MoralnormenDer Terror der Tugend
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Nachkommen der Französischen Revolution

Es gibt ein Thema, das ich als Kolumnist seit Jahren behandeln wollte, aber ich hatte ein bisschen Angst davor. Dieses Thema sind die Behindertenparkplätze. Ich habe nichts gegen Behindertenparkplätze, aber es gibt einfach zu viele. Es sind so viele, dass sie, in unserer Gegend, eigentlich immer frei sind. Es gibt in Deutschland offenbar nicht genügend Behinderte, um von dem Parkplatzangebot auch nur annähernd Gebrauch zu machen.

Nun könnte man sagen, dass dies ja genau der Sinn eines solchen Angebots sei, der behinderte Mensch soll jederzeit sicher sein können, in der Nähe seines Zieles Parkraum vorzufinden. Auf der anderen Seite weiß man, dass die meisten Behinderten gerne behandelt werden möchten wie andere Leute auch. Dass man bei der Parkplatzsuche auch mal eine Enttäuschung erlebt, so was ist doch eine allgemein menschliche Grunderfahrung der Moderne.

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Zu den inneren Widersprüchen der Tugendrepublik gehört die Tatsache, dass sie einerseits das Risiko brandmarkt, solange es um Alltägliches geht, das Rauchen, das fette Essen, das Nichtanschnallen. Gleichzeitig werden Reservate geschaffen, in die das Risiko ausgelagert wird, es genießt dann durchaus ein gewisses Ansehen und heißt »Abenteuer« – Bungeejumping, Tauchen, Drachenfliegen, Freeclimbing. Ein anderer Widerspruch: Über amoralisches Verhalten von Konzernen in großem Maßstab regt das Publikum sich in der Regel weniger auf als über persönliche Verfehlungen. Es muss sich personalisieren lassen. Und natürlich: Es muss ein Foto geben.

Am Beginn der modernen Gesellschaft, bürgerlich, frei, kapitalistisch, steht die Französische Revolution, und zwei Führungspersönlichkeiten spielen dabei eine besondere Rolle. Sie heißen Danton und Robespierre, Georg Büchner hat ihnen ein Drama gewidmet. Sie gehören beide zu den Jakobinern, den radikalen Verfechtern von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Danton, ein Anwalt, steigt in der Revolution zum Justizminister auf. Er ist korrupt, er ist fett, er säuft, und er frisst, er geht ins Bordell. Sein Gegenspieler Robespierre ist die Tugend selbst, keine Skandale, keine Schmiergelder, keine Frauengeschichten.

Aber es wird der verkommene Danton sein, der sich schließlich dem revolutionären Terror entgegenstellt: Er fordert ein Ende der Hinrichtungen. Zur Strafe wird er selbst ein Opfer der Guillotine. Robespierre, der Tugendsame, strebt die Weltherrschaft der Tugend an. So etwas geht immer böse aus. Sogar für Robespierre. Am Ende trennt die Guillotine auch ihm das tugendhafte Haupt vom Rumpf.

In Büchners Drama heißt es richtigerweise, der Mensch dürfe »vernünftig oder unvernünftig, gebildet oder ungebildet, gut oder böse sein, das geht den Staat nichts an«. Für die Robespierres dieser Welt aber ist der Staat eine Erziehungsanstalt. Leider hat sich deren Position langfristig und im Großen und Ganzen durchgesetzt, zum Glück ist wenigstens die Guillotine abgeschafft und durch den Shitstorm im Internet ersetzt worden. Robespierres historischer Sieg ist seltsam. Der Danton neigte zur Milde, weil er, aus eigener Erfahrung, die Fehlbarkeit des Menschen kannte und um seine Schwächen wusste. Halten sich die Leute heute beim Schreiben ihrer Hasskommentare selbst für so tugendsam und unfehlbar? Übersteigt es wirklich ihre Fantasie, dass, wenn wieder mal jemand am Pranger steht, demnächst genauso gut sie selber dort stehen könnten?

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Leserkommentare
  1. Die 68iger haben ganz gut aufgeräumt mit dem Muff der Fünfziger. Wir regen uns nicht mehr auf, und das ist gut so. Nicht über die Homosexualität unseres Außenministers und diverser Bürgermeister, nicht über die fürsorgliche Bigamie unseres Präsidenten und nicht über graue Politplatzhirsche mit nekrophilen jungen Damen im Schlepptau. Es bleibt ein leises Schmunzeln, mit dem wir unseren Wein genießen können - ohne Zigarettengestank.

    12 Leserempfehlungen
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    • cornus
    • 16. Juni 2012 19:17 Uhr

    und dennoch - irgendwie alles zu bemüht, möglichst nicht spießig rüberzukommen. Nur deshalb werden öffentlich keine Witze über homosexuelle Politiker gemacht und Gleichgültigkeit gegenüber fiesen Daddys mit Midlifecrisis ist noch lange kein Fortschritt, sondern eben Gleichgültigkeit und Beliebigkeit.
    Der Gipfel der Spießigkeit ist nun das Glas Rotwein in der rauchfreien Zone - klingt sehr nach Toskanafraktion.
    Gott (oder wer auch immer) bewahre mich vor humorlosen und intoleranten Gutmenschen.

    Was für ein Erfolg der 68er!
    Die Toleranz ist zu laisser faire heruntergewirtschaft und ein Glaß Wein ist Maßstab des Glücks geworden.
    Als Ergebnisse einer großen intellektuellen Revolution ein wenig dürftig

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Kommentare, die als Diskriminierung verstanden werden können. Danke, die Redaktion/mk

    dass hier jemand unwidersprochen meint, Homosexualität sie auf der gleichen Moralischen Stufe wie Bigamie.

    Und dass gerade die 68er für Lässigkeit stehen, ist ein riesen Witz! Den Muff haben sie nämlich mit dem Gegenteil davon herausbekommen und diese Mittel wirkt bis heute nach, weswegen Moralisches Denken und Streiten heute einen größeren Wert haben als blinde Tradition. Das ist das Mittel der Kritik, der Auflehnung auf Grundlage eigenen Denkens, eigener Vernunft!

    Im Übrigen ist die Behauptung im Text, das Rauchen würde eingestellt werden, ein Trugschluss. Jeden Tag muss ich mir diesen Qualm antun. Denn nur weil es mehr Rauchverbote gibt, heißt es nicht, dass sich die Menschen daran halten. Besonders an Busbahnhöfen darf ich mich ständig umstellen, um nicht zum Zwangspassivraucher degradiert zu werden.

    Ich geniesse meinen Wein und mein Bier gerne mit Zigarette :) Wenn das einen stört geht der eh immer ^^ Aber wird sind meist eine gesellige Bierchenrunde, das gibts keine weinschwenkenden Spassbremsen :D haha

    Und ich kenne Schwule, die haben Schwulenwitze auf Lager, da würde jedem gesinnungswächterInnnen das Herz stehen bleiben :D

    ...darüber regen wir uns nicht mehr auf. Dafür regen wir uns heutzutage darüber auf, wenn jemand sich privat von einem Freund Geld für ein privates Haus leiht und über dieses Private nicht öffentlich sprechen will. Einen Namen brauche ich nicht zu nennen, es weiß eh wohl jeder wen ich meine...

    • drieu
    • 19. Juni 2012 9:32 Uhr

    "Es bleibt ein leises Schmunzeln, mit dem wir unseren Wein genießen können - ohne Zigarettengestank."

    Wein = Alkohol. Wie lange noch?

    • Afa81
    • 22. Juni 2012 12:39 Uhr

    ...und die Deutschen wollen es so. Die Besenstilindustrie
    müsste in diesem Land eh langsam zur Schlüsselindustrie
    heranwachsen. Durch die Moralisierung ist nicht mehr
    der Kleinbürger mit Schrebergarten der Spießer. Die
    Spießigkeit geht von der Intelligenz aus. Und bewegt sich
    auch langsam zu den Studenten hin. Jede Form
    der Freude fällt sofort in Verdacht, auf irgen eine
    böse Basis aufgebaut zu sein. Und wenn man diese auch
    nach tagelangem Nachdenken nicht gefunden hat, dann
    lässt sich das sicher irgendwie mit Kapitalismuskritik
    verwursten ala "Freude auf kosten der anderen". Die
    EM ist doch das beste Beispiel. Wieder machen sich die,
    die selbst noch nie auf der Fanmeile waren, die sich für
    Fußball nicht interessieren die meisten Gedanken darüber.
    Ich kaufe es dieser Gesellschaft einfach nicht mehr ab, dass
    es beim Rauchverbot nur um Nichtraucherschutz geht. Dass es
    bei der EM nur um die fast nicht presente Gewalt oder Lautstärke geht. Dass es beim Tempolimit um Umweltschutz geht. Deutschland war das erste Land, welches einen 3L Lupo entwickelt hat. Er war ein flop. Denn jeder fand es toll, wenn der Nachbar sich so ein Auto kauft. Aber selbst hat man immer wieder einen Grund gefunden, weshalb man eine Spritschleuder benötigt - es könnte ja sein, dass
    man in 10 Jahren mal nen Anhänger schleppen muss.
    ...

  2. Die Tugend steht der absoluten Freiheit im Weg. Wieviele Wochen und Monate hat der Kommentator über diesem Artikel gesessen ? Und dann soll es auf die Dosis ankommen ? Das berühmte Fingerspitzengefühl. Das natürlich immer so wein sollte wie es mir passt, oder ? Ein bisschen schwanger geht nun mal nicht. Ein bisschen Alkohol bei Schwangeren ? Wer definiert ein bisschen ? Und vielleicht ist dieses bisschen schon ein bisschen zuviel. Und zum tausendsten Male. Es ist nicht der Raucher der stört. Es ist der stinkende und zu allem Überfluss auch noch gesundheitsschädliche Qualm der stört.
    Und alles wäre kein Problem, wenn man die Grenzen anderer achten würde ! Aber das ist schwierig, wenn Egozentrik zur Tugend erhoben wird !

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    Hach, wenn es denn mal so wäre... ;)
    Ich bin es leid, mich vor jedem immer rechtfertigen zu müssen. Wer nicht in meinem Qualm sitzen will, soll sich im Café nicht neben mich setzen. :D

    Wenn der Autor über Hegels subjektive Tugend schreibt so muss er auch etwas über die objektive Tugend sagen. Es f fehlt mir auch etwas darüber warum der Tugendbolt nicht besser ist, dass einfach so hinzustellen zeigt nicht von Qualität.und werter Autor jeder muss sich zur Bildung vom reife mit den Konsequenzen seines Handels Auseinandersetzen.und wenn das bedeutet das der Urlaub teurerer wird wegen dem cozwei das ist es hämisch dies Ablasshandel zu Nennen

    ...stinkende und zu allem Überfluss auch noch gesundheitsschädliche Qualm der stört'

    Ach ja - auf einem bayerischen See.

    "Es ist nicht der Raucher der stört. Es ist der stinkende und zu allem Überfluss auch noch gesundheitsschädliche Qualm der stört.
    Und alles wäre kein Problem, wenn man die Grenzen anderer achten würde ! Aber das ist schwierig, wenn Egozentrik zur Tugend erhoben wird !"

    Ist es nicht auch Egozentrik, wenn man sich selbst deutlich
    wichtiger nimmt als die anderen? Ist der Vorwurf, dass alle anderen
    egozentrisch sind nicht auch ein Missachten der Grenzen des
    Individuums?
    Schön, dass sie die Aussagen von Herrn Martenstein so schön bestätigen.
    Das was ich für wichtig halte, sollte für alle Gesetz sein. Schöne neue Toleranz... ;-)

    Es ist nicht die Egozentrik, die zur Tugend erhoben wird, sondern die Egozentrik der Tugend, die zur Tugend erhoben wird. Denn Egozentrik ist meistens nur ein Zeichen der Unangepasstheit und auch Protestkultur, welcher keiner Tugend bedarf!

    Ein rauchender Egozentriker :D

    Und das wir tugendhaft, medial beobachtet werden, kann ich bei den teilweise übertriebenen, moralischen Zensuren der ZEIT hier bestätigen.;)

  3. Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel. Insbesondere den Vergleich zu den Jakobinern und Robespierre finde ich äußerst treffend. Hoffentlich regt der Artikel möglichst viele Tugendwächter zum Nachdenken an.

    70 Leserempfehlungen
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    • Nest
    • 16. Juni 2012 18:37 Uhr

    Über Martenstein?
    Ich denke da schätzen sie das Wesen der Tugendwächter falsch ein.

    • vadeho
    • 16. Juni 2012 23:47 Uhr

    Es sind interessante Fragen die Martenstein aufwirft. Wann schlägt Tugendachtsamkeit um in Terror gegen Laisse Faire und eine Diktatur des Vernünftigen? Gibt es das überhaupt, eine Diktatur der Vernunft? Oder ist nicht alles, was der Vernunft zuwiderhandelt, insbesondere dann, wenn es mit Absicht geschieht, Willkür bzw. Unvernunft?

    Also stellt sich die Frage überhaupt sinnvollerweise, ob etwas Unvernünftiges gegen die Vernunft sinnvollerweise verteidigt werden kann? Es kommt hier darauf an, ob Vernunft etwas klar umrissenes und eindeutiges ist, also ob sich für jede Situation genau eine vernünftigstee Handlung ermitteln lässt, die vernünftiger ist als jede andere Handlungsoption. Und wenn es eine solche Handlung gibt (geben sollte) auf die das zutrifft, ist sie dann die einzig vernünftige der betrachteten Handlungsoptionen? Schon hier wird es schwierig. Was ausserdem gilt als Kriterium für eine vernünftige Handlung? Ein instrumenteller Vernunftbegriff vielleicht, aber dieser ist auch schon nicht der Einzige, er hat Widersacher. Und nun kommt der Knackpunkt: Die angewandte Vernunft braucht Hintergrundannahmen (über Grundgüter), hinsichtlich derer (deren planvollen Realisierung oder Vermeidung) Handlungen danach eingeschätzt werden, inwieweit (in welchem Ausmaß) diese Handlungen diese Güter fördern oder versagen. Also ist jeder Streit um Tugend letztlich ein Streit um Hintergrundgüter. Abgesehen von solchen Positionen, die vorgeblich jeden Hintergrundrahmen leugnen.

    • vadeho
    • 16. Juni 2012 23:58 Uhr

    Nun könnte diese Schwierigkeit, Vernünftiges zu ermitteln und gegen Alternativen zu verteidigen, dazu führen, die praktische Vernunft selbst in Frage zu stellen. Diese Haltung ist aber selbstwidersprüchlich, denn fast alle Menschen leben nach Vernunftkriterien. Jede Lebenslanung, sei sie noch so banal, ist ein Akt der Vernunft. Das Gut, dem diese Vernunft dient, ist die Selbsterhaltung. Da das allein uns modernen Individuen noch nicht genügt, handeln wir nicht nur vernünftig um unser Leben zu erhalten, sondern auch um ein Leben zu realisieren, das wir als wertvoll und erstrebenswert erachten. Die Vernunft an sich kann also nicht das Ziel unseres Zorns oder das Streben unserer Autonomie sein. Es muss sich bei dem Widerstand gegen die Vernunft darum handeln, den Hintergrundrahmen selbst wählen zu wollen und ihn nicht aufgezwängt zu bekommen, uns also diese Autonomie für uns selbst zu bewahren. Und es stimmt auch in gewisser Weise: wenn ich den Hintergrundrahmen nicht ablehnen oder wählen kann, sind meine Handlungen nicht vernünftig, da es Handlungen gibt, die dieser mir auferlegte Hintergrundrahmen an Gütern als die besten Handlungen zu seiner Realisierung auszeichnet. Hier habe ich nichts mehr selbst zu tun als zu kalkulieren. Hier gibt es nur falsche und richtige Kalkulationen. Das ist Unfreiheit. Insofern ist Vernunftherrschaft eine Verkleinerung der menschlichen Autonomie.

    • msknow
    • 17. Juni 2012 8:55 Uhr

    Sie haben Recht: Dieser Artikel ist tatsächlich eine Anregung. Zu dumm, dass er einen Kardinalfehler begeht. Der Journalist glaubt seiner Branche und so wird die Frequenz der Berichterstattung einzelner Extremfälle zur allgemeinen Wahrnehmung erklärt.
    Ähnlich wie der Horror-Film-Fan, der sich guten Mutes durch keinen Wald mehr traut, weil er Blair Witch Project gesehen hat.
    Der Mensch ist aber nicht dieses vernunftbegabte Wesen, dass uns die Wirtschaft immer vorgaukelt, damit wir wenigstens ein gutes, erhabenes Gefühl bekommen, wenn wir uns Sachen kaufen, die wir nicht brauchen.

    [...]

    Gekürzt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

    Hier noch etwas von einem anderen Zeitredakteur. Passt gut zu diesem Artikel "Parteienkrise: Die Odyssee der Moralpiraten" http://www.novo-argumente...

    • RGFG
    • 16. Juni 2012 18:28 Uhr

    Wenn alles was man hat, ein Hammer ist, dann ist die ganze Welt halt voller Nägel...

    Wenn Medien ständig Meldungen brauchen, die auffallen, und daher nur Skandale und Skandälchen gute Meldungen abgeben ... dann werden halt Skandale gemeldet. Wenn es zu wenig Stoff für Skandale gibt, muss man halt das Koordinatensystem anpassen.

    Wenn das lange genug passiert ist, färbt es auch auf die Privatpersonen ab. Wenn man als Kunde im Geschäft, als Elternteil auf der Elternversammlung, als dunkelhäutiger Zuhörer bei einer Lesung, als Eigentümer in der Eigentümerversammlung, als Bürgerinitiative im politischen Leben - wenn man mal begriffen hat, dass man nur dann entsprechend Aufmerksamkeit erregt, wenn man eben einen Aufreger hat, dann sucht man sich den halt.

    Kurz: Vielleicht hat das alles gar nichts mit Tugend zu tun, sondern hat sich lediglich als erfolgreiche Strategie zum Aufmerksamkeitheischen herausgebildet.

    Zugegeben: Das macht es lediglich etwas banaler, aber nicht weniger ärgerlich. Im Kern muss ich dem Herrn Martenstein da tatsächlich mal Recht geben.

    5 Leserempfehlungen
  4. 5. Punkt.

    Wunderbar auf den Punkt gebracht, ein sehr schöner Artikel!

    George Orwell zeichnete mit 1984 einen Entwurf der Zukunft, der von totaler Überwachung geprägt war, er irrte aber in der Annahme, dass es der Weg dorthin nicht durch die Gesellschaft selbst gewählt werden könnte.

    Es brauchte keinen Bösen, keinen Verführer, denn die dümmsten Kälber wählen ihren Metger selber.

    57 Leserempfehlungen
    • Nest
    • 16. Juni 2012 18:37 Uhr

    Über Martenstein?
    Ich denke da schätzen sie das Wesen der Tugendwächter falsch ein.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Vielen Dank"
  5. ... Jakob war ein Betrüger, Petrus war ein Feigling, Noah war ein Säufer, Jona lief von seiner Aufgabe davon, Paulus war ein Verräter, Miriam war eine Tratschtante, Martha machte sich zuviel Sorgen, Thomas war ein Zweifler, Gideon war depressiv, Elijah war sein Leben lang auf der Flucht. Moses stotterte, Zachäus war klein und hässlich, Abraham war zu alt und Lazarus war tot.

    Nach den Massstäben unserer 'liberalen' Gesellschaft war keiner ihnen von ihnen zu irgendetwas befähigt - und trotzdem hat Gott einen Plan mit ihnen gehabt.

    Ich bin froh das ich Christ bin und die Maßstäbe der Welt mir egal sind - und das die 'liberale' Welt das Christentum verachtet und hasst. Die 'liberale' - d.h. angeblich 'freie' Welt - ist alles andere als frei, sondern ein sumpfige Melange aus auferlegten Zwängen, wirren ideologischen Haltungen und immer und immer wieder -über-das-Tugen-Stöckchen-springen.

    In jeder noch so muffigen Pfarrei geht's immer noch lustiger zu, als bei den links-grün-korrekten Tugenbolden mit Bio aus fairem Anbau, sorry aber so ist doch - was spießigeres als ein Berliner 'Alternativ'-Kaffe mit BioKaffe aus äthiopischer Wildsammlung habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen ... das ist sozusagen das links-grüne-korekte Äquivalent zum röhrenden Hirschen über der Schrankwand.

    Der Christ dagegen wird in der Bibel nicht zur Tugendhaftigkeit aufgerufen, sondern zu Reumut, Demut und Liebe. Nicht umsonst Begriffe, die aus der modernen Sprache praktisch verschwunden sind ...

    33 Leserempfehlungen
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    • RGFG
    • 16. Juni 2012 18:52 Uhr

    Dann bin ich mal gespannt, welchen Plan Gott mit Margot Käßmann hat...

    (Vorsicht Text enthält Sarkasmus)

    Sie haben absolut recht, die christlichen Moralvorstellungen haben über 2000 Jahre lang bewiesen, wie notwendig und richtig sie doch sind. Das ist der wohlwollende Umgang mit Nichtchristen zu nennen, die besondere Rolle der Frau. Der Umgang mit Sexualität, oder aber, die Missonierung in barbarischen Ländern, damit den Heiden das Heil überbracht werden konnte.

    Manche Zitate der Bibel wie " Lasset die Kinder zu mir kommen" gewinnen erst in letzter Zeit wieder an Bedeutung.

    Schelm, wer dabei böses denkt. ;)

    • O.G
    • 17. Juni 2012 3:19 Uhr

    Vermutlich widersetzt sich Folgendes jeglicher Richtlinien (!), aber es war einfach zu verlockend

    "...Jakob war ein Betrüger, Petrus war ein Feigling, Noah war ein Säufer, [...] Martha machte sich zuviel Sorgen,[...] Gideon war depressiv, Elijah war sein Leben lang auf der Flucht. Moses stotterte, Zachäus war klein und hässlich, Abraham war zu alt und Lazarus war tot."
    Nach den Maßstäben unserer Gesellschaft wäre jeder von ihnen zu etwas befähigt (außer L., der ist ja schon tot) - aber die Geschichtenschreiber der damaligen Zeit brauchten nunmal ein polarisierendes Thema, denn sie hatten einen Plan für die Gesellschaft.
    Bin ich froh, dass ich Mensch bin und die Maßstäbe der Welt mir wichtig sind - und dass die kritische Welt das Christentum hinterfragt und nicht mehr per se anerkennt. Die 'christliche' - d.h. 'von "Moral" durchzogene' Welt - ist alles andere als frei, sondern eine sumpfige Melange aus auferlegten Zwängen, wirren ideologischen Haltungen und immer und immer wieder über-das-Tugend-Stöckchen-springen.
    In jeder noch so muffigen Pfarrei gibt's zum Glück ein paar lustige links-grün-korrekte Tugendbolde mit Bio aus fairem Anbau, sorry aber so ist's doch - was absurderes als einen Bibelkreis mit Tanz und Gesang habe ich in meinem Leben ... das ist sozusagen das christliche Äquivalent zum Flashmob.
    Der Mensch dagegen sei aufgerufen zu Offenheit, Vernunft und Liebe. Nicht umsonst Begriffe, die aus der modernen Sprache noch nicht verschwunden sind ...

    sie fangen ihren Komentar sehr gut an und wechseln dann in das Fach des Tugendwächters. Entweder war das Ironie oder lächerlich.

    PS:
    der erwähnte Kaffee ist aber wirklich lecker, sie können ihn auch heimlich geniessen, es muß keiner von ihrer Spießigkeit wissen und Gott wird es ihnen auch verzeihen.

    • CoMiMo
    • 18. Juni 2012 22:28 Uhr

    [...]In jeder noch so muffigen Pfarrei geht's immer noch lustiger zu, als bei den links-grün-korrekten Tugenbolden mit Bio aus fairem Anbau, sorry aber so ist doch -[...]

    Besonders dann, wenn der Priester/Pfarrer allein mit seinen minderjährigen Messdienern ist.

    Sorry, soll kein Angriff gegen Sie persönlich sein, aber gerade die Christen sind ein Beispiel von bodenloser Doppelmoral.

  6. Auf das richtige Maß kommt es! Mein Reden seit dreiundreißig, aber auf mich hört ja niemand. Jetzt hat's der Martenstein gesagt, und das wird hoffentlich helfen.

    Bemerkenswert finde ich Martensteins Entdeckung, dass die Guillotine der "analogen" Welt im Shitstorm der "digitalen" ihre Entsprechung findet. Ich hätte eher auf die Septembermassaker getippt.

    2 Leserempfehlungen
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    Wissen Sie eigentlich, was ein "Shitstorm" ist, oder ist das der neue Lieblingsanglizismus der Deutschen?

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  • Schlagworte Soziales Leben | Überwachung
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