Ein Garten ist nicht Kunst und nicht Natur, er ist ein spannungsvolles Dazwischen
Was sich schon bei Cato, Virgil oder Plinius nachlesen lässt, scheinen auch die Büromenschen von heute zu empfinden: Wer in der Erde herumwühlt, wer etwas anbaut, etwas kultiviert, der wird rasch merken, das sich nicht nur ein Stück Land, sondern auch ein Stück seiner selbst verändert. Er spürt, wie sich seine Sinne schärfen und sein Verhältnis zur Welt ein anderes wird.
Geduld zum Beispiel: In einer hektischen Zeit, in der alles machbar und alles verfügbar zu sein hat, nicht zuletzt das eigene Ich, in einer solchen Zeit vergräbt man eine Tulpenzwiebel. Und ganz gleich, wie oft man nun gießt, wie sehr man sie düngt, die Zwiebel lässt sich nicht zwingen. Sie sprießt, wenn es ihr gefällt. Und der Gartenmensch steht wartend daneben und ist heiter erstaunt: über diese blühende Form der Unverfügbarkeit.
Oder Demut: Wie großartig ist es, im eigenen Garten eine Art Weltgemeinschaft heranzuziehen – mit Azaleen aus Asien, afrikanischem Lampenputzergras, mit Waldphlox aus Amerika. Denn wer sich einmal hineinbegibt in die unendliche Fülle der Sorten und Arten, auch der findet aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er steht vor einem Reichtum, den er nicht verdient und nicht geschaffen hat.
Ein Garten ist nicht Kunst und nicht Natur, er ist ein spannungsvolles Dazwischen. Nie weiß der Gärtner, ob er es ist, der seinen Flecken Erde beherrscht. Oder doch umgekehrt.
Hier findet eine Gesellschaft, die es mehr denn je nach kreativem, selbstbestimmtem Tun drängt, einen Ort, um sich gestaltend auszuleben. Hier kann jeder aus unzähligen Formen und Farben ein dreidimensionales Bild entwerfen. Doch wird der Garten stets ein fremdes Gegenüber bleiben, immer anders, als es sich der Gärtner vorstellte. Schon weil hier der Wille des Menschen auf den Willen der Blattlaus oder des Dickmaulrüsslers trifft.
So liegt der Gärtner am Ende des Tages ermattet auf dem Sofa: Er hat sich in Gelassenheit geübt, auch in Langmut, in Beharrlichkeit und Toleranz, was bleibt ihm nun? Ihm bleibt die Hoffnung auf den nächsten Tag, das nächste Jahr. Egal, ob die Schnecken den Rittersporn schon wieder zernagt haben, ob die Dahlien verhagelt und die Kirschen verwurmt sind – der Gärtner lebt in Erwartung. Anders als der Fetisch namens Wachstum, dem die Ökonomen huldigen, obwohl doch jeder weiß, dass Wachstum nicht glücklich macht, anders also als dieser Fetisch ist der wachsende Garten immer noch ein Versprechen. Hier keimt der Glaube an neue, üppige Blüten und reiche Ernte. Hier gedeiht die Lust daran, sich auszumalen, was noch nicht ist. Und so freut sich der Gärter, wie er so daliegt, von Bremsen zerbissen, die Finger wund, schon auf den nächsten Morgen.
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Göring-Eckardt: Eine Zeitschrift, die 2005 gegründet wurde, hat heute eine verkaufte Auflage von rund einer Million.
Schirrmacher: Landlust.
Göring-Eckardt: Das ist Biedermeier, das passt nicht zu Ihrer Krisendiagnose.
Schirrmacher: Doch, das passt total. Die erste Generation, die in ihrer Jugend die gesamte Welt gesehen hat, ist erwachsen geworden. Jetzt geht sie zurück in den Garten.
Mari o: Natuuuur,heitere Empfindungen bei der Ankunft aufm Land
Kompetenzkompensationskompetenz.Wir sind alle überfordert
mfg
wenn man an der Spielkonsole ballert, statt in den Garten zu gehen?
Nordic Walking
Extreme Free Climbing
Mountainbiking
Downhill Biking
Powerwalking
Fitnessstudio
Freibad
Wandern
Zelten
Grillen
Schrebergärtnern
Fernsehgucken
SUV fahren
coolen britischen Vintage Sportwagen fahren
Bücher lesen
Chillen
Komasaufen
(kann endlos fortgesetzt werden)
Wat dem een sin Goarten is den annern sin Eskapismus.
wenn man an der Spielkonsole ballert, statt in den Garten zu gehen?
Nordic Walking
Extreme Free Climbing
Mountainbiking
Downhill Biking
Powerwalking
Fitnessstudio
Freibad
Wandern
Zelten
Grillen
Schrebergärtnern
Fernsehgucken
SUV fahren
coolen britischen Vintage Sportwagen fahren
Bücher lesen
Chillen
Komasaufen
(kann endlos fortgesetzt werden)
Wat dem een sin Goarten is den annern sin Eskapismus.
habe ich dem Giersch den "Garaus" gemacht...die Nacktschnecken hatten dort ihre Kinderstuben.
Aber es bleiben jede Menge deutscher "Unkräuter"
stehen, auch Brennesseln, als Bodendecker unter
Hochstämmen, zum Rondell in Form geschnitten und
eine wahre Wohltat für Raupen und Insekten aller
Art.
Die Herausforderung heutzutage heißt Ästhetik im
Zusammenklang von Formen,Farben,Düften von Pflanzen
und der Lebendigkeit, die erst durch die kleinen
und großen Bewohner der Gartenbereiche entsteht.
Einen kleinen "paradiesähnlichen" Bereich zu schaffen,
in dem Pflanzen, Insekten,Vögel,Amphibien,Reptilien
und kleinere Säugetiere leben.
Einen bis dato phantasielos angelegten Garten
mit Hecke, Rasen und einigen Stauden in ein
ästhetisch befriedigendes Habitat zurück
zu verwandeln....eine wundervolle Aufgabe.
Schmerzender Rücken, morgenliche Schneckensammelaktionen,
schlaflose Nächte bei Erwartung von starken Spätfrösten,
Nematodengiessen gegen Dickmaulrüssler....das alles wird
sofort unwichtig, wenn sich jetzt das grüne Bild zunehmend
mit wunderschönen Blüten zu schmücken beginnt.
Und unbekannte Schmetterlinge und andere Insekten als
Gäste grüßen.....
und es ist gut, sich hinundwieder von den brutalen
Realitäten zurückziehen zu können.
Man kann Zynismus und Gewalt in unserer Welt
gar nicht ertragen, wenn man nicht auch
Balance und Schönheit unmittelbar erfährt.
Für viele Menschen, mich eingeschlossen, verhindert
dieser gelegentliche "Eskapismus" ein Abgleiten in
Resignation oder Aggressivität gegenüber denjenigen,
die in unserer Welt unentwegt Unheil anrichten...
an anderen Menschen und an unserer Natur.
Garten...er "erdet" im wahrsten Sinne des Wortes.
Garten ist etwas Großartiges. Hoffentlich hat der Artikel recht und die ewige Rasenfläche plus vermurkstem Kirschlorbeer und einer dahinsiechenden Rose sind bald Geschichte. Ganz ekelhaft ist ja der Trend, sich seinen Vorgarten mit scharfkantigen, grauen Steinbrocken zuzuschütten, dahinein ein oder zwei Granitstehlen und einen verkümmerten, weinroten Miniahorn. Die Eigentümer dieser Umweltverbrechen wissen gar nicht, was ihnen tolles entgeht! An solchen Häusern möchte ich am liebsten klingeln: "Hallo! Wagen Sie mal was! Wie wärs mit einer Malve oder einem Speisekürbis!"
Gartenarbeit ist einfach das allerschönste. Mit dem Katalog in der Hand im Winter fürs Frühjahr planen. Zwiebeln stecken. Bäume pflanzen. Samenmischung namens "Hummelglück" ins Beet streuen. Selbstgezogene Tomaten vom Strauch zupfen. Gartenarbeit hat etwas meditatives: Stumm vor sich hinarbeiten, mit sichtbaren Ergebnissen und dem Gefühl, wirklich etwas zu erschaffen. "Pflanzen geben ehrliches Feedback", sagte heute morgen ein Kollege zu mir.
Mein erster selbst geschnittener Apfelbaum! Die neuen Blätter der empfindlichen Magnolie, die den Winter überstanden hat. Blau glotzende Clematis, die zu mir herunterlugt. Die blaßgelben Tulpenblüten von den Zwiebeln, die ich im Herbst gesteckt habe. Das sind wahre Glücksbringer.
´habe die Lektüre genossen, Zustimmung.
ps.
Ich habe aber keinen Garten, sondern einen Balkon, auf dem ich z.Zt. viel Lavendel und Buchsbäume sowie ein paar Blümchen habe. Z.Zt. beobachte ich vermehrt jene kl. roten und flinken Winzlinge. Haben Sie ´ne Idee, was man dagegen tun kann, ohne auf die gr. chemische Keule zuzugreifen?
"Ganz ekelhaft ist ja der Trend, sich seinen Vorgarten mit scharfkantigen, grauen Steinbrocken zuzuschütten, dahinein ein oder zwei Granitstehlen und einen verkümmerten, weinroten Miniahorn....Gartenarbeit ist einfach das allerschönste. Mit dem Katalog in der Hand im Winter fürs Frühjahr planen."
Natürlich ist der eigene Garten wiederum nicht ohne bildungsbürgerliche Distinktion zu verteidigen.
"Einfach ekelhaft" - finde ich persönlich, wenn sogar beim Garten das eigene Bessermenschentum durch Verachtung für den Garten nebenan einhergehen muss ( und damit zufälligerweise ganz konform mit dem je neuen Trend("Umweltverbrechen Miniahorn - und was stattdessen: Malve und Kürbis...").
Gibt es eigentlich einen größeren Spießer als den, der heute noch, wo man doch wirklich in jedem kleinen Dorf weiß, dass die Geschmäcker verschieden sind und wir den Moden nicht entkommen, die Welt, die ihm nicht gefällt, als "spießig" tadelt...?
´habe die Lektüre genossen, Zustimmung.
ps.
Ich habe aber keinen Garten, sondern einen Balkon, auf dem ich z.Zt. viel Lavendel und Buchsbäume sowie ein paar Blümchen habe. Z.Zt. beobachte ich vermehrt jene kl. roten und flinken Winzlinge. Haben Sie ´ne Idee, was man dagegen tun kann, ohne auf die gr. chemische Keule zuzugreifen?
"Ganz ekelhaft ist ja der Trend, sich seinen Vorgarten mit scharfkantigen, grauen Steinbrocken zuzuschütten, dahinein ein oder zwei Granitstehlen und einen verkümmerten, weinroten Miniahorn....Gartenarbeit ist einfach das allerschönste. Mit dem Katalog in der Hand im Winter fürs Frühjahr planen."
Natürlich ist der eigene Garten wiederum nicht ohne bildungsbürgerliche Distinktion zu verteidigen.
"Einfach ekelhaft" - finde ich persönlich, wenn sogar beim Garten das eigene Bessermenschentum durch Verachtung für den Garten nebenan einhergehen muss ( und damit zufälligerweise ganz konform mit dem je neuen Trend("Umweltverbrechen Miniahorn - und was stattdessen: Malve und Kürbis...").
Gibt es eigentlich einen größeren Spießer als den, der heute noch, wo man doch wirklich in jedem kleinen Dorf weiß, dass die Geschmäcker verschieden sind und wir den Moden nicht entkommen, die Welt, die ihm nicht gefällt, als "spießig" tadelt...?
´habe die Lektüre genossen, Zustimmung.
ps.
Ich habe aber keinen Garten, sondern einen Balkon, auf dem ich z.Zt. viel Lavendel und Buchsbäume sowie ein paar Blümchen habe. Z.Zt. beobachte ich vermehrt jene kl. roten und flinken Winzlinge. Haben Sie ´ne Idee, was man dagegen tun kann, ohne auf die gr. chemische Keule zuzugreifen?
Viele Jahre fühlte ich mich stets ausgebrannt und hetzte von einem Kundentermin zum anderen. In meiner Freizeit machte ich viel Sport, aber auch dies verschaffte mir keine vollständige Zufriedenheit. Irgendwann habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was mich als Mensch ausmacht und bin zu folgendem Schluss gekommen:
Der Mensch (homo sapiens) durchlief zwei unterschiedliche Evolutionen. Die Biologische und die Gesellschaftliche. Biologisch sind wir im großen und ganzen vor ca. 200.000 Jahren stehen geblieben. Kulturell, gesellschaftlich und technologisch machen wir unheimliche Fortschritte. Der exponentiellen Entwicklung auf technischer und gesellschaftlicher Seite kann die biologische Seite nicht folgen.
In uns sitzt also ein kleiner wilder homo sapiens, der am liebsten den ganzen Tag Jagend, Pflanzen und Sammeln möchte. Wir gehen aber jeden Tag in die Arbeit (eine die nicht jeder von uns mag), wir sind immer und überall erreichbar und können mit der ganzen Welt kommunizieren. Die Medien versorgen uns jeden Tag mit Krisenmeldungen und Milliardensummen, Systemen und komplexen Gebilden, die der kleine homo sapiens gar nicht mehr verstehen kann.
Das tragische ist, wir sind von Natur so veranlagt alles verstehen zu wollen. Ich habe dann angefangen einen Garten zu pflegen und gemerkt, wie ich buchstäblich "geerdet" wurde. Es ist die ultimative Rückbesinnung auf die Natur in uns. Ein kleiner überschaubarer und verständlicher Mikrokosmos in einer komplexen turbulenten Welt.
Ein russischer Kosmonaut wurde gefragt,wann er sich aus dem Weltraum kommend,wieder zu Hause fühlt.
Antwort:Wenn durch die kleine Seitenluke des Raumschiffs die Luft herein kommt und er den Duft der Erde riecht,ist er zu Hause.
einen Sinn hat der Vergleich mit dem digitalen Zeitalter?
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