Konvertiten : Wo bist du, Andy?

Kenias Polizei sucht einen deutschen Islam-Konvertiten – wegen Terrorverdachts. Seine Familie in Deutschland zerbricht daran.
Al-Shabaab Milizen in Somalia. Die kenianische Polizei bringt Andy M. mit der Gruppe in Verbindung. © Feisal Omar / Reuters

Am 12. Mai, dem Samstag der vorletzten Woche, erreicht Michaela M. eine Nachricht, die sie zusammenbrechen lässt. Die Nachricht kommt aus Kenia : Die dortige Polizei sucht den 40 Jahre alten deutschen Staatsbürger Andreas Ahmed M. Er werde verdächtigt, am 29. April an einem Anschlag in der Nähe von Nairobi beteiligt gewesen zu sein, bei dem zwei Menschen getötet wurden. Er sei außerdem verdächtig, Mitglied der mit Al-Kaida verbündeten Shabaab-Milizen in Somalia zu sein, und kenne womöglich weitere Anschlagspläne. Im Internet wird ein Fahndungsfoto veröffentlicht. Michaela M. kollabiert, als sie es sieht. Sie ist die Mutter von Andreas Ahmed M., den sie stets Andy nennt, "meinen Andy", niemals aber Ahmed, als seien das zwei verschiedene Menschen.

Der eigene Sohn – ein Terrorverdächtiger: Wie wird man damit fertig? Die Antwort im Haus der Familie M., in einer beschaulichen Kleinstadt im Rheinland , lautet: gar nicht. Man wird nicht damit fertig. Es mag sich am Ende herausstellen, dass Andreas M. niemals mit den Shabaab-Milizen zu tun hatte und auch nichts mit dem Anschlag; zwei Opfer gibt es trotzdem bereits: seine eigenen Eltern, die sprachlos nebeneinandersitzen und einander nicht helfen können. Michaela M. laufen die Tränen über die Wangen, aber ihr Ehemann Hans-Joachim tröstet sie nicht. Nimmt nicht ihre Hand. Findet keine unterstützenden Worte. Dabei wirkt er überhaupt nicht kalt, nur erschöpft: "Ich kann sie gar nicht trösten", sagt der ehemalige Berufsoffizier. "Wir gehen unterschiedlich damit um. Wir sind grundverschieden." Hans-Joachim M. sagt: "Es ist Andys Entscheidung. Ich versuche, rational zu sein und negative Gedanken von mir fernzuhalten, mein Leben zu leben. Das ist meine Art, mich zu schützen." Michaela M. kann das nicht verstehen: dass ihr Mann Tennis spielen geht. Abends einfach so einschläft. "Natürlich werfe ich Andreas vor, dass unsere Ehe leidet", sagt Hans-Joachim M. Die Eheleute reden kaum noch miteinander. "Ich vegetiere nur noch vor mich hin", sagt Michaela M. "Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte."

Familie M. ist kein Einzelfall: Dutzende Islamisten aus Deutschland sind in den letzten Jahren ausgewandert , meistens ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet, manchmal zum Kämpfen, manchmal um sich zu Terroristen ausbilden zu lassen. Und manche vielleicht nur, um "gottgefällig" zu leben, so wie Andreas M. es stets für sich in Anspruch genommen hat. In all diesen Familien aber hat der Dschihadismus eine Schneise der Verwüstung durch die Wohnzimmer gezogen – ganz gleich, ob diese Wohnzimmer mit alten Möbeln aus der Provence eingerichtet sind wie bei Familie M. oder ob dort auf Flachbildschirmen türkisches oder arabisches Programm läuft wie bei anderen Betroffenen. Eines ist stets gleich: Die Eltern und Geschwister bleiben allein mit ihren Zweifeln und Ängsten.

Sie suchen Fehler bei sich, dem Ehepartner, den Eltern. Sie surfen wie besessen den letzten Nachrichten hinterher, die sie oft nicht verstehen oder einordnen können. Sie rufen täglich bei den Sicherheitsbehörden an, bei denen sie nie sicher sein können, ob sie den richtigen Ansprechpartner gefunden haben, ob man ihnen etwas vorenthält, ob etwas getan wird, um den Sohn oder die Tochter zurückzuholen. Monatelang geht das so, mitunter jahrelang. Und die Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern: Sind sie überhaupt noch die, die sie einmal waren? Was wäre, wenn sie morgen zurückkämen? Und was, wenn sie stürben?

Michaela M. führt Tagebuch. Ihr Journal für das Jahr 2012 ist ein schwarzer DIN-A5-Kalender, je eine Seite pro Tag. Seit dem 12. Mai, dem Tag der Schreckensnachricht, sind die Einträge kleiner geschrieben, länger geworden: Die Ereignisse überschlagen sich. Seit Monaten weiß sie, dass Andy in Afrika ist. Nun plötzlich diese Suche der kenianischen Polizei – was heißt das? Fieberhaft wühlt sie sich auf der Suche nach Hinweisen durchs Internet. Was ihr wichtig erscheint, notiert sie. Ein Deutscher soll in Kenia festgenommen worden sein, erfährt sie. Ist es Andy? Niemand kann es ihr sagen. Die ersten Zeitungen stellen Zusammenhänge her, und Michaela M. sitzt zwischen gelben und weißen Tulpen in ihrem Esszimmer und weiß nicht einmal, was sie sich wünschen soll: dass sie ihn gefasst haben? Dass sie ihn nicht gefasst haben? Wieder eine schlaflose Nacht, wieder schwere Beruhigungsmittel, dann ein neuer Tag, eine neue Meldung: Er war es doch nicht. Aber wo ist Andy? Und wo ist seine Tochter, ihre Enkelin? "Leer, leer, leer", steht in ihrem Tagebuch.

Es gibt da diese Vision, in die sie sich manchmal flüchtet, und in dieser Vision steigt sie in ein Flugzeug. Es bringt sie nach Somalia. Im Landeanflug zieht Michaela M., eine sehr gepflegte, stets dezent geschminkte Endfünfzigerin, sich eine Burka über. Niemand soll sie erkennen. Nach der Landung beginnt sie ihre Suche – nach Andy und seiner fünf Jahre alten Tochter, nach der sie sich genauso sehnt wie nach ihm. Sie weiß, dass es eine Verzweiflungstat wäre. Dass sie trotz Burka sofort auffiele, die beiden gar nicht finden würde in den somalischen Bürgerkriegswirren. "Aber ich will doch die Kleine noch einmal sehen!"

Hans-Joachim und Michaela M. sind sich sicher, dass Andy kein Terrorist ist. Sie stellen nicht in Abrede, dass er ein radikaler Islamist ist. Aber sie glauben seinen Beteuerungen, dass er nach einem wahrhaft islamischen Leben strebt für sich, seine aus Eritrea stammende Ehefrau und die Tochter. "Der Andy will leben!" Tatsächlich haben sich die Verdächtigungen der kenianischen Polizei bisher nicht erhärten lassen. Es gibt jede Menge Gerüchte, etliche Falschinformationen und überhaupt keine Belege. Die deutschen Behörden lassen durchblicken, dass sie ebenfalls nichts wissen. "Auch Unschuldige kommen ins Gefängnis", hat Andy seinen Eltern kurz nach seiner Auswanderung nach Afrika gemailt. Sie sollten auf keinen Fall mit den Behörden oder der Presse reden.

Andy radikalisierte sich

Diese Bitte haben sie respektiert. Aber jetzt haben sie Angst um ihren Sohn, und sie ist größer als die Angst vor seiner Wut. Deshalb sprechen sie nun mit der ZEIT, um einen Appell an ihn zu richten: "Andy, bitte melde dich öffentlich und sage, dass du nicht in Kenia bist und mit dem Anschlag nichts zu tun hast. Wir haben deinen Wunsch bisher befolgt, aber jetzt glauben wir, dass diese neue Situation so gefährlich für dich ist, dass genau das nötig ist, damit unser Aufruf dich erreicht!" Es gibt noch einen Grund, warum die Eltern überzeugt sind, dass die kenianische Polizei falschliegt: Am 5. und am 7. Mai hat er sich bei ihnen gemeldet – und zwar aus Somalia, nicht aus Kenia. Zuerst telefonisch, um ihnen mitzuteilen, dass er nicht wieder zurückkehren wird. Dann in einer langen und liebevollen E-Mail, in der er unter anderem mitteilt, dies sei "kein Abschiedsbrief" und er werde versuchen, sich künftig öfter zu melden. "Das schreibt er doch nicht, wenn er in Kenia Anschläge plant!"

Man merkt es am Appell seiner Eltern, an Andys Korrespondenz mit ihnen und an vielen anderen Details: Ein Teil der Tragödie der Familie M. ist es, dass Andy und seine Eltern nie miteinander gebrochen haben. Es wäre vermutlich einfacher für sie alle drei, sie hätten es getan. Aber Familie M. war einmal eine sehr starke Familie, und diese Bande sind spürbar. Selbst jetzt noch.

Als Andreas 1998 erklärte, dass er Muslim sei, war das für seine Eltern zwar befremdlich, aber kein Grund zur Panik. Es ist ein bürgerliches Haus, man redet über die Dinge und diskutiert. Anfangs muss es geradezu rührend gewesen sein: "Darfst du dann noch erben?", fragte Hans-Joachim M. den Sohn. "Ich muss den Imam fragen", antwortete Andy.

Doch Andy radikalisierte sich, wurde kompromissloser, sprach plötzlich abfällig über Christen und den dekadenten Westen. Er heiratete eine gemäßigt fromme Muslimin aus Eritrea, ohne sie vorher gesehen zu haben. Und er begann vom Auswandern zu reden – in ein Land, wo er gottgefällig leben könne. Das Ehepaar versuchte es in Bosnien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten , wo Andy Hühner züchtete und Lkw vermietete, aber es gab Visa-Probleme und andere Schwierigkeiten, beide Male wurden sie ausgewiesen.

Als 2006 die Enkeltochter geboren wurde, hoffte Michaela M., dass Andys Leben sich beruhigen würde. Aber die Idee einer Auswanderung hatte sich eingenistet in Andys Kopf. Und als er es 2009 wieder versuchte, sagte er vorher nicht Bescheid: Er verschwand, nachdem er ein unverfängliches Reiseziel vorgetäuscht hatte. Es folgte die erste große Krise der Familie M., denn Andy, seine Frau und seine Tochter wurden bei der illegalen Einreise nach Pakistan verhaftet. Acht Monate lang saßen sie in einem Geheimdienstgefängnis, Andys Eltern erfuhren es erst nach einem halben Jahr. Die Behörden glaubten, er wollte sich einer Terrorgruppe anschließen, aber es gab keinen Beleg dafür.

"Das Gefängnis hat mich in meinem Glauben nur stärker gemacht", sagte er seinen Eltern nach der Rückkehr. Er siedelte sich in ihrer Nähe an. Immer häufiger gab es nun intensive Diskussionen, auch weil Andy nicht über Pakistan reden wollte, aber sonntags kam er doch immer wieder zum traditionellen Frühstück in sein Elternhaus. Michaela M. machte gute Miene zum bösen Spiel: Sie wollte die Enkelin sehen, sooft es ging, aber sie litt, wenn die Kleine sagte: "Oma, du musst Muslimin werden, bevor ich dich umarmen kann." Hans-Joachim M. machte eine Radtour mit Andy – wie früher. Nur dass es keinen Spaß mehr machte, nach dem Radeln ein Bier zu trinken, während Andy sich ostentativ ekelte.

Über zwei Jahre ging das so, lauter zermürbende Versuche, einander nicht zu verlieren, und in einem Winkel ihres Kopfes vermutete Michaela M. stets, dass Andy erneut versuchen würde wegzugehen. Im Sommer 2011 fuhr das Ehepaar wie jedes Jahr in die Provence. Andy kam mit seiner Familie für eine Woche – noch so eine Tradition. Aber sie schweißte schon nicht mehr zusammen, sie vergrößerte nur die Entfremdung. Der Rosé zum Sonnenuntergang auf der Terrasse: verboten.

Aktuell lebt Andy mutmaßlich in Somalia

Michaela und Hans-Joachim M. ahnten indes nicht, dass Andys Visite ein Abschiedsbesuch war: Als sie zurückkamen ins Rheinland, war er bereits fort. Er meldete sich aus Kenia: Er werde sich Arbeit suchen, seine Familie werde in Afrika leben. Den September über rief er regelmäßig an, manche Telefonate dauerten Stunden, doch dann plötzlich: Funkstille. Und bei Hans-Joachim und Michaela M. kam die Angst zurück. Sie wuchs, als sie im Januar 2012 eine englische SMS erhielten, angeblich von Andy: Es gehe allen dreien gut. Die Nummer hatte eine somalische Vorwahl. Das nächste Lebenszeichen war der Anruf vom 5. Mai dieses Jahres. "Wo bist du?", fragte Michaela M. mehrmals. "Du siehst es doch an der Nummer", antwortete Andy. "Ich bin glücklich hier. Bitte grüß meinen Vater!" Wieder +252: Somalia.

Kann man sich für seinen Sohn freuen, wenn er sagt, er sei in Somalia glücklich, wo er mutmaßlich unter radikalen Islamisten lebt? Soll man die Kraft aufbringen, jeden Tag aufs Neue zu hoffen, der Sohn möge sich nicht so sehr von sich selbst entfernt haben, dass er zum Krieger geworden ist? Es sind Fragen, wie sie sich vor Jahrzehnten in ähnlicher Weise die Eltern von späteren RAF-Kadern gestellt haben, sicher auch Angehörige von Mitgliedern militanter Neonazi-Kreise. Nun gibt es eine neue Gruppe Betroffener, deren Existenz ausgefüllt ist mit der krank machenden, verzweifelten Sorge um ihre Kinder.

Wenn ihr Sohn Andreas heute in Frankfurt landen würde, hätte er nichts zu befürchten. Niemand ermittelt gegen ihn in Deutschland. Manchmal malen seine Eltern sich das aus, jeder für sich: Andy kehrt mit Frau und Kind heim und findet einen neuen, sanften Weg, religiös zu sein. Aber sie reden nicht darüber. Aus Angst, dass daraus eine Hoffnung wird.

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

59 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Vielleicht sollte man tiefer gehen

"Wieso dulden wir diese destruktive Ideologie in unserem Lande?"

Wir leben in einem Rechtsstaat, hier kann man denken was man will, sei es noch so abwegig . Stellen sie sich doch lieber die Frage, wie man solchen Ideologien, überhaupt Extremisten jeder Coloueur, den Nährboden entziehen kann. Was schlagen sie denn vor ?

Es ist einfach gegen etwas zu sein, wenn es aber um Alternativen und Lösungen geht sind die Meisten, die vorher noch laut waren, schnell wieder ruhig.

Wie wäre es denn, sich zum Beispiel aus Kriegen herauszuhalten ?

Oder Menschen besser zu integrieren ?

Sicherlich gibt es auch Nachholbedarf bei Teilen der Muslime, aber die Hauptschuld in dieser Frage trägt doch der Staat, der es jahrzehntelang versäumt hat diese Menschen richtig zu integrieren.

Glauben sie ernsthaft, man wird als böser Dschihadist geboren ? Ich hoffe doch nicht.

Ein Staat ist mehr als eine Masse von Individuen.

Der einzelne Mensch kann es aber leicht haben, sich zu integrieren, ihm kann dabei geholfen werden wo es nicht so leicht ist, oder es kann ihm schwer oder unmöglich gemacht werden.

Von Eigenverantwortung zu reden ist einfach, wenn man nicht in der Situation ist, dass einem einfach aufgrund der Herkunft, des Namens, des Aussehens niemand eine Wohnung vermieten oder Arbeit geben will, und einem allerorten Misstrauen oder offene Feindschaft entgegenschlägt.

Hofiert?

Können Sie ein paar Beispiele nenne, wo die genannten Parteien den Salafismus "hofieren"?

Ein paar Tipps im Voraus: A) Islam und Salafismus haben in etwa so viel miteinander zu tun wie Christentum und die "Zwölf Stämme". B) Gezielte Provokationen wie die von Pro-NRW unterbinden zu wollen ist was anderes als Parteinahme für die allzu leicht Provozierbaren. Wenn eine Mutter ihr Kind davon abhält, einen bellenden Hund weiter zu reizen bedeutet das auch nicht, dass sie den Hund hofiert.

Versuch der Aufklärung

Damit Sie das verstehen verwende ich Ihr Beispiel, brazzy.

Kind "reizt" den Hund in dem es einfach auf der Straße am Grundstück des Nachbarn vorbeigeht oder auf der Wiese im Park herumläuft, schreit und spielt.
Darf der "gereizte" Hund jetzt zubeissen?

Kind geht hin und prügelt mit dem Stock auf den Hund ein. Darf der "gereizte" Hund jetzt zubeissen?

Mohammed-Karikaturen sind in diesem Land so selbstverständlich und zulässig wie ein spielendes Kind im Park oder eines das an Nachbars Garten auf dem öffentlichen Gehweg entlang geht.

Ach ja, die Anwort zu meinen Fragen:

Nein, der Hund darf in beiden Situationen nicht zubeissen.

Es gibt allerdings unterschiedliche Strafen, wenn er es trotzdem tut.

Weitere Aufklärung

Der Pro-NRW-Fall liegt aber *zwischen* den von Ihnen genannten Fällen, da es sich um eine gezielte und absichtliche Provokation handelt. Lassen wir also die Analogien:

Ja, selbstverständlich sind Mohammed-Karikaturen hierzulande erlaubt, und das Verprügeln von Menschen nicht.

Trotzdem ist das organisierte und massenweise Zeigen von möglichst verunglipfenden Mohammed-Karikaturen direkt vor einer Moschee eine Aktion, die wenig mit der Verteidigung von Meinungsfreiheit und viel mit gezielter, absichtlicher Provokation zu tun hat. Und es ist absolut normal und zulässig, wenn Politiker solche Aktionen kritisieren und zum Schutz des öffentlichen Friedens verbieten - das hat absolut nichts mit "Hofieren von Salafisten" zu tun.

Tote Schweine an ein Kreuz zu nageln ist auch erlaubt wenn sie es daheim oder in einem Theater tun, trotzdem wird es Ihnen verboten werden, wenn sie es vor dem Kölner Dom oder der CSU-Zentrale tun wollen.

Bezweifeln können Sie alles,

auch haltlose Lügen von sich geben. Dies ist ein freies Land.

Wenn Sie analog dem Tanzverbot an Karfreitag ein "Mohammed-ist-ein-Depp"-Plakat verbieten wollen, dann empfehle ich Ihnen sich dafür eine Mehrheit in diesem Land zu suchen, die dann für dieses Gesetz stimmt.

Ansonsten gilt weiterhin:

Öffentliche Tanzveranstaltungen Karfreitag verboten (je nach Bundesland).

Salafisten / Moslems müssen mit islamkritischen Parolen und Plakaten leben.

Abgestoßen vom dekadenten Westen

Der Artikel bringt den Leser dazu, sich in liberale, säkulare, westliche Eltern hineinzufühlen, deren Sohn das Gegenteil von ihnen geworden ist: Islamist. Übergelaufen zu den Feinden des Westens. Und der Autor vermutet, dass Eltern von Kindern, die zur RAF gingen oder zu Neo-Nazis, sich ähnlich verzweifelt, ratlos, vor den Kopf gestoßen fühlten - weil das eigene Fleisch und Blut sich empörte.

Als Andys Motiv erfahren wir: Er ist abgestoßen vom "dekadenten Westen". Ist das neu? Nein, das hat in Deutschland und Westeuropa eine lange Tradition, diese Parteiergreifung für die Antagonisten des dekadenten Westens, dem Konsum wichtiger ist als Werte und Moral. Die 68er, zu denen die RAF gehört, ergriffen die Partei der Vietnamesen, denen man den american way of life aufzwingen wollte. Auch Karl Mays Old Shatterhand ergriff angewidert von westlicher Verkommenheit und Habgier die Partei Winnetous, und Tacitus sympathisierte mit germanischen und keltischen Feinden des dekadenten Rom. Das sind alles keine Spinner, so rätselhaft sie uns auch vorkommen mögen - sie und ihre Motive gehören zu uns.

Dekadenter Westen

Wunderbar geschrieben. Da kann man fast Lust haben, in Ihr "der Westen ist dekadet und deshalb selber Schuld" Liedchen einstimmen. Es sind Spinner, und das in einem hohen Grade. Diese Spinner kritisieren nicht nur den "dekadenten" Westen, nein, diese Spinner fühlen sich berufen, mit dieser "Dekadenz" aufzuräumen. Es mag so sein, dass es geschichtlich dieses "Phänomen" immer schon gab. Aber geschichtlich gesehen, hat man sich gegen solche Spinner gewehrt. Sie dagegen versuchen diese Idioten zu verstehen und ein kleinwenig Werbung für deren Weltanschauung zu machen. Das mag momentan bestimmten Kreisen beklatsch werden - langfristig ist das Selbstmord.

Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/mk

Verstehen und Selbstkritik

formhalber schreibt: "Sie dagegen versuchen diese Idioten zu verstehen und ein kleinwenig Werbung für deren Weltanschauung zu machen. Das mag momentan bestimmten Kreisen beklatsch werden - langfristig ist das Selbstmord."

Ja, ich versuche zu verstehen, statt diejenigen, die ich nicht verstehen will oder kann, als Idioten abzutun. Und da stehe ich in der Tradition zum Beispiel von Tacitus, der seinen Werken "Germania" und "Agricola" die Barbaren, die von Roms Dekadenz abgestoßen waren, verstand - was zugleich römische Selbstkritk war. Wer aber unfähig zur Selbstkritik ist, kann einen selbstmörderischen Kurs fahren, wie die Römer, die untergingen, weil sie ihre Dekadenz nicht überwanden.

@gerthans

Zitat
"Er ist abgestoßen vom "dekadenten Westen"."

Was für eine Heuchelei.
Seltsamerweise leben solche Menschen, ganz egal ob Islamist oder Überbleibsel der 68er generation in hohem Mass von den Segnungen jenes Staates, den sie ach so verachten.
Und wie viele Revolutionäre, die den "Schweinestaat" vernichten wollte, arbeiten heute im ÖD, um wenigstens noch eine brauchbare Altersversorgung zu bekommen?

@3 gerthans

"Die 68er, zu denen die RAF gehört, ergriffen die Partei der Vietnamesen, denen man den american way of life aufzwingen wollte."
Sie meinen z. B. Anreas Baader, dessen liebstes Fortbewegungsmittel der Porsche war.
Oder Gudrun Ensslin, die sich bei ihrer Verhaftung in einer Hamburger Edelboutique befand.

Schon klasse, wie diese edlen Widerstandskämpfer den Westen von der Dekadenz befreien wollen.

Waren die Barabaren von Roms Dekadenz abgestossen?

Nein, das waren sie nicht. Ganz im Gegenteil führte die Strahlkraft des römischen Imperiums zu massenhafter Grenzüberschreitung und war letzendlich eine Ursache der Völkerwanderung. Die Dekadenz war ein innenpolitisches Thema im Reich und wurde auf die Barbaren projeziert.
Im Prinzip sind Leute, die von der angeblichen "Dekadenz" abgestossen werden extrem konservativ. Man fürchtet, dass zeitgenössische Entwicklungen die Moral untergraben, nach dem Motto "früher war alles besser". Das fällt sicher in den Bereich der freien Meinung, es gibt ja viele Leute, die ähnlich denken, sich aber nicht radikalisieren.
Irrig ist dann die Wahl der Mittel und ich nehme an, viele der mitteleuropäisch sozialisierten Konvertiten merken schnell, dass zwischen den Zielen von islamistischen Urgesteinen und ihnen ein moralischer Abgrund liegt. Aber manchmal ist es dann zu spät.

Angst vor Dekadenz verhindert Integration

In der Spätzeit des Römischen Reiches wurde ja Einwanderung von Germanen in großem Maßstab zugelassen, um den Bevölkerungsrückgang der Römer, die immer weniger Kinder bekamen, auszugleichen.

Viele dieser Zugewanderten mit germanischem Migrationshintergrund verachteten aber die Römer als dekadent und wollten sich nicht in die römische Gesellschaft integrieren, weil sie fürchteten, sich an der Dekadenz anzustecken. davon zeugen zahlreiche Stellen bei Geschichtsschreibern wie Tacitus oder Prokop.

Und auch heute haben viele Muslime Probleme mit der Integration in unsere libertäre Gesellschaft, weil unsere Dekadenz sie abstößt.

Dekadenz

Naja, versuchen Sie sich doch mal in einen Afghanen zu versetzen, den es aus irgendeinem Grund nach Deutschland verschlagen hat. Er geht durch die Hohe Straße in Köln und sieht: Die Schaufenster voll mit teurem Schnickschnack, den man eigentlich nicht braucht, dafür eine überalterte Bevölkerung und selten ein Kind.

Vielleicht arbeitet er schwarz als Dienstbote in einer Villa in Hahnwald und kriegt mit, dass der Herr des Hauses schon vormittags Konjak trinkt und die Frau des Hauses etwa 50 Paar Schuhe hat, aber keine Kinder.

Er merkt schnell, dass wir ein aussterbendes Volk sind - das bedeutet nämlich dekadent: niedergehend, verfallend. Und er glaubt, es hängt irgendwie mit unserem way of life und den entsprechenden Werten, der entsprechenden Moral zusammen.

Da werden ja die Tränendrüsen gedrückt

und der Artikel liest sich ersteinmal wie ein Kitschroman.
Viele Mütter wünschen sich ihren Sohn anders,
und manchen gelingt es auch ihn dahin zu trimmen, wo sie ihn haben wollen.
Wenn er mit 40 dann doch was anderes will, rasten diese Mütter dann aus.
Da gebe ich dem Vater ganz recht, wenn der Sohn meint, er will gegen die hiesigen Zustände was tun, dann sollte er das auch. Ob er den richtigen Weg gewählt hat,
wird er auch irgendwann merken.

Reisende kann man nicht aufhalten

Es sind unendlich traurige Geschichten, aber man muss eine Sache bedenken. Menschen treffen selber Entscheidungen im Leben. Meistens geht es um Ehe, Ausbildung, Beruf, Freudeskreise etc.. Manche Menschen treffen nicht nachvollziehbare Entscheidungen. Elternhaus und Verwandte, auch wenn sie sich verantwortlich fühlen, können da in manchen Fällen nicht viel tun.

Wenn z.B. die Eltern von Andreas nach bestem Wissen und Gewissen versucht haben ihrem Sohn zu Geborgenheit zu vermitteln und ihm geholfen haben, dass er die nötigen Werkzeuge zur Hand hat um ins Leben zu gehen, haben sie das ihre getan. Alles andere liegt nicht mehr in ihrer
Hand und sie müssen, so bitter das klingt, loslassen. Das gilt besonders für die Mutter. Das bedeutet nicht, dass kein Platz für Trauer vorhanden sein darf.

Sehe ich genauso

Wenn Menschen beschließen, dass unsere Demokratie, unsere Werte, Essgewohnheiten, Sexualmoral etc. nichts für sie sind, dann halte ich es für die konsequenteste Lösung, wenn sie sich ein geeignetes Land für ihre Ansichten suchen.
Das ist allemal besser, als hier ständig Verwandte und Bekannte (und Unbekannte) zu tyrannisieren, wenn sie ein Bier trinken oder nicht verschleiert herumlaufen, oder der Tochter zu verbieten, die Oma zu umarmen.
Natürlich tun mir die Eltern Leid, aber Kinder werden nunmal nicht immer, wie Vater oder Mutter sich das wünschen, und auch andere Söhne wandern aus oder brechen den Kontakt ab.