ArbeitsmarktMehr und besser

Kippt die Konjunktur, muss Berlin wieder um Jobs kämpfen.

Noch läuft es rund am deutschen Arbeitsmarkt. Nicht bloß verglichen mit Frankreich, Großbritannien oder den USA, auch in Relation zur eigenen Vergangenheit steht Deutschland blendend da. Nachdem die Arbeitslosigkeit jahrelang gestiegen war, gilt heute: Weniger Arbeitslose (unter drei Millionen) und mehr Erwerbstätige (über 41 Millionen) gab es seit der Wiedervereinigung nicht.

Alles prima also, und wir genießen unser Jobwunder? Dem stehen zwei Probleme entgegen. Das eine ist die Euro-Krise, die der Konjunktur zu schaffen macht. Längst hat der Boom am Arbeitsmarkt den großen Schwung verloren. Falls die Verunsicherung weiter anhält oder die Krise eskaliert, ist schnell Schluss mit Erfolgsmeldungen aus Nürnberg. Deutschland ist stark, aber nicht immun.

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Und auch das Wunder selbst hat Schattenseiten, darunter die Spaltung am Arbeitsmarkt. Längst nicht alle Arbeitnehmer profitieren gleichermaßen von den guten Zeiten. Noch immer gibt es Menschen, die zu extrem niedrigen Stundenlöhnen von fünf Euro und weniger arbeiten, noch immer bestehen Firmen auf Zeitarbeit oder anderen prekären Jobs, obwohl sie sich Festangestellte leisten könnten. Vor allem dort, wo Arbeitnehmer schnell angelernt und leicht ersetzbar sind, spüren sie wenig von besseren Zeiten.

Daraus ergibt sich ein Balanceakt. Deutschland muss sich einerseits wappnen für eine Zeit, in der Jobs nicht mehr wie von selbst entstehen. Und es muss andererseits dafür sorgen, dass sich die Qualität neu geschaffener Arbeitsplätze verbessert. Es geht also um mehr und bessere Jobs.

Ob und wie schnell die Euro-Krise bewältigt wird, weiß niemand. Erst mal muss man sie einkalkulieren. Umso mehr muss die Politik wieder fragen, wie sie die Entstehung neuer Stellen fördert. Es wäre deshalb viel gewonnen, wenn die Regierungskoalition mit gleicher Verve über die Förderung von Existenzgründern oder den Wegfall unnötiger Regeln für die Industrie streiten würde, wie sie um das Betreuungsgeld oder die Frauenquote ringt. Leider handelte sie zuletzt kontraproduktiv: Hilfen für Arbeitslose, die sich selbstständig machen wollen, wurden sang- und klanglos gekürzt.

Gleichzeitig ist es nötig, gegen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt vorzugehen – ohne gleich wieder jede Dynamik zu ersticken. Die Leiharbeiter sind ein gutes Beispiel: In der Metall- und in der Chemieindustrie haben die Tarifparteien Gehaltszuschläge für sie ausgehandelt, damit sie nicht als Lohndrücker missbraucht werden. Sanfter Druck der Regierung trug zu diesem Erfolg bei. Jetzt müssen sich die neuen Regeln auch in anderen Branchen bewähren, sonst wird nachgesteuert. Das ist eine Politik der kleinen Schritte. Man kann sie als unzureichend kritisieren, aber sie ist besser als Stillstand und besser als ein Riesensprung. Sonst geht der Balanceakt daneben.

 
Leserkommentare
  1. Neue und noch mehr Beamte!
    Wenn mehr und Besser gewollt wird muß auch die LEISTUNG
    mehr und besser sein!
    Und das bei dem jetzigen Bildungssystem
    und Verantwortungsbewußtsein?

    3 Leserempfehlungen
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    • joG
    • 09.06.2012 um 9:37 Uhr

    .....die einfach Beamte einstellt. Was sagte er? 60.000 neue Lehrer? Das ist so atemberaubend weit entfernt von dem, was Regierungen wirtschaftlich gesprochen tun sollten, dass man die echten Jobs schier wegschmelzen sehen kann.

    • vadeho
    • 09.06.2012 um 9:54 Uhr

    Âus Ihren Worten spricht das Resentiment. Und der Neid auf jene, die eine relativ sichere Erwerbsbiografie haben. Statt zu wünschen und sich dafür einzusetzen, dass anderen Beschäftigten das gleiche Niveau an Sicherheit für ihre Lebensplanung ermöglicht wird, schimpfen Sie auf jene, die es haben. Zudem ist es nicht so, dass Beamte verglichen mit ähnlichen Stellen in der freien Wirtschaft zu hoch bezahlt würden. Das ist nicht der Fall.

    Ihre Meinung ist tatsächlich ein gutes Beispiel für die sehr weit verbreitete Einstellung: Lieber auf jene, die (wirklich oder vermeintlich) ein besseres Leben haben schimpfen und zu verlangen, Sie sollten auf das allgemeine Niveau hinuntergehoben werden, statt deren Wohlergehen als erstrebenswert und wertvoll zu begreifen und dafür zu kämpfen, dass mehr Menschen einen vergleichbares Maß an Wohlergehen bekommen.

    Das ist spießiger Neid sonst nichts.

    Das zweite Argument, ob ausgesprochen oder unterschwellig immer mitschwingend ist: Der Staat sollte kein Arbeitgeber sein, er verschwendet, die ausufernde Bürokratie ist schlecht etc. Aber Privatisierungen sind kein Lösungsweg, gerade in sensiblen Bereichen. Und Bürokratie gibt es in privaten Unternehmen genauso. Aber in der Privatwirtschaft soll auch noch Gewinn abgeworfen werden und der Erhalt von Wert steht nicht im Vordergrund.

    Und um das klar zu stellen: Ich bin kein BEamter und auch nicht im öffentlichen Dienst angestellt, ich spreche also relativ frei von Interessen.

    Und deshalb werden besonders die Bankleute so gut bezahlt, weil sie so viel leisten? Oder weil sie mehr Schaden als Nutzen brigen....
    Ob man Lehrer verbeamten muss, ist eine andere Frage, aber ohne Lehrer gibts auch keine Leistung von den ganzen tollen selbsternannten Leistungsträgern, die schon immer alles selber gewusst haben.....
    Mehr Lehrer einzustellen, ist sicher kein Fehler.

    In manchen Branchen wäre es bitter nötig, die erbrachte Leistung überhaupt erst einmal fair zu vergüten! Danach kann über mehr Leistung gesprochen werden, welche dann natürlich wiederum besser vergütet wird.

    ...Lila - da würde in Südeuropa jemand kommentieren:

    Das ist aber eine lustige 'Beeerdigung' - die Vorfreude vom eigenen Untergang - BW 2013?!...

    • joG
    • 09.06.2012 um 9:37 Uhr

    .....die einfach Beamte einstellt. Was sagte er? 60.000 neue Lehrer? Das ist so atemberaubend weit entfernt von dem, was Regierungen wirtschaftlich gesprochen tun sollten, dass man die echten Jobs schier wegschmelzen sehen kann.

    • vadeho
    • 09.06.2012 um 9:54 Uhr

    Âus Ihren Worten spricht das Resentiment. Und der Neid auf jene, die eine relativ sichere Erwerbsbiografie haben. Statt zu wünschen und sich dafür einzusetzen, dass anderen Beschäftigten das gleiche Niveau an Sicherheit für ihre Lebensplanung ermöglicht wird, schimpfen Sie auf jene, die es haben. Zudem ist es nicht so, dass Beamte verglichen mit ähnlichen Stellen in der freien Wirtschaft zu hoch bezahlt würden. Das ist nicht der Fall.

    Ihre Meinung ist tatsächlich ein gutes Beispiel für die sehr weit verbreitete Einstellung: Lieber auf jene, die (wirklich oder vermeintlich) ein besseres Leben haben schimpfen und zu verlangen, Sie sollten auf das allgemeine Niveau hinuntergehoben werden, statt deren Wohlergehen als erstrebenswert und wertvoll zu begreifen und dafür zu kämpfen, dass mehr Menschen einen vergleichbares Maß an Wohlergehen bekommen.

    Das ist spießiger Neid sonst nichts.

    Das zweite Argument, ob ausgesprochen oder unterschwellig immer mitschwingend ist: Der Staat sollte kein Arbeitgeber sein, er verschwendet, die ausufernde Bürokratie ist schlecht etc. Aber Privatisierungen sind kein Lösungsweg, gerade in sensiblen Bereichen. Und Bürokratie gibt es in privaten Unternehmen genauso. Aber in der Privatwirtschaft soll auch noch Gewinn abgeworfen werden und der Erhalt von Wert steht nicht im Vordergrund.

    Und um das klar zu stellen: Ich bin kein BEamter und auch nicht im öffentlichen Dienst angestellt, ich spreche also relativ frei von Interessen.

    Und deshalb werden besonders die Bankleute so gut bezahlt, weil sie so viel leisten? Oder weil sie mehr Schaden als Nutzen brigen....
    Ob man Lehrer verbeamten muss, ist eine andere Frage, aber ohne Lehrer gibts auch keine Leistung von den ganzen tollen selbsternannten Leistungsträgern, die schon immer alles selber gewusst haben.....
    Mehr Lehrer einzustellen, ist sicher kein Fehler.

    In manchen Branchen wäre es bitter nötig, die erbrachte Leistung überhaupt erst einmal fair zu vergüten! Danach kann über mehr Leistung gesprochen werden, welche dann natürlich wiederum besser vergütet wird.

    ...Lila - da würde in Südeuropa jemand kommentieren:

    Das ist aber eine lustige 'Beeerdigung' - die Vorfreude vom eigenen Untergang - BW 2013?!...

    • joG
    • 09.06.2012 um 9:34 Uhr

    ....durch Gebote des Herrschers. Man bekommt sie durch sinnvolle Rahmenregeln. Was wir hier sehen sind Jobtöter. Wenn Energiewende, Transaktionssteuern usw debattiert oder gar gemacht werden zerstört man Jobs.

    Leider wollen die meisten Wähler das nicht hören. Aber sie können wählen wen auch immer sie wollen. Das wird die die Jobs nicht bringen, wenn man unsinniges Gesetz macht.

    3 Leserempfehlungen
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    ...die aus die "besseren Rahmenbedingungen"? Diesen neoliberalen Blödsinn hört man schliesslich schon seit Jahrzehnten. Das einzige was uns die "harten aber nötigen alternativlosen Einschnitte" gebracht haben, war eine Reduzierung UNSERES Wohlstandes und eine Menge Billigjobs mit denen wir nun unsere Wirtschaftspartner versuchen kaputt zu konkurrieren.

    "Wenn Energiewende, Transaktionssteuern usw debattiert oder gar gemacht werden zerstört man Jobs."

    Ja klar. Daher weht der Wind. Wirtschaft, Wirtschaft über alles.

    "Leider wollen die meisten Wähler das nicht hören. Aber sie können wählen wen auch immer sie wollen. Das wird die die Jobs nicht bringen, wenn man unsinniges Gesetz macht."

    Die immer selbe Leier wird halt irgendwann langweilig, vor allem wenn der Erfolg konsequent ausbleibt.

    "...Energiewende... zerstört Jobs..."
    Und seit wann bauen die Windräder sich selber auf Greundstücken, die keine Verträge brauchen usw.?
    Neben Leiharbeit, Pflege und Zustelldiensten waren Wind-, Sonnen- und Bioenergie in den letzten Jahren die Arbeitsplatzbeschaffer schlechthin. Nicht zuletzt der Beitrag daran, dass die Lehman-Krise relativ glimpflich für Deutschland ausging, sollte nicht unterschätzt werden.
    Auch sind mittlere und hohe Qualifikationen - Techniker, Monteure, Installateure, Ingenieure, Juristen - da nicht unerheblich vertreten.
    Die Sache ist einerseits industriepolitisch langfristig gedacht (außer Kohle haben wir keine heimischen Energieträger im nennenswertem Umfang, blieben also andernfalls importabhängig), sie dient auch der Scahffung von Arbeitsplätzen.

    ...die aus die "besseren Rahmenbedingungen"? Diesen neoliberalen Blödsinn hört man schliesslich schon seit Jahrzehnten. Das einzige was uns die "harten aber nötigen alternativlosen Einschnitte" gebracht haben, war eine Reduzierung UNSERES Wohlstandes und eine Menge Billigjobs mit denen wir nun unsere Wirtschaftspartner versuchen kaputt zu konkurrieren.

    "Wenn Energiewende, Transaktionssteuern usw debattiert oder gar gemacht werden zerstört man Jobs."

    Ja klar. Daher weht der Wind. Wirtschaft, Wirtschaft über alles.

    "Leider wollen die meisten Wähler das nicht hören. Aber sie können wählen wen auch immer sie wollen. Das wird die die Jobs nicht bringen, wenn man unsinniges Gesetz macht."

    Die immer selbe Leier wird halt irgendwann langweilig, vor allem wenn der Erfolg konsequent ausbleibt.

    "...Energiewende... zerstört Jobs..."
    Und seit wann bauen die Windräder sich selber auf Greundstücken, die keine Verträge brauchen usw.?
    Neben Leiharbeit, Pflege und Zustelldiensten waren Wind-, Sonnen- und Bioenergie in den letzten Jahren die Arbeitsplatzbeschaffer schlechthin. Nicht zuletzt der Beitrag daran, dass die Lehman-Krise relativ glimpflich für Deutschland ausging, sollte nicht unterschätzt werden.
    Auch sind mittlere und hohe Qualifikationen - Techniker, Monteure, Installateure, Ingenieure, Juristen - da nicht unerheblich vertreten.
    Die Sache ist einerseits industriepolitisch langfristig gedacht (außer Kohle haben wir keine heimischen Energieträger im nennenswertem Umfang, blieben also andernfalls importabhängig), sie dient auch der Scahffung von Arbeitsplätzen.

    • joG
    • 09.06.2012 um 9:37 Uhr

    .....die einfach Beamte einstellt. Was sagte er? 60.000 neue Lehrer? Das ist so atemberaubend weit entfernt von dem, was Regierungen wirtschaftlich gesprochen tun sollten, dass man die echten Jobs schier wegschmelzen sehen kann.

    2 Leserempfehlungen
    • Hoplon
    • 09.06.2012 um 9:43 Uhr

    Bitte nicht die offiziellen/ schön gerechneten Zahlen verwenden, die die Bundesregierung(von der Leyen) verkündet hat (das wäre eigentlich Aufgabe der Arbeitsagenturen),die
    tatsächliche Arbeitslosigkeit (Unterbeschäftigung ohne Kurzarbeit) liegt um einiges höher.

    http://statistik.arbeitsa...

    14 Leserempfehlungen
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    • Stroke
    • 09.06.2012 um 12:32 Uhr

    Wenn ich mich nicht irre, gibt es eine Anordnung der Merkelregierung, dass die deutschen Medien die manipulierten Arbeitslosenzahlen bringen müssen. Die öffentliche Diskussion darüber und das Infragestellen der Zahlen scheinen verboten zu sein. Es dürfen nur jene Arbeitslosenzahlen gebracht werden, die von der Bundesanstalt für Arbeit veröffentlicht werden, also die geschönte Statistik. So kommt der "Einheitsbrei" in allen Medien zustande.

    Redaktion

    Hallo "Hoplon",
    der Hinweis darauf, dass die offizielle Arbeitslosenzahl nicht die gesamte Arbeitslosigkeit abbildet, ist berechtigt. Ich habe das auch schon in vielen Artikeln erläutert. Zum Beispiel hier (Kommentar Nr.91 mit mehreren Verweisen): http://www.zeit.de/wirtsc...
    Aus zwei Gründen taucht das hier einmal nicht auf: Erstens war der Text für eine kurze Spalte der gedruckten ZEIT geschrieben, da passte schlicht keine weitere (komplizierte) Erläuterung der Statistik mehr hinein. Zweitens würde es den Grundtenor dieses Artikels (Warnung vor Verschlechterung am Arbeitsmarkt) wenig ändern.
    Auch wenn man alle Formen der "Unterbeschäftigung" einrechnet, kommt man im übrigen zum Ergebnis: So wenig Arbeitslosigkeit wie heute hatten wir im vereinigten D noch nie (so gerechnet sind es knapp 4 Millionen). Und im vergangenen Jahr ging gerade die "verdeckte" Arbeitslosigkeit/Stille Reserve besonders rapide zurück (wie man auch bei Ihrem Link sehen kann). Das ist kein Grund sich zurückzulehnen, wie ich ja auch betone, aber der Trend war eben positiv.

    • Stroke
    • 09.06.2012 um 12:32 Uhr

    Wenn ich mich nicht irre, gibt es eine Anordnung der Merkelregierung, dass die deutschen Medien die manipulierten Arbeitslosenzahlen bringen müssen. Die öffentliche Diskussion darüber und das Infragestellen der Zahlen scheinen verboten zu sein. Es dürfen nur jene Arbeitslosenzahlen gebracht werden, die von der Bundesanstalt für Arbeit veröffentlicht werden, also die geschönte Statistik. So kommt der "Einheitsbrei" in allen Medien zustande.

    Redaktion

    Hallo "Hoplon",
    der Hinweis darauf, dass die offizielle Arbeitslosenzahl nicht die gesamte Arbeitslosigkeit abbildet, ist berechtigt. Ich habe das auch schon in vielen Artikeln erläutert. Zum Beispiel hier (Kommentar Nr.91 mit mehreren Verweisen): http://www.zeit.de/wirtsc...
    Aus zwei Gründen taucht das hier einmal nicht auf: Erstens war der Text für eine kurze Spalte der gedruckten ZEIT geschrieben, da passte schlicht keine weitere (komplizierte) Erläuterung der Statistik mehr hinein. Zweitens würde es den Grundtenor dieses Artikels (Warnung vor Verschlechterung am Arbeitsmarkt) wenig ändern.
    Auch wenn man alle Formen der "Unterbeschäftigung" einrechnet, kommt man im übrigen zum Ergebnis: So wenig Arbeitslosigkeit wie heute hatten wir im vereinigten D noch nie (so gerechnet sind es knapp 4 Millionen). Und im vergangenen Jahr ging gerade die "verdeckte" Arbeitslosigkeit/Stille Reserve besonders rapide zurück (wie man auch bei Ihrem Link sehen kann). Das ist kein Grund sich zurückzulehnen, wie ich ja auch betone, aber der Trend war eben positiv.

    • vadeho
    • 09.06.2012 um 9:54 Uhr

    Âus Ihren Worten spricht das Resentiment. Und der Neid auf jene, die eine relativ sichere Erwerbsbiografie haben. Statt zu wünschen und sich dafür einzusetzen, dass anderen Beschäftigten das gleiche Niveau an Sicherheit für ihre Lebensplanung ermöglicht wird, schimpfen Sie auf jene, die es haben. Zudem ist es nicht so, dass Beamte verglichen mit ähnlichen Stellen in der freien Wirtschaft zu hoch bezahlt würden. Das ist nicht der Fall.

    Ihre Meinung ist tatsächlich ein gutes Beispiel für die sehr weit verbreitete Einstellung: Lieber auf jene, die (wirklich oder vermeintlich) ein besseres Leben haben schimpfen und zu verlangen, Sie sollten auf das allgemeine Niveau hinuntergehoben werden, statt deren Wohlergehen als erstrebenswert und wertvoll zu begreifen und dafür zu kämpfen, dass mehr Menschen einen vergleichbares Maß an Wohlergehen bekommen.

    Das ist spießiger Neid sonst nichts.

    Das zweite Argument, ob ausgesprochen oder unterschwellig immer mitschwingend ist: Der Staat sollte kein Arbeitgeber sein, er verschwendet, die ausufernde Bürokratie ist schlecht etc. Aber Privatisierungen sind kein Lösungsweg, gerade in sensiblen Bereichen. Und Bürokratie gibt es in privaten Unternehmen genauso. Aber in der Privatwirtschaft soll auch noch Gewinn abgeworfen werden und der Erhalt von Wert steht nicht im Vordergrund.

    Und um das klar zu stellen: Ich bin kein BEamter und auch nicht im öffentlichen Dienst angestellt, ich spreche also relativ frei von Interessen.

    17 Leserempfehlungen
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    • vsp
    • 09.06.2012 um 11:09 Uhr

    Natürlich kann und soll der Staat Beamte einstellen. Das sollte aber einzig davon abhängig sein, ob es einen Bedarf gibt, ob dadurch also die Dienstleitungen, die der Staat den Bürgern oder Unternehmen bietet, sinnvoll verbessert werden. Und er sollte es natürlich nur tun, wenn er es sich leisten kann.

    Beamte nur aus dem Grund einzustellen, damit die Menschen von der Straße sind, also gleichsam als Beschäftigungstherapie und um die Statistik zu schönen, ist jedoch sicherlich tödlich. Erst recht, wenn es auf Pump erfolgt. Dadurch schafft ein Land sich dauerhaft Strukturprobleme, wie man in Ländern wie Spanien oder Griechenland sieht. Zur Finanzierung eines jeden Beamten braucht man nämlich eine bestimme Mindestanzahl an Steuerzahlern, die Mehrwert schaffen und den Beamten mit finanzieren.

    • TDU
    • 09.06.2012 um 12:26 Uhr

    Es geht nicht um Neid oder wie wer bezahlt wird. Es geht um Fixkosten des Apparrats. Und die sind in Deutschland sehr hoch und bebeinflussen auch die Jobpolitik. In der Wirtschaft werden ein paar tausend Stellen in der Verwaltung gestrichen.

    Irgendwo muss das Geld erwirtschaftet werden, und es kann nicht sein, dass 70 % davon in die Verwaltung gehen und Billig Jobber auch noch die Lücken füllen müssen.

    Bei mir als Selbständigen sind nahezu 60% der Kosten staatlich beeinflusst. Von der Krankenkasse über Rentenversicherung bis zum Strom und Wasser. Tendenz steigend. Handwerker, Telephon und auch Nahrungsmittel haben sich in dem Ausmass nicht erhöht.

    Wenn man keine Marktwirtschaft und Binnenmarkt will, muss man es sagen und gut is. Aber die Eierei ist furchtbar und die Verteilungskämpfe um staatliche Gelder werden richtig losgehen, wenn Schuldenbremse und EU Bestimmungen zur Wirtschaftsunion greifen.

    Die jetzige Drückerei und gezielte Kürzerei ist nichts anderes als Anpassung des privaten Kleinen ans kommende europäische Massenlohnniveau. Muss auch sein, aber man muss die Menschen mitnehmen. Erst recht, wenn man so gut bezahlt wird wie die Drei auf dem Bild.

    Und das Argument mancher Politiker, in der Wirtschaft würde man mehr kriegen ist abstrus. Viele von denen hätten im normalen Bewerbungsverfahren mit ihren Abschlüssen erst gar keinen Job in der Wirtschaft bekommen oder sich lange hochdienen müssen bis zu diesen Einkünften.

    • vsp
    • 09.06.2012 um 11:09 Uhr

    Natürlich kann und soll der Staat Beamte einstellen. Das sollte aber einzig davon abhängig sein, ob es einen Bedarf gibt, ob dadurch also die Dienstleitungen, die der Staat den Bürgern oder Unternehmen bietet, sinnvoll verbessert werden. Und er sollte es natürlich nur tun, wenn er es sich leisten kann.

    Beamte nur aus dem Grund einzustellen, damit die Menschen von der Straße sind, also gleichsam als Beschäftigungstherapie und um die Statistik zu schönen, ist jedoch sicherlich tödlich. Erst recht, wenn es auf Pump erfolgt. Dadurch schafft ein Land sich dauerhaft Strukturprobleme, wie man in Ländern wie Spanien oder Griechenland sieht. Zur Finanzierung eines jeden Beamten braucht man nämlich eine bestimme Mindestanzahl an Steuerzahlern, die Mehrwert schaffen und den Beamten mit finanzieren.

    • TDU
    • 09.06.2012 um 12:26 Uhr

    Es geht nicht um Neid oder wie wer bezahlt wird. Es geht um Fixkosten des Apparrats. Und die sind in Deutschland sehr hoch und bebeinflussen auch die Jobpolitik. In der Wirtschaft werden ein paar tausend Stellen in der Verwaltung gestrichen.

    Irgendwo muss das Geld erwirtschaftet werden, und es kann nicht sein, dass 70 % davon in die Verwaltung gehen und Billig Jobber auch noch die Lücken füllen müssen.

    Bei mir als Selbständigen sind nahezu 60% der Kosten staatlich beeinflusst. Von der Krankenkasse über Rentenversicherung bis zum Strom und Wasser. Tendenz steigend. Handwerker, Telephon und auch Nahrungsmittel haben sich in dem Ausmass nicht erhöht.

    Wenn man keine Marktwirtschaft und Binnenmarkt will, muss man es sagen und gut is. Aber die Eierei ist furchtbar und die Verteilungskämpfe um staatliche Gelder werden richtig losgehen, wenn Schuldenbremse und EU Bestimmungen zur Wirtschaftsunion greifen.

    Die jetzige Drückerei und gezielte Kürzerei ist nichts anderes als Anpassung des privaten Kleinen ans kommende europäische Massenlohnniveau. Muss auch sein, aber man muss die Menschen mitnehmen. Erst recht, wenn man so gut bezahlt wird wie die Drei auf dem Bild.

    Und das Argument mancher Politiker, in der Wirtschaft würde man mehr kriegen ist abstrus. Viele von denen hätten im normalen Bewerbungsverfahren mit ihren Abschlüssen erst gar keinen Job in der Wirtschaft bekommen oder sich lange hochdienen müssen bis zu diesen Einkünften.

  2. Wohl nie ganz verkerht. Unter den richtigen Vorzeichen einer stabilen Wirtschaft.

    Jedoch, seit mehr als zwei Jahrzehnten dreht sich der Karusell doch irgendwie im Kreis: die "Verlierer" der EU/Globalisierung müssen nur noch ein wenig mehr leisten, ein wenig mehr warten auf die besseren Zeiten und bis dahin sich mit weniger Lohn zufriedengeben, dann wird alles soo viel besser. In Zukunft.

    Und währenddessen sahnen die Eigentümer wie eh und je ab, aber die Staatskassen wie Pensionskassen leeren sich zusehends.

    Gleichzeitig verbauen wir uns die wirtschaftliche Zukunft ("all Produktion gen China"). Und meine hoffnungsvolle Zukunft entpuppt sich als von Krisen überschattete Gegenwart. Und vom real sinkenden Lebensstandard.

    Kann mir jemand bitte erläutern, welche Vorstellung wir haben sollen von einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung? Was soll aus der EU und Europa werden? Wie wollen wir stabile Verhältnisse schaffen, in denen Menschen und ganze Gesellschaften gedeihen können? Und nicht nur Zustände, unter denen wir einfach wie Getriebene durchs (Arbeits-)Leben gejagt werden?

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  3. sondern es läuft immer mehr gegen die Niedriglöhner, weil diese ja auch mehr werden. Sie haben keine Lobby und in den Gewerkschaften sind sie auch nicht, denn sie können von ihrem kargen Einkommen die Beiträge gar nicht bezahlen. Diese Niedriglöhner werden auch immer stärker bedrrängt durch Rumänen und Bulgaren, die arbeiten fast umsonst. Gehen Sie mal mit offenen Augen durch die Großstädte wie Berlin und München, z.B., dann werden Sie das bemerken. Es gibt ja auch Sammelstellen, wo die ausländischen Tagelöhner auf eine Arbeit warten, egal welche. Der Arbeitsmarkt in der EU = ein böser Traum für immer mehr Menschen.

    5 Leserempfehlungen
    • ucanno
    • 09.06.2012 um 10:21 Uhr

    Langsam aber stetig kann ich diese Schönfärberei über das deutsche Jobwunder nicht mehr ertragen. "Fachkräftemangel" gibt es de facto nicht wirklich in Deutschland! Mag sein, dass der eine oder andere Fachingenieur zurzeit noch gesucht wird?! Wohlgemerkt noch, denn die Unis sind voll mit qualifizierten Ingenieuren, die bald eine Stelle suchen werden. Alle anderen Disziplinen, alle Geisteswissenschaftler, aber auch Naturwissenschaftler wie Geographen z.B. suchen händeringend Stellen. Und das nicht seit gestern! Ich selbst suche seit rund 1 Jahr (!), Geisteswissenschaftler (!), nichts zu machen, man sagte mir auch schon ich sei überqualifiziert. Ein Witz? Keineswegs! Und ich bin nicht der/die einzige/r! Um mich herum, alles Akademiker jeden Alters, ARBEITSSUCHEND!! Das "hochkompetente Fachkräfteteam" auf Ihrem Foto zum Artikel sollte tatsächlich einmal ein Assessment zur Qualifikationsüberprüfung absolvieren, denn diese Überprüfungen müssen wir "Fachkräfte" und auf dem Arbeitsmarkt alle durchlaufen! Mal gucken, ob sie 3 und ihre Kollegen überhaupt weiterhin "beschäftigt" bleiben?? Könnte sein, dass sie auf den Arbeitsmarkt geworfen würden und dann endlich feststellen, wie das deutsche "Jobwunder" tatsächlich aussieht!

    9 Leserempfehlungen
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    • Karl63
    • 09.06.2012 um 12:08 Uhr

    es gibt in der Politik immer noch die Vorstellung, man müsse nur den Niedriglohnsektor kontinuierlich weiter expandieren - und dann lösen sich schon alle Probleme des Arbeitsmarktes.
    Ja sicherlich gibt es auch Bereiche, in den die Wirtschaft Fachkräfte sucht. Wer genauer hinsieht wird feststellen, es geht nicht selten um ein hochspezialisiertes Anforderungsprofil und die Bereitschaft Personal zu entwickeln ist eher gering.
    Anstatt nun über neue Wege nachzudenken, wie man Arbeitslose passend qualifiziert, ergießt sich unsere Regierung in allerlei unausgegorenes mit dem Ziel die Zuwanderung von Fachkräften zu erleichtern.
    Es täte etwas mehr Pragmatismus gut, denn wir brauche eigentlich beides: sowohl eine zeitgemäße Einwanderungspolitik, als auch neue Konzepte zur (passenden) Qualifizierung von Arbeitslosen.

    • Karl63
    • 09.06.2012 um 12:08 Uhr

    es gibt in der Politik immer noch die Vorstellung, man müsse nur den Niedriglohnsektor kontinuierlich weiter expandieren - und dann lösen sich schon alle Probleme des Arbeitsmarktes.
    Ja sicherlich gibt es auch Bereiche, in den die Wirtschaft Fachkräfte sucht. Wer genauer hinsieht wird feststellen, es geht nicht selten um ein hochspezialisiertes Anforderungsprofil und die Bereitschaft Personal zu entwickeln ist eher gering.
    Anstatt nun über neue Wege nachzudenken, wie man Arbeitslose passend qualifiziert, ergießt sich unsere Regierung in allerlei unausgegorenes mit dem Ziel die Zuwanderung von Fachkräften zu erleichtern.
    Es täte etwas mehr Pragmatismus gut, denn wir brauche eigentlich beides: sowohl eine zeitgemäße Einwanderungspolitik, als auch neue Konzepte zur (passenden) Qualifizierung von Arbeitslosen.

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