Narendra Modi: Mörder oder Modernisierer?
Narendra Modi will Indiens neuer starker Mann werden. Seine Anhänger trauen ihm den Sieg über die allgegenwärtige Korruption zu. Politisch aber hat er das Blut von mehr als zweitausend Muslimen an seinen Händen.
© Sam Panthky/AFP/Getty Images

Narendra Modi (Archivbild)
Eben hat Narendra Modi sein öffentliches Fasten beendet – in einer großen Konferenzhalle. Auf der Bühne begrüßt der Ministerpräsident des westindischen Bundesstaates Gujarat seine Gäste: Unternehmer, Priester und Politiker aus allen Teilen des Landes. Halb Indien steht Schlange. Nur Ausländer fehlen hier. »Einem Mörder gebe ich nicht die Hand«, hat Thomas Matussek, bis zum vergangenen Jahr deutscher Botschafter in Delhi, einmal über Modi bemerkt.
Modi – ein Mörder? Linke und kritische Intellektuelle in Indien sehen das genauso; für sie ist Modi ein Faschist. Andere dagegen verehren ihn. Obwohl man weiß, dass er im Jahr 2002 als Regierungschef von Gujarat Pogrome geduldet hat, bei denen über 2.000 Muslime ermordet wurden. Viele seiner Anhänger würden seine Schuld gar nicht bestreiten. Doch ist dies auch ein schnelllebiges, schnell vergessendes Land. Ausgerechnet Modi, der Mann mit den blutigen Händen, gilt vielen zugleich als Hoffnung – auf Jobs, auf Wirtschaftswachstum, auf Modernisierung. Er ist das stärkste Talent der Opposition, womöglich Indiens politische Zukunft.
Jedes Jahr drängen zehn Millionen Jugendliche neu auf den indischen Arbeitsmarkt. Früher fanden sie Beschäftigung, heute nicht mehr. Denn Indiens Wirtschaftswunder verblasst. Die Korruption blüht. Minister sitzen im Gefängnis, Milliardäre stehen vor Gericht. Über allem thront eine politische Dynastie, die Gandhi-Familie, die ihre Verbindung zum Volk verloren hat. Sonia Gandhi, die Chefin der regierenden Kongresspartei, ist krank und agiert aus der Zurückgezogenheit. Ihr Sohn Rahul erlitt bei den jüngsten Wahlen im größten Bundesstaat eine katastrophale Niederlage und zerstörte seine Kronprinzenaura.
Modi dagegen regiert seine Region mit harter Hand und ökonomischem Erfolg. Viele halten ihn für den starken Mann, den Indien brauche, um Ordnung ins Chaos zu bringen. Schon sehen ihn Umfragen als aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Regierungschefs bei den nächsten Wahlen im Jahr 2014.
Frauen küssen ihm die Füße
Während seiner Fastenaktion in Ahmedabad, der größten Stadt in Gujarat, sitzt er den ganzen Tag lang auf der Bühne, regungslos. Obwohl die Leute vor ihm knien, beten und schreien. Nur manchmal lässt Modi seine Finger auf der Lehne seines weißen Sessels im Takt der Musik tanzen. Einmal stützt er das Kinn mit dem Mittelfinger ab und legt den Zeigefinger auf die Lippen. Er trägt an diesem Tag eine hellgrüne Kurta, das traditionelle lange Hemd der Inder, weiße Baumwollhosen, braune Sandalen und einen sehr orientalischen Turban. Aber Modi trägt auch eine randlose westliche Designerbrille. Ein Modernitätssignal.
Nach Ende des Fastens fallen Frauen vor ihm nieder und küssen seine Füße. Männer drücken ihre Bärte auf seinen Handrücken. Hinduistische Gurus sind Heilige, die beinahe wie Götter verehrt werden. Diese Tradition belebt Modi: Er tritt wie ein Guru auf. 36-mal hat er in den letzten Monaten öffentlich gefastet, fünf Millionen Inder nahmen daran teil, 1,5 Millionen berührten anschließend seinen Körper.
Modi kommt von weit unten, aus der niederen Kaste der Ganchi, die traditionell Pflanzenöl pressen. Mit dem Öl allein konnte der Vater seine große Familie nicht ernähren – also unterhielt er vor dem Bahnhof der alten Kleinstadt Vadnagar im Norden Gujarats einen kleinen Teestand. Der junge Modi half dem Vater jahrelang bei der Arbeit – bis er die Oberschule abschloss und seinen eigenen Teestand in Ahmedabad aufmachte.





Die Frage, die sich dabei stellt ist, warum es zu 2000 Toten (nicht nur Moslems) kam? Es kam doch zu den Ausschreitungen von Seiten der Hindus, nachdem ein Zug mit hinduistischen PilgerInnen und deren Kindern von muslimischen Leuten angezündet wurde.
Die einseitige Darstellung in diesem Artikel ist doch sehr verwunderlich, da der Konflikt zwischen Muslimen und Hindus sehr viel komplexer ist, vorallem wenn man bedenkt, dass das anzünden des Zuges eine Vorgeschichte hat, die weiter geht als eine Moschee bzw. einen Tempel.
Da will ich gleich mal die Faktenlage anführen - wie fast immer in Artikeln, wo es auch um den Islam geht, wird diese massiv verkürzt. Wie mein Vorposter schon anführte, brach die Gewalt im Anschluß an einen ÜÄberfall von Moslem auf einen mit Hindu-Pilgern besetzten Zug aus - ein geplanter Angriff: "On 27 February 2002, the Sabarmati Express train was attacked at Godhra by a large Muslim mob as per a preplanned conspiracy. 58 Hindu pilgrims, including 25 women and 15 children, returning from Ayodhya, were killed in the attack." (http://en.wikipedia.org/w...)
In den folgenden Unruhen kam es zu Massakern auf beiden Seiten, bei denen 790 Moslems und 254 Hindus umkamen. 61 000 ;oslems und 10 000 Hindus flohen, insgesamt wurden im Laufe der Unruhen 27901 Hindus and 7651 Moslems verhaftet.
wieder wikipedia: "The nature of these events remains politically controversial in India. Some commentators have characterised the deaths of Muslims (but not the Hindus) as a genocide in which the state was complicit, while others have countered that the hundreds of Muslim and Hindu dead were all victims of riots or "violent disturbances".
...ist Modi damit rehabilitiert, weil ja vorher die Anderen...
Ich dachte unter zivilisierten Menschen gilt die Stichhaltigkeit des Arguments und nicht die Anzahl der Opfer. Solche Leute sollten nirgendwo in der Politik auftauchen, sondern im Gefängnis!
...ist Modi damit rehabilitiert, weil ja vorher die Anderen...
Ich dachte unter zivilisierten Menschen gilt die Stichhaltigkeit des Arguments und nicht die Anzahl der Opfer. Solche Leute sollten nirgendwo in der Politik auftauchen, sondern im Gefängnis!
In der englischen wikipedia (URL oben) findet man eine ausführliche Darstellung der Vorfälle - die simple Reduktion des Autors Georg Blume, zusammen mit der überhöhten Anzahl von Opfern und völligem Verschweigen der Vorgeschichte und des Umstandes, daß ein Viertel der Opfer Hindus waren, die Herr Blume nicht der Erwähnung wert findet. Auch die Zahl der Verhafteten spricht für sich.
So kommt die ZEIT dem Auftrag, den Leser sachlich und faktisch korrekt zu informieren nicht nach - es bleibt, wie so oft bei diesem Thema, ein unguter Nachgeschmack.
auch immer noch Infos von informierten Foristen bekommt, die ein einseitig verzerrtes Bild wieder gerade rücken!Danke!
Genau! Hauptsache man kann weiterhin den Feindbild Islam aufrechterhalten.
Genau! Hauptsache man kann weiterhin den Feindbild Islam aufrechterhalten.
Genau! Hauptsache man kann weiterhin den Feindbild Islam aufrechterhalten.
war, daß es diese mörderischen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems in Indien quasi schon immer gibt.
Deshalb hatte es mich zunächst gewundert, daß nur eine Seite der Medaille im Bericht aufgetaucht war. Ein neutraler Zeitungsbericht hätte den Grund für die Angriffe auf die Moslems nicht verschweigen dürfen. So etwas nenne ich einseitige, verzerrte Berichterstattung. Weiter nichts.
war, daß es diese mörderischen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems in Indien quasi schon immer gibt.
Deshalb hatte es mich zunächst gewundert, daß nur eine Seite der Medaille im Bericht aufgetaucht war. Ein neutraler Zeitungsbericht hätte den Grund für die Angriffe auf die Moslems nicht verschweigen dürfen. So etwas nenne ich einseitige, verzerrte Berichterstattung. Weiter nichts.
Ihrer Meinung nach sollten Fakten also nach Belieben verschwiegen werden?
...ist Modi damit rehabilitiert, weil ja vorher die Anderen...
Ich dachte unter zivilisierten Menschen gilt die Stichhaltigkeit des Arguments und nicht die Anzahl der Opfer. Solche Leute sollten nirgendwo in der Politik auftauchen, sondern im Gefängnis!
war, daß es diese mörderischen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems in Indien quasi schon immer gibt.
Deshalb hatte es mich zunächst gewundert, daß nur eine Seite der Medaille im Bericht aufgetaucht war. Ein neutraler Zeitungsbericht hätte den Grund für die Angriffe auf die Moslems nicht verschweigen dürfen. So etwas nenne ich einseitige, verzerrte Berichterstattung. Weiter nichts.
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