Jugendarbeitslosigkeit: In Europa, verdammt!
Fast ein Viertel aller Jugendlichen in der EU ist arbeitslos. Das ist nicht einfach ein Problem, es ist Wahnsinn.
© Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Studenten bei einer Demonstration in Rom (Archivbild)
Vielleicht gehört es zum Unglück der Jungen, dass der Sinn für Größenordnungen inzwischen verloren gegangen ist. Die Empfindlichkeit für Zahlen und für das, was sie bedeuten, hat offensichtlich gelitten durch all die Milliarden, die in den vergangenen Jahren über die europäische Ladentheke geschoben wurden. Anders lässt sich nicht erklären, warum diese eine Zahl bislang behandelt wurde, als handele es sich lediglich um eine Fußnote. Um Kleingedrucktes der Krise.
Fünfeinhalb Millionen junge Menschen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren waren in diesem März in der Europäischen Union arbeitslos, ganz genau: 5,516 Millionen. Das entspricht einer Quote von 22,6 Prozent. Jugendliche sind damit doppelt so hart von Arbeitslosigkeit betroffen wie Ältere (die Quote aller Altersklassen liegt bei 10,2 Prozent, ebenfalls ein Rekordwert). Es sind junge Menschen wie der Schulabbrecher Yassine aus der Pariser Banlieue, die Slowakin Nikoletta, die voller Hoffnung Kulturwissenschaften studiert hat, oder Jessica aus Rom, die noch immer bei den Eltern wohnt. Jeder von ihnen hat seine Hoffnungen und Handicaps. Alle haben sie den Wunsch, endlich anfangen zu können. Endlich ihr eigenes Leben zu beginnen.
Doch die enorme Zahl steht nicht nur für die Summe vieler persönlicher Geschichten. Die 5,516 Millionen verweisen auf eine fundamentale Ungerechtigkeit. Denn die Jungen, die heute keine Arbeit finden, zahlen doppelt und dreifach. Sie sind die Leidtragenden einer Krise, die sie nicht verschuldet haben; sie werden später, wenn sie Arbeit finden, für Schulden bezahlen, mit denen andere ihre Sorgen verdrängt haben; und sie werden immer weniger sein als die Alten, die immer älter werden. Jugendarbeitslosigkeit in einer alternden Gesellschaft ist nicht irgendein politisches Problem. Sie ist ein Wahnsinn.
In Deutschland ist dieser Wahnsinn nicht so spürbar wie im übrigen Europa. Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 7,9 Prozent die niedrigste aller EU-Länder. Um eine Vorstellung von dem Irrwitz um uns herum zu bekommen, muss man sich deshalb ein paar Zahlen genauer ansehen.

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Mit den 5,516 Millionen sind nur jene Jugendlichen erfasst, die tatsächlich nach Arbeit suchen. Zieht man eine andere Größe heran, die sogenannten NEETs, wird das Bild noch dramatischer. Die Abkürzung steht für »not in employment, education or training« und bezeichnet alle 15- bis 24-Jährigen, die weder Arbeit haben noch einen Studien- oder Ausbildungsplatz. Diese Zahl ist schwieriger zu erfassen und wird nur einmal im Jahr erhoben. Der letzte Wert stammt von 2010. Bereits damals gab es 7,5 Millionen NEETs.
Junge Arbeitnehmer oder Arbeitssuchende haben es besonders schwer, weil Unternehmen in Krisenzeiten keine neuen Mitarbeiter einstellen und meist diejenigen zuerst entlassen, die erst kurz dabei sind: »Last in, first out.« Hart getroffen sind daher einmal mehr die Krisenstaaten; in Griechenland und Spanien bleibt jeder zweite unter 25, der Arbeit sucht, ohne Job. Das Muster jedoch zieht sich quer über den Kontinent. Selbst in so unterschiedlichen Ländern wie Schweden, Rumänien oder Luxemburg ist die Jugendarbeitslosigkeit mehr als drei Mal so hoch wie die allgemeine Arbeitslosigkeit. Es gibt nicht viele politische Felder, bei denen die EU ein so einheitliches Bild abgibt wie hier: bei den Vereinigten Arbeitslosen von Europa. Für eine ganze Generation steht plötzlich infrage, was lange selbstverständlich war: dass Europa seinen Bürgern persönliche Freiheit und Wohlstand garantiert.





... das ist der einzige Weg. Es ist in unserer Welt Wahnsinn, immer mehr und noch mehr Kinder in die Welt zu setzen. Aber das kapieren unsere vergoldeten Konservativen an der Regierung nicht.
Europa ist ueberbevoelkert!
...ich wette, dass da dann alle Mittel und Wege in Bewegung gesetzt werden, auch nur den Ansatz einer Geburtenkontrolle zu ersticken.
...ich wette, dass da dann alle Mittel und Wege in Bewegung gesetzt werden, auch nur den Ansatz einer Geburtenkontrolle zu ersticken.
Nach mir die Sintflut! Wenn man mal so ueberlegt, man bekommt keine Arbeit bis ca. 25/26 und wird dann spaetestens mit 45 wegrationalisiert, da bleibt ja nicht mehr viel! Wenn ich in ca. 30 Jahren das Rentenalter erreichen werde, werden saemtliche Sozialsysteme zusammengebrochen sein. Rente wird es wahrscheinlich nicht mehr geben...
"Hinzu kommt ein Arbeitsmarkt, der ältere Arbeitnehmer mit Privilegien ausstattet und jüngeren Menschen die Chancen verweigert."
Heißt also, die Alten entlassen damit die Jüngeren an Arbeit kommen? Hätten Sie geschrieben: Die Alten (zwangsweise) in die Rente zu entlassen, wobei die Rente ein Lebenswertes Leben ermöglicht, dann befänden Sie sich auf dem Lösungsweg.
Es gibt keine Arbeit mehr, für Alle, Beschäftigungsfähigen Menschen! Damit ist Arbeitslosigkeit, wie fast alles andere, ein Verteilungsproblem!
Dies Verteilungsproblem ist nur Lösbar, wenn Ältere früher in Rente gehen, oder wirtschaftliches Wachstum generiert wird.
Wirtschaftliches Wachstum über Export macht es Importländern unmöglich, wirtschaftliches Wachstum zu generieren!
Bleibt nur die Möglichkeit, den Menschen zusätzliche Kaufkraft zukommen zu lassen. Die Reichen verkonsumieren nicht mehr, wenn Sie Reicher werden, die Armen schon.
Also höhere Steuern für die Reichen? Oder der Staat schöpft, neben den Banken das Geld, und verteilt es unter allen Menschen? Die Armen sorgen für Nachfrage und steigern das Wachstum! Mit allen weiteren Vorteilen für die Volkswirtschaft.
Damit Belasse ich es mal.
Nun, da erinnert man sich in weiten Teilen Europas an die Methode, die in Deutschland im 20. Jahrhundert mehrfach angewendet wurde: an künstliche Hyperinflation, Währungsreformen und den Schuldenschnitt, den die Siegermächte des II. Weltkrieg mit dem vereinigten Deutschland im 2+4-Vertrag fest schrieben. Außer der Wiedergutmachung an Israel und den fragwürdigen Reparationsleistungen an die UdSSR brauchte Deutschland nach dem Ende des II. Weltkrieges nichts zu zahlen. Die Länder, die von Hitler-Deutschland überfallen, besetzt und gegen Ende des Krieges auch mit tatkräftiger Mithilfe von Roter Armee, Briten und USA zerstört und danach von anderen wieder besetzt wurden, gingen leer aus. In Osteuropa war die Situation teilweise noch schlimmer, denn da wurde 1945 der eine Besatzer mit seinem tyrannischen Despotensystem durch einen anderen ersetzt.
In Deutschland und den ehemaligen Siegermächten ist allerdings dieser "Schuldenschnitt" überhaupt nicht wahr genommen worden. Man will nichts davon wissen. Und so hofft man politischerseits vielerorts heute noch darauf, dass sich die Zeiten ändern und man mit irgendwelchen Tricks zu Lasten Anderer aus der Angelegenheit heraus kommt.
...ich wette, dass da dann alle Mittel und Wege in Bewegung gesetzt werden, auch nur den Ansatz einer Geburtenkontrolle zu ersticken.
"Wer kommt dann für die Schulden auf?"
Sie kennen sicher alle das Erbrecht - man kann sich in Ruhe Zeit lassen und dann überlegen ob man das Erbe annimmt oder ausschlägt. Jetzt raten sie doch alle einmal wie sich die junge Generation da entscheidet...
Davon war gar nicht die Rede. Das Problem ist, dass Europa ständig als Ausrede dafür herhält seinen Job nicht machen zu müssen. Politiker sagen nationale Lösungen bringen ja nichts also muss das jetzt so gemacht gemacht werden und übergehen die eigene Bevölkerung und tun so als ob sie alles abnicken müssten ohne noch selbst Einfluss darauf zu haben dabei haben sie Europa ja selbst erst so gestrickt, dass es so ist wie es ist. Unternehmen flennen dauernd bei der Politik rum, dass man ihnen doch bittet Fachkräfte sonstwoher besorgen soll oder setzen ihre Fabriken etc. gleich dahin wo die Menschen am schlechtesten behandelt werden statt sich mal selbst darum zu kümmern die Situation zu verbessern. Europa ist zum Selbstbedienungsladen für alle möglichen feuchten Träume unserer ELiten verkommen. Das dann eine antieuropäische Grundstimmung aufkommt hat überhaupt nichts damit zu tun, dass irgendjemand auf irgendjemanden herabblickt oder so. Und natürlich sind es die weniger previligierten Menschen - nicht weil sie nicht gebildet wären sondern, weil sie sich schlechter wehren können und eben nicht einfach so in Ausland gehen können. So wird ein Schuh draus. Ich hoffe ich hab das jetzt mal allgemeingültig erklärt ohne, dass mir wieder irgendwelche Anfeindungen unterstellt werden. Und von Australien oder Amerika ist auch nur in sofern die Rede als das dann auf europäischer Ebene z.B. Datenaustauschprogramme durchzudrücken, die man aus guten Gründen national nie durchbekommen hätte.
Ja all die bösen "Medienheinis" (wie Sie abfällig schreiben) und Kulturwissenschaftler sind schuld. Das diese Seite hier von "Medienheinis" erstellt wird, und das viele Journalisten aus dem kulturwissenschaftlichen Bereich kommen vergessen Sie wohl. Jetzt bin ich aber wirklich neugierig: welch bombastisch-sicheres und überaus wichtiges Fach studieren Sie denn?
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