StilkolumneMan sieht wieder doppelt

Tillmann Prüfer über den Zweireiher

Doppelreiher von Boss Black, 349 Euro

Doppelreiher von Boss Black, 349 Euro

Es enden ja manche Sachen mit einer Revolution, einige beginnen aber auch so. Der Anzug zum Beispiel. Um ihn zum ultimativen Männerkleid zu machen, bedurfte es des französischen Umsturzes. Dieser führte zu einer schnellen Außerdienststellung der aristokratischen Kniebundhose. Es war sozusagen das erste Mal, dass die Straße den Modegeschmack diktierte. Denn wer sich mit dem eng anliegenden Beinkleid dort blicken ließ, endete unter dem Fallbeil. Da war es besser, pantalons zu tragen, lange Hosen, die bei den Bauern üblich waren. Dazu gehörte ein knielanger schwarzer Rock, der Vorgänger der Anzugjacke. Während das Kleidungsideal des Adels darauf zielte, den Träger durch Pracht aus der Masse herauszuheben, wollte der schwarze Anzug das Gegenteil: Gleichheit. Der Anzug war die Uniform, die der aufstrebende Kapitalismus brauchte. Jeder Mann sah in ihm ähnlich aus. Ob alt oder jung, ob dick oder dünn – der Anzug schuf die neutrale Zone, in der sich Geschäftspartner zu Verhandlungen trafen. Im Anzug konnte sich niemand über den anderen erheben. Jedenfalls nicht augenscheinlich.

In der Entwicklungsgeschichte dieses Gleichmachers tat sich einer besonders hervor: der Doppelreiher. Er verwandelte jeden Mann in einen Kasten mit gleicher Kantenlänge. Im Doppelreiher war nicht einmal mehr der Ansatz einer Figur zu erkennen – er war ursprünglich aus extrem steifen Stoffen gefertigt. Selbst wenn der Mann darin schon tot war, der Anzug stand noch. In den siebziger und achtziger Jahren schließlich wurde der Doppelreiher als so konservativ angesehen, dass er fast ausgestorben wäre.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

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Aber nun ist er wieder da. Doppelreiher bei Boss Black, bei Prada, bei Zegna, bei Dior Homme, bei Alexander McQueen. Und doch sind sie anders. Im Gegensatz zu den Vorgängern sind moderne Zweireiher kürzer und schmaler geschnitten. Die Schultern sind nicht breit, sondern abgerundet. In den aktuellen Sommerkollektionen finden sich außerdem viele weite Sakkos, fast Zweireiher, die sehr locker sitzen. Die neuen Doppelreiher sind keine Uniform, sie betonen den individuellen Körper des Mannes. Jeder sieht darin anders aus. Der Gleichmacher wird zum Trenner – und das in einer Zeit, da der Kapitalismus am Ende scheint. Zufall? Vielleicht ist schon wieder Revolution.

 
Leserkommentare
  1. und ich dachte schon wenn ich mich klassisch kleide mache ich mich lächerlich, zumal in meiner Umgebung wirklich gerade jetzt bei den warmen Temperaturen hier in Berlin Touristen und Einwohner fast nur noch in Strandbekleidung rumlaufen und ich mir immer denke das das ein Zeichen von Gleichgültigkeit ist wie man sich seinem Gegenüber präsentiert-

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    gibt's beim Papst.

    >>...und ich dachte schon wenn ich mich klassisch kleide mache ich mich lächerlich...<<

    Ja machen Sie! Hören Sie nicht auf Modefuzzis, die wollen nur ihr gutes Geld - jedes Jahr auf's Neue.

    gibt's beim Papst.

    >>...und ich dachte schon wenn ich mich klassisch kleide mache ich mich lächerlich...<<

    Ja machen Sie! Hören Sie nicht auf Modefuzzis, die wollen nur ihr gutes Geld - jedes Jahr auf's Neue.

    • cornus
    • 28.05.2012 um 19:33 Uhr

    die entsprechenden Bilder :( ?

    Eine Leserempfehlung
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    der Zeit und sie besteht seit jeher aus Text ohne Bilder mal von dem Eingangsbild abgesehen, das hier auch zu sehen ist, wobei es dabei oft nicht um eine Abbildung sondern häufig auch um Verfremdung geht.

    Worte sind's...

    Bilder kann man sich doch gerade im Netz ohnehin selbst auf die Schnelle suchen. Das ist doch keine Tat.

    der Zeit und sie besteht seit jeher aus Text ohne Bilder mal von dem Eingangsbild abgesehen, das hier auch zu sehen ist, wobei es dabei oft nicht um eine Abbildung sondern häufig auch um Verfremdung geht.

    Worte sind's...

    Bilder kann man sich doch gerade im Netz ohnehin selbst auf die Schnelle suchen. Das ist doch keine Tat.

  3. der Zeit und sie besteht seit jeher aus Text ohne Bilder mal von dem Eingangsbild abgesehen, das hier auch zu sehen ist, wobei es dabei oft nicht um eine Abbildung sondern häufig auch um Verfremdung geht.

    Worte sind's...

    Bilder kann man sich doch gerade im Netz ohnehin selbst auf die Schnelle suchen. Das ist doch keine Tat.

  4. Herr Prüfer treibt die letzte Sau der Rotte durchs Dorf.. Modemäßig eher spätgezündeter Mainstreamkolumnistenklatsch.
    http://www.la-casa-bonita...

  5. ja nicht jeden Blödsinn dieser Mode"macher" mitmachen. Wer keinen eigenen Stil findet kann sich ja einen dieser Kartoffelsäcke über die Wampe ziehen - muss man aber nicht.

  6. gibt's beim Papst.

    >>...und ich dachte schon wenn ich mich klassisch kleide mache ich mich lächerlich...<<

    Ja machen Sie! Hören Sie nicht auf Modefuzzis, die wollen nur ihr gutes Geld - jedes Jahr auf's Neue.

    Antwort auf "ein Glück"
  7. Ich halte seit 34 Jahren im Handschuhfach meines Autos stets eine Damenfeinstrumpfhose als Keilriehmenersatzhilfe bis zur nächsten Werkstatt bereit.

    Das Tip kam damals ( 80er Jahre ) von ADAC, siebter Sinn, Wünsch Dir was und versteckte Kamera.

    Gebraucht habe ich das bisher noch nie.

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