DIE ZEIT: Herr Klose, können wir dieses Interview auf Polnisch beginnen – mit einem freudigen dobre dzień?

Miroslav Klose: Können wir. Allerdings kenne ich dobre dzień eher als »Einen schönen Tag noch«. Als Begrüßung wäre dzień dobry besser: »Guten Tag«.

ZEIT: Oh. Hätten wir uns mal nicht auf flüchtige Internetrecherche verlassen…

Klose: Nic nie szkodzi. Das heißt »Macht nichts«.

ZEIT: Wir möchten mit Ihnen über Heimat sprechen, Herr Klose. Was ist das für einen Weltenwanderer wie Sie? Ihr Geburtsland Polen? Deutschland? Italien, wo Sie derzeit leben? Oder der Fußballplatz?

Klose: Das ist bei mir schwer zu sagen. Momentan ist es Rom, denke ich. Es ist dort alles so gekommen, wie wir uns das vorgestellt haben – davon kann ein Fußballprofi nicht immer ausgehen. Meine Frau fühlt sich wohl, die Kinder gehen gerne in die Deutsche Schule, und ich habe mit meinem Verein Lazio weitestgehend erreicht, was ich sportlich erreichen wollte.

ZEIT: Wann haben Sie das letzte Mal Polnisch gesprochen?

Klose: Heute früh am Telefon, mit meiner Frau.

ZEIT: Die bevorstehende Fußballeuropameisterschaft wird in vielen Medien als Ihre »Heim-EM« bezeichnet. Mit welchen Gedanken und Gefühlen kehren Sie – ein Sohn schlesischer Spätaussiedler – nach Polen zurück?

Klose: Wir sind 1986 nach Deutschland gekommen, da war ich acht. Ich kenne natürlich Oppeln, wo wir gewohnt hatten. Aber ich war noch nie in Warschau. Und Danzig kenne ich auch nur von einem Länderspiel im vergangenen Jahr. Für uns Spieler ist es aber auch nicht so wichtig, wo ein Turnier stattfindet. Der Betreuerstab sucht ein Hotel, möglichst mit Flughafen in der Nähe, dazu ein Trainingsgelände. Wir als Mannschaft konzentrieren uns auf die Spiele.

ZEIT: Dann ist diese EM in Polen für Sie ein Turnier wie jedes andere?

Klose: Das habe ich nicht gesagt. Poldi (Kloses Mitspieler Lukas Podolski, ebenfalls ein Spätaussiedler / d. Red.) und ich haben uns riesig gefreut, als die EM nach Polen vergeben wurde. Ich habe von meinen Verwandten eine SMS nach der anderen bekommen. Umso bitterer für mich persönlich war die Gruppenauslosung: alle Vorrundenspiele in der Ukraine. Jetzt sollten wir unbedingt Gruppenerster werden, dann hätten wir das nächste Spiel in Polen.

ZEIT: Gibt es etwas klassisch Polnisches, das Sie Ihren Mitspielern gerne zeigen würden? Etwas, von dem Sie sagen: Schaut euch das an, sonst wart ihr nicht in Polen?

Klose: Es gibt sehr schmackhafte Gerichte, die wir bis heute zu Hause kochen. Wenn sich rund um unser Teamhotel in Danzig die Gelegenheit bietet, werde ich meine Mannschaftskameraden sicher auf Bigos hinweisen, einen typisch polnischen Eintopf mit Sauerkraut und Fleisch.

ZEIT: Und wovor werden Sie sie warnen?

Klose: Auch vor Bigos – kurz vorm Spiel.