Sammlung Gunter Sachs: Vermächtnis eines Playboys
In London kommt die Kunstsammlung von Gunter Sachs unter den Hammer. Dabei geht es vor allem um das große Geschäft.
© Sotheby's/Allen Jones "Chair", Executed in 1969

Die Skulptur "Chair" von Allen Jones aus dem Jahr 1969
Brigitte Bardot war »hypnotisiert«, als sie diesen Mann traf. Gunter Sachs sah gut aus, war vermögend, sportlich und originell. Ein Playboy von Beruf. »Er hat denselben Rolls wie ich«, schwärmte sie. »Gleiche Form, gleiche Farbe, alles gleich!« Außerdem hatte er Wohnungen in New York, Paris und St. Moritz. Er war mit den Kennedys befreundet und für seine legendären Partys bekannt. Die Göttin der Verführung erlag dem Halbgott der süßen Welt des Nichtstuns. »Ich bin vielen Männern begegnet«, sagte sie später, »ich bin von vielen geliebt worden und habe viele Passionen erlebt. Aber mit ihm setzte ich zu einem unvergleichlichen Höhenflug an.«
Sein Wohlstand kam aus der Industrie. Gunter Sachs war der Urenkel von Adam Opel, sein Vater hinterließ ihm den Autozulieferer Fichtel und Sachs. Und während das Wirtschaftswunder an den Fließbändern Westdeutschlands zusammengeschweißt wurde, nutzte Sachs sein Geld, um die gesellschaftlichen Veränderungen um ihn herum in einer einzigartigen Kunstsammlung widerzuspiegeln. »Von den Surrealisten über die Künstler des Neuen Realismus hin zur Popart und der Graffitikunst der Gegenwart, kaum eine Privatsammlung zeichnet den Wandel im Zeitgeist der westlichen Welt über fünfzig Jahre so gründlich nach«, sagt Cheyenne Westphal, Direktorin für zeitgenössische Kunst beim Auktionshaus Sotheby’s in London. Dort wurde ein Teil des Nachlasses diese Woche versteigert. »Ohne Frage eines der Highlights des Jahres auf dem internationalen Auktionskalender«, versichert Westphal am Abend der Vorbesichtigung in den Räumen des Auktionshauses.
In dieser Versteigerung kam Kunst unter den Hammer, deren kulturhistorischer Wert sich in Geld kaum ausdrücken lässt: Yves Kleins Les Feux de L’Enfer von 1961 (geschätzt auf 600.000 bis 840.000 Euro, verkauft für 1.166.440 Euro) war eines der ersten Werke der Konzeptkunst, die für die nächsten zwanzig Jahre den Kulturbetrieb bestimmte. Andy Warhols Siebdruck-Serien von Blumen (geschätzt auf 3,5 bis 4,7 Millionen Euro, verkauft für 4.651.160 Euro) oder von Mao Zedong (geschätzt auf 3,5 bis 6 Millionen Euro, verkauft für 2.002.780 Euro) gehören zu den ikonografischen Werken, die in jeder Studenten-WG der 68er-Generation als Poster an der Wand hingen. Ihre Schlachtrufe richteten sich gegen Kapitalmacht und Imperialismus.
Der Begründer des europäischen Jetset kam 1932 auf Schloss Mainberg in Bayern zur Welt. Er lernte Feinmechaniker und studierte Wirtschaft. Anstatt anschließend das Familienunternehmen zu leiten, wurde Sachs Galerist und Nachtclubbesitzer. Der Playboy wandelte sich zu einem international anerkannten Fotografen und Dokumentarfilmer, der auch viel Geld in die Erforschung der Astrologie steckte. Im Mai 2011 nahm er sich das Leben
Für die Studenten verkörperte der Playboy Gunter Sachs den Antihelden, und doch hatten sie eines mit ihm gemeinsam: Sie umgaben sich mit der Kunst ihrer Zeitgenossen. Sachs war eng mit Klein und dem Bildhauer César befreundet. Bei dem Schweizer Künstler Alberto Giacometti gab er mehrere Möbel für seine Pariser Wohnung in der Avenue Foch in Auftrag.
Um den Warhol-Porträts von sich selbst und Brigitte Bardot den richtigen Rahmen zu geben, ließ er die Wände im Eingang zu seinem Penthouse-Apartment im Palace Hotel in St. Moritz mit schwarzem PVC verkleiden. Roy Lichtenstein kreierte Composition speziell für das Schlafzimmer (geschätzt auf 720.000 bis 960.000 Euro, verkauft für 673.607 Euro), und Tom Wesselmann schuf Great American Nude (geschätzt auf 1,4 bis 2,16 Millionen Euro, verkauft für 2.142.160 Euro) für das Esszimmer. »Heute ist Kunst allgegenwärtig«, sagt Sotheby’s-Direktorin Westphal. »Zeitgenössische Kunst gibt es im Überfluss, und sie ist oft für wenig Geld zu haben. Im Europa der Nachkriegszeit aber war ein Sammler, der sich ausschließlich von seinem Sinn für Ästhetik leiten ließ und mit seiner Kunst lebte, absolut neu.«
Bei der Vorbesichtigung in der Londoner Bond Street war der Gang der Dinge schon zu erkennen. Die Kunstwerke sind aus dem Besitz eines Avantgardisten in die Hände von Eigentümern gelangt, die Kunst als Geldanlage begreifen: Auf Gunter Sachs folgen vor allem Russen, Inder, Amerikaner. So ist es immer. Eine Auktion ist das Ende der geschlossenen Sammlung, und als Spiegelbild einer Epoche werden die Werke nicht wieder zusammenkommen. »Bei der Auktion geht es nicht mehr darum, wofür Gunter Sachs stand und was er geschaffen hat. Dann geht es nur noch ums Geld«, sagt Westphal.
Für Sotheby’s hätte der Moment derweil nicht günstiger sein können. Die Stimmung an den Aktienmärkten als unruhig zu bezeichnen wäre untertrieben. Die Euro-Krise bedroht Aktienwerte in Milliardenhöhe, und es passt in so eine Zeit, dass Der Schrei des norwegischen Seelenmalers Edvard Munch gerade für 91,5 Millionen Dollar versteigert wurde. Es ist nun das teuerste Gemälde der Welt.
»Wer seine Millionen in Sicherheit bringen will, verabschiedet sich in Zeiten wie diesen vom Aktiengeschäft und sucht auf dem Kunstmarkt Zuflucht«, erklärt Sergej Skaterschikow von der Beratungsfirma Skate’s, die sich auf Anlagen auf dem Kunstmarkt spezialisiert. Wer in der Oberliga der postmodernen Kunst auf die richtigen Arbeiten setze, könne mit einer jährlichen Kapitalrendite von bis zu 12,3 Prozent rechnen. Im vergangenen Jahr versteigerten die größten Auktionshäuser weltweit Kunst im Wert von rund 46 Milliarden Euro. Das war fast so viel wie vor dem letzten Crash.
Sotheby’s eigene Aktie folgt dieser Entwicklung. Nach einem historischen Höchststand von 53 Dollar wenige Monate vor dem Bankenbeben im Jahr 2008 fiel sie binnen eines Jahres auf knapp sieben Dollar. Heute wird sie wieder für 33 Dollar gehandelt. Doch folgt der Kunstmarkt längst nicht mehr nur dem westlichen Wirtschaftszyklus. Hier, wie in jedem anderen Markt auch, haben die aufstrebenden Schwellenländer erheblichen Einfluss gewonnen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich entsprechend der Anteil der Sotheby’s-Niederlassung in Hongkong am Gesamtergebnis des Unternehmens auf fast 19 Prozent nahezu verdreifacht. 2011 setzte sie mehr als 156 Millionen Dollar um.
Der Galerist Jay Joplin, der Superstars wie Damien Hirst und Tracey Emin vertritt, hat eine Galerie in Hongkong, und Charles Saatchi, der einflussreichste Sammler zeitgenössischer Kunst, stellt gezielt Künstler aus Brasilien, Russland, Indien und China aus. Nicht dass gerade die Chinesen auf die Erfahrung oder das Geld westlicher Sammler angewiesen wären. Das Auktionshaus Beijing Poly setzte im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro um und stieg damit zur drittgrößten Firma des globalen Kunstmarkts auf.
»Chinas neue Reiche haben viel Cash und keine Erfahrung auf dem Kunstmarkt«, sagt ein Analyst aus Hongkong. »Für diese neue Schicht erfüllt Kunst lediglich den Traum von Luxus und Statussymbolen.« So kamen in kurzer Zeit Fantasiepreise für Werke zustande, die außerhalb Chinas so gut wie unbekannt sind. Der Berater Skaterschikow hat einen Index der erfolgreichsten Künstler – gemessen an den Auktionsergebnissen der vergangenen 25 Jahre – zusammengestellt. Auf dieser Liste, angeführt von Picasso und Monet, dicht gefolgt von Gerhard Richter und Egon Schiele, finden sich dreißig chinesische Maler und Bildhauer unter den Top 200. »Christie’s und Sotheby’s sind zwar noch unangefochten die Marktführer, aber spätestens seit Beijing Poly eine Filiale in New York eröffnet hat, haben die altehrwürdigen Häuser begriffen, dass China nicht nur ein lukrativer Markt ist. Von dort kommt auch ihr gefährlichster Konkurrent«, sagt Skaterschikow.
Umso wichtiger ist für Sotheby’s eine Auktion wie die der Sammlung Sachs. Am Abend der Vorbesichtigung schwärmten die Mitarbeiter aus, sie suchten den Kontakt zu ihren Kunden – sofern diese es zuließen.
Ein Inder, vielleicht Mitte dreißig, besichtigte lieber gezielt einzelne Auktionsposten. Seine Entourage, zwei Männer und eine Frau, folgte ihm in respektvollem Abstand. Vor einer Leinwand von Victor Vasarely blieb er stehen. Konzentriert betrachtete er die Quadrate in psychedelischen Blautönen, die in Kugeln aufgehen. Er drehte sich nach seinen Begleitern um und fragte sie leise um Rat. Ins Gespräch ließ er sich nicht verwickeln. Das Werk Cheyt-Striwar auf 96.000 bis 144.000 Euro geschätzt. »Ist es das wert?«, fragte er nur, drehte sich um und ging weiter.
An einer anderen Ecke standen vier Amerikaner, Männer in karierten Sakkos und mit schlohweißem Haar, über den Katalog gebeugt. »Wir haben alles gesehen«, verkündete einer von ihnen. Ein anderer antwortete: »Das dürfte eine ziemliche Bieterschlacht geben.« Das Gesamtergebnis des Abends lag bei 36,6 Millionen Pfund, umgerechnet über 44 Millionen Euro.








dass die Sammlung nun so auseinander gerissen worden ist. Und überhaupt: warum? Wieso wurden die Werke der Sammlung überhaupt versteigert? Gab es keine Überlegung, sie in ein Museum zu überführen? Das hätte meiner Ansicht nach mehr Sinn gemacht (wenn auch wahrscheinlich nicht vom Finanziellen her, so aber doch vom Ideellen her gesehen).
was Sie schreiben-bei den Steuergeldverschwendungen wäre es doch wohl als Sammlung in einer deutschen Stadt der "Burner" gewesen um Publikum anzuziehen das auch mal interessante Kunst betrachten möchte-doch Persönlichkeiten, wie der Vorbesitzer ja zweifelhaft eine war, die eine solche Entscheidung treffen und durchführen gibt es ja leider nicht mehr-
was Sie schreiben-bei den Steuergeldverschwendungen wäre es doch wohl als Sammlung in einer deutschen Stadt der "Burner" gewesen um Publikum anzuziehen das auch mal interessante Kunst betrachten möchte-doch Persönlichkeiten, wie der Vorbesitzer ja zweifelhaft eine war, die eine solche Entscheidung treffen und durchführen gibt es ja leider nicht mehr-
was Sie schreiben-bei den Steuergeldverschwendungen wäre es doch wohl als Sammlung in einer deutschen Stadt der "Burner" gewesen um Publikum anzuziehen das auch mal interessante Kunst betrachten möchte-doch Persönlichkeiten, wie der Vorbesitzer ja zweifelhaft eine war, die eine solche Entscheidung treffen und durchführen gibt es ja leider nicht mehr-
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