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Hundert Ideen, die den Weg von A nach B angenehmer machen

Äpfel müssen unterwegs einiges aushalten. Zum Glück gibt es zwei besonders robuste Sorten (siehe Idee 22)

Äpfel müssen unterwegs einiges aushalten. Zum Glück gibt es zwei besonders robuste Sorten (siehe Idee 22)  |  © Linus Bill

Wir sind dauernd unterwegs, mehr als je zuvor – mal beruflich, mal aus purer Neugier oder einfach nur, weil sich Ausflüge aller Art dank schlauer Ideen, dank Internet und Apps leichter und besser denn je organisieren lassen. Unser diesjähriges Ideenheft widmen wir deshalb dem erstaunlichen Einfallsreichtum, den Erfinder, Designer und Programmierer auf dem Weg von A nach B entwickelt haben. Einige dieser Erfindungen sind aus dem Ärger über die Mühsal des Reisens geboren, andere aus dem Spaß am Abenteuer. Wie das Leben unterwegs angenehmer wird, schöner, interessanter, eleganter oder lustiger, führen die Ideen in diesem Heft vor. Sie zeigen, hundertfach: Der Weg ist das Ziel.

1. Mitflugzentralen

Noch schöner als fliegen soll das Fliegen im Privatjet sein. Dank Mitflugzentralen (mitflug-boerse.de oder eddh.de) ist es sogar erschwinglich: Hobbypiloten bieten dort freie Sitze in ihren zum Teil nicht sonderlich bequemen Flugzeugen an – und weil die nicht auf den großen Flughäfen landen, sind eher Magdeburg, Wangerooge oder das Allgäu im Angebot. Und das auch nur bei guter Sicht. Gehobener reist man mit der neuen Plattform flyvictor.de, die freie Plätze in luxuriösen Privatjets vermittelt. Vertrauen in den Piloten sollte man in der teuren wie nicht so teuren Mitflugklasse mitbringen.

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2. Fahrradanhänger

Fahrradanhänger haben die Macht, aus jedem noch so schönen Fahrrad ein Ungetüm zu machen. Sollen Kinder darin sitzen, sind die Anhänger oft bunt und hässlich, als müssten sie zu den Fahrradhelmen des Nachwuchses passen. Transportfahrräder sind nur scheinbar die Lösung. Sie sind so selten ausgelastet wie Familien-Vans. Den elegantesten Anhänger haben Amerikaner erfunden, er besteht nur aus einem Brett, zwei Rädern, einer Deichsel. Auf das Brett passt Langes und Hohes und Sperriges viel besser als in jeden kistenförmigen Anhänger. Man muss das Transportgut nur gut verschnüren. Zum Glück wurde vor dem Y-Frame ja schon der Zurrgurt erfunden.

3. Busfahren mit Fächer

Öffentliche Verkehrsmittel sind im italienischen Hochsommer eher anstrengend als praktisch. Doch wer in der Stadt oder auf dem Land ohne Auto vorankommen will, dem bleiben oft nur überfüllte Stadtbusse und verspätete Regionalzüge mit kaputten Klimaanlagen. Schweißgebadet erreicht man sein Ziel, die Motivation für den Museumsbesuch ist in der Hitze verdunstet. Hätte man es nur so gemacht wie die hitzeerprobten Italienerinnen, die man während der Hinfahrt neidisch beobachtet hat. Die haben einen so praktischen wie eleganten Trick: Kaum hat die Signora sich in den Bus gesetzt, holt sie einen hübschen Fächer aus ihrer Handtasche und wedelt sich damit eifrig Luft zu. Das verschafft nicht nur angenehme Kühle, sondern sieht auch noch ansprechend aus. Mit Fächer fühlt man sich als Frau sofort ein bisschen wie Claudia Cardinale im Visconti-Film Der Leopard . Diese ansehnlichen Helfer sind natürlich auch für jedes andere Land mit heißen Temperaturen geeignet. Italienische Männer greifen übrigens nicht zum Fächer, manchmal jedoch zu batteriebetriebenen Miniventilatoren.

4. Kleines Daunenkopfkissen

Manch glücklich Verliebter schläft auch gut an des Partners Schulter. Aber wie schläft dann der Partner? Ein Kissen ist eine schöne Sache, und es wäre doof, dieses leichte Utensil nicht mit auf Reise zu nehmen. Es gilt die Regel: Je dauniger das Kopfkissen und je weniger kunstfasrig, desto angenehmer die Zugfahrt oder der Flug, desto schöner die ganze Reise und womöglich das ganze restliche Leben.

5. Mittagsrast neben der Autobahn

Mit dem Gault-Millau-Restaurantführer in der Hand (App geht auch) lassen sich bis zu 750 Kilometer lange Autobahnfahrten erträglich gestalten, und das geht so: Man teile die Strecke durch zwei, plane pro 100 Kilometer eine Stunde ein und fahre so los, dass man gegen 13 Uhr in der Mitte angekommen ist. Man suche sich dort aus dem Buch ein Restaurant aus, das möglichst nahe der Autobahn liegt, reserviere einen Tisch und verbringe schließlich den Mittag zum Beispiel auf der Wartburg statt in der Autobahnraststätte. Das hat mindestens drei Vorteile: Man kann sich einige Stunden lang auf ein gutes Essen freuen, man entdeckt etwas Neues auf der langen Autobahnfahrt (was einem sonst ja nie passiert), und man ist in der zweiten Fahrthälfte gut gestärkt statt überfuttert – jedenfalls nicht bratwurstmüde.

6. Wanderschuhe

Naturgemäß spielen, wenn es ums Wandern geht, Schuhe die tragende Rolle. Und wenn dieses Wandern kein Trekking durch eine Goretex-Welt ist, sondern ein mehrmonatiger Gang, sagen wir von Berlin nach Moskau, dann verbietet sich der ganze Outdoor-Kram. Dann muss ein Schuh des Vertrauens her. Einer für alle Straßen- und Lebenslagen. Im Fall unseres Redaktionskollegen Wolfgang Büscher kamen sie alle aus Bayern. Für seinen Gang nach Osten, von dem er in seinem 2003 erschienenen Buch Berlin–Moskau erzählt, hatte ihm Peter Eduard Meier ein Paar halbhoher, knöchelbedeckender Stiefel gebaut mit nahezu unverwüstlicher Sohle. Bei einem späteren Gang durch Amerika waren extrem unterschiedliche Temperaturen zu erwarten – die Winterprärie von Nord-Dakota, die Gluthitze der Halbwüste von Südtexas. Büscher wählte einen Schuh von Trabert, dem alten Familienbetrieb in der Bayerischen Rhön, eine Art Springerstiefel, ein gutes Stück höher als der Moskau-Schuh. Mit ihm stapfte er durch Eis und Schnee im Norden, im Süden schützten ihn die hohen Schäfte vor Klapperschlangen und Skorpionen. Es ist gut gegangen.

7. Croissants

Flughäfen bieten viel, exquisite Backwaren gehören nicht zu ihrem Angebot. Wie viele unschöne Momente wurden schon verbracht, weil man in der Not ein Theken-Croissant aß. Auch die im Flugzeug angebotenen Backwaren sind eine Katastrophe (man denke nur an die Laugenstangen, die bei Air Berlin als Frühstück gereicht werden). Wer an diesem zähen Backwerk kaut, schwört sich, beim nächsten morgendlichen Flug dem Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen zu sagen, er möge bitte kurz bei einem guten Bäcker halten, zwecks Frühstückseinkauf. Und genau das ist die Idee, die hier verraten sei.

8. Schöne Stadtpläne

Warum sind in Stadtplänen, die Touristen nutzen sollen, zwar alle Friedhöfe eingezeichnet und alle Industriegebiete, nicht aber schöne Cafés? Die beiden Londoner Jane Smillie und Ben Olins wollten das ändern. Seit 2010 verkaufen sie unter dem Namen Herb Lester Associates liebevoll recherchierte und gestaltete Stadtpläne. Darin eingezeichnet sind Orte, die nur deswegen keine Geheimtipps mehr sind, weil sie auf ihren Karten auftauchen. Bisher kamen zu Ehren: London, Paris, Berlin, Glasgow, Austin, New York.

9. Mittel gegen Heimweh

Manche hat das Heimweh in der Kindheit so sehr gequält, dass sie noch als Erwachsene klagen: »Deswegen hab ich das Zeltlager abgebrochen.« Damit es nicht so weit kommt, raten Psychologen und andere Experten, das Kind schon vor der ersten Reise ohne Mama oder Papa mal eine Nacht bei Oma oder Tante schlafen zu lassen. Immer gut ist auch die Idee, das vertraute Stofftier oder die Lieblingsbettwäsche ins Übernachtungsgepäck zu geben, genauso wie das Versprechen, dass es sich ständig zu Hause melden kann. Heimwehsteigernd ist es jedoch, wenn sich die Eltern ständig bei den Kindern melden.

10. Sperrige Güter

Wer jemals versucht hat, ein schweres oder sperriges Ding von einem Ort zum anderen zu schaffen, obwohl er weder einen Kleintransporter hat noch Lust, einen zu mieten, der hat vielleicht nicht wenige Telefonate mit Speditionen geführt, die versprachen, den Sessel, den Strandkorb oder den Kaminofen für hundert Euro mitzunehmen, als Beiladung, wie es in der Spediteurssprache heißt, also reingestopft in einen Umzugswagen, der sowieso fährt. Vielleicht hat der Transportsuchende dann tagelang nichts mehr gehört von diesen Speditionen. Vielleicht hat er dann angerufen, um nachzufragen, wie es denn nun sei, und vielleicht hat man ihm geantwortet, ach, das sei leider ganz blöd gelaufen, man müsse den Transport stornieren, die Tour habe sich geändert. Vielleicht ist ihm das nicht einmal, sondern viermal passiert, und vielleicht ist er dann, durch einen Tipp einer Bekannten, auf Herrn Skwar gestoßen. Der hat sich nämlich auf die kleinen, privaten Transporte spezialisiert. Transmotion heißt seine Firma. Er fährt mit einem einzigen Transporter durchs Land, und wenn er kommt und schwere, sperrige Dinge auf- oder ablädt, dann kann man sehen, dass alles fein und sicher verstaut ist mit Gurten und Stangen. Herr Skwar trinkt übrigens gerne auch mal einen Kaffee.

11. Der Sturmkocher

Der Trangia-Sturmkocher, Kocher und Kochgeschirr in einem, funktioniert nach dem Babuschka-Prinzip: In jedem Töpfchen steckt noch einmal ein weiteres, bis schließlich am Ende ein kleiner Brenner mit Deckel kommt, in den sich Spiritus füllen lässt. Die äußere Hülle ist Verpackung und Windschutz, sodass dieser Kocher bei wirklich jedem Wetter benutzt werden kann. Design vereint Schönheit und Funktion. So gesehen, ist der Trangia, gebaut seit 1950 in Schweden, ein Klassiker des Designs. Einziger Nachteil: Wenn mehr als fünf Kanufahrer oder Radfahrer zusammen sind, haben mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens drei den Trangia im Gepäck: Dann ist es unmöglich, seinen Trangia zusammenzuhalten. Wer nicht aufpasst, hat am Ende der Reise garantiert den ollsten Brenner in der Mitte seiner Babuschka.

12. Kofferpacken

An guten Ratschlägen mangelt es auf diesem Gebiet nicht, über das Kofferpacken wurden schon ganze Bücher geschrieben, ganze Blogs sowieso. Trotzdem sitzt man am Ende immer wieder auf dem Kofferdeckel, um das verdammte Ding irgendwie zuzukriegen. Für das richtige Kofferpacken ist die erste Entscheidung die wichtigste – und schwierigste: Was soll eigentlich mit auf die Reise? Die meisten Packexperten empfehlen, alle Kleidungsstücke, die unbedingt mit sollen, zunächst neben dem Koffer zu stapeln. Und dann die Hälfte davon wieder zurück in den Schrank zu legen. Danach beginnt das eigentliche Packen. Wer es eine Weile ausprobiert und geübt hat, schwört auf das platzsparende Prinzip »Rollen statt falten«. Wie stark die beiden Methoden jeweils die Kleidung zerknittern, darüber gehen die Meinungen auseinander. Es ist vor allem eine Frage der Technik und der Materialien. Da hilft nur: ausprobieren! Und dann noch mal ausprobieren.

13. Golite

Der Feind des Wanderers ist die Schwerkraft. Jedes Kilo wirkt so kräftezehrend wie eine Stunde Fußmarsch – das ist eine Art physikalisches Grundgesetz. Aber trotzdem sind praktisch alle Wanderrucksäcke, die in den Outdoor-Läden angeboten werden: schwer. Anderthalb Kilo oft, ohne dass sich auch nur eine Zahnbürste darin befände. Die amerikanische Firma Golite versteht sich auf Rucksäcke, die weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Trekking-Rucksacks wiegen. Die schweren sind natürlich etwas robuster. So robust wie ein SUV ungefähr. Viel zu robust für das, wofür man sie braucht.

14. Shampoo fürs Meer

Für längere Bootsfahrten gibt es das Seewasser-Shampoo von Yachticon. Es ist besonders für die Verwendung mit Salzwasser geeignet, stark konzentriert (also gewichtsparend) und biologisch abbaubar. »Mit 7 Kräuterextrakten« wirbt der Hersteller, das klingt ja fast schon dekadent. Und müssen sich raubeinige Seeleute überhaupt die Haare waschen? Na gut, ihre Passagiere vielleicht schon.

15. Weiche Schlafbrille

Ja, Schlafbrillen sehen lächerlich aus – aber wenn man selbst eine aufhat, kann einem das ja egal sein. Schlimmer ist, dass so viele Schlafbrillen mit ihren unangenehmen Kunststoffen, scharfen Kanten und einschneidenden Gummibändern Albträume auslösen. Zu den wohltuenden Ausnahmen gehören die großen, weichen Sandman Eyeshades von der kalifornischen Firma Eagle Creek. Sie sind so kuschelig wie das kuscheligste Kuscheltier und lassen einen sofort wie ein Kleinkind mit süßen Teddybärträumen einschlummern. Vorher sollte man sich noch schnell die beiden Ohrenstöpsel aus der eigens für diese vorgesehenen Tasche über dem linken Auge ziehen, sie in die Ohren stecken – und dann gute Nacht.

Leserkommentare
  1. Der Tipp ist sicher gut, aber die russischen Püppchen, auf die verwiesen wird, heißen Matroschkas oder auch Matrjoschkas. Die Babuschka ist die Großmutter. Als ostsozialisierte Expionierin weiß ich das noch aus meiner Kindheit; ohne diese "Bildung" könnte man das aber auch ganz leicht im Internet recherchieren ;-).

  2. Danke, Frau N. Genau das wollte ich nach Lesen des Artikels auch anmerken. Ich habe mich ernsthaft gefragt, wie die Großmutter des Verfassers dieses Tips aussah. Eine einfache Recherche hätte diesen Fehler verhindern können. Auch ostsozialisiert, aber nie Pionierin gewesen, wusste ich das auch. :o)

  3. ok, ich werde vermutlich nie durch Rom mit einem gemieteten Scooter fahren, allerdings habe ich den Rote Beete-Salat bereits am Wochenende ganz ohne Reiseambitionen nachgebaut und hatte eine große Freude, in der Sonne sitzend, diese vielen, kleinen Stückchen zu lesen.

    Mein Dank für die 100 Anregungen

    • keibe
    • 31. Mai 2012 22:30 Uhr

    "1. Mitflugzentralen"

    vs.

    "Mayday, Alarm im cockpit"

    = "Hundert Ideen, die den Weg von A nach B angenehmer machen"

    Als vorsichtiger Mensch würde ich hier zunächst mal auf 99 Ideen tippen.

  4. Wooooo bekommt man denn diesen zauberhaften Regenschirm? 'Golf Camping' führt leider zu Milliarden Ergebnissen...

    • VeraB
    • 17. August 2012 9:33 Uhr

    Als Vielreisende habe ich diese Tippsammlung wirklich genossen. Bitte demnächst weitere solche Tipps - vielleicht sogar ein Sammlung Tipps von den Lesern?

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