OldtimerMilliarden für altes Blech

Oldtimer sind nicht nur etwas für Liebhaber. Die neuen Käufer sind Renditejäger. von Fabian Hoberg

Mercedes-Benz SL der Baureihe 107 gehören zu den häufigsten Oldtimern in Deutschland, ob mit Hardtop oder mit Verdeck.

Mercedes-Benz SL der Baureihe 107 gehören zu den häufigsten Oldtimern in Deutschland, ob mit Hardtop oder mit Verdeck.  |  © Daimler

Ein spezieller Duft dringt in die Nase, eine Mischung aus feinem Autowachs, Leder, Öl und Gummi. Die Abendsonne spiegelt sich im polierten Chrom. Im Düsseldorfer Classic Remis stehen Hunderte Oldtimer in Glaskästen. Es ist Museum und Parkhaus zugleich. Der Oldtimer-Tempel, besser bekannt unter dem Namen Meilenwerk, ist eine von mehreren Hallen in Deutschland, in denen Liebhaber ihrem alten Blech huldigen. Werkstätten, Restauratoren, Händler und Gutachter bieten ihre Dienste an. Und auch für Partys und Veranstaltungen dient die Kulisse regelmäßig. Das Konzept kommt an. Zwei weitere Hallen sind am Zürichsee und in Hamburg geplant.

Doch nicht alle Besitzer halten einen Klassiker aus purer Liebe zum Automobil. Es steigt die Anzahl derer, die alte Autos als Wertanlage nutzen. Blech und Chrom in richtiger Form sind wertbeständiger als Aktien, Immobilien oder Gold – wenn man intelligent einkauft. In Zeiten unsicherer Finanzmärkte beruhigen Sachwerte die Anleger.

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Oldtimer-Händler können sich in diesen Tagen vor Anfragen kaum retten. Schon fahren mehr als 231.000 Klassiker mit einem Alter von mehr als 30 Jahren auf deutschen Straßen – ein Zuwachs von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 65 Prozent der Autos davon stammen aus deutscher Produktion, wie der VW Käfer, der hierzulande mit 26.857 Exemplaren das häufigste Modell ist. Dahinter folgt der Mercedes SL (R107) mit 7103 Fahrzeugen. Die Altversionen des Porsche 911 liegen mit 5.500 Zulassungen auf Rang fünf. In Europa sind mittlerweile 2,3 Millionen Oldtimer zugelassen, auch dort zeigt die Tendenz nach oben.

Historische Fahrzeuge bieten nicht nur einen Inflationsschutz, da sie von der allgemeinen Finanzwelt abgekoppelt sind. Sie versprechen auch eine wachsende Rendite. Die Nachfrage übersteigt das Angebot, und damit klettern auch die Preise. »Besonders gefragt sind originale und authentische Fahrzeuge mit belegbarer Historie. Die Menschen suchen nach vergleichsweise sicheren Anlagen«, sagt Martin Halder, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Meilenwerk AG.

Oldtimer

Als solche anerkannt werden nur Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt und gut erhalten sind. Die Hauptbaugruppen müssen Originale sein oder originalgetreu ersetzt worden sein. Für die Zuteilung des H-Kennzeichens (Historisches Fahrzeug) muss eine amtliche Begutachtung vorliegen. Der bislang teuerste Oldtimer des Jahres ist ein Ferrari 250 GTO von 1964, für den ein unbekannter Bieter 24,15 Millionen Euro zahlte

Der durchschnittliche Wert von Oldtimern ist laut Deutschem Oldtimer Index (Dox) im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent gestiegen. Der Index wird seit 1999 aus Daten der Preisentwicklung von 88 Fahrzeugtypen aus sieben Herstellernationen berechnet. »Mit neun bis zehn Prozent Rendite pro Jahr kann man fast immer rechnen«, sagt Marius Brune, Geschäftsführer vom Marktbeobachter Classic Data. Vor allem Fahrzeuge über 100.000 Euro seien für Anleger interessant, da die Wertsteigerung auch die Nebenkosten ausgleiche. Dazu zählen neben der Kraftfahrzeug-Versicherung und Steuer auch Garagenmiete, Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten. »Das internationale Geldpublikum interessiert sich aber eher für Autos mit einem Wert über einer halben Million Euro«, sagt Brune.

Aber nicht jedes Auto gewinnt mit dem Alter. Nur besonders gut erhaltene Fahrzeuge im Originalzustand oder restaurierte Fahrzeuge wachsen im Wert. Dabei muss es nicht unbedingt ein teurer Sportwagen sein. Gewinner für Anleger waren 2011 vor allem Kleinwagen, allen voran die »Ente« – der 2CV von Citroën –, der Renault 4 und der Fiat 500F. Erst auf Rang vier folgt ein deutsches Auto, der »Hausfrauen«-Porsche 924.

Den größten Sprung von Platz 21 des Vorjahres auf Rang 5 schaffte der Mercedes 300 SL Flügeltürer, der damit auch das teuerste Fahrzeug in den Top Ten ist. Er ist eine rentable Anlage. Bei Markteinführung 1954 kostete das Coupé zwar schon 29.000 D-Mark – einen VW Käfer 1200 Standard gab es damals schon für 3.950 D-Mark –, doch während die Käfer-Preise heute im niedrigen fünfstelligen Bereich dümpeln, lassen sich mit dem SL heute Spitzenpreise erzielen. »Ein guter und originaler 300SL kostet heute etwa 600.000 Euro«, sagt Klaus Kienle, Inhaber von Kienle Automobiltechnik. Das Unternehmen in Heimerdingen bei Stuttgart ist der weltweit größte unabhängige Restaurierungsfachbetrieb für klassische Mercedes-Fahrzeuge. Von den seinerzeit genau 1.858 gebauten Exemplaren des SL Roadster gibt es noch etwa 1.400 Fahrzeuge, vom Flügeltürer haben von 1.400 gebauten Fahrzeugen 900 überlebt.

Leserkommentare
  1. Blech und Chrom in richtiger Form sind wertbeständiger als Aktien, Immobilien oder Gold – wenn man intelligent einkauft. In Zeiten unsicherer Finanzmärkte beruhigen Sachwerte die Anleger.

    Da bleibt nur zu hoffen, dass der Anleger auch weiß, dass er das Ende der Krise und den darauffolgenden Aufschwung miterleben muss. Das Auto ist nämlich eigentlich nicht wertbeständig, sondern sein Wert kann nach einer Krise zumindest wieder den ursprünglichen annehmen. Es ist daher eher als Anlageform mit ungewisser Laufzeit zu betrachten.

    Während der Krise, wenn dem Anleger das Wasser bis zum Hals steht, wird es schwer sein einen Käufer zu finden, der den inflationsbereinigten Kaufpreis zahlt. Da muss man schon großes Glück haben.

  2. wie der Käufer dafür zahlt. Wenn die Käufer wieder an Interesse verlieren, wird aus einer Oldtimer ein Schrottberg. Was daran so besonders Wertbeständig sein soll, leuchtet mir jetzt nicht ein.

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    wie der Käufer dafür zahlt. Wenn die Käufer wieder an Interesse verlieren, wird aus einer Oldtimer ein Schrottberg. Was daran so besonders Wertbeständig sein soll, leuchtet mir jetzt nicht ein.

    Dass ein Oldtimer wertbeständig ist, liegt an der Beständigkeit der Kindlichkeit des Menschens. Es wird auch nach der schlimmsten Krise immer einen wohlhabenden Menschen geben, der der Versuchung nicht widerstehen kann und sein Geld für solche Statussymbole ausgeben wird. Als vernünftig denkender Mensch würde ich mich darauf nicht verlassen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es immer unvernünftige Anleger und Käufer geben wird. Ein Oldtimer ist also solange wertbeständig, solange es unvernünftige Menschen gibt.

  3. ist dieser Artikel eine Werbeanzeige?
    Der Preis eines Oldtimers richtet sich nach der Nachfrage, die durch solche Artikel gefördert wird.
    Bei einer Krise, wenn man dann einen Oldtimer verkaufen möchte, lässt sich kaum der Preis erzielen, der bei einer Hausse zu erzielen war.
    Ausserdem rosten die Exemplare ganz von allein vor sich hin, wenn man sie fährt noch schneller, so dass laufend Instandhaltungsmassnahmen zu treffen sind. Wenn man sie nicht fährt verharzen Schmieröle und derMotorschaden ist angesagt.

  4. längst fälligen untergang unseres fiatmoney-systems brechen als erstes die aufgeblähten globalen lieferketten zusammen. der wert der oldtimer wird sich dann an der nutzbarkeit als regional verfügbare rohstoffquelle bemessen. als tausch- oder transportmittel sind sie eher ungeeignet und ihr nutzen begrenzt.

    aber noch interessiert uns das nicht > https://vimeo.com/39625936

    hauptsache die "kühlkette" wird nicht unterbrochen > https://vimeo.com/39657612

  5. 5. [...]

    Auf Wunsch des USers gelöscht. Die Redaktion/kvk

  6. wie der Käufer dafür zahlt. Wenn die Käufer wieder an Interesse verlieren, wird aus einer Oldtimer ein Schrottberg. Was daran so besonders Wertbeständig sein soll, leuchtet mir jetzt nicht ein.

    Dass ein Oldtimer wertbeständig ist, liegt an der Beständigkeit der Kindlichkeit des Menschens. Es wird auch nach der schlimmsten Krise immer einen wohlhabenden Menschen geben, der der Versuchung nicht widerstehen kann und sein Geld für solche Statussymbole ausgeben wird. Als vernünftig denkender Mensch würde ich mich darauf nicht verlassen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es immer unvernünftige Anleger und Käufer geben wird. Ein Oldtimer ist also solange wertbeständig, solange es unvernünftige Menschen gibt.

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    Ein bestimmter Oldtimer ist solange wertbeständig, wie es Leute gibt, die erstens über ausreichende Liquidität verfügen und zweitens Spaß (oder andersgeartete Interessen) an diesem ganz speziellen Oldtimer haben.

    Wir wissen aber nicht, wie sich Oldtimermoden entwickeln werden. Sportwagen oder Limousinen, dicke Brummer oder schlanke Flitzer, Italiener, Briten oder Deutsche, wer weiß, was in zwanzig Jahren besonders gefragt sein wird.

    Und wer weiß, ob die Oldtimermode nicht den Weg der Briefmarkenalben (tolle Geldanlage...) oder Modelleisenbahnen gehen wird.

    • zappp
    • 07. Juni 2012 11:34 Uhr

    für ein teures Hobby. Wie oft haben wir Platzhalterartikel ohne aktuellen Anlass mit gleichem Thema bereits anderswo gesehen?

    Für ein vernünftiges Portfolio braucht man zwecks Risikostreuung mehrere Fahrzeuge. Dann kommen nennenswerte Kosten für Einmotten, vernünftige Lagerung und Wartung hinzu, auch für stillgelegte Fahrzeuge. Wer damit auch fährt, muss für Weerterhalt regelmässig warten und Gebrauchsspuren beseitigen. Vor allem, nahezu jeder Oldtimer war in seiner Vergangenheit einmal ein wirtschaftlicher Totalschaden, wurde aber aus emotionalen Gründen trotzdem instand gehalten. Vielfach übersteigen die Kosten der Restaurierungen den Marktwert. Das leichte Geld sehe ich nicht.

  7. .
    ... in der Spreizung von Einkommen und Vermögen innerhalb einer Gesellschaft.

    Denn 600.000 € für einen alten zweitürigen Mercedes, 1 Mio für einen alten zweitürigen Mercedes ohne Dach und 24 Mio für eine alte italienische Sardinendose aus den sechzigern sind nur in Gesellschaften möglich, die von ordentlicher und gerechter Besteuerung weit entfernt sind.

    Sobald sich die von vielen erwartete und gewünschte gerechtere Gesellschaftsform durchsetzt, wird sich ein Verkauf von Automobilen ohne Nutzwert zu Phantasiepreisen zunehmend schwierig gestalten.

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    Hallo Ignaz Wrobel,

    ich halte dieses "Einstellung" für sehr bedenklich und keinesfalls zielführend.
    Ich kann mir auch keinen 300SL leisten, doch nur aufgrund dieser Neidgesellschaft kann
    der Staat laufend unsere Steuern erhöhen!
    Die Steuerbelastung ist viel zu hoch, keine Möglichkeit wird aus gelassen und in der Vorwand , dass es diesesmal die " richtigen " ( vielleicht diesmal die Raucher...)trifft werden alle abkassiert.

    Mwst, Grunderwerbssteuer, ....immer nur un eine Richtung! Vielleicht geht ja noch was und dann zahlen wir auch noch auf die Brötchen die volle MWSt!
    Wer zahlt denn unter Ökoaspekten immer mehr Steuern an der Tankstelle, Soli, etc.
    und nicht die Schampussteuer für die Kaiserflotte und später für die U Bootflotte im 2. Weltkrieg vergessen, was wird jetzt damit finanziert?

    Also jedem das seine, die einen rauchen, die anderen kaufen Oldi und andere Bücher
    (Abholzung des Regenwaldes?).

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