Alan Turing : Churchills beste Gans im Stall

Der Enigma-Code der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg war nicht zu knacken. Doch dann kamen die Dechiffrierer von Bletchley Park – an ihrer Spitze Alan Turing. Zu seinem 100. Geburtstag ein Porträt des Mathematik-Genies
Alan Turing als Schieferskulptur in den Gebäuden von Bletchley Park.

Ende Juli 1939, wenige Wochen vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, stellen sich in Pyry bei Warschau einige Briten und Franzosen zu einem ungewöhnlichen Treffen ein. Mitarbeiter des Biuro Szyfrów, des polnischen Chiffrierdienstes, präsentieren den Gästen einen eigenen Nachbau der Chiffriermaschine Enigma, welche die deutsche Wehrmacht benutzt, um Nachrichten zu verschlüsseln. Eine Apparatur namens »Bomba« zum Knacken derselben stellen sie auch gleich vor.

Der polnische Enigma-Nachbau und die Bomba machen Eindruck auf die Gäste. Zwar haben die Franzosen Material über die Enigma an die Polen weitergegeben, doch hielten Franzosen und Briten es bisher für unmöglich, die deutsche Chiffriermaschine zu überlisten. Der polnische Geheimdienst hingegen hat sich nicht entmutigen lassen und – erstmals in der Geschichte der Kryptologie – Mathematiker eingesetzt. Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges nun sehen die Polen ihre einzige Chance darin, die verbündeten Briten und Franzosen in ihre Erfolge einzuweihen. Mitte August 1939, wenige Tage vor dem deutschen Überfall, trifft die polnische Enigma mit diplomatischer Post in Paris und London ein.

Die Enigma – das altgriechische Wort bedeutet »Rätsel« – geht zurück auf den Berliner Erfinder Arthur Scherbius (1878 bis 1929), der im Jahre 1923 ein zentnerschweres Chiffriergerät dieses Namens zur geheimen Nachrichtenübermittlung auf dem Kongress der Internationalen Postunion in Bern vorstellte. Die Resonanz war gering, doch die Reichswehr zeigte Interesse. Sie ließ den klobigen Apparat verbessern und führte das Gerät von 1928 an zum Verschlüsseln ihrer Meldungen ein.

Auf den ersten Blick sieht eine Enigma aus wie eine Schreibmaschine. Das Tastenfeld umfasst die 26 Buchstaben des deutschen Alphabets, ohne Zahlen und Sonderzeichen. Zusätzlich gibt es eine Gruppe von 26 beleuchteten Buchstaben und ein Steckfeld mit 26 Positionen, auf dem sich jeweils zwei Buchstaben per Kabel verbinden und damit vertauschen lassen. Herzstück der Standardausgabe sind drei Rotoren, auch Walzen genannt, die wahlweise auf jeden Buchstaben eingestellt werden können. Drückt man eine Buchstabentaste, läuft ein Stromsignal von der Taste über das Steckfeld zu den Walzen, zurück zu den Steckern und schließlich zum Lampenfeld, wo ein Buchstabe aufleuchtet, der per Hand zu notieren ist. Unterwegs wird der Buchstabe bei jeder Station vertauscht. Tippt man den nächsten Buchstaben, dreht sich die rechte Walze um eine Position weiter, nach einem Durchlauf von 26 Buchstaben rückt auch die mittlere Walze wie bei einem analogen Kilometerzähler um eine Position weiter, zuletzt dann die linke.

Für die britischen Militärs ist der Sonderling ein Albtraum

Theoretisch machte die Enigma ungemein viel her. Drei Walzen mit je 26 Positionen ergaben 17.576 Möglichkeiten. Da sich die Rotoren vertauschen ließen, standen sechs verschiedene Walzenlagen zur Verfügung. Dazu gab es die Steckverbindungen und noch innerhalb jeder Walze einen Ring, den man mit einem Stift verstellen konnte, und zwar auf 26 Positionen. Es war eine weitere Möglichkeit, die Buchstaben zu vertauschen. Dies alles führte zu einer immensen Zahl möglicher Ausgangsstellungen und brachte der Enigma den Mythos ein, unknackbar zu sein.

Dass sie dennoch konstruktive Mängel aufwies, hatten schon die polnischen Mathematiker erkannt. Marian Rejewski untersuchte große Mengen von Tagesmeldungen, die mit ein und demselben Tagesschlüssel chiffriert waren, und stellte Regelmäßigkeiten fest – obwohl jede Meldung einen unterschiedlichen Spruchschlüssel hatte. Auf diese Weise konnte er die innere Verdrahtung der Walzen ermitteln. Weiterhin erkannte er, dass die Walzenstellungen im chiffrierten Text eine Art Fingerabdruck hinterließen. 1938 gelang es dem Biuro Szyfrów, eine Maschine zu konstruieren, ebenjene Bomba, mit der sich durch sechs elektrisch verbundene Walzenlagen Rotoreinstellungen testen ließen. Mit diesem elektromechanischen Brutalverfahren konnte die Mathematikergruppe um Rejewski monatelang Meldungen der Wehrmacht mitlesen.

Die Erfolgsserie brach ab, als Ende 1938 der Tagesschlüssel umgebaut und die Zahl der Walzen, die zur Auswahl standen, auf fünf erhöht wurde (von denen man aber nach wie vor nur drei pro Tag benutzte). Nun hätte das Biuro Szyfrów täglich 60 Walzenlagen testen müssen statt sechs wie bisher. Die polnischen Kryptanalytiker stießen an ihre Grenzen. Sie taten das einzig Richtige und setzten die Alliierten ins Bild.

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Kommentare

51 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Nein!

Nur zum Teil richtig! Die Innovationsfreude und Flexibilität der deutschen Streitkräfte gerade in dieser Zeit (im Vorfeld geboren aus der Not des Versailler Vetrages) sind auch und gerade von den damaligen Gegnern anerkannt und vielfach gelobt worden. Das ist kein Revisionismus und Naziverehrung, das ist historisch belegt (schade, dass ich das schon vorsorglich explizit erwähnen zu müssen glaube).

Ausschlaggebender dürfte die Rolle der "Abwehr" um Wilhelm Canaris gewesen sein, von dem -wohl nicht ganz zu Unrecht- bis heute gesagt wird, er habe die Alliierten laufend mit Informationen versorgt und gleichzeitig Desinformation auf deutscher Seite betrieben. Dass seine Witwe nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf Betreiben von General "Wild Bill" Donovan, dem Gründer des CIA-Vorläufers OSS, eine lebenslange Rente von den USA bezog, spricht wohl für sich.

Ich wusste es doch!

Ich habe mit mir gerungen, ob ich den Kommentar so schreiben soll, aber Fakt ist nun mal, dass von einem strikt militärischen(!) Standpunkt aus das Militär des Dritten Reiches gerade für damalige Verhältnisse geradezu erschreckend modern geführt wurde.
Dass man mich gleich anspringt und des Revisdionismus und/oder der Relativierung bezichtigt, war gewiss zu erwarten. Danke für den schlagenden Beweis, dass man in Deutschland nicht rational über die schlimme Zeit des Nationalsozialismus diskutieren darf(!), so wie es aussieht.

Um es noch mal vollkommen klar zu machen: Hut ab für die mit kriegsentscheidende Leistung der Frauen und Männer von Bletchley Park und vielen dank dafür. Und gleichzeitig Dank für die de facto Doppelagententätigkeit des Admiral Wilhelm Canaris!

na hören Sie

mal, der Kommentar den sie geschriebn haben stimmt so auch nicht ganz und ist fachlich somit auch nicht richtig. Die Alliierten hatten serh wohl auch die bessere Technik. Sie hatten moderne Kampfflugzeuge, Flugzeugträger, weitaus bessere Kampfschiffe, modernere U- Boote und und und...

Entweder Sie bleiben halt fachlich oder Sie lassen es. dann können Sie gleich so argumentieren wie Günter Grass, der ja wohl noch sagen darf, was man sagen will oder so..., etc.

wenn Sie schon "rational" diskutieren wollen, dann drehen Sie ja auch nicht die Fakten rum

bessere, moderne und und und

"Die Alliierten hatten serh wohl auch die bessere Technik. Sie hatten moderne Kampfflugzeuge, Flugzeugträger, weitaus bessere Kampfschiffe, modernere U- Boote und und und..."

So,so! Ist "besser" oder "moderne" nicht ein wenig subjektiv? So was lässt sich endlos diskutieren und ist etwas kindisch. Viele Experten sind der Meinung, dass die Me-109 zumindest viele Jahre lang alle anderen Flugzeugen seiner Zeit weit überlegen war. Das kann man wohl doch sagen, ohne gleich für ein Nazi gehalten zu sein. Ist doch jetzt eigentlich egal. Und lassen sie bitte GG daraus.

Danke für die gewollte Fehlinterpretation...

Wie man es macht, macht man es falsch...

Nochmal langsam, zum Mitdenken (bitte nicht gleich wieder empört japsend eine hyperventilierende Replik verfassen).

Am ANFANG des 2. Weltkrieges hatte Deutschland einen beträchtlichen Vorsprung was den Sektor des sogenannten "Command and Control" angeht, womit ein weitaus koordinierteres Vorgehen der einzelnen Teile der Kriegsmaschinerie ermöglicht wurde. Die Führungsphilosophie beruhte (und beruht heute übrigens immer noch) auf der preußischen Traditionn der (Eigen-)Initiative. Nannte und nennt man heute noch "Führen durch Auftrag" (auch oft fälschlich Auftragstaktik genannt), welches diverse Vorteile gegenüber dem "Führen durch Befehl" hat. Die Amerikaner habe das bis heute nicht durchschaut.
Natürlich waren die Streitkräfte des Dritten Reiches ab Mitte des Krieges in allen Belangen unterlegen. Und das ist auch gut so. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass man bis heute jede Menge auf militärische Gebiete beschränkte anerkennende Worte über die Innovationen auf taktischer Ebene durch die Reichswehr und später Wehrmacht findet. An der moralischen Verwerflichkeit der letztlichen Anwendung dieser Innovationen ändert das natürlich und ausdrücklich nichts!

Und warum ist Canaris kein "guter Deutscher"? Im Gegensatz zu den allermeisten anderen hat er über Jahre hinweg aktiv das Regime von innen beschädigt und wurde dafür im Zuge des 20. Juli leider hingerichtet.

es bleibt und ist

trotzdem verwerflich den Anschein wahren zu wollen, das dritte Reich sei in irgendeiner Weise für irgendetwas eine gute Sache gewesen.

Die Alliierten waren nicht nur die technisch überlegene Armee sondern sie war den deutschen Soldaten auch meilenweit voraus , weil die einzelnen Soldaten im Gefecht weitaus schneller und flexibler handelten. Im Endeffekt heißt das, die deutsche Wehrmacht war zunächst aufgrund der "Uniformiertheit" und der absoluten Befehlsbereitschaft eine sehr gefährliche Armee (siehe auch die gesamten Verbrechen der Wehrmacht in Rußland, Polen, uss.). Gleichzeitig war dies aber auch eine große Schwäche, neben eigentlich so ziemlich allem... den Moralaspekt brauchen wir schon mal gar nicht zu diskutieren.

Deshalb müssen Sie sich auch der Kritik stellen und nicht so tun, als ob man Sie nicht kritisieren durfte. Das kann man... ganz locker. und solte man auch.

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""Die Alliierten hatten serh wohl auch die bessere Technik. Sie hatten moderne Kampfflugzeuge, Flugzeugträger, weitaus bessere Kampfschiffe, modernere U- Boote und und und...""

Die besseren Kampfflugzeuge hatten sie erst ab Mitte des Krieges und erst zum Ende hin wurden die Unterschiede eklatant. Flugzeugträger hatten die Deutschen gar nicht und bei den U-Booten hatten die Allies vielleicht ein paar bessere, aber nur in homöpathischen Mengen.
Aber wie gesagt alles erst ab Mitte bis Ende des Krieges. In der Panzertechnik konnte die USA erst ab 45 etwas konkurrenzfähiges bereitstellen (M26 Pershing).
Die militärischen Leistungen der Deutschen wurden zu allen Zeiten von den Militärs der Gegner (sowohl Alliierte auch als Sowjets) hoch geachtet und werden es auch noch heute. Wie gesagt die militärischen. Was nichts an der Monstrosität der Verbrechen ändert, die die Deutschen begangen haben.
Weiteres Beispiel: Die deutschen Panzer waren den französischen in fast allen Belagen unterlegen. Die deutschen Panzer hatten jedoch jeder ein eigenes Funkgerät und wurden als eigene Einheit geführt. Das Ergebnis ist Geschichte.

Ach ja und die deutsche Wirtschaftspolitik galt damals ebenfalls als ein der modernsten der Welt. ;)

Irgendwas haben die Deutschen in der Militärtechnik schon richtig gemacht. Sonst wäre der Krieg schon 1939 zu Ende gewesen.

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", weil die einzelnen Soldaten im Gefecht weitaus schneller und flexibler handelten. Im Endeffekt heißt das, die deutsche Wehrmacht war zunächst aufgrund der "Uniformiertheit" und der absoluten Befehlsbereitschaft"

Ich weiß nicht wo sie das her haben, aber das widerspricht den historischen Tatsachen. Die alliierten Soldaten waren im wesentlichen Befehlsgebunden. Das ist in den USA noch heute so. Das hatte man in Deutschland geändert. Dies wurde bereits mehrfach in den verschiedenen Kommentaren dargelegt.

"Die Alliierten waren nicht nur die technisch überlegene Armee"
Auch das stimmt nur in Teilbereichen. Tatsächlich waren die Alliierten massiv überlegen was Nachschub, Logistik und Rohstoffe angeht. Am Ende stand eine massive materielle und personelle Überlegenheit. Eine einfach Wikipedia Recherche liefert ihnen die Zahlen.

"es bleibt und ist trotzdem verwerflich den Anschein wahren zu wollen, das dritte Reich sei in irgendeiner Weise für irgendetwas eine gute Sache gewesen"
Es spielt keine Rolle ob sie es als verwerflich ansehen oder nicht. Die historische Tatsache ist entscheidend. Leider richtet sich Geschichte nicht nach moralischen Werten. Da gibt es kein schwart und kein weiß.

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"tja, leider bleibt aber nunmal
die Tatsache, daß die Alliierten in kürzester Zeit in allen Bereichen überlegen waren. "
Bei der aussage "in allen Bereichen" wäre ich vorsichtig. Der beste Panzer des Krieges war laut Aussage der Allis und Sowjets ein deutsches Modell.
Natürlich zogen sie in praktisch allen Bereichen gleich und waren in vielen am Ende auch besser. Das hat niemand bezweifelt.
In den meisten Bereichen erreichte man die tatsächliche Überlegenheit aber erst zum Ende des Krieges hin. Also 44-45.
Warum wollen sie eigentlich die deutsche Militärtechnik unbedingt kleinreden?

Wissen Sie vielleicht

welche Schlachten entscheident von Bletchley Park abhingen? Mir persönlich sind da eigentlich nur die Invasion der Alliierten in der Normandie und die Schlacht am Kursker Bogen bekannt. Erstere Schlacht war nicht kriegsentscheident, nur (lt. dem was ich über die alliierten Pläne weiß) entscheident für die Fragen ob Europa unter Sowjetische Kontrolle kommt und ob Deutschland mit Nuklearwaffen angegriffen wird. Für die zweite Schlacht gab es noch einige andere Quellen und Bletchley Park sorgte eigentlich nur für mehr Sicherheit. Allerdings hätte Bletchley Park Millionen Menschen retten können wenn Stalin (in seiner Paranioa) im Juni 41 die Nachrichten über einen bevorstehenden Angriff nicht ignoriert hätte...

Waffentechnik

Sie springen etwas zu schnell zu schlüssen ohne das ganze Bild zu berücksichtigen. In der Tat waren die Alliierten vor allem bei Bombern (auch nur bei strategischen), Großkampfschiffen, Flugzeugträgern und Zerstörern überlegen. Nicht jedoch waren sie (auch eigentlich zu keiner Zeit) überlegen bei: Infantriewaffen (z.B. MG 42), Sturmgeschützen, Jadgpanzern, Panzern, Jadgflugzeugen (Me 109, FW 190, Me 262,...), UBooten,...

Kurz gesagt: In praktisch allen, für einen Kontinentalkrieg relevanten Waffengattungen war die Wehrmacht (den Westalliierten) oft weit voraus. Am Ende hat dies aber keine Rolle gespielt und zwar (in der Hauptsache) wegen der drückenden Überlegenheit an Waffen, Nachschub, Rohstoffen und Reservisten.

Despektierlicher Titel

Zuerst möchte ich sagen das ich es ausdrücklich begrüße wenn über, für Naturwissenschaften und Technik, herausragende Persönlichkeiten stärker ins Interesse der Öffentlichkeit gebracht werden, jedoch ist der Titel des Artikels nicht dazu geeignet das in positiver Weise zu tun. Ist Ihnen nichts besseres eingefallen als dieser Tierreichvergleich??