Bernd Schlömer: "Das ist doch keine Demokratie"
Der neue Chef der Piraten, Bernd Schlömer, über den heftigen Ton im Streit über das Urheberrecht, seine Abneigung gegen Talkshows und die Regierungsfähigkeit seiner Partei.
© Angelika Warmuth / dpa

Bernd Schlömer
DIE ZEIT: Herr Schlömer, laden Sie umsonst Musik herunter?
Bernd Schlömer: Nee, ich höre eigentlich keine Musik.
ZEIT: Sie hören keine Musik?
Schlömer: Na gut, ich höre gern Tom Waits. Ich kaufe mir seine CDs.
ZEIT: Sie haben sie lieber physisch?
Schlömer: Ja. Vielleicht braucht er ja auch das Geld. (lacht)
ZEIT: Manche Piraten sagen ja, dass Kunst ein Hobby sei und Künstler vom bedingungslosen Grundeinkommen leben sollten.
Schlömer: Ich kann die Fassungslosigkeit mancher Künstler verstehen, wenn sie so was hören. Aber wir sagen an keiner Stelle in unserem Programm, dass das, was Künstler tun, keinen Wert hat. Mich wundert, dass manche Piraten unsere eigene Position nicht richtig kennen und stattdessen mit Umsonst-Parolen das Feuer schüren.
ZEIT: Wie wollen Sie denn den Streit lösen?
Schlömer: Vielleicht können Künstler und Urheber profitieren, wenn sie nach anderen Vertriebs- und Geschäftsmodellen suchen. Darüber wollen wir mit ihnen sprechen. Wir bereiten gerade Runde Tische zum Urheberrecht vor, da geht es um Journalismus, Bildung, Musik und Popkultur.
ZEIT: Woran liegt es, dass bei den Piraten manchmal so heftig diskutiert wird?
Schlömer: Die Partei besteht aus Nonkonformisten und Individualisten, es wird natürlich viel diskutiert und viel gestritten. Mir wäre wichtig, dass man nicht gleich so emotional reagiert, wenn andere etwas sagen, was einem nicht gefällt. Aber das ist offenbar nicht möglich.
ZEIT: Warum nicht?
Schlömer: Digitale Kommunikation kann ein direktes Gespräch nicht ersetzen. Im Netz äußert man seine Gedanken, weil man meint, man äußert sie in sein elektronisches Tagebuch. Gedanken, die man einem Gesprächspartner nie sagen würde. Manchmal sitze ich mit dreißig Leuten an einem Tisch und weiß: Fünf von denen kritisieren mich auf Twitter unfassbar. Aber wenn wenn wir uns gegenübersitzen, sind sie angenehm. Das unmittelbare Gespräch scheint zivilisierter zu sein.
ZEIT: Ihr Vorgänger wurde von den Piraten oft wegen Äußerungen in Interviews kritisiert. Haben Sie das auch schon erlebt?
Schlömer: Nein, bislang noch nicht. Ich war nach meiner Wahl bei Jauch, Illner und vielen anderen eingeladen, aber ich habe alles abgesagt.





Der Mann ist mir absolut sympathisch!
"Er fiel aus allen Wolken, als ich ihm sagte, dass ich den Spiegel nicht lese, und hielt mir vor, ich sei der erste Vorsitzende einer wichtigen Partei in Deutschland, der das nicht täte."
Da hat er bei mir einen Stein im Brett!
Ich hoffe, dass er seine Partei in die Bahn lenkt, die sich hier im Interview schon heraus kristallisiert hat...dann heißt es Piraten wählen, als echte Alternative und Mut wagen! Aktive Beteilligung heißt der Schlüssel zum Glück!
"Er fiel aus allen Wolken, als ich ihm sagte, dass ich den Spiegel nicht lese, und hielt mir vor, ich sei der erste Vorsitzende einer wichtigen Partei in Deutschland, der das nicht täte."
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Was für ein Blödsinn, als ob einer der Parteivorsitzenden dazu die Zeit hätte. Wer soetwas sagt, hat von realer Politik, wenig Ahnung. Oder ist man beim Spiegel wirklich so naiv.
liebe piraten: ihr seid m.E. gestartet wie ein adler und seit leider dabei wie ein hühnchen zu landen.
=> leute: die digitale welt ist nicht alles!
wäre es auch ein weg für euch, indem ihr euch von diesem bevormundungsstaat distanziert und die bürger mit sachthemen ansprecht, die neben 'JAWOLL frau merkel' auch noch eine andere meinung haben dürfen / müssen????
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