Deutschland-StipendiumWir lassen fördern

Das Deutschland-Stipendium bringt seit einem Jahr private Spender und Studenten zusammen. Eine Bilanz von 

Wenn zwei Politiker über das Deutschland-Stipendium sprechen, kann es einem so vorkommen, als redeten sie von zwei grundverschiedenen Dingen. Angesichts von 5.400 unterstützten Studenten schon im ersten Jahr des Programms schwärmt Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), es entwickle sich eine »neue Stipendienkultur«. SPD-Bildungspolitiker Klaus Hagemann hingegen verweist darauf, dass das von Schavan für diesen Zeitraum gesteckte Ziel von 10.000 Geförderten klar verfehlt worden sei. »Das ist kein Programm, es ist ein Progrämmchen.«

Die Grundidee des Deutschland-Stipendiums ist: Die Hochschulen sind für die Einwerbung der Spender und für die Auswahl der Stipendiaten zuständig, für jedes akquirierte Stipendium in Höhe von 150 Euro monatlich gibt der Staat noch einmal die gleiche Summe dazu. Zum Sommersemester 2011 ging das Programm an den Start, jetzt gibt eine Studie des Statistischen Bundesamtes erstmals Aufschluss über die exakte Zahl der Hochschulen, die mitgemacht haben, sowie über die Herkunft und die soziale Zusammensetzung der unterstützten Studenten. An diesen Zahlen wollen Gegner wie auch Befürworter des Stipendiums dessen Erfolg messen.

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Die Zahlen belegten die soziale Ausgewogenheit der Stipendienvergabe, sagt Ministerin Schavan. So liegt die Quote der zugleich Bafög-berechtigten Stipendiaten mit 23 Prozent nur knapp unter derjenigen aller Studenten (26 Prozent). Diesen Unterschied deutet SPD-Politiker Hagemann hingegen als »leichte soziale Schieflage«. Die kommt für Hagemann auch darin zum Ausdruck, dass nur sieben Prozent der Deutschland-Stipendiaten einen ausländischen Pass haben (im Vergleich zu elf Prozent aller Studenten in Deutschland).

Differenzen in der Wahrnehmung gibt es auch, wenn man sich die Verteilung der Stipendien auf die einzelnen Fächergruppen anschaut. Durch das Deutschland-Stipendium würden Wirtschaftsinteressen an den Hochschulen zu stark berücksichtigt, hatten Gegner des Programms im vergangenen Jahr gewarnt. Sie befürchteten, dass bestimmte Fachbereiche, vor allem in den Geisteswissenschaften, leer ausgehen würden. »Grundlos« nennt Schavans Ministerium solche Befürchtungen jetzt. Der Anteil der Ingenieurstudenten unter den Stipendiaten ist mit 27 Prozent etwas höher als ihr Anteil an allen Studenten, während die Sprach- und Kulturwissenschaftler mit 15 Prozent um fünf Prozentpunkte unterrepräsentiert sind. Keine katastrophale Lücke, aber etwas, wie Klaus Hagemann sagt, »das man weiter beobachten muss«.

Alles in allem, könnte man sagen, herrscht so etwas wie Enttäuschung in den bildungspolitischen Lagern: Weder ermöglichen die neuen Statistiken, das Stipendienprogramm als grandios gescheitert hinzustellen, noch lassen sich mit ihrer Hilfe die Kritikpunkte eindrucksvoll vom Tisch wischen – mit einer Ausnahme. »Befürchtungen, strukturschwache Regionen könnten abgehängt werden, haben sich nicht bewahrheitet«, sagt Alexander Tiefenbacher vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der eine Art Stipendienatlas erstellt hat. Demnach erreichen ausgerechnet ärmere Länder wie Bremen, das Saarland, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern eine hohe Ausschöpfung des ihnen zur Verfügung stehenden Stipendienkontingents.

»Der Standort einer Hochschule ist für ihren Erfolg der Stipendieneinwerbung eigentlich egal, solange das persönliche Engagement der Leitung stimmt«, sagt Michael Beier, Chef der Marketingabteilung an der Universität Hildesheim.

Beispiel Uni Hamburg: Weil sich deren Präsident Dieter Lenzen gegen die Teilnahme am Stipendium sperrt, schneidet die reiche Hansestadt am schlechtesten ab. In Berlin wiederum sticht die Universitätsmedizin Charité die wesentlich studentenreicheren, aber in Sachen Stipendienakquise nur mäßig engagierten Universitäten Humboldt und FU aus.

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