Stimmt's?Sind Tomaten kein Gemüse, sondern Obst?

…fragt Frank Luerweg aus Bonn. von 

Die Unterscheidung zwischen Obst und Gemüse ist eigentlich keine botanische, sondern leitet sich von unseren Verzehrgewohnheiten ab: Obst essen wir meist roh, Gemüse meist gekocht. Und von Obst erwarten wir, dass es einen gewissen Zuckergehalt hat und süß schmeckt.

Eigentlich weiß also jeder, ob er Obst oder Gemüse vor sich hat (auch wenn wir manches Gemüse roh essen und manches Obst kochen). Wie kann man diese intuitiv klare Unterscheidung aber in wissenschaftliche Begriffe fassen?

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Obst, das sind zuallererst immer Früchte, also der Teil der Pflanze, der aus der Blüte hervorgeht. Zum Gemüse dagegen gehören alle möglichen essbaren Pflanzenteile – Blüten (Artischocken), Blätter (Spinat), Knollen (Kartoffeln), Stängel (Spargel). Damit ist schon einmal klar, dass etwa Rhabarber kein Obst ist, sondern Gemüse.

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Stimmt's?

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Was ist nun mit der Tomate? Tomatenpflanzen sind einjährige Pflanzen, deren Früchte man auch dem Gemüse zuschlägt – ebenso wie Zucchini, Gurken oder Kürbisse.

Zu den Kürbissen gehören aber auch die Melonen, die gelten also trotz ihrer Süße als Gemüse. Noch schwieriger wird die Unterscheidung, wenn man auf Unterkategorien wie die Beeren schaut – Erdbeeren zum Beispiel fallen unter die Kategorie der Sammelnussfrüchte.

Letztlich ist das alles Willkür, aber meistens stimmen Definition und Intuition überein. Tomaten sind also Gemüse. Und trotzdem landen sie auf Bali im Obstsalat.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leserkommentare
  1. Und um die Verwirrung komplett zu machen: Aus Tomaten kann man köstliche Konfitüre herstellen:
    http://goccus.com/rezept....
    Und Rhabarber ist eine sehr schmackhafte Gemüsebeilage:
    http://www.zeit.de/2012/1...

  2. Ich lebe in Indonesien, zwar nicht auf Bali sondern auf Papua, aber auch hier verläuft die Grenzlinie zwischen Obst und Gemüse anders als in Deutschland.
    So gibt es hier eine Art Milchshake oder Saft aus Gurken genauso wie aus Tomaten. Beides mit Zucker gesüßt, genauso wie Säfte aus anderen tropischen Früchten. Avocados werden oft so reifen gelassen, dass sie eine leichte Eigensüße entwickeln. Das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man die grünen Früchte kennt, die man in Deutschland bekommt. Auch Kürbis kann im Obstsalat oder Früchtepunsch landen.
    Andererseits wird Ananas oft als Beilage wie Gemüse zum gekochten Essen gegessen. Aber Ananas wird ja auch in Deutschland manchmal in Salate gegeben oder im Toast Hawaii gebacken. Das scheint wohl nicht nur kulturell bedingt zu sein, sondern einfach gut zu schmecken.
    Hier in Indonesien habe ich gelernt, dass unsere Trennung zwischen süßem und gesalzenem Essen einfach nicht überall existiert. Vom Chinesen kennt man ja süß-scharfe Soßen. So etwas ist hier nichts exotisches, sondern eher die Regel.

    4 Leserempfehlungen
  3. ich dachte immer botanisch wäre alles, was blüht und dann Früchte trägt Obst.
    Überhaupt ist der Tomatenstrauch ein kleines Bäumchen.

    Aber vermutlich ist es wirklich so, und selbst botanisch-wissenschaftlich wiillkürlich gehandhabt.

    Rein gewohnheitsmässig nenne ich die Tomate auch Gemüse. Stimmt, sie ist süß genug.

  4. Gemüse zeichnet sich also grundsätzlich dadurch aus, dass es gekocht verzehrt wird.

    Da sag ich nur: "Jetzt haben wir den Salat!"...

    • Rumple
    • 16. Juni 2012 10:45 Uhr

    Mit dem ersten Satz ist doch schon alles gesagt:
    Die Unterscheidung zwischen Obst und Gemüse ist nicht botanisch sondern kulturell.

    Damit erübrigt sich doch der gesammte Artikel.

    4 Leserempfehlungen
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    doch bei den "Stimmts"-Antworten auch immer um nen kleinen Bildungshappen ;)

  5. doch bei den "Stimmts"-Antworten auch immer um nen kleinen Bildungshappen ;)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Toller Artikel"
    • dth
    • 16. Juni 2012 12:04 Uhr

    Diese Diskussion kommt ja immer wieder und es hat etwas gedauert, bis mir klar wurde, warum sie zu nichts führt.
    Die Begriffe sind, wie im Artikel richtig erkannt, über Ess- und Zubereitungsgewohnheiten definiert, und zwar eher anhand von typischen Beispielen und daraus resultierenden Erwartungen.
    Man kann nun versuchen, botanische Gesetzmäßigkeiten zu finden, die zu diesen Begriffen passen, und bis zu einem gewissen Grad passt es. Es macht aber keinen Sinn, die Begriffe botanisch zu definieren.

    Rabarber könnte man auch genau so gut als Obst bezeichnen, denn schließlich ist ein Rabarberkuchen einem Apfelkuchen sehr viel ähnlicher als beispielsweise einem Lauchkuchen.

    2 Leserempfehlungen
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    "Es macht aber keinen Sinn, die Begriffe botanisch zu definieren."

    Das halte ich für die einzig sinnvolle Methode. Wie schon zuvor
    erwähnt wurde hängen Zubereitung- und Verzehrverhalten stark
    vom jeweiligen Kulturkreis ab. So bleibt nur noch die Botanik um eine universelle Nomenklatur einzurichten.

    • Hagmar
    • 16. Juni 2012 14:08 Uhr

    Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung, aber Ihr Kommentar liess mich laut auflachen und dafür gibts meine Empfehlung! ;=)

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  • Serie Stimmt's
  • Schlagworte Gemüse | Obst | Botanik
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