Miroslav Klose"Ich war noch nie in Warschau"

Miroslav Klose über die Rückkehr in sein Geburtsland Polen, den neuen deutschen Fußball, verrückte italienische Postboten – und seine Angst vor einer Karriere ohne Titel. von  und

Miroslav Klose

Miroslav Klose  |  © Joern Pollex/Bongarts/Getty Images

DIE ZEIT: Herr Klose, können wir dieses Interview auf Polnisch beginnen – mit einem freudigen dobre dzień?

Miroslav Klose: Können wir. Allerdings kenne ich dobre dzień eher als »Einen schönen Tag noch«. Als Begrüßung wäre dzień dobry besser: »Guten Tag«.

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ZEIT: Oh. Hätten wir uns mal nicht auf flüchtige Internetrecherche verlassen…

Klose: Nic nie szkodzi. Das heißt »Macht nichts«.

ZEIT: Wir möchten mit Ihnen über Heimat sprechen, Herr Klose. Was ist das für einen Weltenwanderer wie Sie? Ihr Geburtsland Polen? Deutschland? Italien, wo Sie derzeit leben? Oder der Fußballplatz?

Klose: Das ist bei mir schwer zu sagen. Momentan ist es Rom, denke ich. Es ist dort alles so gekommen, wie wir uns das vorgestellt haben – davon kann ein Fußballprofi nicht immer ausgehen. Meine Frau fühlt sich wohl, die Kinder gehen gerne in die Deutsche Schule, und ich habe mit meinem Verein Lazio weitestgehend erreicht, was ich sportlich erreichen wollte.

ZEIT: Wann haben Sie das letzte Mal Polnisch gesprochen?

Klose: Heute früh am Telefon, mit meiner Frau.

ZEIT: Die bevorstehende Fußballeuropameisterschaft wird in vielen Medien als Ihre »Heim-EM« bezeichnet. Mit welchen Gedanken und Gefühlen kehren Sie – ein Sohn schlesischer Spätaussiedler – nach Polen zurück?

Klose: Wir sind 1986 nach Deutschland gekommen, da war ich acht. Ich kenne natürlich Oppeln, wo wir gewohnt hatten. Aber ich war noch nie in Warschau. Und Danzig kenne ich auch nur von einem Länderspiel im vergangenen Jahr. Für uns Spieler ist es aber auch nicht so wichtig, wo ein Turnier stattfindet. Der Betreuerstab sucht ein Hotel, möglichst mit Flughafen in der Nähe, dazu ein Trainingsgelände. Wir als Mannschaft konzentrieren uns auf die Spiele.

ZEIT: Dann ist diese EM in Polen für Sie ein Turnier wie jedes andere?

Klose: Das habe ich nicht gesagt. Poldi (Kloses Mitspieler Lukas Podolski, ebenfalls ein Spätaussiedler / d. Red.) und ich haben uns riesig gefreut, als die EM nach Polen vergeben wurde. Ich habe von meinen Verwandten eine SMS nach der anderen bekommen. Umso bitterer für mich persönlich war die Gruppenauslosung: alle Vorrundenspiele in der Ukraine. Jetzt sollten wir unbedingt Gruppenerster werden, dann hätten wir das nächste Spiel in Polen.

ZEIT: Gibt es etwas klassisch Polnisches, das Sie Ihren Mitspielern gerne zeigen würden? Etwas, von dem Sie sagen: Schaut euch das an, sonst wart ihr nicht in Polen?

Klose: Es gibt sehr schmackhafte Gerichte, die wir bis heute zu Hause kochen. Wenn sich rund um unser Teamhotel in Danzig die Gelegenheit bietet, werde ich meine Mannschaftskameraden sicher auf Bigos hinweisen, einen typisch polnischen Eintopf mit Sauerkraut und Fleisch.

ZEIT: Und wovor werden Sie sie warnen?

Klose: Auch vor Bigos – kurz vorm Spiel.

Leserkommentare
  1. Miro ist einfach der Beste. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass so ein erstklassiger Mensch auch noch so einen unglaublichen Fussball spielen kann. Mit seiner ganzen Art unterscheidet er sich wohltuend von so einem arroganten Geprotze eines Oliver Kahn oder Stefan Effenberg, den dominanten Spielern seiner Anfangsjahre.

    Die beiden besten Torjäger Deutschlands (Miroslav Klose und Gerd Müller) sind ehrliche bescheidene Menschen, trotz ihrer unglaublichen Erfolge. Das spricht nicht gerade gegen Deutschland finde ich...

    12 Leserempfehlungen
  2. Der Mann ist deutscher Spätaussiedler, der einen internationalen Beruf ausübt. Das ist doch alles schon tausendmal geschrieben worden.

    Eine Leserempfehlung
  3. Liebe Zeit-Redaktion,
    ich erfreue mich in den letzten Tagen immer wieder an hochklassigen Interviews rund um die Nationalelf. Sie stellen Fragen und bekommen darauf auch Antworten, die man nicht so oft hört. Das ist endlich mal was anderes als: "Glauben Sie, dass sie diesmal Spanien schlagen können?", und ähnlich dumme Fragen, die oft von Reportern gestellt werden.

    Gerade der Miro aka Mirek ist ein Spieler, den ich schon immer bewundere. Ich finf an, Fußball zu schauen, als er gerade anfing, beim FCK seine ersten Tore zu schießen. Daher habe ich natürlich eine gewisse Verbindung zu ihm, und wenn er geht, endet auch für mich als Zuschauer eine Ära. Ich fand ihn schon immer sympathisch. Das bestätigt dieses Interview einmal mehr. Ein großartiger Spieler, und in meinen Augen der kompletteste Stürmer, den ich je gesehen habe. Er mag nicht mehr so viele Tore schießen wie zu Beginn seiner Karriere, aber wenn er spielt, ist sofort eine gewisse Struktur drin. Er bindet so viel Aufmerksamkeit der Gegenspieler - weil er so geschickt läuft - dass allein schon seine Anwesenheit das Tore schießen für die anderen erleichtert.
    Und bei all dem ist er doch bescheiden und bodenständig geblieben.

    Vielen Dank nochmal!

    4 Leserempfehlungen
    • tibab
    • 09. Juni 2012 12:51 Uhr

    bitte benutzen Sie bei der Internetrecherche Sprachportale wie z.B pons.eu, oder fragen vielleicht andere Redakteure wie Hr. Adam Soboczynski. Vergessen Sie bitte nicht anzugeben, dass es sich um die Sprache Polnisch handelt.Es ist ziemlich peinlich, meiner Meinung nach, wenn es nicht mal mit den einfachen Begrüßungsfloskeln des unmittelbaren Nachbarnlandes funktioniert. Dann soll man es lieber ganz sein lassen.

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    • SchJos
    • 10. Juni 2012 13:34 Uhr

    Zumal selbst eine "flüchtige Internetrecherche" "dzien dobry" ergibt.

  4. Könnte mal jemand erläutern, was polnische Spätaussiedler eigentlich sind?

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    • JayB
    • 09. Juni 2012 14:18 Uhr

    …Fußballgott!

    Ich hoffe, er spielt wieder so genial wie bei der WM, wie in Italien. Und ich hoffe, dass er es auch zur nächsten WM schafft. Es wäre eine Ironie des Schicksals, wenn er in Brasilien die zwei Tore noch packt, um Ronaldo zu überrunden. :)

  5. 8. @ JayB

    Nein, das wäre keine Ironie des Schicksals, sondern hochverdient!

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