AusstellungskritikDer Kampf geht weiter

Im Deutschen Panzermuseum der Bundeswehr in Munster ist der Zweite Weltkrieg noch nicht zu Ende. von Frank Keil

Panzer, Panzer, Panzer: Das Bundeswehrmuseum in Munster lockt Technikfans aller Art.

Panzer, Panzer, Panzer: Das Bundeswehrmuseum in Munster lockt Technikfans aller Art.  |  © Dennis Williamson

Die Panzer des Monats sind im Juni der PzKwg V, der KPz Leopard 1a5A2 sowie der SPz Kurz Radar – also ein Kampfpanzer der Wehrmacht (das Gegenstück zum sowjetischen T34), ein mittlerer Kampfpanzer der Bundeswehr sowie ein Radaraufklärungspanzer. Sie stehen in Halle 1, »Vom Ersten Weltkrieg bis zur deutschen Teilung«, und in Halle 2, »Gepanzerte Kampftruppen nach 1945«.

Das klingt alles ein bisschen nach geschlossener militärischer Anstalt. Doch das Panzermuseum Munster am Südrand der Lüneburger Heide ist ein Haus für alle, im Sommer sieben Tage die Woche geöffnet. Schon weit vor der Stadtgrenze wirbt ein fesches Logo am Straßenrand für eins der größten Panzermuseen Europas. Der hell gestaltete Eingangsbereich strahlt Ruhe aus, auch wenn das über 9.000 Quadratmeter große ehemalige Militärgelände nach alter Sitte mit Maschendraht umzäunt ist und angerostete Warnschilder noch daran erinnern, dass hier einst »von der Schußwaffe Gebrauch gemacht« werden konnte. 80.000 Besucher pro Jahr zählt das 1983 gegründete Haus nach eigenen Angaben. Trägerschaft und Kosten teilen sich die Bundeswehr, welche die gut 150 aufgefahrenen Panzer auch für Lehrzwecke nutzt, und die Kleinstadt Munster, die zu ihren 17.000 Bewohnern etwa 6.700 hier stationierte Soldaten hinzurechnen kann.

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Der Besuch ist eine Reise in die düsterste deutsche Vergangenheit; eine Reise, die viel Durchhaltevermögen verlangt. Gewiss, es finden sich zunächst die erwartbaren Kuriositäten, wie das Modell eines der ersten Panzer von 1917 (»Wotan«), drapiert in eine braungraue Erster-Weltkrieg-Landschaft mit Soldatenpuppen und rostigem Stacheldraht, der sich malerisch kringelt. Und auch an Animation fehlt es nicht: Einen Euro in den Automaten gesteckt, und der Panzerkampfwagen 1 setzt sich für zwei Minuten in Bewegung.

Doch dann folgt Panzer auf Panzer, die alle ihre Kanonenrohre zur Decke strecken und die begutachtet und bewundert werden wollen. Wir bemerken einige ältere, männliche Besucher, die vor einzelnen Gefährten im stillen Zwiegespräch verharren. Erste Texttafeln im vorderen Bereich dokumentieren wenig umstrittene historische Erkenntnisse zur Entwicklung der Panzerwaffe. Doch es ist nicht die arg schlichte Aufreihung von technischen Daten, die den zivilen Besucher zunehmend irritiert. Es ist die völlig ignorante Darstellung der deutschen Militärgeschichte. Da sehen wir beispielsweise ein Foto vom Freikorps Ehrhardt, ohne dass mit einem Wort erwähnt wird, wer dieser Haufen war: eine wüste Soldateska, die 1919 die Münchner Räterepublik zusammenschoss, die das Lied Hakenkreuz am Stahlhelm erfand (»Die Brigade Ehrhardt / Schlägt alles kurz und klein, / Wehe dir, / Du Arbeiterschwein«) und aus deren Reihen sich später manch Völkermörder der SS rekrutierte.

Die Machtübernahme 1933 heißt hier »Regierungsantritt der NSDAP« – gewiss, so kann man es auch nennen. Generaloberst Heinz Guderian wird als ein »berühmter Panzerführer des 2.Weltkrieges« vorgestellt, ohne dass auf seine Rolle bei der Verfolgung der Widerstandskämpfer vom 20. Juli hingewiesen würde oder auf die schwer begreifliche Tatsache, dass Guderian, der sich seine Verdienste vom »Führer« hoch dotieren ließ, auch nach 1945 noch jene pries, die anders als Stauffenberg »treu bis in in den Tod, treu ihrem Eid« gekämpft hatten.

Endgültig finster wird es, tritt der Besucher vor die meterhohen Tafeln, die von der »Operation Zitadelle« erzählen sollen: einer letzten großen Panzerschlacht im Raum Kursk, wo im Juli 1943, nach der Niederlage von Stalingrad, Verbände der 9. Armee gegen die Verteidigungslinien der Sowjettruppen anrannten. Detailliert erfährt der Besucher, welcher General welche Maßnahme vorschlug und was Hitler dazu jeweils gesagt und angeordnet hat. Das einmontierte Bildmaterial mit entsprechender Betitelung sorgt für die dröhnende Begleitmusik: »Volltreffer einer 7,5 cm Panzerkanone – ein T34 fliegt in die Luft«, ist da zu lesen. Oder: »Die tief gestaffelten sowjetischen Stellungen werden sturmreif geschossen.« Und zum krönenden Abschluss das Foto eines Soldaten, der zwar müde und unrasiert, aber immer noch unerschrocken unter seinem Stahlhelm hervor in die Kamera blickt: »Der Kampf war hart... bald geht es weiter.« Eine Quellenangabe fehlt, wie bei den meisten hier ausgestellten Fotos.

Ralf Raths, Militärhistoriker der Universität Hannover und Leiter des Museums, holt tief Luft: »Das Haus, das 25 Jahre lang keinen zivilen Historiker hatte, befindet sich in einem Zustand der Transformation. Wir wollen weg von der technischen Sammlung. Wir wollen die Militärgeschichte anhand des Panzers mithilfe von Fragen aus den Kultur- und Gesellschaftswissenschaften kritisch darstellen. Wir müssen aber auch weiterhin die Technikfans bedienen.« Erste »Maßnahmen« seien eingeleitet: Die Führungen würden jetzt nicht mehr von ehemaligen Soldaten, sondern von zivilen und geschulten Kräften durchgeführt. »Da können wir auch Themen ansprechen, die bisher ausgespart wurden, wie den Vernichtungskrieg, den Holocaust und die Zwangsarbeit.« Nur, leider, in der Ausstellung selbst ist davon noch nichts zu sehen.

Leserkommentare
  1. Ein Grund mehr, um nicht dieses rührende Bild von der Spindtür mit den Photos von Freundin und Eltern unkommentiert weiterzuverbreiten.

  2. Um es der Zeit und den ewigen Nazi Jägern recht zu machen sollte man einfach ein Schild anbringen das die Deutsche Schuld hervorhebt und gut ist es.
    Man muss nicht an jeder kleinen Notiz darauf hinweisen.

    Ich habe das Museum besucht und das es dort um Panzer ging und nicht um die Totale Schuld ihrer Entwickler hat mich nicht gestört.
    Es war interessant und informativ.

    Das dort auch Russische Modele ausgestellt werden und hier und da auch ihre Technische Überlegenheit hervorgehoben wird ist ja anscheinend egal.
    Auch das diese Modelle lange vor der Bundeswehr in Afghanistan waren und an Verbrechen beteiligt waren die dem der Wehrmacht in nichts nachstehen wird ignoriert. Wo ist da der Aufschrei der ZEIT???
    Passt eben nichts ins Bild also wird es ausgelassen. Ignoriert und unterschlagen.

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    Sie schreiben '(...) das diese {russischen Panzer)Modelle lange vor der Bundeswehr in Afghanistan waren und an Verbrechen beteiligt waren die dem der Wehrmacht in nichts nachstehen wird'

    Ist Ihnen bekannt wieviele Dörfer von deutschen Soldaten nach 1941 in Weißrussland und der Ukraine vollständig ausgelöscht wurden? Sagen Ihnen die Namen Lidice und Oradour etwas?

    All die Panther- und Tiger-Enthusiasten verdrängen diesen Teil der Wahrheit ganz gerne.

  3. Sie schreiben '(...) das diese {russischen Panzer)Modelle lange vor der Bundeswehr in Afghanistan waren und an Verbrechen beteiligt waren die dem der Wehrmacht in nichts nachstehen wird'

    Ist Ihnen bekannt wieviele Dörfer von deutschen Soldaten nach 1941 in Weißrussland und der Ukraine vollständig ausgelöscht wurden? Sagen Ihnen die Namen Lidice und Oradour etwas?

    All die Panther- und Tiger-Enthusiasten verdrängen diesen Teil der Wahrheit ganz gerne.

    Antwort auf "Also Bitte"
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    Ich verdränge überhaupt nichts. Wieso auch? Dadurch ändert sich die Wahrheit nicht.
    Ob es Menschen gibt die diese Besondere Gabe haben? Natürlich.
    Ändern sie deren Sicht der Welt in dem sie auf jeder Freien Fläche in Deutschland die Schuld Deutschlands hervorheben???
    Die Antwort dürfte jeden klar sein.

    Fakt ist Panzer sind Optimierte Tötungswaffen und genau das wird einem auch in Munster vor Augen geführt.

    Aber es gibt eben immer Menschen die der Meinung sind das einige Panzer "Böser" sind als andere und das auch jeder extra darauf hingewiesen werden sollte.

  4. Auf History verfolge ich gerade eine Serie über Europas Kollaborateure und die waren nicht gerade wenig.
    Nicht nur die Waffen sind Muff, sondern auch ihre Benutzer in den einzelnen Ländern, die Hitler halfen.

  5. ... kann man als Landser-Heft-Leser und Modelleisenbahner sich immer feste vergewissern, dass Deutschland den WKII nicht verloren, sondern fast gewonnen hätte. Bei all diesen überlegenen Panzern. Meine Mutter hat übrigens vor kurzem vom Roten Kreuz mitgeteilt bekommen, dass die sterblichen Überreste ihres Vater bei Orjol zusammengekratzt wurden. War ein Foto vom Friedhof und ein Zettel mit irgendeinem nicht lesbaren Geschreibsel dabei. Hat damals eine 3 und eine 6 Jährige mit ihrer Mutter zurückgelassen. Ist schon toll so ein Krieg ...

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    ...trägt auch immer noch seine Erinnerungen an seinen Onkel mit sich herum. Der ist auch irgendwo im Einsatzgebiet der Panther verloren gegangen.

  6. ...trägt auch immer noch seine Erinnerungen an seinen Onkel mit sich herum. Der ist auch irgendwo im Einsatzgebiet der Panther verloren gegangen.

    • tja123
    • 09. Juni 2012 1:03 Uhr

    Das ist ein Panzermuseum !
    Anstatt diesen Einrichtung mit überzogenem Eifer in "political correctness" zu ersäufen, sollte man den Besuchern nur mit klaren Fakten und ohne sinnlose Randinformationen das Kriegsgerät Panzer näher bringen, jenes bedeutet dann auch, dass man auch die Folgen, vom sinngemäßem Einsatz, in voller Bandbreite darstellt.

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    "Randinformationen": diesen Ausdruck muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!

  7. ...das war es doch wohl, was die deutsche Kultur in den Untergang Trieb und zum Mord von millionen von Menschen!?

    Wenn man jetzt ein "technisches Museum" verurteilt, weil es Exponate aus einer Zeit darstellt, die die wenigsten von uns zeitnah erlebt haben ist das ebenfalls: Vorauseilender Gehorsam!

    Wir sollten unserer Objektivität mal so langsam wieder vertrauen, ohne uns präventiv zu Geißeln, wenn wir ein Balkenkreuz sehen!

    Danke "Zeit", ich liebe euch aber dieser Artikel ist doch ein Scherz, oder?

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