Innere Sicherheit: Wenn die Polizei mal Pause macht
Private Sicherheitsfirmen boomen. Wer an sie gerät, muss sich auf unliebsame Erlebnisse gefasst machen
Der Mann in Uniform, der Marion B. am Arm packt und ihr in Erfüllung seines Auftrags die Gelenke verdreht, ist fast noch ein Teenager. Während die bald 30 Jahre alte Aktivistin fortgezerrt wird, kann sie noch beobachten, wie gleichzeitig ein weiterer Uniformierter gerade einen ihrer Freunde an den Haaren über den Rasen schleift. Ringsum Protestrufe: »Wir sind friedlich, was seid ihr?« Es sind die gewohnten Szenen bei einer Räumung, wie sie sich in diesem Fall beim Einsatz gegen die sogenannte Landbesetzung des Lehrgartens der Universität für Bodenkultur Ende April in Wien-Jedlersdorf abspielten.
Vertraute Bilder – bis auf ein Detail: Nicht Polizisten sind es, die ein Areal von unrechtmäßigen Nutzern befreien, sondern Angestellte einer privaten Sicherheitsfirma. Zwar sind Polizisten anwesend, doch während die 25 Beschäftigten der Firma Hel-Wacht handgreiflich werden, beobachtet die Staatsgewalt den Tumult aus sicherer Entfernung. Es gibt nämlich keinen Räumungsbescheid, der sie zu einem Einsatz verpflichten würde. Das Rektorat hat deshalb einfach eines der größten Bewachungsunternehmen Österreichs beauftragt, »das Hausrecht zu wahren«. Die Privaten machen sich die Hände schmutzig, die Polizei guckt derweil untätig zu – staatliches Gewaltmonopol hin oder her.
Diese seltsame Rollenverteilung von Staat und Privat in Jedlersdorf ist Symptom einer still, aber beständig fortschreitenden Entwicklung: Immer mehr hoheitsstaatliche Aufgaben werden an private Sicherheitsfirmen ausgelagert. Deren lukratives Geschäft besteht längst nicht mehr nur aus Portierdiensten oder nächtlichen Kontrollgängen durch leere Firmengebäude. Privates Personal in Uniform konfisziert Regenschirme und verdächtige Objekte an den Sicherheitsschleusen von Bezirksgerichten. Es verscheucht wärmesuchende Obdachlose aus Bankfoyers, verteilt Verkehrsstrafen und greift im Ernstfall auch zur Waffe. Die Angebotspalette des Marktführers Group4S kennt noch exotischere Dienstleistungen: »Präventionsarbeit durch verdeckte Ermittlungen und Observationen« wird hier ebenso feilgeboten wie »die Sicherung von Beweismaterial in zivil- und strafrechtlichen Angelegenheiten durch moderne Technik und internationale Kontakte«.
Wie weit reicht der Arm der privaten Sicherheitsfirmen? Wer schützt die Subjekte vor den Objektschützern? Und sind sie gar ein Sammelbecken für Waffennarren und Rechtsextreme?
Das Umsatzvolumen von Group4S, Securitas und der rund 200 anderen privaten Sicherheitsfirmen in Österreich stieg allein zwischen 2004 und 2009 von 212 Millionen auf 347 Millionen Euro (aktuellere Zahlen gibt es nicht). Wo starke Gewerkschaften gute Rahmenverträge ausgehandelt hatten, versuchen nun immer öfter staats- und gemeindenahe Unternehmen auf private Billiganbieter auszuweichen. In Graz planten die Verkehrsbetriebe gar, das Lenken von öffentlichen Bussen an einen Sicherheitsdienst auszulagern. Erst als Betriebsrat Horst Schachner polternd von »Lebensgefahr« für die Fahrgäste sprach, wurde der Plan verworfen. Securitas-Mitarbeiter sind heute trotzdem in den Bussen unterwegs, wenn auch nur als Fahrscheinkontrollore. »Am Anfang habe ich mich auch dagegen gewehrt«, sagt Schachner, »aber das habe ich aufgegeben. Securitas ist einfach viel billiger.«
Zwei Tage Ausbildung genügen, um Sicherheitsmann zu werden
Wie der konkurrenzlos günstige Preis der privaten Sicherheitsfirmen zustande kommt, weiß der Grazer Alex P. allzu gut. 6,50 Euro brutto pro Stunde verdiente er, als er während seines Jus-Studiums bei Securitas jobbte. Sein Vater war unerwartet gestorben, und er brauchte eine schnell sprudelnde Geldquelle. »Irgendwas, wo ich möglichst schon am nächsten Tag beginnen, nachts arbeiten und nebenbei für Prüfungen lernen konnte.« Securitas bot das alles. Ein Anruf genügte, tags darauf hatte der den Job. Auf Baustellen dirigierte er bei Regen, Schnee und Kälte den Verkehr, als Wachmann verbrachte er seine Nächte allein in einem weitläufigen Bürokomplex, büffelte zwischen den Kontrollgängen und schrieb Seminararbeiten. 230 Arbeitsstunden im Monat, viel zu wenig Schlaf, kaum Privatleben. »Traumjob ist das keiner«, sagt der Jurist heute, »aber für zwei Jahre war es okay.«
Die Fluktuation im Sicherheitsgewerbe ist extrem hoch, die Qualifikation der Beschäftigten gering. Eine maximal zweitägige Grundausbildung auf eigene Kosten mit abschließender Multiple-Choice-Prüfung, mehr wird nicht verlangt. »Ein richtiger Dodel-Test war das«, erzählt Alex P. Der Ausbildner habe sogar erzählt, bei diesem Auswahlverfahren sei »noch niemand durchgefallen«.
Immer wieder stehen Sicherheitsfirmen wegen der mangelhaften Ausbildung ihres Personals in der Kritik. Auch Securitas-Chef Robert Wiesinger weiß diese Vorwürfe nicht zu entkräften. »Ich kann Ihnen unser Lehrbuch schicken«, bietet er an, »aber mehr kann ich leider nicht verraten.« Geschäftsgeheimnis.





> Wenn wir in Deutschland weiter so (zB.wie in Berlin)
> brutal und auch unsozial mit der Polizei umgehen
Das ist natuerlich grober Unfug, dass man deswegen auf Privatfirmen ausweicht. Die korrekte Ausbildung und Bezahlung von Sicherheitskräften ist einfach zu teuer, also laesst man den Job auf Kosten der Zivilisten eben etwas weniger sauber machen.
Ohne Zweifel sind die radikalen fuer jede Demo eine Katastrophe, aber ueber die deutsche Polizei hoert man in den letzten Jahren auch nicht viel gutes mehr. Hier mal von Ende 2011:
http://blog.fefe.de/?ts=b...
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führt eben mal zu inneren Anspannungen, die irgendwo rausmüssen.
Am schönsten ist noch der letzte Link.
führt eben mal zu inneren Anspannungen, die irgendwo rausmüssen.
Am schönsten ist noch der letzte Link.
"Beide Kollegen hatten sich erschossen, einer davon mit seiner Dienstwaffe."
(...)
"Und sind sie gar ein Sammelbecken für Waffennarren und Rechtsextreme?"
(...)
"Ein früherer Securitas-Beschäftigter erzählt von Firmenrabatten für bestimmte Pistolentypen und einem erleichterten Zugang zum Waffenpass. »Manche haben das gerne genutzt.« Und Alex P. erzählt von einem Vorgesetzten, der zur Arbeitskontrolle nie ohne Revolver erschienen sei.
(...)
Wann und wie eine Waffe verwendet werden darf, ist bei privaten Sicherheitsdiensten weit weniger streng geregelt als bei der Polizei. »Privaten wird zu einem gewissen Grad zugestanden, dass sie überreagieren, wenn sie angegriffen werden, einem Polizisten nicht«, erklärt Kriminalsoziologe Walter Fuchs. Die Möglichkeiten, sich gegen Missbrauch der Waffe zu wehren, sind beschränkt."
Was für ein tendenziöser Artikel mit Aussagen eines Wissenschaftlers, die entweder suggestiv eingesetzt werden oder schlicht einen unredlichen Wissenschaftler präsentieren, der seine waffenfeindliche Haltung mit akademischer Tünche zu tarnen versucht.
Denn der Waffeneinsatz - der in D im Übrigen nicht nur etwas mit pösen, pösen Pistolen, sondern auch Schlagstöcken und Pfefferspray zu tun hat - ist nicht nur in A wie in D gesetzlich äußerst streng geregelt, sondern bezieht sich in der Regel NUR auf Notwehr. Diese wird natürlich vor Gericht nachsichtiger behandelt als bzw. unmittelbarer Zwang eines Vollzugsbeamten - auch für Polizisten! Sollte sie zumindest.
Deutschland ist zu einem gewissen Grad "Insel der Seeligen und Hoplophobiker (unbehandelt).
Sonst wäre allgemein bekannk das die Liste der pol. Einsatzmittel in den PolG der Länder nachzulesen ist....
Aber "UZ" ist hier ja nur als "Polizeigewalt" bekannt.
MfG KM
Deutschland ist zu einem gewissen Grad "Insel der Seeligen und Hoplophobiker (unbehandelt).
Sonst wäre allgemein bekannk das die Liste der pol. Einsatzmittel in den PolG der Länder nachzulesen ist....
Aber "UZ" ist hier ja nur als "Polizeigewalt" bekannt.
MfG KM
...einen Betrunkenen zu Boden gedrückt und in Handschellen gelegt haben. Einige Minuten später hat die Polizei den Mann übernommen. Der hatte aber gar nichts gemacht. Er war nicht agressiv gewesen, nur heiter-betrunken. Er hat mit den Türstehern angefangen zu duskutieren, ob er nicht doch rein darf. In Stockholm werden aber Leute, die auch nur leicht beschwipst wirken, nicht mehr in eine Bar rein gelassen. Den Türstehern (mit blauer Uniform) hat es wohl gereicht, dass der Mann mit ihnen diskutieren wollte, um ihn auf offener Straße festzunehmen. Das war öffentlicher Raum. Auf dem Bürgersteig vor der Kneipe.
Die auf Recht und Ordnung bedachten Schweden finden das scheinbar gar nicht so dramatisch. Ich finde es aber schon sehr heftig, dass privaten Diensten das Recht eingeräumt wird, das Gewaltmonopol des Staates für sich zu nutzen.
"6,50 Euro brutto pro Stunde verdiente er, als er während seines Jus-Studiums bei Securitas jobbte."
Was ist denn bitte ein Jus-Studium? Von frz. "jus" = "Saft" vielleicht? Ein Student der Saftwissenschaften also. Was es nicht alles gibt. Und da sage noch einer, Tibetologie sei ein Orchideenfach.
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk
BRUTTO pro Stunde haben Sie aber nichts auszusetzen???
http://www.sprachenstudio...
lat. Das Recht
Nominativ Plural: iura
Na, klingelt da was?
... ist dann am Weg, Geologe zu werden? ;-)
Wenn Österreicher berichten, ist es ganz normal, dass diese auch die örtlich gebräuchlichen Ausdrücke benutzen. So wie eben Deutsche ihre eigenen Begriffe haben.
Kommt einem etwas komisch vor, empfiehlt es sich immer, erst kurz google, Wikipedia o.Ä. zu befragen, bevor man ätzende Postings verfasst ...
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk
BRUTTO pro Stunde haben Sie aber nichts auszusetzen???
http://www.sprachenstudio...
lat. Das Recht
Nominativ Plural: iura
Na, klingelt da was?
... ist dann am Weg, Geologe zu werden? ;-)
Wenn Österreicher berichten, ist es ganz normal, dass diese auch die örtlich gebräuchlichen Ausdrücke benutzen. So wie eben Deutsche ihre eigenen Begriffe haben.
Kommt einem etwas komisch vor, empfiehlt es sich immer, erst kurz google, Wikipedia o.Ä. zu befragen, bevor man ätzende Postings verfasst ...
Deutschland ist zu einem gewissen Grad "Insel der Seeligen und Hoplophobiker (unbehandelt).
Sonst wäre allgemein bekannk das die Liste der pol. Einsatzmittel in den PolG der Länder nachzulesen ist....
Aber "UZ" ist hier ja nur als "Polizeigewalt" bekannt.
MfG KM
"Mit privaten "Sicherheits"diensten geht das meiste einfacher, schneller und effektiver."
Was Sie beschreiben, ist kein Recht, dass Sie durchsetzen lassen wollen, sondern nur Ihre eigenen Interessen. Und wer dafür auf private Schlägertrupps - und nichts anderes sind diese 'Sicherheitsdienste' in der Regel - zurückgreift, hat mit Rechtsstaatlichkeit nicht viel am Hut. Vielmehr ist sie ihm im Weg und so versucht er sie zu umgehen, denn er weiß, dass er eben kein Recht hat. Nun ist es ja nichts Neues, dass einige Unternehmen und Vermieter eher auf das Faustrecht als auf das Rechtsstaatsprinzip setzen. Da ist es auch kein Wunder, dass sie sich bei der Durchsetzung ihrer Interessen auf private Sicherheitsfirmen zurückgreifen.
Nicht Terroristen gefährden unsere Demokratie und Freiheit, sondern skrupellose Unternehmer, Vermieter, Banker usw. die ohne jede Moral ihre Interessen um jeden Preis und eben auch mit Gewalt durchzusetzen versuchen und dafür nicht nur die Lücken und Grauzonen der Rechtsstaatlichkeit suchen und ausnutzen, sondern andere auch noch dazu aufrufen.
Die Großen tun das mit Lobbyismus und Manipulation der Poltik, die Kleineren mit Schlägertrupps.
"Nicht Terroristen gefährden unsere Demokratie und Freiheit, sondern skrupellose Unternehmer, Vermieter, Banker usw. die ohne jede Moral ihre Interessen um jeden Preis und eben auch mit Gewalt durchzusetzen versuchen und dafür nicht nur die Lücken und Grauzonen der Rechtsstaatlichkeit suchen und ausnutzen, sondern andere auch noch dazu aufrufen."
Lieber ein Unternehmer der Grauzonen ausnutzt als Demonstranten die ganz klar im illegalen Bereich sind.
"Nicht Terroristen gefährden unsere Demokratie und Freiheit, sondern skrupellose Unternehmer, Vermieter, Banker usw. die ohne jede Moral ihre Interessen um jeden Preis und eben auch mit Gewalt durchzusetzen versuchen und dafür nicht nur die Lücken und Grauzonen der Rechtsstaatlichkeit suchen und ausnutzen, sondern andere auch noch dazu aufrufen."
Lieber ein Unternehmer der Grauzonen ausnutzt als Demonstranten die ganz klar im illegalen Bereich sind.
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk
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BRUTTO pro Stunde haben Sie aber nichts auszusetzen???
Na kommen Sie, als Saftwissenschaftler wird er später auch nicht mehr verdienen. Solange er nicht auf einen der beiden Saftwissenschaftslehrstühle berufen wird. Dann bekommt er natürlich W2 oder sogar W3 und lacht sich über seine ehemaligen Türsteherkollegen kaputt, die den Sprung nicht geschafft haben und auch zwanzig Jahre später immer noch Türsteher sind.
Na kommen Sie, als Saftwissenschaftler wird er später auch nicht mehr verdienen. Solange er nicht auf einen der beiden Saftwissenschaftslehrstühle berufen wird. Dann bekommt er natürlich W2 oder sogar W3 und lacht sich über seine ehemaligen Türsteherkollegen kaputt, die den Sprung nicht geschafft haben und auch zwanzig Jahre später immer noch Türsteher sind.
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