Der Biergarten des Hyatt Regency am Deutzer Rheinufer: Hier grillt unser Autor für seine Freunde

Ein Freund nannte meine Eltern und mich früher »die Barbecue Family«. Was natürlich maßlos übertrieben war. Wir haben höchstens am Wochenende gegrillt, dann allerdings samstags und sonntags. Und ab und an auch unter der Woche. Aber maximal an zwei Abenden. Übertrieben fand ich höchstens den verglasten Pavillon, den sich mein Vater bauen ließ, um auch bei kühleren Temperaturen Würstchen und Steaks auf den Rost werfen zu können. Wie das eine Mal im Dezember.

Grillen hat eben einen ganz besonderen Zauber. Es ist gewissermaßen die Verquickung der Zivilisation mit dem Urwüchsigen. Die gebändigte Natur. Züngelnde Flammen, rohes Fleisch. Aber man isst mit Messer und Gabel und muss seine Beute auch nicht mehr gegen Säbelzahntiger verteidigen.

Nun gibt es verschiedene Grade der zivilisatorischen Bändigung: Am einen Ende der Skala stehen Männer im Stadtpark um ein fauchendes Häuflein Kohle, jemand gießt Bier auf ein Kotelett. Das andere Ende dürfte beim Angebot des Kölner Nobelhotels Hyatt Regency liegen, das in seinem Biergarten mit Domblick komplette Grillfeiern ausrichtet, Fleisch, Beilagen, Salate und Getränke inklusive. »Rent a Barbecue« nennt sich das. 49 Euro pro Person legt man für den durchorganisierten Grillabend hin – und zehn Gäste müssen es mindestens sein. Zeit also für einen Rundruf. Zwar hat mein Brutzel-Bedarf in den vergangenen Jahren nachgelassen, aber an den ersten heißen Tagen zieht es mich nach wie vor an den Rost.

Erster Eindruck bei der Ankunft im Hyatt-Biergarten am rechten Rheinufer: So grillen also die oberen Zehntausend. Hinter der getrimmten Hecke, die das kiesbestreute Areal von der Uferpromenade trennt, ist eine Tafel mit grün-weiß karierter Decke, Weingläsern und quadratischen Porzellantellern gedeckt, Vasen mit weißen Mini-Callas schmücken den Tisch. »Sieht aus wie in der Raffaello-Werbung«, sagt mein Freund Hendrik, der seine Wochenenden mit Rugbyspielen verbringt. Unter den Leinenschirmen hat das Personal Schüsseln mit Kartoffel- und Blattsalat aufgebaut, daneben stehen Brotkörbe, Ketchup, Kräuterbutter und eine sämig-samtige Vinaigrette. In den kugelförmigen Rechauds warten die Hauptattraktionen des Abends: Rib-Eye-Steaks im ersten, Würstchen im zweiten, Putensteaks im dritten. Moment – Putensteaks? Sind das nicht die Dinger, die Frauen auf ihren Diätsalat legen? Aber es sind ja auch Damen anwesend, die vielleicht keinen Wert darauf legen, dass ihr Grillgut ein blutiges, fettiges Pfützchen auf dem Teller hinterlässt. Also Rib-Eye für die Jungs und Pute für die Mädels.

Zum Grillen im Fünf-Sterne-Hotel gehört ein persönlicher Kellner. Jan, bordeauxrotes Polohemd und dunkelblaue Schürze, begrüßt uns mit einem Glas stillen Wasser »gegen den Durst«, hat aber gegen den anderen Durst schon das Fässchen Kölsch aufgebaut. Auch er selbst verkörpert eine gelungene Mischung aus Kölscher Jovialität und Nobelhotel-Zackigkeit. Er sprintet herbei, kaum leert sich ein Glas, zapft Bier, räumt dreckige Teller in Sekundenschnelle ab. Dass er auch privat für Barbecues etwas übrighaben könnte, verrät sein Markenbewusstsein am Grill. Ach, was heißt hier Grill! »Der Weber Summit E-670 ist quasi der Mercedes unter den Grills«, erklärt Jan mit Kennermiene. Heißt: Drei »Heating Zones« mit individuell ansteuerbaren Brennerventilen, Edelstahldeckel mit Thermometer, Soft-Touch-Regler mit beleuchteter Fassung, Aromaschienen. Außerdem funktioniert das 4.000-Euro-Gerät mit Gas, lästiges Kohlenachlegen entfällt also.

Andererseits fehlt schon etwas, wenn keiner darüber fachsimpelt, ob man jetzt besser fächelt oder föhnt, ob Grillanzünder Kinderkram sind oder das Nonplusultra. Hier muss die launische Göttin Feuer nicht beschworen werden, angefacht und mit Brennspiritus getränkt. Jan hat den Grill bereits eingeschaltet, man dreht einfach den Regler höher – und niemand starrt in die lodernde Glut und denkt: Ja, ich habe Feuer gemacht!