CyberwaffenDie Kosten der Spionage

Stuxnet und Flame zeigen: Digitale Kriegführung bleibt oft unerkannt. Eine moderne Gesellschaft darf das nicht akzeptieren.

Die vergangene Woche wird in die Geschichte militärischer Cyberoperationen eingehen. Das wichtigste Ereignis war das halb offizielle Bekenntnis der Obama-Regierung, dass das Cyberkommando der USA der Urheber von Stuxnet war: einem zerstörerischen Cyberwurm, der sich über Computernetze und USB-Sticks bis in iranische Nuklearanlagen vorarbeitete und dort gezielten Schaden an Uranzentrifugen anrichtete.

Nach den vorangegangenen Spekulationen war das kaum noch überraschend. Das Bekenntnis enthielt aber einige hochinteressante Details.

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Erstens: Dass Stuxnet sich nicht nur im Iran, sondern um die weite Welt ausbreitete, war eine Panne. Der Wurm entkam durch einen Programmierfehler aus seinem Zielsystem. Aber Stuxnet war ja auch ein Experiment. Die neu angelegten militärischen Fähigkeiten des US Cyber Command wurden hier zum ersten Mal breit genutzt, unter Einbindung verschiedener Sicherheitsbehörden. Bei Testflügen mit unbekannten Waffen geht ja schon mal etwas schief. Man wird aber daraus lernen. Der Tarnung – ohnehin ein überragend wichtiges taktisches Prinzip – wird in Zukunft noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Cyberangriffe von Militärs und Nachrichtendiensten werden künftig noch schwerer zu entdecken sein.

Zweitens: Der Angriff war Teil einer größeren Kampagne. Es werden also nicht mehr nur einzelne Operationen durchgeführt. Stattdessen geht es um Varianten und Kombinationen von Spionage, Sabotage und Manipulation. Ein Schattenkrieg – potenziell ausgedehnter, wirksamer und geheimer als der Kalte Krieg.

Und dazu passt eine andere Meldung aus dieser ereignisreichen vergangenen Woche. Ein neuer Spionage-Cyberangriff wurde entdeckt: Der Eindringling hieß diesmal Flame. Viel ist noch nicht bekannt, aber Flame befällt Rechner in Behörden und Wirtschaft und wurde – wie auch Stuxnet – erst einige Jahre nach der ersten Infektion gefunden. Über seine Verbreitung ist noch kein endgültiges Urteil gefallen. Die russische Firma Kaspersky fand ihn im Nahen Osten, ungarische Forscher entdeckten ihn in Ungarn. Flame scheint ein Militärspion zu sein. Denn er sammelt nicht nur digitale Geheimnisse, sondern auch Informationen über Personen in den Zielstrukturen. Und er besitzt Funktionen, die ihn in Hochsicherheitsanlagen tragen könnten, die eigentlich vom Internet getrennt sein sollen.

Ob das US-Militär dahintersteckt, ist nicht klar. Überraschend wäre das nicht, es kommen aber auch viele andere Akteure infrage. Hoch qualifizierte Cyberspionage gehört inzwischen zum Alltag. Auch die Bundesregierung und die deutsche Industrie leiden täglich darunter.

Aber was ist zu tun? Beziehungsweise: Sollte man überhaupt etwas tun? Das Problem ist, dass es gegen diese Kategorie extrem technikkundiger Angreifer kaum Rezepte gibt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland von einer Cyberwaffe oder von Cyberspionage empfindlich geschädigt wird, besteht durchaus. Aber wo genau ist sie wie hoch?

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