NetworkingKarriere-Beschleuniger

Netzwerke müssen locker geknüpft sein. So wie in der Berliner Gründerszene von Sophie Crocoll

Einmal im Jahr trifft sich eine Gruppe führender Manager zum Wandern. Der frühere Chef der Lufthansa, Jürgen Weber, ist dabei, und der Adidas-Vorstandsvorsitzende Herbert Hainer. Morgens machen sie Bergtouren, nachmittags diskutieren sie. Gegründet wurde die Runde von Herbert Henzler, dem ehemaligen Chef der Unternehmensberatung McKinsey in Deutschland. Früher haben die Manager auch mal auf einer Hütte im Vierbettzimmer übernachtet. Inzwischen ziehen sie bei ihren Ausflügen den Gasthof vor. Netzwerken sei »nicht Mittel zum Zweck, sondern eine Haltung im Leben«, schreibt Henzler in seiner Biografie. Nach diesem Prinzip lebt er. Und so funktioniert auch seine Seilschaft.

Ob es Alumni-Gruppen, Unternehmerverbände oder Karriereportale wie Xing und LinkedIn sind: Menschen treten Netzwerken bei, um Kontakte zu knüpfen oder weil sie hoffen, ihre Karriere voranzubringen. Es gehe nicht, ohne die richtigen Leute zu kennen, glauben sie – und verbringen viel Zeit auf Branchentreffen oder im Internet, auf der Suche nach Kontakten und in dem Bemühen, in Erinnerung zu bleiben. Aber was bringen Netzwerke ihren Mitgliedern wirklich?

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Michael Koenig vom Institut für Wirtschaftspolitik-Forschung an der Universität Stanford hat Netzwerke von Firmengründern, Unternehmen und Staaten untersucht. Koenig kommt zu dem Ergebnis: Es zahlen sich gerade die Netzwerke aus, über die ein Einzelner im Vorfeld am wenigsten weiß – und wo Verbindungen somit eher durch Zufall als aus Berechnung geschlossen werden.

Wer nichts erwartet, knüpft erfolgreichere Netzwerke

Der Sinn eines Netzwerks ist klar: Jeder Mensch hat ein bestimmtes Wissen, das auch für andere von Nutzen sein kann. In einem Netzwerk wird dieses Wissen zugänglich – entweder weil man direkt miteinander in Kontakt steht oder weil Informationen, die andere haben, innerhalb des Netzwerks für alle verfügbar sind. Koenig entwirft zwei Szenarien. Er sagt: Wer sich gezielt informiert und viel über ein Netzwerk und die einzelnen Mitglieder weiß, wählt oft Verbindungen zu denen, die bereits zahlreiche Kontakte pflegen – und damit einen ganzen Pool an Wissen versprechen. So entstehen stark zentralisierte Netzwerke: Wenige Mitglieder haben sehr viele Kontakte, die meisten Mitglieder aber haben sehr wenige. Für die Mehrheit zahlt sich das Netzwerk dann kaum aus – es wird für sie schlicht zu unübersichtlich und zu aufwendig, nach interessanten Informationen zu suchen und an sie heranzukommen, weil ihnen eigene Kontakte fehlen.

Anders sei es, sagt Koenig, wenn der Einzelne wenig über ein Netzwerk wisse, sich bei der Auswahl von Kontakten von Gefühlen leiten lasse und keinen konkreten Nutzen von einer Verbindung erwarte. Dann entstünden Netzwerke, in denen es viele verschiedene Verbindungen gebe. Zwar hätten noch immer manche Mitglieder mehr Kontakte als andere, der Ertrag, den das Netzwerk insgesamt erwirtschafte, steige aber.

So wird die Erfolgsgeschichte des Silicon Valley als Brutstätte für Technologie-Innovationen auch auf die informellen Netzwerke zurückgeführt, die auf lockeren Freundschaften und einer Ad-hoc-Zusammenarbeit beruhen. In Berlin entsteht derzeit Ähnliches. Seit einigen Jahren locken günstige Mieten und der gute Ruf der Stadt viele Gründer nach Berlin. Junge Leute kommen von überallher in die Stadt, um Internetunternehmen aufzubauen, oft geht es um Online-Handel. Man fängt neu an, ohne alte Seilschaften. »Netzwerken ist unser Kerngeschäft«, sagt Kolja Hebenstreit, der mit seiner Firma Team Europe ein Start-up nach dem anderen aufbaut. Inzwischen folgen den Gründern die Geldgeber aus London, Boston und dem Silicon Valley. In den Augen von Männern wie Matt Cohler, Partner beim Risikokapitalgeber Benchmark, ist Berlin inzwischen einer der spannendsten Orte für Technologie-Firmen außerhalb der USA.

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Leserkommentare
  1. hat völlig recht-interessante Erfahrungen

  2. Na, was die machen mag ja nett sein, aber in der Tat sind es solche Leute, die beste Plätze und Infrastruktur haben, unter sich sich zu verschwören gegen Interessen der Allgemeinheit.

    Allein Was sonst, kommt an "Kreativität" dabei heraus, noch schlauer zu werden, wenn es darum geht, in den Gesetzen des allerhärtesten Wettbewerbs zu bestehen. Und es tut ja so gut, gemeinsam oder auch allein Erfolg zu haben. Dann erweist sich die ganze Idee Kapitalismus und Wettbewerb trotz aller Widrigkeiten doch noch alles lohnend.

    Das kleine Glück, wird auch beim Manager gesucht.

    Aber das so ungefähr gelegen, als würde ich auf einem riesigen Baum jene Ideen vertreten, die auf einem faulen modrigen Ast liegen. Die Gesellschaft braucht anderes Networking, d.h. zB wie man gemeinsam ein super Betriebssystem schafft, oder wie man Druckerpatronen so herstellen kann, dass sie in einfacher Weise nachzufüllen sind.
    Aber wenn die sich unterhalten, geht es darum, wie man am besten den Kunden ausschröpfen kann, damit der Konzern oder die BRANCHE möglichst lange im Wettbewerb bestehen bleibt, und dann kommt eben die Idee, setzen wir doch einen Chip ein, so wie die Registrierung von Lizenzpflichtiger Software, setzen wir einen Chip ein um es (die Gesellschaft letztlich) zu kontrollieren! Das sind noch dazu Firmen, die alle dasselbe herstellen... (obsolet sind).

    Deswegen juckt mich das mehr, als dass es mich interessiert, was ich hier zu lesen habe. Ich sag sogar pfui.

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    • ludna
    • 03. Juni 2012 19:40 Uhr

    Dieses Wort wurde in diesem Kontext vor 20 Jahren zur Beschreibung der Stasi nach 1990 gebraucht.

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  3. > > Netzwerken sei »nicht Mittel zum Zweck, sondern eine Haltung im Leben«, schreibt Henzler in seiner Biografie. Nach diesem Prinzip lebt er. " > >

    Gleiches denke ich auch über Korruption.
    Das ist bei manchen auch nicht einfach Mittel zum Zweck sondern Haltung im Leben.

    "Netzwerken" Personen mit politischen Zielen um den Staat möglicherweise zu schädigen, ist das nach §129a eine "terroristische Vereinigung" und wird strafrechtlich verfolgt.

    "Netzwerken" Personen mit wirtschaftlichen Zielen um den Staat sicher zu schädigen, ist das nicht nur legal, die sind sogar gern gesehene Gäste im Kanzleramt, auf Charity-Galas usw..

    Es handelt sich hier nicht mehr darum, dass durch netzwerken tolle neue Ideen umgesetzt werden können, weil jemand jemanden kennt der das und das gut kann.
    Sondern um die Zersetzung der Demokratie durch eine informell organisierte Elite die sich durch Kontakte Vorteile verschafft, zum Nachteil anderer.

    Siehe auch:
    http://www.uni-muenster.d...

    Leider versagen die Medien beispiellos, wenn es darum geht, derartige Macht- und Karrierenetzwerke offenzulegen.
    Das beste Beispiel ist die Bilderberg-Konferenz bei der ständig auch ZEIT-Personal zugegen ist.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich stimme Ihnen zu, dass vorallem Eliten erfolgreich Netzwerken und es dadurch zur Schwächung eines demokratischen Systems kommen kann.

    Aber!

    Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass es jedem Menschen offen steht ob er bereit ist zu Netzwerken, also offen auf Menschen zugehen, Ideen und Wissen zu tauschen und daraus Mehrwert zu generieren?!

    Netzwerken ist nichts Böses sondern etwas grundmenschliches, nur leider wird es anscheinend am intensivsten und erfolgreichsten von Menschen genutzt, die nicht das Allgemeinwohl im Blick haben!

    Gut, dass es uns allen offen steht, unser Netzwerkverhalten für das Allgemeinwohl einzusetzten - wir müssen es nur tun!

  4. ich stimme Ihnen zu, dass vorallem Eliten erfolgreich Netzwerken und es dadurch zur Schwächung eines demokratischen Systems kommen kann.

    Aber!

    Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass es jedem Menschen offen steht ob er bereit ist zu Netzwerken, also offen auf Menschen zugehen, Ideen und Wissen zu tauschen und daraus Mehrwert zu generieren?!

    Netzwerken ist nichts Böses sondern etwas grundmenschliches, nur leider wird es anscheinend am intensivsten und erfolgreichsten von Menschen genutzt, die nicht das Allgemeinwohl im Blick haben!

    Gut, dass es uns allen offen steht, unser Netzwerkverhalten für das Allgemeinwohl einzusetzten - wir müssen es nur tun!

    Antwort auf "Netzwerken"

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