RechtsterrorismusBeate, die braune Witwe
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Kurz nach der Wende geht Zschäpe Rechtsradikale "klatschen"

Nach der Wende verliert die Mutter ihre Stelle als Buchhalterin beim Kombinat VEB Carl Zeiss Jena und wird arbeitslos. Sie ist von der Kündigung geschockt, sitzt meist nur noch zu Hause herum. Der Freund, den Annerose A. nun hat, kommt mit ihrer Tochter nicht klar. Ständig gibt es Streit. Sucht Beate Zschäpe nach einer Gemeinschaft, die sie akzeptiert, wie sie ist? Es sieht so aus.

Kurz nach der Wende geht Zschäpe Rechtsradikale »klatschen«

Mit 14 schließt sie sich im Neubaugebiet Winzerla einer Jugendgang an. In der Gruppe sind Punkerinnen mit rot gefärbten Haaren und Nasenringen, aber auch ganz unpolitische Jugendliche. Die Gruppe nennt sich »Die Zecken« und hält sich selbst für politisch links. Wenig später besucht Zschäpe gern den Jenaer Nachtclub Kassablanca, in dem alternativ eingestellte Jugendliche zu Ska und Reggae tanzen.

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Nicht nur für Zschäpe sind diese Monate eine Phase der Suche und des Wandels. 1989, das letzte Jahr der DDR, eines Niemandslandes zwischen den Systemen. Die alte Ordnung ist untergegangen, eine neue gibt es noch nicht, Deutschland wartet auf die Wiedervereinigung. Es ist eine Zeit, in der die Dinge verrutschen.

Zschäpe macht mit, als die »Zecken« planen, einen als »Glatzentreff« verschrienen Jugendtreff zu überfallen und ein paar Rechte zu »klatschen«. Daran erinnert sich Cornelia Z., die damals dabei war. Beate habe sich nur selten politisch geäußert, stattdessen die Jugendzeitschrift Bravo gelesen: »Beate war damals der lebenslustige Mensch, der nicht so auf eine politische Einstellung aus war. Sie wollte einfach nur ihr Leben genießen.«

Zwei Jahre später – im Herbst 1991, als Neonazis ein Ausländerwohnheim in Hoyerswerda angreifen und dabei von mehreren Hundert Anwohnern mit Applaus angefeuert werden – lernt die 16-jährige Beate in Jena den zwei Jahre älteren Uwe Mundlos kennen. Gemeinsam brechen sie in den rechten Jugendtreff ein, öffnen einen Tresor, klauen Zigaretten und 200 D-Mark. Die beiden lieben sich. Und sie verloben sich.

Zwanzig Jahre später: In den frühen Morgenstunden des 5. November 2011 kommt Beate Zschäpe in Chemnitz an, sie hat die Nacht im Zug und auf der Straße verbracht. Um 7.54 Uhr wählt sie die Nummer der Familie Mundlos. Uwe Mundlos’ Mutter nimmt ab. Der Uwe, sagt Beate Zschäpe, sei nicht mehr am Leben.

In die Luft gesprengt habe Uwe sich, es sei doch groß in den Nachrichten berichtet worden. Die Mutter hört erschrocken zu, sie wusste davon nichts. Nie mehr werde sie anrufen, sagt Beate Zschäpe noch, dann legt sie auf.

Beate Zschäpe läuft zurück zum Chemnitzer Bahnhof und steigt in einen Regionalexpress nach Leipzig. Zuvor hat sie bereits Uwe Böhnhardts Mutter angerufen.

Den ersten Auftrag ihrer Kameraden hat sie damit erledigt, jetzt muss sie noch den zweiten erfüllen.

In Leipzig angekommen, wirft Zschäpe in der Innenstadt mindestens zwölf Umschläge in einen Briefkasten. In den Tagen danach erhalten Büros der Linkspartei, die Bild- Zeitung, das türkische Generalkonsulat, Moscheevereine, aber auch ein Neonazi-Versand Kopien des NSU-Bekennervideos. Es zeigt 15 Minuten Häme gegen die Opfer der Terrorzelle im Gewand eines Comicstrips des rosaroten Panthers. Die DVD ist das politische Testament der Neonazi-Gruppe, mit der Veröffentlichung des Videos wird der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund schlagartig bekannt. Für Beate Zschäpe soll ihr Leben im Untergrund nicht umsonst gewesen sein. Und für die beiden Männer nicht der Tod.

Fast zwanzig Jahre haben die drei zusammen verbracht. Ganz am Anfang ist Beate für die Männer nur eine Freundin, ein liebes Mädchen. Sie trägt damals schulterlange Haare, dazu Jeans, T-Shirt und Lederjacke, ganz normale Kleidung. Wie ein Skingirl sieht sie nie aus. Bekannte beschreiben Zschäpe als »ein liebes, nettes, aufgeschlossenes Mädel«. Ihr Traumberuf ist Kindergärtnerin. Doch sie bekommt keine Lehrstelle und startet mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme als Malergehilfin in der Jugendwerkstatt der Stadt Jena ins Berufsleben. Später fängt sie eine Ausbildung zur Gärtnerin an, Fachrichtung Gemüsebau.

Während der Lehre verlässt sie ihren Freund Uwe Mundlos. Als der seinen Wehrdienst ableistet, verliebt sich Zschäpe in einen Jüngeren: Uwe Böhnhardt, den besten Freund von Mundlos. In dieser Zeit soll Zschäpe damit angefangen haben, rechte Sprüche zu klopfen, sagt Siegfried Mundlos, der Vater von Zschäpes Exfreund.

Das war damals nichts Auffälliges, jeder Zweite in Zschäpes Umfeld trug eine Bomberjacke. Neonazis und Skinheads waren in den Neunzigern in einigen Städten die tonangebende Jugendkultur, so wie heute Hip-Hop in manchen Vierteln Berlins. Wenn Zschäpe jetzt mit Rechten unterwegs ist, zeigt sie ihre andere Seite: Während einer Schlägerei in einer Bar zieht sie einem Sicherheitsmann eine Bierflasche über den Kopf. Menschen, die anderer Meinung sind, tritt sie sehr aggressiv gegenüber. Sie prügelt sich manchmal.

Als eine Punkerin sie während einer Zugfahrt »blöd angeguckt« habe, erinnert sich einer ihrer damaligen Begleiter, habe ihr Beate »direkt eine reingehauen«.

Leserkommentare
  1. Zäpsche hat kein Geständnis abgelegt, ebensowenig wie die Fällte überhaupt juristisch aufbereitet wurde - was mittlerweile sowieso egal ist, da die Vorfälle schon längst zum Zwecke Dritter instrumentalisiert wurden...

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  2. "Eben noch ist sie mit einem Kanister in der Hand durch ihre Wohnung gelaufen, hatte Brandbeschleuniger auf das Hochbett und den Kühlschrank geschüttet, auf den Kratzbaum der Katzen und über den Computer, auf dem sie gerade noch nach einem Medikament gegen Übelkeit gegoogelt hatte. Dann hatte sie sich die »Paulchen Panther«-Bekenner-DVDs genommen und einige Kleidungsstücke, hatte die Wohnung in Brand gesetzt und war die knarzenden Holztreppen hinunter ins Freie gelaufen. 75.000 Euro Bargeld ließ sie im Haus zurück.

    Als Zschäpe auf die Straße tritt, zerreißt ein Knall die Stille in Zwickau-Weißenborn. Die Explosion sprengt die Außenfassade des Hauses weg. Zschäpe kann noch einmal in die Wohnung sehen, von der jahrelang der Neonazi-Terror ausging. Dünne Flammen züngeln über den Fußboden, das Bett und die Wände, Fenster bersten, Glas prasselt auf die Straße. Es ist 15 Uhr. Drei Stunden zuvor haben sich ihre beiden Komplizen selbst gerichtet."

    Glauben Sie das eigentlich wirklich, was Sie da behaupten? Das muss Ihnen doch beim Schreiben schon auffallen, wie hahnebüchen das klingt.

    Warum sollten sich zwei Männer umbringen, denen niemand auf den Fersen war? Warum lässt eine Frau auf der Flucht Geld zurück, das sie dringen benötigt, und setzt ihre Wohnung in Brand, um unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu lenken?

    Also: Was war da wtatsächlich los?

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    Entfernt. Wir wünschen uns eine sachliche Diskussion. Vielen Dank. Die Redaktion/kvk

    "Warum sollten sich zwei Männer umbringen, denen niemand auf den Fersen war?"

    Sie wissen aber schon, das diese Männer von Polizisten umstellt waren...?!?

    • PigDog
    • 08. Juni 2012 10:31 Uhr

    Schon für den Suizid der Männer gibt es weder Beweis noch eine Erklärung die sich auch nur in der Nähe von Logik bewegt...

    Eine schöne Geschichte, aber die wichtigen Fragen werden erst garnicht gestellt!

    Womit sich auch Ihre "Antwort", werter rodelaax, als billiges Ablenkungsmanöver entpuppt!

    Fragen Sie mal nicht nach Illuminaten, Aliens, weltverschwörerischen Juden oder türkischen Mafiosi - fragen Sie einfach mal laut und deutlich nach dem Verfassungsschutz!

  3. das ist eine rein akademische, mediale und propagandistische Frage.
    Terror waren und bleiben die Taten auf jeden Fall, insbesondere auch von der Absicht der Täter her.

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  4. Der Artikel konterkariert die ansonsten gute Berichterstattung von Zeit und insbesondere Zeit-Online über die menschenverachtenden Umtriebe der Rechten in Deutschland.

    Eine politische und gesellschaftliche Katastrophe - die nur durch Zufall bekanntgewordene Mordserie rechter Terroristen an 9 Migranten und einer Polizistin - wird herunter gekocht zu einer privaten Homestory, mit viel Einfühlungsvermögen für die Täter und einer großen Portion Phantasie.

    Und damit stochern die Autoren genauso im Nebel herum wie die große Zahl der Mitarbeiter in den vielen Sicherheitsbehörden, die jahrelang bei der rechten Mordserie einen politischen, nämlichen einen rassistischen Hintergrund nicht mal denken und somit auch nicht verfolgen konnten.

    Nein, dieser Artikel setzt die Tragödie im Umgang mit der rechten Gefahr in Deutschland fort. Er steht exemplarisch für die Unfähigkeit oder den fehlenden Willen, in politischen und weltanschaulichen Zusammenhängen zu denken.

    Und deshalb verärgert mich dieser Artikel nicht nur, er macht mir auch große Sorgen!

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    • essilu
    • 08. Juni 2012 10:42 Uhr

    ...den ich nur unterstreichen kann.

  5. Gilt jemand eigentlich nicht mehr als Unschuldig, solange bis von einem Gericht eine Schuld festgestellt wurde? Ist dieser Grundsatz generell in der Berichterstattung der ZEIT abgeschafft, oder nur bei Rechten? Brauchen wir nach diesem 'Bericht' eigentlich noch einen Prozess, nachdem ja die Schuld so haarklein und in allen Details feststeht?

    Ich denke eine seriösere und weniger reißerische Berichterstattung würde der ZEIT gut zu Gesicht stehen.

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    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

  6. ist eigentlich schon ein Fall für den Presserat!

    Werte Redaktion, die Möglichkeit der Akteneinsicht ist kein Garant für eine korrekte oder auch nur in sich zwingend logische Handlungsabfolge.

    Was Sie präsentieren ist schlicht eine Zumutung!

    MfG KM

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  7. Gibt es eigentlich schon ein gerichtliches Urteil in dieser Sache? Ist die Täterschaft und der Tatablauf bereits juristisch einwandfrei festgestellt oder hat bisher lediglich die Presse ein Urteil gesprochen und die journalistische Fantasie den Tatablauf rekonstruiert? Ich frage nur, falls da an mir etwas vorbeigegangen sein sollte...

    18 Leserempfehlungen
  8. 8. [...]

    Entfernt. Wir wünschen uns eine sachliche Diskussion. Vielen Dank. Die Redaktion/kvk

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    Antwort auf "Hahnebüchen"
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    Entfernt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde bereits moderiert. Die Redaktion/ls

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