Über Gärten wird viel gelogen. Fällt tatsächlich morgens wie abends ein Blick voller Frieden und Genugtuung auf die grünende Flur, den schwertragenden Kirschbaum und die üppig duftenden Rosen? Erkennt nicht in Wahrheit der Gärtner schon vom Schlafzimmerfenster aus, dass die Stare wieder die Kirschen gefressen, Mehltau und Blattläuse die Rosen zum Welken gebracht, Moos und Löwenzahn den Rasen durchsetzt haben? Sitzt er nicht auf der abendlichen Terrasse, von Mücken zerstochen, allein deshalb, weil der Rasensprenger versetzt werden muss, der am Ende nur das Moos frisch hält und die Stauden für die Schnecken appetitlicher macht?

Gärten bleiben niemals die Rückzugsidylle, von der die Magazine fabeln , sie sind keine Quelle der Entspannung, sondern harter Arbeit und täglicher Frustration, sie müssen gejätet, gegossen, beschnitten und bepflanzt werden, und am Ende war der Boden doch nicht geeignet für das Tränende Herz, die Azalee oder auch nur den ordinären Flieder, von denen man träumte. Und wenn der Boden geeignet war, dann waren es der Schatten nicht oder die Sonne oder die ringsum noch wuchernden oder kümmernden Sträucher.

Denn Pflanzen sind nicht lieb zueinander, sie gönnen sich weder Licht noch Raum, noch Wasser. Wer in der Natur Erlösung von der Konkurrenzgesellschaft des Büros sucht, trifft in seinem Garten auf den schlimmsten, nämlich ursprünglichen Darwinismus. Das Moos ist der geborene Feind des Grases, wem sein Rasen lieb ist, kann kein Pazifist bleiben. Er braucht Chemie oder schweres Gerät, und der lärmende Vertikutierer wird schnell zeigen, wie viel Moos, nämlich mehr als gedacht, im Rasen war: Es bleibt eine braune Fläche zurück, die das schüchterne Gras erst Monate später wieder besiedelt. Ein Garten kurzum, mit Ehrgeiz betrieben, ist ein Kampfplatz – und ohne Ehrgeiz betrieben bald kein Garten mehr.

Es ist nämlich nicht so, dass entspanntes Gewährenlassen schließlich ein harmonisches Gleichgewicht erzeugt. Von der Abrüstung profitieren immer nur Giersch, Brennessel oder ein unklug eingeschleppter Bambus, sie fressen den Garten, wie es nicht einmal die skrupellose Schnecke kann, und selbst der ungespritzte Apfelbaum produziert nur Früchte, die der Monilia-Pilz zersetzt hat, braune Bomben, die mit einem unguten Geräusch auf dem Boden zerplatzen. Wer Ruhe sucht, ist mit einem Garten schlecht beraten . Es handelt sich um eine Herausforderung, die Glücksmomente kennt, aber keinen Frieden.