AutotestVon A nach B

Iris Mainka fährt den McLaren MP4-12C von Hamburg nach Timmendorfer Strand, um den Sommer nicht zu verpassen

McLaren MP4-12C

McLaren MP4-12C

Es soll Menschen geben, die es rund um Hamburg platt und öde finden, das Wetter zu feucht und die Norddeutschen charmefrei. Nur die Nähe zum Wind lassen sie gelten. In einer Stunde am Meer – das hat was. Und in weniger als einer Stunde mit einem McLaren-Rennwagen in Timmendorfer Strand – das hat was Großes. Vom Flughafen aus könnte es klappen: Mit Glück steht man am Meer, bevor die Sonne wieder weg ist.

Der MP4-12C ist das Gegenteil von einem Nützling, der einen undramatisch vom Start ans Ziel trägt. Das merkt man schon am Namen: Wer heißt denn sonst schon so wie ein akuter Befehl zum Schiffeversenken? In diesem Hochleistungsgefährt geht es ums Dazwischen, um das Genießen des Weges. Aber wir müssen schnell zur Autobahn, die Meeressehnsucht drängt. Ein sanftes Streicheln über den Lack, ungefähr da, wo sonst ein Türgriff sitzt. Hat man den magischen Punkt erwischt, fährt die Schmetterlingstür lautlos nach oben – und es klicken die ersten Passantenhandys: »Can I take a picture?« Auch unter Videoüberwachung gelingt das Hineinwinden in das edelst reduzierte Cockpit ohne Peinlichkeit. Gereifte Knochen fühlen sich von den Sitzschalen angenehm gestützt.

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Erleichterung: Es gibt ein Lenkrad! Außerdem eine Automatikschaltung, die dem Rennwagenazubi alles Schwierige abnimmt. Wer ob der PS-Zahl von 600 und einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h im Vorfeld eine gewisse Beklemmung verspürt haben mag, der wird am Steuer ganz schnell ganz ruhig: Das Raubtier ist gezähmt und lenkt sich so einfach wie ein Bobbycar.

Von A nach B
Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

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Zumindest im Normalmodus. Es gibt da noch so einen Knopf auf der Mittelkonsole für, zweitens, den Sport- und, drittens, den Trackmodus. Dann strafft sich per Hydraulik das federnde Muskelpaket unter dem Carbonmantel, der Sound schwillt an ins Aggressive, und das Geschöpf offenbart seine einprogrammierten Werwolfgene. Oha! Mit Tempo 220 auf dem Weg ans Meer – aber nur sehr kurz, dann kommt wieder so ein Schild mit rotem Rand, das man unter diesen Umständen nur als lästig empfinden kann. Darum braucht man den Knopf auch nur auf der Nordschleife des Nürburgrings. 1 Stunde 7 Minuten. Nein, an ihm lag es nicht, dass wir das Stundenlimit überschritten haben. Der MP-Dingsbums hätte gekonnt. Und wie er gekonnt hätte! Wenn die Schilder ihn gelassen hätten. Brumm.

Am Ziel scheint die Sonne, die Ostsee liegt graugrün und schwappt.

Technische Daten

Motorbauart: 8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 441 kW (600 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 3,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h
CO2-Emission: 279 g/km
Durchschnittsverbrauch: 11,7 Liter
Basispreis: 200.000 Euro 

Iris Mainka ist Chefin vom Dienst bei der ZEIT

 
Leserkommentare
  1. ... und "lenkt sich wie ein Bobby Car"? Da hätte ich mir aber etwas marginal besseres erwartet ...

  2. Glaube nicht, denn ich gönne jedem, der es sich leisten kann, ein dickes Auto. (Wenn ich z.B. den Zaster hätte - was nicht der Fall ist - käme mir ne 1988er S-Klasse ins Haus. :))

    Aber, liebe Zeit: so lange Sie solche Sport- und SUV-Schlitten bewundernd beschreiben, ersparen Sie mir bitte die "Grüner Leben"-Rubrik im Wirtschaftsteil aller paar Wochen. Beides gemeinsam geht irgendwie nicht.

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    Bei mir wär's ein Audi 200 5T von 1982 ...

    Spielverderber ;-)
    Ist doch geil so´n Auto,trotzdem hat die andere Rubrik auch ihre Berechtigung.

    Bei mir wär's ein Audi 200 5T von 1982 ...

    Spielverderber ;-)
    Ist doch geil so´n Auto,trotzdem hat die andere Rubrik auch ihre Berechtigung.

  3. Bei mir wär's ein Audi 200 5T von 1982 ...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Bin ich neidisch?"
    • 2eco
    • 01.06.2012 um 10:29 Uhr

    Der McLaren ist für mich ein absoluter Traumwagen. Präzision aus dem Rennsport, super Design und das bei einem guten Preis/Leistungsverhältnis - für seine Klasse natürlich.

    Dabei ist der Wagen schon deshalb das ideale Männerspielzeug, weil der Heckflügel ausfahrbar ist und bei starken Bremsunge nach oben gekippt wird.

    Toll das die Zeit auch ab und zu über solche Autos schreibt. Eins finde ich allerdings schade...Der Wagen hätte sich ein bischen mehr Text verdient.

    Eine Leserempfehlung
  4. Spielverderber ;-)
    Ist doch geil so´n Auto,trotzdem hat die andere Rubrik auch ihre Berechtigung.

    Antwort auf "Bin ich neidisch?"

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