InformationsgesellschaftAm Medienpranger
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"Das Hauptanliegen ist, wenig Angriffsfläche zu bieten"

Schirrmacher: Natürlich ist das auch ungerecht, natürlich meine ich damit auch nicht alle, und ich wurde auch von Leuten wie Herrn Bouffier heftig kritisiert. Mich interessiert trotzdem, warum sich die Genannten vorzeitig aus der Politik entfernt haben, ohne ihre politische »Mission« erfüllt zu haben oder ein politisches Kapital zu hinterlassen. Denken Sie an Seehofers ZDF-Backstage-Interview über Norbert Röttgen: »Und dann geht ein Kandidat her für das Amt des Ministerpräsidenten und sagt: Ich laufe nicht davon, ich laufe gar nicht hin.« Ich weiß nicht, wie sich dieses Verhalten mit der gesamten politischen Rhetorik des »Es geht um unser Land« verträgt. Das ist nur ein Beispiel, das sich auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragen lässt. Die pathologische Seite ist ja jedermann hinlänglich bekannt, die Burn-out-Debatte ist nur ein Beispiel. Denken Sie an Ralf Rangnick, geboren 1958, der wegen »Ermüdung« zurücktrat – so etwas hat es vorher nie gegeben.

Di Lorenzo: Wenn man böse auf das Ende der rot-grünen Koalition schaut, muss man sagen: Noch nie sind so viele Leute geschlossen in die Wirtschaft übergewechselt.

Schirrmacher: Deren Projekt war aber mentalitätsgeschichtlich erfüllt.

Di Lorenzo: Finden Sie?

Schirrmacher: Nicht das Projekt der ökologischen Wende. Aber immerhin war ein elementarer Bewusstseinswandel mit Blick auf die Ausbeutung und Zerstörung unserer Lebensräume in der Gesellschaft vonstattengegangen.

Di Lorenzo: Ich bin Ihrer Meinung, wenn es heißt, dass die Babyboomer ihr Projekt noch nicht abgeschlossen haben. Sagen Sie: Wie lange sind Sie jetzt Herausgeber?

Schirrmacher: Seit 1994.

Di Lorenzo: Ich bin seit mehr als 13 Jahren Chefredakteur. Erwischen Sie sich nicht bei dem Gedanken: Es gibt noch etwas anderes?

Schirrmacher: Oh, darüber denke ich jeden Tag nach. Und das Tolle ist: Dieser Gedanke ist das Wesensmerkmal des Journalismus. Es gibt noch etwas anderes, und du darfst darüber schreiben.

Di Lorenzo: Ich glaube, dass auch wir als Journalisten unser Generationenprojekt noch zu Ende führen müssen. Wir müssen weiter – um es mit Habermas zu sagen – das Rückgrat des politischen Diskurses bleiben, und zwar in Medien, die uns nach der schwärzesten aller Diktaturen geschenkt worden sind, die nicht hysteriegetrieben sind, nicht von Konformität erdrückt werden, sondern im Prinzip eine potenzielle Freiheit, Unabhängigkeit und Vielfalt haben, die beneidenswert und ziemlich einzigartig in der Welt sind. Hoffentlich bleiben diese Medien weiterhin Stimmen der Vernunft und der Entschleunigung. Selbst wenn es unsere Aufgabe sein sollte, diesen Journalismus in ein digitales Zeitalter zu überführen – auf eine Art, die finanzierbar sein muss –, müssen wir das noch erfüllen. Wir sollten also jetzt nicht desertieren.

Schirrmacher: Allerdings glaube ich, ohne dass ich zum Apokalyptiker werden will, dass wir ernsten Zeiten in den Medien entgegengehen.

Di Lorenzo: Meine Haltung ist: große Offenheit, Neugier, Freude auf das, was von jüngeren Generationen kommt. Wenn ich mir von denen etwas wünschen würde, dann wäre es, nicht so viel darüber nachzusinnen, ob sie mit ihrer Meinung ihre Marke beschädigen könnten. Das nämlich führt zu einem synthetischen Typus von Journalist. Ich beobachte das auch beim Fernsehen bei Kollegen, die ich sehr schätze, mag und gut kenne: Das Hauptanliegen ist, wenig Angriffsfläche zu bieten.

Schirrmacher: Wir reden über den Opportunismus von Medien, aber wir müssen natürlich auch über den Opportunismus von Politik reden: wie sie durch den Mainstream verändert wird. Im Übrigen sind Helmut Schmidt und Marcel Reich-Ranicki ganz gute Lehrmeister.

Göring-Eckardt: Selbst bei jungen Menschen kommen die total gut an!

Di Lorenzo: Aber wie lange bleiben die uns noch?

Schirrmacher: Die haben uns ja erzogen.

Göring-Eckardt: Die jüngere Generation ist viel nachdenklicher, als man denkt: Sie hat die Klimakrise vor Augen, die ökonomische Krise. Schon weil sie in all diese Probleme hineingeboren wurde, muss sie darüber nachdenken. Ich finde es absurd, so zu tun, als ob diejenigen, die nach den Babyboomern kommen, nur noch Google und Amazon verfallen sind. Manche von denen lieben die Buchhandlung um die Ecke und kaufen da hochpolitische Wälzer – und reden dann darüber, online und offline. Früher haben auch nicht alle Adorno in ausgebeulten Jacketts rumgetragen.

Schirrmacher: In den hochgelobten bildungsnahen siebziger Jahren hatten Süddeutsche und FAZ – in einem Land ohne Privatfernsehen, ohne Dritte Programme – eine wesentlich geringere Auflage als heute.

Di Lorenzo: Und doch sind es prozentual weniger geworden, die täglich noch eine Zeitung in die Hand nehmen, aber es ist immer noch ein beträchtlicher Anteil, auch unter jungen Leuten. Auf die müssen wir uns konzentrieren. Zu unserer gemeinsamen Jugend gehört auch eine Medientheorie, die schon zu unserer Zeit etwas verstaubt wirkte: die Schweigespirale der Elisabeth Noelle-Neumann, der zufolge man von der Meinung der Mehrheit abhängig macht, ob man sich zu einer Meinung bekennt oder nicht. Die Schweigespirale bekam für mich plötzlich eine ungeahnte Aktualität, als ich im Kreise von Kollegen den Zapfenstreich für Christian Wulff gesehen habe – große Stimmung, »Hihi!« und »Haha!« und »Hoho!«, wirklich barmherzig war das nicht, denn der Mann sah aus wie sein eigenes Gespenst. Und während wir da sitzen und gucken, wie die ARD einer 300-Mann-Demonstration gegen Wulff eine Beachtung schenkt, als sei es die berühmte Anti-Pershing-Demonstration im Hofgarten zu Bonn, geht eine Kollegin einfach raus. Als das Wichtigste vorbei war, kam sie wieder rein, und da habe ich sie gefragt: Sag mal, warum bist du denn rausgegangen? – Weil ich diesen mittelalterlichen Pranger nicht ertrage. – Und plötzlich meldete sich eine andere und sagte, ihr gehe es ganz genauso. Es ist interessant, wie dieser Konformitätsdruck wirkt.

Schirrmacher: Ich fürchte, dass das längst außer Kontrolle geraten ist. Gerade hier aber ist die Aufgabe verantwortungsbewusster Medien, Filter zu sein und nicht jede Informationskaskade im Netz für repräsentativ zu halten. Was geschieht denn, wenn die Parteien das Netz für sich wirklich entdeckt haben und wir Interessen nicht mehr von Meinungen unterscheiden können? Ich glaube, das Schwierigste wird sein, zu erkennen, dass es entscheidende Dinge außerhalb des Netzes gibt. Man kann ja mal den Versuch machen, wie es bei uns in der FAS getan wurde, ohne jede Internetrecherche über eine Stadt zu schreiben. Das ist therapeutisch.

Di Lorenzo: Ich will Ihnen etwas vorlesen: »(Es) braucht auch Schutz gegen die Tyrannei des vorherrschenden Meinens und Empfindens, gegen die Tendenz der Gesellschaft, durch andere Mittel als zivile Strafen ihre eigenen Ideen und Praktiken als Lebensregeln denen aufzulegen, die eine abweichende Meinung haben, die Entwicklung in Fesseln zu schlagen, wenn möglich die Bildung jeder Individualität, die nicht mit ihrem eigenen Kurs harmoniert, zu verhindern und alle Charaktere zu zwingen, sich nach ihrem eigenen Modell zu formen.« Wissen Sie, wer das geschrieben hat?

Schirrmacher: Nein.

Göring-Eckardt: Nein, war das eine Frage im ZEIT-Bildungstest?

Di Lorenzo: John Stuart Mill im Jahre 1859. Ich finde, es hört sich an wie die Beschreibung eines Shitstorms.

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Leserkommentare
  1. Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

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    Nein, ich denke nicht die freiheitsliebenden Bürger sind überfordert. Ich bin der Meinung die Medien, Politiker und Banker leben in einem Elfenbeinturm.

    Dieses "interview" ist ja mal wieder ein guter Beweis, wie auch andere Offenbarungen wie Guttenberg, etc...

  2. Die Vision ist eine ganz einfache: Ich sage was ich denke und argumentiere. Du sagst was du denkst und argumentierst dagegen. Widerlegst du meine Argumente, übernehme ich deine. Widerlege ich deine Argumente übernimmst du meine.

    Ergebnis: Ein pragmatischer Mehrheitsbeschluss

    http://www.youtube.com/watch?v=r0G_vuWTOUw

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    Das funktioniert nur bei entsprechender Aufgeschlossenheiten den Argumenten gegenüber, was jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich möglich ist.
    Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben.
    Argumentation ist gut und wichtig, aber die Frage ist auch mit wem und in welchem Rahmen. Das Hauptrisiko der Piraten ist der Populismus, denn dem folgt ein Schwarm, bzw. eine Herde am liebsten.

    • manu26
    • 28. Mai 2012 20:23 Uhr

    Wenn es nicht ein paar Menschen gäbe, die an das glauben, was da im Video präsentiert wird, wäre es zum Lachen. Ich jedenfalls wusste nicht, ob ich lachen oder nur den Kopf schütteln sollte, als ich es sah.

    Interessantes Gespräch. Wohl investierte Zeit es zu lesen. Meine Lieblingsstelle:
    "Wir müssen weiter – um es mit Habermas zu sagen – das Rückgrat des politischen Diskurses bleiben, und zwar in Medien, die uns nach der schwärzesten aller Diktaturen geschenkt worden sind, die nicht hysteriegetrieben sind, nicht von Konformität erdrückt werden, sondern im Prinzip eine potenzielle Freiheit, Unabhängigkeit und Vielfalt haben, die beneidenswert und ziemlich einzigartig in der Welt sind." (Di Lorenzo)
    Und das meine ich nicht ironisch, auch wenn es vielen leider ironisch anmutet.

    Die vielfältigen Kommentare sind leider weitestgehend ein Trauerspiel – wie so oft.

    • C4
    • 29. Mai 2012 8:56 Uhr

    "Widerlegst du meine Argumente, übernehme ich deine. Widerlege ich deine Argumente übernimmst du meine."

    Hört sich gut an, ist wohl aber leider ein Idealfall der reinen Lehre. In der Regel scheitert doch schon der Konsenz darüber, ob ein Argument widerlegt ist, oder nicht, an themenfremden Parametern, wie Ego, Ideologie, Parteilichkeit, persönlichen Interessen, etc.

    Und sollte es tatsächlich einmal zu einem rein sachlichen Austausch kommen, einzig verpflichtet dem Ringen um die hehre Wahrheit, wird man zumeist bald feststellen, wie komplex dieselbe tückischerweise daherzukommen pflegt, so dass ihr mit ja, oder nein, schwarz oder weiß, schlicht nicht beizukommen ist.

    Vielleicht helfen dialektischere Methoden?

  3. Immer wieder empfehlenswert, "Warum Mainstreammedien Mainstream sind":
    http://zmag.de/artikel/Warum-die-Mainstreammedien-Mainstream-sind

  4. Über die Entfernung meines Accounts würde ich mich freuen (wie auch über die Verschonung von Ihren Werbemails). Danke, der Kommentato/sk

    Sie bemitleiden Medienpranger und lassen nicht mal eine einfache Frage/Feststellung durch!?

    Besten Dank, liebe "Zeit"/mk

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  5. di Lorenzo: Mir macht die Frage, wie heute öffentliche Diskurse organisiert werden, Sorgen. Ich beobachte in den deutschen Medien seit einiger Zeit einen besorgniserregenden Hang zum Gleichklang. Das Merkwürdige dabei ist, dass der Konformitätsdruck nicht von bösen Regierungen oder finsteren Wirtschaftsmächten ausgeübt wird. Vielmehr kommt er aus unserer eigenen Mitte, er geht von den Journalisten…aus.

    Ja, und? Was ist die Konsequenz daraus? - Hallo Frau Göring-Eckardt: Was ist jetzt ihre Frage?

    Göring-Eckardt: Was erwarten Sie von dieser neuen Partei?

    Fazit: Das Weglassen von Fragen auf merkwürdige Antworten nimmt immer mehr Raum ein.

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    ist mir auch als unerklärliche Merkwürdigkeit aufgefallen!

  6. Gespräch dem ich gerne noch eine kleine Anmerkung geben möchte-es ist auch wichtig überlebensfähig zu sein ohne INTERNET, es könnte ja auch mal aus irgend welchen Gründen nicht mehr funktionieren für einen Zeitraum und wir sollten uns eine Überlebensfähigkeit dafür erhalten, eine Art Präventation halt-Zeitungen könnten dann sicherlich immer noch erscheinen, ob die Partei der Piraten dann noch funktioniert ist fraglich-

  7. Das funktioniert nur bei entsprechender Aufgeschlossenheiten den Argumenten gegenüber, was jedoch ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich möglich ist.
    Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben.
    Argumentation ist gut und wichtig, aber die Frage ist auch mit wem und in welchem Rahmen. Das Hauptrisiko der Piraten ist der Populismus, denn dem folgt ein Schwarm, bzw. eine Herde am liebsten.

    Antwort auf "Wo ist da die Vision?"
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    Menschen die sich für Liqiud Democracy entscheiden sind sich ihrer Verantwortung bewusst und somit können sie nicht als Herde wirken.

    (Populismus: http://de.wikipedia.org/wiki/Populismus

    "Populismus (lat.: populus, „Volk“) bezeichnet eine um „Nähe zum Volk“ bemühte Politik, die Unzufriedenheit, Ängste und aktuelle Konflikte ausdrückt oder instrumentalisiert, indem sie Gefühle anspricht und einfache Lösungen vorstellt.")

    Die Verantwortung ist es also, die ihnen erlaubt mit Vernunft
    und Diskussion eine Lösung zu finden und eben nicht auf eine populistische Meinung zu stimmen.

    "Das sieht man doch besonders deutlich in Foren, wie diesen? Wer hier eine Meinung vertritt, wird sich selten davon wegbewegen und darum wird es dann selten einen Konsens geben."

    Gerade in Foren kann man Leute gut überzeugen. Entwicklungen und Standpunktänderungen bekommt man allerdings oft nicht mit, unterschiedliche Aliase usw. aber es gibt imho nur extrem wenige Foristen, die über lange Zeiträume durch totale Faktenresistenz auffallen. Die wollen dann idR auch nicht diskutieren, sondern nur streiten, die sogenannten "Trolle".

    Herdenmenschen sehe ich eher in denjenigen, die immer noch glauben, Fernsehen, die Tagesschau und die Konzernmedien würden objektiv berichten und urteilen.

    Herdenmenschen sehe ich in denen, die meinen, eine Meinung wäre besser, nur weil sie von einem bezahlten Journalisten stammt. In denen, die eine Partei wählen, weil deren Umfragewerte angeblich gestiegen sind.

    Herdenmenschen sehe ich in denjenigen, die sich zu Massenevents begeben, um in eine Millionenmasse einzutauchen, ob beim Fußball oder Volksfesten. Platzangst und Hysterie garantiert.

    Schwarmintelligenz ist das Gegenteil von Herdenmenschentum. Es geht hier eben nicht darum, eine jubelnde Masse zu erzeugen mit Emotionen und Spaß-Events, um den Druck abzulassen. Arbeiten und Sparen ist eine so harte Leitkultur, dass das Bedürfnis nach FUN groß wird und abgeleitet werden muss.

    Es geht darum, Bildung und Intelligenz von vielen Einzelnen zusammen zu führen über konkrete Projekte, um die beste und rationalste Lösung zu finden - immer im Sinne des Allgemeinwohls. Und das sogar ohne Geld. Siehe das wunderbare System Linux. Vielleicht gelingt so ein Modell auch mal im Journalismus...

    wird, liegt daran, daß so viel Lust am reinen Bashen besteht.
    Ein warmherziger Dialog ist da sehr selten, auch, wenn es ihn immer einmal wieder gibt. Bloß wenn die Positionen grundverschieden sind,ist das natürlich kaum möglich. Schade nur, daß dann meistens sehr schnell unter die Gürtellinie gezielt (und getroffen)wird bis hin zur bewußten Angstmache.
    Das Volk ist leider auch nicht besser, als die Medien. Wäre ja auch erstaunlich. Was mich aber am meisten verstört in letzter Zeit ist nicht die Böswilligkeit allein,sondern ihre plumpe, extrem primitive Form! Ich meine z.B. die Nazi-und Esoterik-Keule, die auch noch vom Unwissendsten und Gedankenärmsten an den unpassendsten Stellen hervorgeholt wird und immer noch ihre Wirkung tun kann, egal, wie blödsinnig das in dem Moment ist. Zumindest kann einem dann die Lust zum Weiterargumentieren vergehen. Leider haben die Medien dagegen bis jetzt noch nichts unternommen, sondern tuten im Gegenteil auch noch mit ins gleiche Horn, siehe G.G.

  8. http://zmag.de/artikel/Verschwoerungsfreie-Konformitaet?searchterm=konformi
    " ... Journalisten fluten in die formende Struktur der Konzern-Medien des Mainstream hinein - u. wieder heraus. Denn wie wir bereits in früheren ‘Media Alerts’* (Medienalarm) dargelegt haben: Unsere Konzernmedien sind nunmal so strukturiert, dass sie die Interessen der Konzerne / des Staats schützen u. stützen. Und dazu ist kein Komplott, ja nicht mal offene Einflussnahme, vonnöten. Die Uniformität der Berichterstattung ist Resultat einer schlicht (naturgesetzlichen) Reaktion: ‘menschliche Natur’ in Verbindung mit ‘formender Struktur’ des Staats-Konzern-Kapitalismus: Journalisten mit der richtigen Einstellung, der richtigen Ziel- u. Prioritätensetzung hüpfen in die Pyramidenstruktur der Medien hinein u. “finden ihren Platz” darin, während die andern wieder hinaustreiben (bzw. hinausgetrieben werden).
    ... "

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    http://zmag.de/artikel/Verschwoerungsfreie-Konformitaet?searchterm=konformi

    " ... Das heißt andererseits nicht, dass der Mainstream keine abweichenden Meinungen zuläßt. Ganz im Gegenteil: das System lebt ja geradezu von seinem toleranten Image. Denn in einer Gesellschaft, die vorgibt, demokratisch zu sein, muss die Propaganda-Maschinerie gelegentlich auch mal abweichende Meinungen integrieren. Diese allerdings nur homöopathischen Wahrheitsdosen sollen quasi wie eine Impfspritze wirken: sie immunisieren die Öffentlichkeit, damit diese die engen Grenzen unserer Pressefreiheit nicht mehr wahrnimmt. So gesehen sind jene ehrlichen Artikel von Abweichlern, wie sie gelegentlich an die Oberfläche des Mainstream (des Hauptstroms des Presseflusses also) schwappen, ebenso entscheidend für ein geschmiertes Funktionieren der Propaganda-Maschinerie wie die große Masse an macht-affirmativen journalistischen Artikeln. Und so finden durchaus auch Dissidenten ihren Platz in der Pyramide (ein paar wenigstens) - was aber überhaupt nichts daran ändert, dass am Ende eine Medienlandschaft rauskommt, die die öffentliche Meinung so verformt, dass diese tendenziell eher den Zielen der Staats-/Konzern-Macht nützt. ... "

    • agffm1
    • 28. Mai 2012 19:24 Uhr

    Mal ganz ehrlich gefragt: Mussten Sie das sehr interessante Gespräch überhaupt zu Ende lesen, um dieses völlig verquaste Proseminaristen-Geschwurbel als Antwort zu posten? Foucault et al. würden sich zurecht im Grabe umdrehen bei diesem fahrlässigen und undifferenzierten Gerede von "Macht", "System", "Staatsmacht" und "Konzernmacht". Und wäre es Ihnen zuviel abverlangt, wenigstens ein paar eigene Gedanken dazu zu formulieren?
    Ich für meinen Teil fand, das war ein hervorragendes und gedankenreiches Gespräch zwischen drei klugen Leuten, die ihr mediales Handeln ernsthaft hinterfragen und reflektieren. Vielen Dank an die Zeit! Es wäre schön, an dieser Stelle ab und an mehr mediale Selbstreflexion zu finden - die Massenmedien neigen sonst dazu, ihre eigene Rolle und ihre Wirkung zu vernachlässigen.

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