WaffenhandelIdentifiziert und attackiert

Künstler rufen dazu auf, Waffenfabrikanten zu denunzieren, damit sie den Saudis keine Panzer verkaufen. von 

Philipp Ruch, Gründer des Zentrum für Politische Schönheit, vor dem Aktionsplakat

Philipp Ruch, Gründer des Zentrum für Politische Schönheit, vor dem Aktionsplakat  |  © CC-BY-SA (Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit)

Das sollen Verbrecher sein? Eine Fotografin aus Wasserburg, ein Künstler aus Ebertsheim, eine Lehrerin aus Kassel und ein Humanist aus Freiburg? Ein riesiges Fahndungsplakat mitten in Berlin behauptet das: "Belohnung: 25.000 Euro" steht in großen Buchstaben darauf. "Wer hat Informationen, die zur Verurteilung dieser Menschen führen?" Die Anmutung erinnert an Steckbriefe aus dem Wilden Westen. "Diese Personen handeln mit schweren Kampfpanzern und gehören ins Gefängnis", erklärt ein kurzer Text. Die zehn Meter lange und zwei Meter hohe Werbefläche an der viel befahrenen Rosa-Luxemburg-Straße in der Nähe vom Berliner Alexanderplatz erregt Aufmerksamkeit.

Die Kampagne ist ein Aufruf zur Denunziation. Die Initiatoren versuchen, einen Export deutscher Kampfpanzer nach Saudi-Arabien zu verhindern. Sie wollen 25.000 Euro Kopfgeld auszahlen: Die Summe sei von einem Förderer gespendet worden und liege auf einem Konto bereit. Das Geld bekomme derjenige, der Informationen über einen Eigner der Waffenschmiede KraussMaffei Wegmann (KMW) liefert, die zu einer Verurteilung führen. Gesucht werden Hinweise auf Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Schwarzarbeit, Insiderhandel oder sonstige Straftaten. "Wir wissen, dass der Export von schwerem Kriegsgerät, selbst in potenzielle Krisengebiete und autokratische Regime, in Deutschland derzeit legal ist und sogar noch gefördert wird. Deshalb machen wir den Konzern ja auch nicht haftbar, sondern seine Eigentümer – und zwar für andere Delikte", teilt die Kampagne im Internet mit.

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Auf der Homepage www.25000-euro.de stehen die Besitzer von KMW am digitalen Pranger. Die Namen von acht Gesellschaftern sind verzeichnet, ihre Wohnorte, Berufe. Sie sind auf Zeichnungen zu sehen. In einem Porträt mit der Überschrift Der Humanist heißt es: "Volkmar Braunbehrens lebt vom Geschäft mit schweren Waffen und gehört ins Gefängnis. Als Eigentümer handelt er verantwortungslos." Die Leser erfahren, dass Braunbehrens ein bekannter Mozart-Biograf ist, Privatdozent, aktives Mitglied in der Humanistischen Union, einer Organisation, die für Demokratie und Menschenrechte streitet.

Fahndungsplakate versprechen erfolgreichen Denunzianten Prämien

An die 300.000 Menschen haben nach Angaben der Betreiber in den ersten drei Tagen der Aktion ihre Homepage aufgerufen. Seit dem Montag vergangener Woche läuft die Kampagne. Über Soziale Netzwerke wie Facebook und den Kurznachrichtendienst Twitter hat sie einige Hundert Sympathisanten gewonnen.

"Aggressiver Humanismus" nennen die Initiatoren um Philipp Ruch, 31 Jahre alt, ihr Vorgehen. Der Philosoph und Aktionskünstler hat 2008 das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) mitgegründet, das die Kampagne entwickelt hat. Dieser Zusammenschluss von Künstlern und Menschenrechtlern fiel in den vergangenen Jahren mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf.

Vor zwei Jahren türmten die Aktivisten 16.744 Schuhe vor dem Brandenburger Tor auf, um an die Toten von Srebrenica während des Bosnienkrieges zu erinnern – und an das Versagen der Vereinten Nationen , die das Massaker nicht verhindern konnten. Und bei einer Lesung aus dem Gedicht An die Schönheit von Ernst Stadler vor dem Reichstagsgebäude wurden mehrere Aktivisten vor laufenden TV-Kameras festgenommen. Das ZPS habe dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit Aktionskunst zum Amtsantritt gratulieren wollen, gab das Zentrum an. Polizisten gingen von einem "Verstoß gegen das Versammlungsrecht" aus.

Das Ziel des Zentrums soll es sein, den "schwersten Menschenrechtsverletzungen der Geschichte etwas entgegenzusetzen". Im Panzerverkauf an Riad , den KraussMaffei Wegmann plant, sehen Ruch und seine Mitstreiter eine solche Verletzung. Sie sprechen vom "schlimmsten Waffendeal in der jüngeren bundesdeutschen Geschichte".

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

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    • CM
    • 31. Mai 2012 16:02 Uhr

    ...die dann zu einem normalen Gerichtsprozess führen sollen. Da ist alles in Ordnung, und es ist juristisch nicht angreifbar.

    Woher Sie die Weisheit nehmen, daß etwas außerhalb der Rechtsstaatlichkeit stattfinden soll ist ein Rätsel.

    Das soll auch so bleiben, niemand stellt den Rechtsstaat infrage!
    Die Gruppe sammelt lediglich Hinweise auf private Vergehen der Geschäftsleute.

    Außerdem: Es sind AKTIONSKÜNSTLER, die Chance, jemanden hinter Gitter zu bringen, ist gleich null (und das wissen Herr Ruch und Konsorten wohl genau). Es geht doch vielmehr darum, die Öffentlichkeit auf diesen Panzerdeal aufmerksam zu machen, und eine Sensibilität herzustellen für Waffengeschäfte im Allgemeinen.

    Eine sehr lobenswerte Zielsetzung, oder nicht?

    • Hoplon
    • 31. Mai 2012 16:24 Uhr

    "Wer in welches Gefängnis gehört, das bestimmen in Deutschland, es sei gepriesen, immer noch Gerichte..."

    Und die werden auch entscheiden, ob es sich hier um eine Verleumdnung handelt, oder nicht. Nicht Sie!

    Ich hoffe ja ein fähiger und ehrgeiziger Anwalt, der keine Scheu hat sich mit den Großen anzulegen, holt sich die Prämie, indem er nachweist das dieser Panzerdeal gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstößt.

    • xpeten
    • 31. Mai 2012 16:28 Uhr

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/au.

  2. mit humanistischem Hintergrund-warum nicht so zu versuchen die deutsche Rüstungsindustrie wenigstens zu behindern :-)

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    ... sollte die deutsche Rüstungsindustrie behindert werden? Die Produkte sind hochqualitativ und begehrt, die Verkäufe sind legal. Und die Panzerbauer freuen sich - in diesem Fall - auch über ihr gutes Produkt.

    Weil die deutsche Rüstungsindustrie zig-tausende Jobs schafft, Millarden in die Kasse bringt, und die Saudis so oder so ihre Waffen bekommen, ob sie nun Leopard 2, Abrahms, T-90, Leclerc oder Challenger 2 heißen.

    Zum anderer ist zwar die Beziehung zwischen dem Volk und dem Königshaus gespannt, allerdings ist die Möglichkeit höher das sie die Panzer Richtung Iran schicken (Welches bekanntlich auch keine großartige Toleranz predigt), als gegen das eigene Volk einsetzen.

    Und auch ist die Justiz und das Menschenrecht auf dem Stand von 1200, aber wird es dadurch besser wenn wir keine Panzer verkaufen?

    Bessere Werbung könnte sich KMW nicht vorstellen. KMW sollte den Aktivisten wenigstens ein kleines Honorar zahlen.

  3. ... sollte die deutsche Rüstungsindustrie behindert werden? Die Produkte sind hochqualitativ und begehrt, die Verkäufe sind legal. Und die Panzerbauer freuen sich - in diesem Fall - auch über ihr gutes Produkt.

    Antwort auf "gutes Marketing"
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    dann nicht behindert sondern verhindert-im Moment wäre umweltverträgliche und ungefährliche Energiegewinnung das Thema und nicht Rüstung-auch die Automobilindustrie ist nicht in der Lage sich ausschlie0lich auf die Energiesituation einzustellen -es gab doch bereits einmal eine industrielle Revolution nun brauchen wir eine industrielle Evolution der deutschen Industrie die nicht auf Krieg und Energieverschwendung angelegt ist-

    Die Produkte sind hochqualitativ und begehrt, die Verkäufe sind legal. Und die Panzerbauer freuen sich - in diesem Fall - auch über ihr gutes Produkt."

    Weil Technische Perfektion nicht als Rechtfertigung reicht, Mittel zu liefern, die Menschen technisch perfekt unterdrücken oder technisch perfekt töten.

    Gerade in Zeiten von Regierungen, die für eine Handvoll (Öl-)Dollar alle Ethik in Sachen Waffenkontrolle vergessen.

  4. Endlich kommt Schwung in das lamentierende Deutschland, in dem das höchste der politischen Gefühle ein Protestbrief gegen einen Diktator ist! Ich gratuliere dem Zentrum für Politische Schönheit für ihren Mut zu dieser unglaublichen, schönen und radikalen Aktion.

  5. 5. na gut

    dann nicht behindert sondern verhindert-im Moment wäre umweltverträgliche und ungefährliche Energiegewinnung das Thema und nicht Rüstung-auch die Automobilindustrie ist nicht in der Lage sich ausschlie0lich auf die Energiesituation einzustellen -es gab doch bereits einmal eine industrielle Revolution nun brauchen wir eine industrielle Evolution der deutschen Industrie die nicht auf Krieg und Energieverschwendung angelegt ist-

    Antwort auf "Warum ..."
  6. Sie wissen, dass unser "lieber" Innen-Minister gerade
    über die Salfisten berichtet ?
    Wahhabiten, Salafisten, sogar Al-Qaida...
    (falsch geschrieben...?)
    All diese netten Gruppierungen haben zumindest Unterstützung, wenn nicht sogar ihre Wurzeln in diesem Menschenrechtsunterstützungsstaat, welcher ja "unser" Verbündeter (im Geiste...?) ist.
    Ja ja, Öl reGIERT die Welt...
    Tschüssi.....

    • CM
    • 31. Mai 2012 15:54 Uhr

    Immerhin werden so die Profiteure von Waffenlieferungen an eines der schlimmsten Regime der Welt sozial geächtet - besser als nichts. Besser wäre, wenn die Bundesregierung statt Geheimniskrämerei zu betreiben und der Waffenlobby zu helfen sich an die Grundsätze der deutschen Außenpolitik hielte: keine Waffen an Schurkenstaaten und in Krisengebiete.

    Diese Kunstgruppe ist eine der spannendsten Entwicklungen der gesamten Kunstszene, und sie haben auch eine unterhaltsame Webseite, in der man weitere Aktionen entdecken kann, die der ZEIT weniger aufgefallen sind:

    http://www.politicalbeaut...

  7. Die Salafisten sind eine 1:1-Kopie der radikalen Wahabiten (ich kenne auch nicht-radikale).
    Da aber mit Sicherheit nicht die Gefahr besteht, dass die Saudi mit den Panzern bis nach Deutschland fahren ... so, what?

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