Mitt Romney in Washington D.C. © Win McNamee/Getty Images

Anfang 2010 traf sich in einem vornehmen Privatklub in Dallas, Texas, ein kleiner, exklusiver Kreis rechter Milliardäre zum Mittagessen. Karl Rove hatte geladen, legendärer Wahlkampfstratege des ehemaligen Präsidenten George W. Bush. Rove konnte seinen illustren Gästen eine gute Nachricht verkünden: Der Oberste Gerichtshof der USA habe soeben die Geldschleusen für politische Kampagnen weit geöffnet. Das sei der Moment für eine neue konservative Revolution, keine Wahl werde mehr vor ihr sicher sein.

Rove steckte die Angriffsziele: Erst gelte es, die demokratische Mehrheit im Kongress auszuhebeln. Dann müsse die Wiederwahl von Barack Obama 2012 verhindert werden. Außerdem sollten liberale Gouverneure, progressive Sheriffs und Richter ins Visier genommen werden. Die Lawine, so Rove, müsse alle Ebenen erfassen, vom Weißen Haus bis hinunter zum lokalen Schulausschuss. »Wir alle«, redete er den Anwesenden ins Gewissen, »sind verantwortlich für das Land, das wir haben wollen.« Die Ölmanager und Finanzmogule zückten bereitwillig ihre Scheckbücher. Der 80-jährige Harold Simmons, der mit Zuckerraffinerien und Atommüllanlagen Milliarden umsetzt, spendete gleich einen siebenstelligen Betrag.

Rove hatte an jenem Mittag in Dallas für seine Gäste auch eine Spendenadresse parat. Politische Aktionskomitees, sogenannte SuperPacs, erklärte er, seien der ideale Hebel für den Machtwechsel. Sie könnten seit dem Urteil des Supreme Court Dollar in unbegrenzter Menge entgegennehmen und einsetzen. Natürlich sei das Geld nirgendwo besser investiert als bei »American Crossroads«, einem SuperPac, das Rove gerade gegründet hatte. Seither fließt massenhaft Geld in die konservative Revolution. Allein Karl Rove hat bereits 100 Millionen Dollar gesammelt und hofft, diese Summe in den nächsten Monaten noch zu verdoppeln.

Der Wahlkampf 2012 wird der teuerste der amerikanischen Geschichte: Zwei Milliarden Dollar werden Obama und sein Gegenkandidat Mitt Romney für das Duell ums Weiße Haus ausgeben, weitere acht Milliarden werden für die Wahl des Kongresses und zeitgleiche Abstimmungen in Bundesstaaten und Gemeinden verbraucht. Insgesamt zehn Milliarden, das sind drei Milliarden mehr als noch vor vier Jahren. Ein Viertel bis ein Drittel davon wollen die SuperPacs aufbringen.

Mit "Dokumentarfilmen" den Gegner niedermachen

Wenige Tage vor Karl Roves Auftritt in Dallas hatte der Supreme Court entschieden, dass nicht nur Privatleute ein Recht auf Meinungsfreiheit und damit auf Einmischung in Wahlkämpfe hätten, sondern auch Unternehmen und Gewerkschaften. Geklagt hatte eine als kommerzielles Filmunternehmen kaschierte konservative Lobbygruppe. Ihr war es nach den bis dahin geltenden Wahlkampfgesetzen untersagt, »Dokumentarfilme« auszustrahlen, die eigentlich Kampagnenspots gegen Hillary Clinton waren. Diese Beschränkung hob der Gerichtshof in einer knappen 5:4-Entscheidung auf. Mit weitreichenden Folgen: Einzelpersonen, Unternehmen und Gewerkschaften dürfen nun mit beliebig hohen Summen für einen Politiker werben oder dessen Gegner niedermachen – solange sie ihr Geld nicht direkt in die Wahlkampfkasse ihres Kandidaten oder einer Partei einzahlen.

Das Urteil des höchsten amerikanischen Gerichts entfaltete zusätzliche Wucht durch eine Entscheidung eines untergeordneten Bundesgerichts in einem anderen Fall. Seitdem dürfen die Millionenspenden überdies in einem Politischen Aktionskomitee gebündelt werden. Das sei völlig in Ordnung, meinten die Richter, solange solche SuperPacs im Wahlkampf nicht direkt mit einem Kandidaten oder dessen Partei zusammenarbeiteten. Das war die Geburtsstunde der SuperPacs.

Zehn Monate später hatte Karl Rove das erste Ziel erreicht, im November 2010 eroberten die Republikaner die Mehrheit im amerikanischen Repräsentantenhaus zurück – nicht nur, aber auch dank der SuperPacs. Inzwischen existieren Hunderte davon. »SuperPacs«, sagt Trevor Potter, ehemaliges Mitglied der Bundeswahlkommission und einer der besten Kenner des vertrackten Wahlsystems, »sind die neue Wunderwaffe in Amerikas politischen Schlachten.«