Weglassen von Fragen auf merkwürdige Antworten nimmt immer mehr Raum ein.

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    ist mir auch als unerklärliche Merkwürdigkeit aufgefallen!

  6. Gespräch dem ich gerne noch eine kleine Anmerkung geben möchte-es ist auch wichtig überlebensfähig zu sein ohne INTERNET, es könnte ja auch mal aus irgend welchen Gründen nicht mehr funktionieren für einen Zeitraum und wir sollten uns eine Überlebensfähigkeit dafür erhalten, eine Art Präventation halt-Zeitungen könnten dann sicherlich immer noch erscheinen, ob die Partei der Piraten dann noch funktioniert ist fraglich-

  7. Das funktioniert nur bei entsprechender Aufgeschlossenheiten den Argumenten gegenüber, was jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich möglich ist.
    Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben.
    Argumentation ist gut und wichtig, aber die Frage ist auch mit wem und in welchem Rahmen. Das Hauptrisiko der Piraten ist der Populismus, denn dem folgt ein Schwarm, bzw. eine Herde am liebsten.

    Antwort auf "Wo ist da die Vision?"
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    Menschen die sich für Liqiud Democracy entscheiden sind sich ihrer Verantwortung bewusst und somit können sie nicht als Herde wirken.

    (Populismus: http://de.wikipedia.org/w...

    "Populismus (lat.: populus, „Volk“) bezeichnet eine um „Nähe zum Volk“ bemühte Politik, die Unzufriedenheit, Ängste und aktuelle Konflikte ausdrückt oder instrumentalisiert, indem sie Gefühle anspricht und einfache Lösungen vorstellt.")

    Die Verantwortung ist es also, die ihnen erlaubt mit Vernunft
    und Diskussion eine Lösung zu finden und eben nicht auf eine populistische Meinung zu stimmen.

    "Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben."

    Gerade in Foren kann man Leute gut überzeugen. Entwicklungen und Standpunktänderungen bekommt man allerdings oft nicht mit, unterschiedliche Aliase usw. aber es gibt imho nur extrem wenige Foristen, die über lange Zeiträume durch totale Faktenresistenz auffallen. Die wollen dann idR auch nicht diskutieren, sondern nur streiten, die sogenannten "Trolle".

    Herdenmenschen sehe ich eher in denjenigen, die immer noch glauben, Fernsehen, die Tagesschau und die Konzernmedien würden objektiv berichten und urteilen.

    Herdenmenschen sehe ich in denen, die meinen, eine Meinung wäre besser, nur weil sie von einem bezahlten Journalisten stammt. In denen, die eine Partei wählen, weil deren Umfragewerte angeblich gestiegen sind.

    Herdenmenschen sehe ich in denjenigen, die sich zu Massenevents begeben, um in eine Millionenmasse einzutauchen, ob beim Fußball oder Volksfesten. Platzangst und Hysterie garantiert.

    Schwarmintelligenz ist das Gegenteil von Herdenmenschentum. Es geht hier eben nicht darum, eine jubelnde Masse zu erzeugen mit Emotionen und Spaß-Events, um den Druck abzulassen. Arbeiten und Sparen ist eine so harte Leitkultur, dass das Bedürfnis nach FUN groß wird und abgeleitet werden muss.

    Es geht darum, Bildung und Intelligenz von vielen Einzelnen zusammen zu führen über konkrete Projekte, um die beste und rationalste Lösung zu finden - immer im Sinne des Allgemeinwohls. Und das sogar ohne Geld. Siehe das wunderbare System Linux. Vielleicht gelingt so ein Modell auch mal im Journalismus...

    wird, liegt daran, daß so viel Lust am reinen Bashen besteht.
    Ein warmherziger Dialog ist da sehr selten, auch, wenn es ihn immer einmal wieder gibt. Bloß wenn die Positionen grundverschieden sind,ist das natürlich kaum möglich. Schade nur, daß dann meistens sehr schnell unter die Gürtellinie gezielt (und getroffen)wird bis hin zur bewußten Angstmache.
    Das Volk ist leider auch nicht besser, als die Medien. Wäre ja auch erstaunlich. Was mich aber am meisten verstört in letzter Zeit ist nicht die Böswilligkeit allein,sondern ihre plumpe, extrem primitive Form! Ich meine z.B. die Nazi-und Esoterik-Keule, die auch noch vom Unwissendsten und Gedankenärmsten an den unpassendsten Stellen hervorgeholt wird und immer noch ihre Wirkung tun kann, egal, wie blödsinnig das in dem Moment ist. Zumindest kann einem dann die Lust zum Weiterargumentieren vergehen. Leider haben die Medien dagegen bis jetzt noch nichts unternommen, sondern tuten im Gegenteil auch noch mit ins gleiche Horn, siehe G.G.

  8. http://zmag.de/artikel/Ve...
    " ... Journalisten fluten in die formende Struktur der Konzern-Medien des Mainstream hinein - u. wieder heraus. Denn wie wir bereits in früheren ‘Media Alerts’* (Medienalarm) dargelegt haben: Unsere Konzernmedien sind nunmal so strukturiert, dass sie die Interessen der Konzerne / des Staats schützen u. stützen. Und dazu ist kein Komplott, ja nicht mal offene Einflussnahme, vonnöten. Die Uniformität der Berichterstattung ist Resultat einer schlicht (naturgesetzlichen) Reaktion: ‘menschliche Natur’ in Verbindung mit ‘formender Struktur’ des Staats-Konzern-Kapitalismus: Journalisten mit der richtigen Einstellung, der richtigen Ziel- u. Prioritätensetzung hüpfen in die Pyramidenstruktur der Medien hinein u. “finden ihren Platz” darin, während die andern wieder hinaustreiben (bzw. hinausgetrieben werden).
    ... "

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    http://zmag.de/artikel/Ve...

    " ... Das heißt andererseits nicht, dass der Mainstream keine abweichenden Meinungen zuläßt. Ganz im Gegenteil: das System lebt ja geradezu von seinem toleranten Image. Denn in einer Gesellschaft, die vorgibt, demokratisch zu sein, muss die Propaganda-Maschinerie gelegentlich auch mal abweichende Meinungen integrieren. Diese allerdings nur homöopathischen Wahrheitsdosen sollen quasi wie eine Impfspritze wirken: sie immunisieren die Öffentlichkeit, damit diese die engen Grenzen unserer Pressefreiheit nicht mehr wahrnimmt. So gesehen sind jene ehrlichen Artikel von Abweichlern, wie sie gelegentlich an die Oberfläche des Mainstream (des Hauptstroms des Presseflusses also) schwappen, ebenso entscheidend für ein geschmiertes Funktionieren der Propaganda-Maschinerie wie die große Masse an macht-affirmativen journalistischen Artikeln. Und so finden durchaus auch Dissidenten ihren Platz in der Pyramide (ein paar wenigstens) - was aber überhaupt nichts daran ändert, dass am Ende eine Medienlandschaft rauskommt, die die öffentliche Meinung so verformt, dass diese tendenziell eher den Zielen der Staats-/Konzern-Macht nützt. ... "

    • agffm1
    • 28. Mai 2012 19:24 Uhr

    Mal ganz ehrlich gefragt: Mussten Sie das sehr interessante Gespräch überhaupt zu Ende lesen, um dieses völlig verquaste Proseminaristen-Geschwurbel als Antwort zu posten? Foucault et al. würden sich zurecht im Grabe umdrehen bei diesem fahrlässigen und undifferenzierten Gerede von "Macht", "System", "Staatsmacht" und "Konzernmacht". Und wäre es Ihnen zuviel abverlangt, wenigstens ein paar eigene Gedanken dazu zu formulieren?
    Ich für meinen Teil fand, das war ein hervorragendes und gedankenreiches Gespräch zwischen drei klugen Leuten, die ihr mediales Handeln ernsthaft hinterfragen und reflektieren. Vielen Dank an die Zeit! Es wäre schön, an dieser Stelle ab und an mehr mediale Selbstreflexion zu finden - die Massenmedien neigen sonst dazu, ihre eigene Rolle und ihre Wirkung zu vernachlässigen.

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