Fehleranalyse: Das Zitat... und Ihr Gewinn
Johann Wolfgang Goethe sagt: Willst du dich am Ganzen erquicken, so musst du das Ganze im Kleinsten erblicken.
»Wie konnte das bloß passieren?« Diese Frage hallt über Firmenflure, wenn ein schwerer Fehler unterlief, ein Projekt gegen die Wand gefahren wurde, ein Kunde vergrault wurde.
Meist wird zur Jagd auf einen Sündenbock geblasen. Zum Beispiel hat der Projektleiter mit seinem Team den Termin, wie es heißt, »verbockt« und den Kunden »vertrieben«. Dafür wird er öffentlich hingerichtet, inklusive Abmahnung. Auf den ersten Blick scheint das vertretbar: Er hätte den Termin halten und den Kunden zufriedenstellen müssen.
Aber klüger täten die Unternehmen daran, in Goethes Sinne nach dem »Ganzen im Kleinsten«, sprich nach den systemischen Zusammenhängen zu fragen: Die meisten Fehler gehen auf ein Versagen des Systems zurück. Der Ort, an dem der Fehler auftritt, ist so willkürlich wie das Ufer, an dem der Wellenschlag eines ins Wasser geworfenen Steins ankommt. Wer den Ort des Fehlers oder seinen scheinbaren Verursacher mit der wahren Ursache verwechselt, verhält sich töricht.
Gute Fragen zielen auf das System der Firma: Wie kam der knappe Termin überhaupt zustande? Wurde die Projektgruppe von oben unter Druck gesetzt? Wenn ja: Wie kam es zu diesem Druck? Hinkte die Geschäftsleitung den Markterwartungen hinterher? Wollte man mit diesem Projekt andere Fehlschläge kompensieren? War der Termin ohne Rücksicht auf die Kapazitäten zugesagt worden? Wie laufen hier Abstimmungsprozesse?

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".
Weitere Fragen könnten lauten: Hatten die Abteilungen, auf deren Hilfe die Projektgruppe angewiesen war, genug Zeit für diese Zusatzarbeit? Oder pfiffen sie, nach Personalkürzungen, aus dem letzten Loch? Bekamen sie kaum ihr Tagesgeschäft geregelt? Waren auch die Projektmitarbeiter von ihrer Alltagsarbeit in Beschlag genommen? Wie ist es um die Personaldecke bestellt? Gab es Konflikte zwischen einzelnen Abteilungen, sodass einige Projektmitarbeiter in Wirklichkeit Projekt-Gegenarbeiter waren?
Und schließlich: Wie harmonisch wird in dieser Firma gearbeitet? Und warum reagierte der Kunde so hart? War der gebrochene Termin nur der letzte Tropfen in ein volles Fass? Stand er ohnehin auf dem Absprung? Wie gut werden Kunden in dieser Firma gepflegt?
Solche Fragen sind unbequemer, als jemanden zum Sündenbock zu stempeln, denn sie gehen unter die Oberfläche. Wer als Unternehmenslenker das Ganze im Kleinsten sucht, stößt oft auf einen unerfreulichen Anblick: sein Spiegelbild – und eigene Fehler.







...vielen Artikeln und diesen Foren, als man Cameron und Obama oder Geithner (vor 6 Monaren) als sie beunruhigt effektive Maßnahmen von den Eurolandern verlangten. Da war man erzürnt und machte ihnen Vorwürfe. Es war aber das eigene System, das kaputt war. Auch hatte man vergessen, dass Hass und Schreierei nicht genügt einen Sündenbock zu machen. Man muss auch die Macht haben. Dass solche Verwirrung in den Köpfen, darf man nicht verwundert sein, wenn man hier so oft glaubt man hätte recht und keine systemischen Probleme.
...jeder intelligente Mensch selbst sehen kann. Die häufen sich hier und jedesmal wird "ganz überraschend" getan, dass das ja so sei. (vgl. Arbeitsbedingungen Paketdienste zb)
Na klar ist das unsinnig diese Art von "Problemnachbewältigung" in den Firmen - aber was soll ich als Angestellter denn dann tun? Mich moralisch überlegen fühlen und trotzdem nett hingerichtet werden?
Und warum ist dieses Verhalten denn bei uns so "normal"? Vielleicht weil jeder leitende Mensch einer Firma auf maximalen Profit aus ist? Sodass man an Arbeitsbedingungen spart? Und seine Angestellten eh nur als Arbeitsbienen bzw. Maschinen sieht? Der Mensch ist nicht geschaffen für uneigennütziges Verhalten. Wenn wir einen Staat brauchen, dann einen der Regeln für solidarisches Miteinander festsetzt, die dem natürlichen Egoismus entgegenwirken. Erst wenn hier ein verträgliches Gleichgewicht herrscht, wird es sich für alle zufrieden leben lassen ganz abseits jeglicher Idiologien.
Ich denke nicht, dass das je klappen wird, dafür ist die Situation zu festgefahren, die Menschen zu dumm und systemimmanent zu mächtig.
@1: Natürlich werden stets andere Schuldige gesucht. In dem speziellen Fall aber ist es einfach widersinnig dass sich Herren einmischen, die ihr eigenes Land vollkommen von der Realität abgekoppelt haben (Amerika). Zu Europa wäre die Diskussion aber zu abschweifig. ;)
Es waere ganz einfach zu loesen, wenn man die richtig ausgebildeten Leute eingestellt haette. Und nicht die Chefinnen bzw. Chefs, die keine Ahnung von dem Projekt haben und dann die Mitarbeiter die Hauptarbeit erledigen lassen und nachdem sie das Projekt falsch bearbeitet haben, die Mitarbeiter, die alles richtig gemacht haben, absolut falsch bewerten. Durch diese Verantwortungsverschiebung (bei normalen Menschen heisst das einfach Feigheit) wird eigentlich klar, dass im Moment in Deutschland eine Arbeitskultur der Drueckeberger und Angeber herrscht. Im Fachjargon koennte man sagen, aufgrund der Wirtschaftskrise sind Leute in Fuehrungspositionen, die keine Kenntnisse besitzen und einfach nur Mitlaeufer sind. Dadurch wird klar, dass die Personalpolitik in den letzten Jahren komplett falsch gelaufen ist. Aber Deutschland troestet euch die abgewanderten Arbeiter werden sicher nicht zurueckkommen, weil sie wissen, dass in Deutschland alles auf Pump gebaut wurde. Da sich jetzt das Feld der Originalfachkraefte in Deutschland leer gegrast ist, muessen sich nun die Firmenchefs andere Suendenboecke suchen! Da das richtige Fachpersonal weltweit Chancen besitzt!
Ich weiß nicht, auf welche eigene Berufserfahrung der Autor und Coach zurückgreift bzw. ob er irgendwelche belastbaren Statstiken vorweisen kann. Vielleicht sollte er auch nur etwas tiefer und genauer über seinen Schlußsatz reflektieren.
"... stößt oft auf einen unerfreulichen Anblick: sein Spiegelbild – und eigene Fehler"
Das ist ein guter Artikel. Dieses Versichern gegen den Fehler, Klagen um des Ansehens wegen, ist ein Symptom der Moderne, die man auch als Krankheit diagnostizieren kann.
Als eine Fehlleitung der Wahrnehmung sowohl der Vernunft. Eben, weil das Ganze fehlt. Geld reicht ja aus für jeden schäbigen Tunnelblick. Mit Krawatte oder ohne.
Meistens scheitert es an den Leuten mit einem festen Vertrag. Die Leute mit befristetem Vertrag oder freie Mitarbeiter sind hervorragend, kreativ und fleißig. Die Festangestellten sind hingegen undiszipliniert und machen Dienst nach Vorschrift.
Meistens scheitert es an den Leuten mit einem festen Vertrag.
Muss nicht so sein. Leute mit einem befristeten Vertrag muessen sehr viel Zeit und Enegie auf die permanente Jobsuche verwenden, sind deshalb nicht so konzentriert und nicht so leistungsfaehig.
Habe beides gesehen und kann keine Naturgesetze dahinter erkennen.
Meistens scheitert es an den Leuten mit einem festen Vertrag.
Muss nicht so sein. Leute mit einem befristeten Vertrag muessen sehr viel Zeit und Enegie auf die permanente Jobsuche verwenden, sind deshalb nicht so konzentriert und nicht so leistungsfaehig.
Habe beides gesehen und kann keine Naturgesetze dahinter erkennen.
Man kann sich den Arbeitsplatz mit solchen Empfehlungen auch schön reden. Ich kenne jedefalls kein Unternehmen, in dem die objektive Fehlersuche nicht Teil der Corporate Culture wäre.
Ich würde sogar behaupten: Die Suche nach dem Sündenbock ist integraler Bestandteil eines leistungsgetriebenen Unternehmens. Fehler und Versäumnisse bieten nur den Handlungsrahmen, um die Rangfolge in der Hackordnung zu aktualisieren und damit eine interne Erstarrung zu vermeiden.
Übrigens geht auch hier den Trend zum Outsourcing – vor allem bei Unternehmen, die hohe Kosten in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter gesteckt haben.
Soll beispielsweise der Erfolg eines Projektes verhindert werden, engagiert man externe Berater und enthält diesen wichtige Informationen vor. Man stellt also sicher, dass das Projekt scheitert. Ist der Schaden dann eingetreten, wird es lebendig auf der Hühnerleiter. Jeder Beteiligte weiß: es gibt allenfalls ein Stühlerücken, aber niemand aus den eigenen Reihen riskiert die Rolle des Omega-Huhns. Denn dafür hat man ja den Berater engagiert.
Nach der reinen Management-Lehre dürfte es so etwas natürlich nicht geben. Dennoch orientieren sich nicht wenige hoch erfolgreiche Unternehmen an den Best Practice aus dem Hühnerstall. Schließlich besteht gerade in erfolgreichen Unternehmen ein hoher Erwartungsdruck. Da hat niemand Zeit und Nerven, sich unbequeme Fragen zu stellen. Vor allem nicht, wenn man mit der Hackordnung über Jahre und Jahrzehnte gut gefahren ist.
die dann öffentlich Geächteten und Entlassenen dann mit einer fetten Abfindung dafür entschädigt und in einer verzweigten Firma neu untergebracht, auch im Ausland-nur das verschweigen uns die Firmen dann fast immer.
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