PersonenrätselLebensgeschichte

von Frauke Döhring

Keine Yacht. Kein teurer Schmuck. Nicht mal ein Auto. Besitz, sagt sie, mache das Leben unnötig kompliziert. Andererseits pflegt sie mit Hingabe den teuren Schein: "Ich will, dass die Leute eine gute Figur machen." Um dieses Ziel zu erreichen, hat es die Tochter eines Kolonialwarenhändlers und einer Baumwollspinnerin zu bewunderter Meisterschaft gebracht – so nachhaltig, dass sie bis heute als Trendsetterin gilt, was sie mit feinem Understatement kommentiert. "Ich mag es, komische Dinge zusammenzubringen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen – als wäre da eine Hausfrau am Werk, die ein bisschen verrückt ist", sagt sie etwa. Und amüsiert sich über "die Leute, die meine Schuhe als Skulpturen auf ihren Kaminsims stellen".

Nö, der ganze Rummel möge ihr gestohlen bleiben, denn: "Je mehr man konsumiert, desto weniger kann man denken." Den Fernseher hat sie aus ihrem Leben verbannt, taucht lieber ab in literarische Welten – "Ich habe schon als Kind im Land der Bücher gelebt." Ein großes Bett mit vielen Büchern und Zeit, das sei für sie der wahre Luxus. Zumal sie fest daran glaubt, dass nur noch Lesen hilft. Wogegen? Ach, gegen alles! Und schon ereifert sie sich über die "Nonstop-Ablenkung durch Unterhaltung und Medien". Wen wundert’s, dass sie gern zu jener Zeit gelebt hätte, als literarische Salons en vogue waren – dann wäre der ihre der berühmteste von allen gewesen. Denn das hat sie nun mal drauf, Leute und Dinge fulminant ins Licht der Öffentlichkeit zu setzen.

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Ihr literarischer Held? Shakespeare. Moderne Autoren? Danke, kein Interesse. Sie braucht die Verbindung zur Tradition, sagt sie, um auf neue Ideen zu kommen. Und das kann jeder sehen. Welcher verstorbene Denker dann jeweils griffbereit auf ihrem Nachtisch liegt, bestimmt ihr Mentor, ein Privatgelehrter, dem sie blind vertraut: "Ohne ihn wäre ich ein ganz anderer Mensch." Übrigens schätzt sie das Lesen auch als Mittel gegen das Altern. Aber vielleicht wirkt sie auch deshalb so wenig großmütterlich, weil ihr Gatte und Firmenteilhaber noch recht knackig daherkommt. Ein junger Partner macht bekanntlich oft jünger. Und zum Erstaunen vieler funktioniert das Team seit Langem, beruflich und privat. "Vielleicht findet er jemand Jüngeren – aber kaum jemanden, der interessanter ist als ich", sagt sie selbstbewusst. Man vermutet, dass sie bei dieser Kombi wohl meist die Hosen anhat. Aber einmal hat er sich durchgesetzt und konnte sie dazu überreden, ihre kleine Mietwohnung gegen ein eigenes Haus einzutauschen. Das ändert freilich nichts an ihrem Weltbild. Regel Nummer eins: Besitz belastet. Regel Nummer zwei: Frauen überragen Männer. Männer sollten ihnen also den Hof machen, anstatt "ihren Geist damit zu verschwenden, Zeitschriften durchzublättern oder Hanteln zu stemmen". Oder, um es mit ihren Worten zu sagen: "Ein Mann soll Bücher lesen." Wer ist’s?

Lösun aus Nr. 23:

Der Maler und Grafiker Egon Schiele (1890 bis 1918) wuchs im niederösterreichischen Tulln auf. Vater und Großvater waren Eisenbahningenieure. 1906, ein Jahr nach dem Tod des Vaters, wurde er an der Wiener Kunstgewerbeschule aufgenommen und an die Akademie der Bildenden Künste weiterverwiesen. Dort lernte er 1907 Gustav Klimt kennen, der ihn beeinflusste und förderte. Der Aufenthalt mit seiner Geliebten Wally Neuzil im böhmischen Krumau 1911 endete mit der Flucht, der in Neulengbach mit einem Strafverfahren. Seine herausfordernd erotischen Werke machten ihn bekannt; nach seiner Hochzeit mit Edith Harms 1915 entstanden vor allem Porträts. 1918 erkrankte er an der Spanischen Grippe und starb am 31. Oktober

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