Deutsche BankAckermanns Wahrheit

Der umstrittenste und erfolgreichste Banker Europas geht. Zu Besuch bei einem, der alles noch einmal genauso machen würde. Na ja, fast alles.

Als kleiner Junge im Schweizer Örtchen Mels wollte der Seppi Arzt werden, wie sein Vater. Als er zwölf war, bewunderten er und seine Freunde den neuen amerikanischen Präsidenten Kennedy. Alle wollten sie jetzt Politiker werden, er ganz besonders. Jura würde er studieren. Später stellte er fest, dass er so manches nicht verstehen konnte, was in der Zeitung stand. Jura würde ihm dabei nicht helfen. Er studierte also lieber Wirtschaft im nahe gelegenen St. Gallen und war so gut darin, dass ihn der berühmte Professor Binswanger als seinen Assistenten anheuerte. Seine Doktorarbeit schrieb er darüber, welchen Einfluss das Geldsystem auf die Wirtschaft hat. Als er fertig war, wollte er für kurze Zeit bei einer großen Bank arbeiten, um zu sehen, wie das mit dem Geld im echten Geschäftsleben funktioniert. Ein Praktikum in der Wirklichkeit. Es dauerte 37 Jahre, und nächste Woche geht es zu Ende.

Aus dem Seppi wurde der Joe, und der verlässt am 31. Mai 2012 die Deutsche Bank. Zehn Jahre lang war er der Chef am Main, als Vorsitzender des Weltbankenverbandes reichte sein Einfluss weit darüber hinaus. Die Frage ist, was bleibt. Wird er der Bank, wird er vielleicht sogar dem Land fehlen?

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Vom gierigen Banker zum großen Krisenretter und wieder zurück: Sosehr sein Image schwankte, immer verkörperte er für die Deutschen den aktuellen Stand des Kapitalismus. Nicht Dieter Zetsche von Daimler oder Peter Löscher von Siemens, er. Erst wollte er das nicht wahrhaben und folgte dem Rat eines Wegbegleiters, das deutsche Geschehen gar nicht zu kommentieren, bis alle fragten, wo denn bitte die Stimme der Deutschen Bank bleibe.

Seither hallt diese Stimme durch ein Land, das, wie es Josef Ackermann öfter anklingen ließ, ein gestörtes Verhältnis zu seinen Leistungsträgern habe. Der frühe Ackermann baut Stellen ab, schraubt das Gewinnziel auf 25 Prozent des Eigenkapitals, wird selbst zum Rekordverdiener unter den Chefs – und trifft damit die Deutschen an ihrer reizbaren Stelle. Seine Investmentbanker verdienten noch viel mehr, antwortet er und verstärkt die Abneigung noch. Man muss nur das seit der Momentaufnahme im Mannesmann-Prozess notorische Victoryzeichen machen, und alle Anwesenden stöhnen: Ackermann.

Es folgt die Krise, und obwohl die »Ackermänner« sie doch verursacht haben, erhält seine Stimme neues Gewicht. Wenn überhaupt noch einer weiß, wie’s geht, dann er. Er hilft, marode deutsche Banken zu retten, und hievt Griechenland zweimal über die Hürde. Doch ein falscher Satz von ihm, wie der, Staatshilfe würde er bestimmt nicht annehmen, igitt, und er ist wieder der Schurke. So ist es bis heute, der neue Respekt und die alte Skepsis mischen sich zu einem jederzeit absturzbereiten Verhältnis.

Erörtern möchte man mit Ackermann, ob ihm das gerecht wird. Und umgekehrt, ob es das wert war: der zusätzliche Gewinn, das Rekordsalär, die coolen Kapitalistensprüche, die Kränkungen der deutschen Seele. Erfahren möchte man seine Wahrheit.

Frankfurt am Main an einem Abend im Mai. Ein Treffen mit der ZEIT steht an. Josef Ackermann steigt aus der schwarzen S-Klasse, pünktlich und gut gelaunt. Gestern Abend am Bosporus hat er noch lange mit dem türkischen Vizepremier Ali Babacan gefachsimpelt. Morgen geht es weiter nach London, dann Hongkong oder so, Ackermann gibt gerne zu, dass er dieses globale Leben liebt. Spannende Leute treffen. Mittendrin sein im großen Spiel. Andere macht das fertig, ihn mit seinen 64 Jahren spornt es an.

Leser-Kommentare
  1. 1. dieser

    Schweizer ist wohl der erfolgreichste und einflußreichste Bänker der Welt gewesen-hätte er alles anders gemacht hätten wir vielleicht nur noch eine Deutsche Bank die ähnlich der Commerzbank dem deutschen Staat gehören würde, dafür gebührt im Lob auch wenn viele Kleinanleger etc. dabei auf der Strecke geblieben sind-mal schauen wie seine Nachfolger jetzt mit der Deutschen Bank umgehen.

    • Gerd R
    • 30.05.2012 um 15:23 Uhr

    ich habe starke Zweifel, dass dieser Banker in der Zukunft als "Krisenretter" bezeichnet werden wird. Für ein abschliessendes Urteil ist es sicher viel zu früh, da wir noch mitten in der (Banken-)Krise sind. Bezeichnend ist wohl eher ein anderer Vergleich: während die Chefs der deutschen Bank früher in erster Linie das Wohl des Staates im Auge hatten, wenn sie ins Kanzleramt gingen um die Staatsspitze zu beraten, hatte Ackermann vor allem das Wohl der deutschen Bank im Auge.

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    • CM
    • 30.05.2012 um 15:34 Uhr

    Hat eigentlich Ackermann die Bank so geformt, daß sie sich auch unfair und unredlich auf Kosten anderer bereichert?

    Oder hat man ihn damals als Manager eingestellt, weil man jemanden wollte, der störenden Anstand gar nicht erst mitbringt?

    Auch letzteres würde ihn nicht von seiner persönlichen Verantwortung entbinden, die unanständigste deutsche Großbank noch ein bißchen unanständiger gemacht zu haben.

    http://www.glocalist.com/...

    3 Leser-Empfehlungen
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    • Afa81
    • 30.05.2012 um 16:25 Uhr

    ...Geschäfte der Deutschen Bank übernehmen.

    Man hätte auch auf Ackermann verzichten können. Dann wäre die Deutsche Bank um die Jahrtausendwende sicher von einer US Großbank im Vorbeilaufen eingeatmet worden.
    Dann hätten wir garkeine Kontrolle mehr über unsere größte Bank.
    Und das die Deutsche Bank der größte Geldgeber von Krauss Maffai ist, finde ich an sich nicht unmoralisch. Dann ist auch meine Frau, die bei der Deutschen Bank ist unmoralisch. Und vielleicht sogar noch ihr Arbeitgeber, der ihr das Geld auf dieses Konto überweist. Wenn man jemanden nieder machen will, muss man einfach nur die Anzahl der Ecken, um die man argumentiert, erhöhen - irgendwann "klappts".
    Den Verkauf von Waffen hat nicht die Deutsche Bank zu regeln, sondern die Politik. Und eine Bank muss sich auch nach bekanntwerden unangenehmer Meldungen wie z.B. den Verkauf von Leo 2 Panzern an Saudi Arabien an ihre Verträge halten. Da ist es nicht so einfach wie bei dem von Ihnen geposteten "Zivilgesellschaftliche Bündnis" - Worte sind einfach schneller und leichter als Verträge.
    Klar, die Deutsche Bank hat ihre Schattenseiten. Meines Wissens hat man sich trotz Ankündigung nicht aus der Finanzierung der Herstellung von Streumunition zurückgezogen. Aber der von Ihnen gepostete Text - das
    riecht schon sehr nach den Werk einer Arbeitsgruppe die unbedingt was finden wollte - das nennt man Enthusiasten.

    • Afa81
    • 30.05.2012 um 16:25 Uhr

    ...Geschäfte der Deutschen Bank übernehmen.

    Man hätte auch auf Ackermann verzichten können. Dann wäre die Deutsche Bank um die Jahrtausendwende sicher von einer US Großbank im Vorbeilaufen eingeatmet worden.
    Dann hätten wir garkeine Kontrolle mehr über unsere größte Bank.
    Und das die Deutsche Bank der größte Geldgeber von Krauss Maffai ist, finde ich an sich nicht unmoralisch. Dann ist auch meine Frau, die bei der Deutschen Bank ist unmoralisch. Und vielleicht sogar noch ihr Arbeitgeber, der ihr das Geld auf dieses Konto überweist. Wenn man jemanden nieder machen will, muss man einfach nur die Anzahl der Ecken, um die man argumentiert, erhöhen - irgendwann "klappts".
    Den Verkauf von Waffen hat nicht die Deutsche Bank zu regeln, sondern die Politik. Und eine Bank muss sich auch nach bekanntwerden unangenehmer Meldungen wie z.B. den Verkauf von Leo 2 Panzern an Saudi Arabien an ihre Verträge halten. Da ist es nicht so einfach wie bei dem von Ihnen geposteten "Zivilgesellschaftliche Bündnis" - Worte sind einfach schneller und leichter als Verträge.
    Klar, die Deutsche Bank hat ihre Schattenseiten. Meines Wissens hat man sich trotz Ankündigung nicht aus der Finanzierung der Herstellung von Streumunition zurückgezogen. Aber der von Ihnen gepostete Text - das
    riecht schon sehr nach den Werk einer Arbeitsgruppe die unbedingt was finden wollte - das nennt man Enthusiasten.

    • Meykos
    • 30.05.2012 um 16:00 Uhr

    Prof. Harald Lesch zum perfekten Geldvermehren:

    http://www.youtube.com/wa...

    Eine Leser-Empfehlung
    • Afa81
    • 30.05.2012 um 16:12 Uhr

    Der Schurke ist der, der macht.
    Der Held ist der, der vorgibt, alles besser machen
    zu können, würde man ihn nur lassen. So war es immer, ist es und wird es wohl auch immer sein - vor allem in der Politik. Da sind die guten Jungs auch immer die, die WÜRDEN, wenn sie nur DÜRFTEN.

    Die Geschichte hat gezeigt, dass sollten die jenigen, die
    meinen, dass sie alles besser machen würden dann an die
    Macht kommen, ganz schnell zu noch größeren Schurken wurden.
    Denn auf einmal merkte man, dass die Welt doch etwas komplexer ist als ein Strategiespiel ala Civilisation, wo man einfach mal den Regler für Bildung von 5 auf 7 schiebt und schon werden die Ingenieure 3 Runden eher fertig.

    Ich erinnere mich da an eine Karikatur von Edmund Stoiber,
    nach der verlorenen Wahl 2002. Er saß auf einer Wolke und rief runter: "Ich würde alles besser machen..." - in einer Gedankenblase stand: "...und Gott sei Dank muss ich es nicht beweisen".

    2 Leser-Empfehlungen
    • mmzz
    • 30.05.2012 um 16:13 Uhr

    .
    ...auf mehr als eine Regierung genommen hat, zum Vorteil der Aktionäre, zum Nachteil ganzer Volkswirtschaften und zu Lasten seiner ca. 10.000 entlassener Mitarbeiter in Zeiten von Ertragssteigerungen, würde Alles wieder so machen?

    Jemand der nachweislich, weil einmal zuwenig um die Ecke, Streubomben finanziert, würde Alles wieder so machen?

    Jemand der auf Lebensmittel spekuliert, die Einstellung dieser Geschäfte auf öffentlichen Druck verspricht, aber trozdem munter weiter spekuliert, würde Alles wieder so machen?

    Jemand der 60 Mio. DM veruntreut hat, würde Alles wieder so machen?

    Jemand der 3.600 Emails durch die "Chinese Wall" zu verantworten hat, würde Alles wieder so machen?

    Das ist das Denken einen Parasiten, der seinen Wirt als Gott geben erachtet.

    *Gemeint ist die Beteiligung an den Gesprächen zur "Griechenland- Rettung"

    2 Leser-Empfehlungen
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    • mmzz
    • 30.05.2012 um 16:31 Uhr

    ...seinen Wirt als Gott "ge"geben erachtet.

    • mmzz
    • 30.05.2012 um 16:31 Uhr

    ...seinen Wirt als Gott "ge"geben erachtet.

    • Afa81
    • 30.05.2012 um 16:25 Uhr

    ...Geschäfte der Deutschen Bank übernehmen.

    Man hätte auch auf Ackermann verzichten können. Dann wäre die Deutsche Bank um die Jahrtausendwende sicher von einer US Großbank im Vorbeilaufen eingeatmet worden.
    Dann hätten wir garkeine Kontrolle mehr über unsere größte Bank.
    Und das die Deutsche Bank der größte Geldgeber von Krauss Maffai ist, finde ich an sich nicht unmoralisch. Dann ist auch meine Frau, die bei der Deutschen Bank ist unmoralisch. Und vielleicht sogar noch ihr Arbeitgeber, der ihr das Geld auf dieses Konto überweist. Wenn man jemanden nieder machen will, muss man einfach nur die Anzahl der Ecken, um die man argumentiert, erhöhen - irgendwann "klappts".
    Den Verkauf von Waffen hat nicht die Deutsche Bank zu regeln, sondern die Politik. Und eine Bank muss sich auch nach bekanntwerden unangenehmer Meldungen wie z.B. den Verkauf von Leo 2 Panzern an Saudi Arabien an ihre Verträge halten. Da ist es nicht so einfach wie bei dem von Ihnen geposteten "Zivilgesellschaftliche Bündnis" - Worte sind einfach schneller und leichter als Verträge.
    Klar, die Deutsche Bank hat ihre Schattenseiten. Meines Wissens hat man sich trotz Ankündigung nicht aus der Finanzierung der Herstellung von Streumunition zurückgezogen. Aber der von Ihnen gepostete Text - das
    riecht schon sehr nach den Werk einer Arbeitsgruppe die unbedingt was finden wollte - das nennt man Enthusiasten.

    Antwort auf "Vom Anstand"
    • mmzz
    • 30.05.2012 um 16:31 Uhr

    ...seinen Wirt als Gott "ge"geben erachtet.

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