Sachbuch: Kriminell? Unkaputtbar
Pünktlich zur EM beschreibt Thomas Kistner das korrupte Geflecht der "Fifa-Mafia".
© AFP

Der FIFA-Präsident Joseph Blatter
Eigentlich ein Wunder, dass nicht schon ein Sondereinsatzkommando der Schweizer Polizei oder wenigstens ein paar Tausend aufgebrachte Fußballfans den Zürichberg gestürmt haben. Denn seit das Buch Fifa-Mafia erschienen ist, kann es keinen Zweifel mehr daran geben, dass die Führung des Weltfußballverbands in ihrer geheimnisumwitterten Zentrale oberhalb der Stadt Zürich ein krummes Ding nach dem andern dreht.
Natürlich gehört es zur Fußballfolklore, die Fifa für durch und durch korrupt zu halten. Ihr langjähriger Präsident, der Schweizer Joseph Blatter, wird regelmäßig ausgepfiffen, wenn er sich in einem Stadion blicken lässt. Aber wie genau er und seine diversen Mitstreiter sich den Weltsport Nummer eins untertan gemacht haben, kann man nun so detailliert wie nie zuvor nachlesen. Thomas Kistner, Sportredakteur der Süddeutschen Zeitung, hat seine Erkenntnisse aus 20 Jahren Recherche und Berichterstattung über die Fifa gebündelt; herausgekommen ist weniger ein Fußballbuch als ein Wirtschaftskrimi.
Der Vergleich der Fifa mit der Mafia ist dabei mehr als ein sprachspielerischer oder bloß reißerischer Marketing-Gag, er beschreibt ein Grunddilemma: Obwohl die Fifa inzwischen als Weltkonzern Milliarden umsetzt, ist sie immer noch als einfacher Verein registriert und organisiert, in dessen quasifamiliären Strukturen eine kaum kontrollierbare Günstlingswirtschaft gedeiht. Blatter selbst redet immer wieder verharmlosend von der »Fußballfamilie« – in der er als allein zeichnungsberechtigter Pate leibliche Verwandte wie seinen Neffen Philippe oder langjährige Weggefährten auf lukrative Posten hievt und nach Gutdünken Geld verteilt.
- Korruptionsverdacht
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Nach der Vergabe der Fußballweltmeisterschaften an Russland und Katar im Dezember 2010, der Amtszeitverlängerung des Präsidenten Joseph Blatter im Juni 2011 sowie einigen Bestechungsskandalen führender Repräsentanten hängt dem Weltverband Fifa mehr denn je der Ruf der Korruption an. Kürzlich hat sich der Europarat zu Wort gemeldet und Aufklärung gefordert.
Im August 2011 versprach Blatter, den Forderungen nach einer Reform nachzugeben. Der angesehene Basler Kriminologe Mark Pieth wurde beauftragt, den Prozess der Aufklärung durchzuführen und zu überwachen. Der damalige DFB-Präsident und Blatter-Unterstützer Theo Zwanziger wurde von Blatter beauftragt, die Statuten der Fifa zu ändern.
- Budapest
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An diesem Donnerstag und Freitag findet in Budapest ein Fifa-Kongress statt, der nach Darstellung Blatters, Pieths und Zwanzigers eine Wegmarke der Reform sein soll. Die Statutenreform Theo Zwanzigers sieht folgende Punkte vor:
- Die Einsetzung einer unabhängigen Ethikkommission und deren Aufteilung in zwei Kammern: a) eine neue und unabhängige Ermittlungsbehörde, die weder vom Fifa-Präsidenten noch von anderen Organen angewiesen werden kann, b) eine unabhängige Kammer zur Sanktionierung. Der Kongress in Budapest wird nur über die Einrichtung der Kommission entscheiden, die Besetzung erfolgt auf einer Sondersitzung Anfang Juli, insofern der Kongress das Exekutivkomitee dazu bevollmächtigt.
- Die Offenlegung der Bezüge und Vergütungen aller Fifa-Verantwortlichen. Ob Gehälter offen gelegt werden, wird die neue Audit- und Compliance-Kommission entscheiden. Der Vorsitzende wird vom Kongress in Budapest gewählt.
- Die Einsetzung einer Nominierungskommission ab 2013 , die alle Fifa-Amtsträger "screent" und eine Art polizeiliches Führungszeugnis ausstellen soll.
- Eine Amtszeitbegrenzung oder ein Alterslimit von 72 Jahren beim Eintritt in Spitzenämter.
- Amtsträger der Fifa dürfen fünf Jahre kein wirtschaftliches Verhältnis mit der Fifa gehabt haben.
Kritikern gehen diese Voschläge nicht weit und nicht schnell genug. Die Journalisten und Fifa-Experten Andrew Jennings, Jean François Tanda und Jens Weinreich haben einen radikaleren Reformplan erstellt.
- ISL-Prozess
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Im Jahr 2008 hat ein Schweizer Gericht nachgewiesen: Zwischen 1989 und 2001 kassierten Sportfunktionäre, auch aus der Fifa, von der ehemaligen Sportvermarktungsfirma ISL umgerechnet über 110 Millionen Euro für Vermarktungsrechte (TV, Sponsoring). Zahlungsempfänger waren unter anderem Blatters Vorgänger João Havelange aus Brasilien sowie dessen Schwiegersohn Ricardo Teixeira. Bis März diesen Jahres war Teixeira Chef des WM-Organisationskomitees 2014, dann musste er auf Druck der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff wegen des Verdachts auf Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung zurücktreten. Havelange kam im Dezember 2011 seinem Rauswurf beim Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wegen Korruption zuvor und trat aus vorgeblich gesundheitlichen Gründen zurück.
Dem aktuellen Finanzverantwortlichen der Fifa, dem Argentinier Julio Grondona, wird Geldwäsche, Betrug, Steuerhinterziehung und Korruption vorgeworfen. Medienberichten zufolge unterhält die Nummer zwei des Weltfußballs Auslandskonten, auf denen er mehr als 100 Millionen Dollar "geparkt" habe.
- Mastercard
Ein besonders schwerer Fall von Missmanagement: Der Firma Mastercard musste die Fifa im Jahr 2007 gut 90 Millionen Euro Schadenersatz zahlen, weil der Verband den Kreditkartenhersteller und Sponsoring-Partner entgegen den Verträgen bei Verhandlungen übergangen hatte. Mit den Verhandlungen der Fifa mit dem Mastercard-Konkurrenten Visa beschäftigte sich ein New Yorker Gericht, das die Geschäftsethik der Fifa rügte. Den damaligen Verhandlungsführer der Fifa, Jérôme Valcke, bezeichnete der Richter als Lügner, Betrüger und Erpresser. Er wurde zunächst entlassen, doch seit Juni 2007 ist er wieder Generalsekretär der Fifa. Im Zuge dieser Auseinandersetzung ging der Fifa ihr bekanntes Logo abhanden, die zwei Globusbälle, das dem Mastercard-Logo sehr ähnelt (Quelle: Thomas Kistner, Fifa-Mafia, München 2012).
Gegründet, das zeigt Kistner in einem kurzen historischen Teil, wurde diese Familie nicht von Blatter, sondern von Horst Dassler, dem Sohn des adidas-Gründers Adolf Dassler. Er verquickt als erster systematisch Sport mit knallharten Geschäftsinteressen und sammelt dazu mit seiner »Turnschuh-CIA« Daten über all jene Athleten und Funktionäre, die in der Welt des Sports Einfluss haben: »Er rühmt seine Datei Vertrauten gegenüber, diese sei besser als beim KGB.« Als Teil seiner Geschäftspolitik hilft er 1981, seinen Ziehsohn Sepp Blatter als Fifa-Generalsekretär zu installieren. Der bringt seither die Fußballfamilie auf Linie.
Um diese Familie und ihre wirtschaftlichen Interessen zu schützen, sind alle Mittel recht: Der Frau eines Blatter-Kritikers wird mit der Entführung ihrer Kinder gedroht. Belastende Protokolle oder Tonbandmitschnitte von Fifa-Sitzungen verschwinden oder werden manipuliert. Ein schottischer Funktionär, der die Bestechlichkeit einflussreicher Fifa-Leute aus exotischen Kleinstländern anprangert, wird mit dem Vorwurf des Rassismus mundtot gemacht. Private Ermittler sammeln belastendes Material über jene, die sich der Familienräson widersetzen. Die Telefone in der Fifa-Zentrale werden abgehört. Wenn ein Geschäft nicht wie gewünscht läuft, werden Verträge gebrochen oder die Geschäftsgrundlagen neu definiert. Mit dem Hinweis auf die »Autonomie des Sports« verbittet sich die Fifa jede Einmischung; eine von Blatter eingesetzte Ethikkommission darf nur ermitteln, was der Chef erlaubt.
1.200 Panzerfäuste an Saudi-Arabien, schon stimmt es für Deutschland
Selbst vermeintlich unabhängige Instanzen werden mithilfe von Geld, Drohungen, Vergünstigungen der Familie einverleibt: Der Internationale Sportjournalistenverband erhält eine Spende über 50.000 Euro – wer will da noch ein kritisches Wort sagen? Interpol bekommt sogar 20 Millionen Euro, ein früherer Interpol-Direktor leitet den Fifa-eigenen Sicherheitsdienst – besser kann man sich gegen polizeiliche Ermittlungen kaum immunisieren.
Auf 400 Seiten beschreibt Kistner ein korruptes Geflecht, in dem selbst die große Politik dem Fußball willfährig Dienste leistet. So stimmt die Bundesregierung der Lieferung von 1.200 Panzerfäusten an Saudi-Arabien zu – acht Tage bevor in der entscheidenden Vergabesitzung zur WM 2006 der Vertreter Saudi-Arabiens seine Stimme Deutschland geben wird. Auch die vermeintlich allmächtigen Sponsoren tanzen nach der Pfeife Blatters, des »heimlichen Weltregenten«, der internationale Großkonzerne gegeneinander ausspielt und Staatschef zu Bittstellern bei seinem Verein macht.
Warum niemand dagegen aufbegehrt? Kistners Erklärung ist einfach: Blatter ist der Chef des einzigen wirklichen Monopolunternehmens der Welt. Er hat die alleinige Macht über die Fußballweltmeisterschaft, das »werbeträchtigste Produkt der Galaxie« und den »größten Emotions-Generator«. An den will jeder angeschlossen sein, um jeden Preis. Und sie alle macht Kistner mitverantwortlich für die »schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball«: Politiker, deren »nationalistische Sportbesessenheit jede Staatsräson erstickt«, speichelleckerische Sponsoren, all die unkritischen Fußballromantiker unter den Sportjournalisten. Diese inzwischen quasireligiös aufgeladene Gefühls- und Gelddruckmaschine ist unkaputtbar. Selbst bei größter und gar krimineller Misswirtschaft (Kistner listet etliche Fälle davon auf) kommt immer neues Geld herein, im Moment etwa eine Milliarde Euro jährlich.
Trotz all der haarsträubenden Fakten hat dieses überaus verdienstvolle und mutige Buch mit einem Problem zu kämpfen: Es lässt einen seltsam kalt. Was jucken den gewöhnlichen Fußballfan Korruption und Geldvernichtung, wenn nur sein längst feststehendes Vorurteil mit vielen neuen Details bestätigt wird, das Spiel selbst aber von den Mauscheleien scheinbar ungetrübt bleibt? Selbst die »gekaufte« Vergabe der WM 2022 nach Katar wird der Begeisterung für die Spiele in der Wüstenhitze kaum Abbruch tun.
Als ahne der Autor diese Gleichgültigkeit der Zuschauer, trägt er immer neue Namen und Sauereien mit einer nie nachlassenden, auf die Dauer etwas ermüdenden Empörungsrhetorik vor.
Was die Liebe von Hunderten Millionen Menschen wert ist
Den empörendsten Verdacht, dass auch schon WM-Partien von bestochenen Schiedsrichtern manipuliert wurden (das Spiel selbst also faul ist), kann er allerdings nicht erhärten. Und nur an einer Stelle sagt einer seiner Informanten, dass hier unser aller Geld verbraten und zweckentfremdet wird, Geld, »das aus der Liebe von Hunderten Millionen Menschen für das Spiel entsprang«.
Am Ende zahlt eben doch der Fan für die Fifa, via TV-Gebühren, Eintrittsgeldern und überhöhten Preise für Produkte, die im Fußballumfeld teuer beworben werden. Aber das ist vielleicht ein weiteres Buch: Wie die Fifa von morgen aussehen muss, damit das Spiel seine Unschuld zurückgewinnt.








naja, so ist das mit dem 'Einsamen Rufer'. Die Massen sind derweil grad schon wieder froh, in ihrer EM-Massenpsychose.
Die FIFA und ihre Dirigenten sind nicht besser, aber nicht schlechter als die grosse Konzerne und ihre Dirigenten, sicher nicht schlechter als die politischen Parteien. Herr Blatter ist nicht schlechter oder unmoralischer als z.B. ehemalige Ministerpräsidenten, Bundeskanzler oder andere ehemals führende Politiker, die als Laien in die Geschäftswelt eintreten und dort mangels Fachwissen "ihre Beziehungen" gegen viel Geld verkaufen. Blatter versteht wenigstens etwas von seinem Fach, dem Fussball.
Zürich ist defintiv nicht die Hauptstadt der Schweiz. Wie eine solche in der Schweiz eigentlich gar nicht existiert.
da sollten Sie besser keinem Berner ueber den Weg laufen!!!
da sollten Sie besser keinem Berner ueber den Weg laufen!!!
Was kann, bzw. könnte ich tun. Einfach nicht den Fernseher einschalten und was anderes dafür tun. Aber am Ende geht es mir viel den meisten. Ich schaue Olympia, ich schaue Fußball WM und EM und insofern darf ich mich am Ende des Tages nicht beschweren. Wollte ich andere Zustände, müsste ich konsequent sein. Bin ich aber nicht. Und die meisten anderen auch nicht. Und die, die konsequent wegschauen, interessiert das Ereignis ansich nicht. Da hat man natürlich immer leicht Reden
weil es alles Lügen sind, und Verkleidung, und Abzocke, und Betrug, und Korruption, und Missbrauch, wirklich all das, und nicht anderes, wie vergiftet, und das muss du Dir oft genug sagen - das wirkt!, wenn Du es Dir oft genug auf überzeugende Weise sagst,nund dazu Dir zb. das betreffende Buch und diverse andere Artikel zum Thema hinzunimmst. Und das nennt man im ganzen: "Lernprozess".
weil es alles Lügen sind, und Verkleidung, und Abzocke, und Betrug, und Korruption, und Missbrauch, wirklich all das, und nicht anderes, wie vergiftet, und das muss du Dir oft genug sagen - das wirkt!, wenn Du es Dir oft genug auf überzeugende Weise sagst,nund dazu Dir zb. das betreffende Buch und diverse andere Artikel zum Thema hinzunimmst. Und das nennt man im ganzen: "Lernprozess".
... warum sollten die Ziele der Fifa andere sein als die von anderen Unternehmen? Die Fifa ist nicht dafür da als ehrenamtliches Organisationskomitee alle vier Jahre eine WM zu organisieren, sondern um Geld zu verdienen!
Wer bis heute nicht verstanden hat, dass Fussball nicht mehr als eine große Kommerzveranstaltung ist bei der Milliarden von Euros darauf warten in die Taschen einiger weniger zu fließen, dem kann wohl nicht mehr geholfen werden.
Überall wo Geld zu verdienen ist werden sich auch immer die Schmeißfliegen versammeln und versuchen den Kuchen möglichst schnell unter sich aufzuteilen...
Die Welt. Und das sind die Bretter die die Welt bewegen: Fußball. Das ergreift und dabei ereifern sich die Massen. Die ganze Welt ein Fußballtrunier. Oder Formel 1 oder Olympia. Absurdistan pur. Während sich überall auf der Welt Menschen gegen ihre Unterdrückung und Ausbeutung wehren, die Umwelt verdreckt, das Geld den politischen Alltag bestimmt, während gefoltert und gemordet wird für eine handvoll Dollars gefallen sich die Menschen in der Rolle die Abende vor der Kiste zu sitzen und die wichtigste Frage im Leben ist die, ob wir das Spiel gewinnen. Freiheit die ich meine.
dass die EM dann ausgerechnet in der Ukraine stattfindet: http://dietantejensen.blo...
weil es alles Lügen sind, und Verkleidung, und Abzocke, und Betrug, und Korruption, und Missbrauch, wirklich all das, und nicht anderes, wie vergiftet, und das muss du Dir oft genug sagen - das wirkt!, wenn Du es Dir oft genug auf überzeugende Weise sagst,nund dazu Dir zb. das betreffende Buch und diverse andere Artikel zum Thema hinzunimmst. Und das nennt man im ganzen: "Lernprozess".
..., tue ich aber nicht. Ich rauche nicht, ich saufe nicht, ich konsumiere keine Drogen, ich schaue keine Horrorfilme, ich schaue kein Unterschichten-TV und Sport interessiert mich nun mal. Und sei es nur die Vision davon. Leben Sie zu 100% ethisch und moralisch sauber?
..., tue ich aber nicht. Ich rauche nicht, ich saufe nicht, ich konsumiere keine Drogen, ich schaue keine Horrorfilme, ich schaue kein Unterschichten-TV und Sport interessiert mich nun mal. Und sei es nur die Vision davon. Leben Sie zu 100% ethisch und moralisch sauber?
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