Der sicherste Weg zum Glück, sagen Psychologen, ist ein gutes, realitätsnahes Erwartungsmanagement. Deswegen sind beispielsweise 90-Jährige, die sich kaum noch aus ihrer Wohnung bewegen können, oft zufriedener als 20-Jährige: Sie können schon ein paar auf dem Balkon genossene Frühlingssonnenstrahlen als Geschenk begreifen. Deshalb erleben die meisten Menschen, Untersuchungen zufolge, ihre glücklichsten Lebensjahre nach dem 46. Geburtstag – in dieser Lebensphase lernen Menschen zu schätzen, was sie haben, statt dem hinterherzurennen, was sie sich wünschen.

Gemessen an solchen Weisheiten, macht die Berliner Koalition momentan alles richtig: Die Erwartungen an das Bündnis von CDU, FDP und CSU sind mittlerweile so winzig, dass die Koalition eigentlich nur noch positiv überraschen kann.

Am kommenden Montag werden sich Parteichefs und Generalsekretäre zum Koalitionsgipfel treffen, und selten wurden so viele entscheidungsreife Themen miteinander vermengt, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: Eine neue Pkw-Maut soll nur kommen, so die FDP, wenn gleichzeitig Steuersenkungen verabredet werden. Auch das Betreuungsgeld für Familien mit Kleinkindern soll nur im Tausch gegen Zugeständnisse abgenickt werden. Dass man den zahlreichen Kritikern in der CDU-Bundestagsfraktion etwas als Kompensation für die Unterstützung eines als unsinnig empfundenen Vorhabens anbieten müsse, gilt ohnehin als ausgemacht.

Beinahe wäre die indirekte Folge des CSU-Projekts für Familien eine Ausweitung der Rentenleistungen für ältere Mütter gewesen. Bis zu 13 Milliarden Euro hätte das nach Schätzungen des Bundesarbeitsministeriums mittelfristig gekostet – das ist ein wenig mehr als der komplette Haushalt von Bundesbildungsministerin Annette Schavan, der zuletzt auf 12,9 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Für den Erhalt einer ohnehin maroden Koalition ist das kein schlechter Preis.

Horst Seehofer hat nun auf dem Pfingsttreffen der Sudetendeutschen gerade auch noch höhere Leistungen für ehemalige Zwangsarbeiter angekündigt. Wohl dem, der sich solche Koalitionsrunden leisten kann!

Mit Geld lassen sich viele Probleme lindern, auch einige einer ideenlosen und zerrütteten Koalition. Mit etwas Zynismus kann man es ja sogar sympathisch finden, dass die Koalitionsparteien ihre Forderungen kaum noch mit Argumenten unterfüttern, sondern nur noch damit begründen, dass etwas, wie das Betreuungsgeld, im Koalitionsvertrag stehe – oder auch nicht.

Zu Beginn ihrer Amtszeit brachte die schwarz-gelbe Regierung die Öffentlichkeit mit Steuererleichterungen für Hoteliers gegen sich auf, jetzt, gegen Ende, wiederholt sich das Szenario beim Streit um das Betreuungsgeld: Egal, wie der Wähler darüber denkt – was für die Klientel eines Koalitionspartners unverzichtbar ist, wird gemacht.

Nur wird sich Angela Merkel so nicht im Bundestagswahlkampf als Sparkanzlerin profilieren können – als Frau, die Etatsanierung ernst nimmt und nicht nur in anderen Teilen Europas forciert. Vermutlich wird das auch nicht ernsthaft erwartet. Merkel war nie eine Ankündigungskanzlerin, das wird ihr helfen. Je kleiner die Versprechen, desto kleiner die Enttäuschungen. Es kommt halt immer auf die Erwartungen an.