Der Autor Wilfried Huismann © Roderick Aichinger/dpa

Mit dem friedlichen Panda-Image könnte es jetzt vorbei sein: Der WWF wird aggressiv. Im April hat der Journalist Wilfried Huismann in der Random-House-Verlagsgruppe das Schwarzbuch WWF veröffentlicht, das sich kritisch mit den weltweiten Aktivitäten der Stiftung auseinandersetzt. Post bekam daraufhin der Verlag vom bekannten Medienanwalt Christian Schertz, der den WWF vertritt und schon gegen einen WWF-kritischen Dokumentarfilm Huismanns 2011 vorging.

Am 15. Juni wird vor dem Kölner Landgericht um das Buch gestritten werden – nicht ungewöhnlich in der Branche. Das sind schon eher die Briefe, die die Kanzlei an Buchhändler und Grossisten verschickte und in denen auf den Rechtsstreit und strittige Passagen hingewiesen wurde sowie auf Unterlassungsansprüche des WWF gegen sämtliche »Störer« einer etwaigen Gerichtsentscheidung pro WWF – was laut unübersichtlicher Rechtsprechung auch Händler sein könnten, die trotz besseren Wissens ein Buch mit Falschaussagen verkaufen. Prompt nahmen viele den Titel prophylaktisch aus ihrem Sortiment, darunter Amazon, Libri und Thalia, aus Angst vor Klagen und Kosten.

Sieg für den WWF? Autor und Verlag mundtot?

Der mediale Gegengeschlag nutzt momentan Huismann und Random House, die zwar mehrere tausend Exemplare ausgeliefert, aber bislang kaum welche verkauft hatten – allein am Montagmorgen waren es schon 500 verkaufte Exemplare, direkt beim Verlag. Insofern könnte sich der WWF mit seiner offensiven Strategie eher selbst geschadet haben: Huismanns Anti-WWF-Botschaft hallt jedenfalls lauter denn je durch das Land. Wird also die Macht der Anwälte in einer an allen Fronten verängstigten Buchbranche noch stärker wachsen? Oder gerade nach diesem Fall eher sinken, weil häufig viel verheerendere Imageschäden drohen? Gerade für die kleinen Marktakteure und das Kulturgut Buch wäre das zu wünschen, denn: Es kommen härtere Tage.