JugendarbeitslosigkeitIn Europa, verdammt!

Fast ein Viertel aller Jugendlichen in der EU ist arbeitslos. Das ist nicht einfach ein Problem, es ist Wahnsinn.

Studenten bei einer Demonstration in Rom (Archivbild)

Studenten bei einer Demonstration in Rom (Archivbild)

Vielleicht gehört es zum Unglück der Jungen, dass der Sinn für Größenordnungen inzwischen verloren gegangen ist. Die Empfindlichkeit für Zahlen und für das, was sie bedeuten, hat offensichtlich gelitten durch all die Milliarden, die in den vergangenen Jahren über die europäische Ladentheke geschoben wurden. Anders lässt sich nicht erklären, warum diese eine Zahl bislang behandelt wurde, als handele es sich lediglich um eine Fußnote. Um Kleingedrucktes der Krise.

Fünfeinhalb Millionen junge Menschen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren waren in diesem März in der Europäischen Union arbeitslos, ganz genau: 5,516 Millionen. Das entspricht einer Quote von 22,6 Prozent. Jugendliche sind damit doppelt so hart von Arbeitslosigkeit betroffen wie Ältere (die Quote aller Altersklassen liegt bei 10,2 Prozent, ebenfalls ein Rekordwert). Es sind junge Menschen wie der Schulabbrecher Yassine aus der Pariser Banlieue, die Slowakin Nikoletta, die voller Hoffnung Kulturwissenschaften studiert hat, oder Jessica aus Rom, die noch immer bei den Eltern wohnt. Jeder von ihnen hat seine Hoffnungen und Handicaps. Alle haben sie den Wunsch, endlich anfangen zu können. Endlich ihr eigenes Leben zu beginnen.

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Doch die enorme Zahl steht nicht nur für die Summe vieler persönlicher Geschichten. Die 5,516 Millionen verweisen auf eine fundamentale Ungerechtigkeit. Denn die Jungen, die heute keine Arbeit finden, zahlen doppelt und dreifach. Sie sind die Leidtragenden einer Krise, die sie nicht verschuldet haben; sie werden später, wenn sie Arbeit finden, für Schulden bezahlen, mit denen andere ihre Sorgen verdrängt haben; und sie werden immer weniger sein als die Alten, die immer älter werden. Jugendarbeitslosigkeit in einer alternden Gesellschaft ist nicht irgendein politisches Problem. Sie ist ein Wahnsinn.

In Deutschland ist dieser Wahnsinn nicht so spürbar wie im übrigen Europa. Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 7,9 Prozent die niedrigste aller EU-Länder. Um eine Vorstellung von dem Irrwitz um uns herum zu bekommen, muss man sich deshalb ein paar Zahlen genauer ansehen.

Jugendarbeitslosigkeit
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Mit den 5,516 Millionen sind nur jene Jugendlichen erfasst, die tatsächlich nach Arbeit suchen. Zieht man eine andere Größe heran, die sogenannten NEETs, wird das Bild noch dramatischer. Die Abkürzung steht für »not in employment, education or training« und bezeichnet alle 15- bis 24-Jährigen, die weder Arbeit haben noch einen Studien- oder Ausbildungsplatz. Diese Zahl ist schwieriger zu erfassen und wird nur einmal im Jahr erhoben. Der letzte Wert stammt von 2010. Bereits damals gab es 7,5 Millionen NEETs.

Junge Arbeitnehmer oder Arbeitssuchende haben es besonders schwer, weil Unternehmen in Krisenzeiten keine neuen Mitarbeiter einstellen und meist diejenigen zuerst entlassen, die erst kurz dabei sind: »Last in, first out.« Hart getroffen sind daher einmal mehr die Krisenstaaten; in Griechenland und Spanien bleibt jeder zweite unter 25, der Arbeit sucht, ohne Job. Das Muster jedoch zieht sich quer über den Kontinent. Selbst in so unterschiedlichen Ländern wie Schweden, Rumänien oder Luxemburg ist die Jugendarbeitslosigkeit mehr als drei Mal so hoch wie die allgemeine Arbeitslosigkeit. Es gibt nicht viele politische Felder, bei denen die EU ein so einheitliches Bild abgibt wie hier: bei den Vereinigten Arbeitslosen von Europa. Für eine ganze Generation steht plötzlich infrage, was lange selbstverständlich war: dass Europa seinen Bürgern persönliche Freiheit und Wohlstand garantiert.

Leser-Kommentare
    • Askay
    • 12.06.2012 um 19:29 Uhr

    1. Nachhaltige Arbeitsplätze (ohne die Gemeinschaft übermäßig u. U. bis zur Staatspleite zu belasten) schafft nur der Unternehmer.

    2. Jede Regelung, die Unternehmersein schwerer (Tausende Regelungen) oder unattraktiver (Umverteilung des Gewinns durch steuern und Abgaben) macht, geht zu Lasten der Arbeitnehmer.

    3. Jeder AN sollte sich als kleiner Unternehmer mit nur einem Produkt, seiner Schaffenskraft innerhalb einer bestimmten Lebenszeit erachten.

    4. Mittlerweile konkurieren Arbeitnehmer weltweit und Staaten ebenso weltweit um Unternehmer.

    Verlässt sich ein AN auf einen einzigen Abnehmer (Unternehmer) oder ist sein Produkt einer hohen Konkurrenz durch viele gleichartige Anbieter ausgesetzt (z.B. Ungelernte), muss er sich mit niedrigerem Preis zufrieden geben. Es ist die eigene Verantwortung des AN hier für Anpassung zu sorgen (Qualifikation), denn nur er kann selbst lernen. Der Staat oder Unternehmen können allenfalls die Einrichtungen dazu stellen.

    Wenn der Staat Zwangspreise (Mindestlohn) oder Zwangsbindung einführt (Kündigungsschutz) verstößt er gegen Punkt 2, macht Unternehmersein unattraktiv mit der Folge weniger Arbeitsplätze. Schauen wir auf die Länder mit hoher (Jugend-)Arbeitslosigkeit sind es Länder mit starrem oder zu teueren Arbeitsmarkt und/oder zu starken Einschränkungen des freien Unternehmertums.

    So schaden vor allem linke Ideen den eigentlich Befürsorgten, wie man an der fehlenden Attraktivität sozialisitischer/kommunistischer Länder sieht

  1. Die jugendlichen Arbeitslosen in Griechenland und Spanien lernen jetzt als Fremdsprache Deutsch.
    Weil in Ihren Pleiteländern keine Arbeit zu finden ist,setzen Sie alles daran auf dem deutschen Arbeitsmarkt bessere Chancen zu haben.
    Also wird in den nächsten 2-3 Jahren eine Welle von Arbeitswilligen auf den deutschen Markt rollen.
    Man darf aber auf keinen Fall vergessen die eigenen Jugendlichen in Ausbildung zu bringen,manche Forderungen für eine Ausbildung sind einfach zu hoch gegriffen. Z.B. Azubi zum Tischler mit Abitur,Laboranten mit Abitur.
    Die Industrie und Handwerker sollten sich mal wieder an den 70´ orientieren.
    Wenn dieses überzogene weiter geht,wird bald jeder für den Beruf als Tischler,Laborant eine Doktorarbeit vorweisen müssen.BITTE MEHR IM EIGENEM LAND TUN !!!!

    • HeidiS
    • 31.10.2012 um 14:33 Uhr

    "In Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 7,9 Prozent die niedrigste aller EU-Länder", aber in Deutschland ist auch die Eigenheimquote in der EU am niedrigsten. Die meisten müssen von geringem Lohn auch Miete für das Dach über den Kopf zahlen - und das immer mehr.

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