Jugendarbeitslosigkeit: Denkt mal jemand an uns?
Sie wohnen bei ihren Eltern, finden keine Jobs und überlegen auszuwandern. Vier Jugendliche aus vier Euro-Ländern über ihre ganz persönliche Krise.
Yassine Zekri, Frankreich
Yassine Zekri ist 22 Jahre alt und wohnt in Sannois, einer Vorstadt von Paris. Sein Wohnviertel besteht aus Sozialbauten, fast alle Jugendlichen hier sind arbeitslos. Wie Yassine.
Rapper ist er, aber im Gespräch zögernd, schüchtern beinahe. Mit 13 Jahren habe er einfach aufgehört, in die Schule zu gehen: »Zwei Jahre lang habe ich mich auf der Straße herumgetrieben und Unsinn angestellt. Ich habe angefangen zu rauchen, erst Zigaretten, dann Shit. Und habe geklaut. Ich wollte den gleichen Luxus, den andere hatten. Geld! Darum ging es.« Bis die Polizei zugriff; eine Jugendrichterin schickte ihn ins Internat. Zwei Jahre lang hielt er es dort aus, aber einen Monat vor dem Abschluss war er in eine Schlägerei verwickelt – und ward nicht mehr gesehen. »Wieder auf der Straße«, sagt Yassine trocken. »Aber mir war klar, dass das so nicht weiterging. Ich wollte etwas Vernünftiges lernen. Hab mich beim Arbeitsamt eingeschrieben. Aber glaubst du, die hätten sich mal gemeldet? Dann hab ich eine Ausbildung beantragt, zum Brandschützer. Ich habe gewartet, gewartet, gewartet. War wohl nichts.«
Wieder kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Wegen Handels mit Cannabis zu acht Monaten verurteilt, saß er seine Strafe bis zum vergangenen Januar ab. »Im Knast habe ich mir vorgenommen, dass das alles anders wird. Kein schnelles Geld mehr, nein, richtig arbeiten gehen. Aber versuch das mal, mit meinem Lebenslauf.« Dass die Jugendarbeitslosigkeit hoch ist, das weiß er und sagt: »In den offiziellen Zahlen sind ja nicht einmal alle drin, die etwas suchen. Und auch nicht die sans-papiers« – das sind die Immigranten ohne Aufenthaltsberechtigung.
Sozialhilfe steht Yassine nicht zu, da er noch nie einen Arbeitsvertrag hatte. Jetzt sei der Rap sein Geschäft, er nehme eigene Stücke auf. Aber er will weg. »So viel Geld wie möglich machen, und dann zurück« – nach Algerien. In die Oasenstadt Biskra, wo seine Eltern herkommen, er war schon einmal da. »Bei uns«, sagt er, »geht man barfuß, und alle sind ein bisschen wie die Kinder. Man isst nicht so gut wie hier, alle sind arm, aber es ist gut.« Eins seiner Rap-Stücke endet mit dem Refrain »Inch’allah, nous, on en sortira« – »Wenn Gott will, werden wir da rauskommen.«
Gero von Randow





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