Lohnunterschied : Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Zwischen Männern und Frauen klafft hierzulande eine Lohnlücke. Wer verstehen will, warum dieser Unterschied existiert, muss sich mit Geschlechterrollen auseinandersetzen.

In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich 23 Prozent weniger Geld als Männer. Obwohl Frauen inzwischen sogar besser qualifiziert ins Berufsleben einsteigen, hält sich die Einkommenslücke beharrlich. Im EU-Vergleich ist sie nur in Estland, der Tschechischen Republik und Österreich noch größer. Warum eigentlich? Frauen wählen schlechter bezahlte Berufe, steigen langsamer auf als Männer, verhandeln bescheidener und werden noch immer in einer männlich geprägten Arbeitskultur benachteiligt. Außerdem hat Geschlechterdiskriminierung durch die Gesetzgebung in Deutschland eine lange Tradition. Der »Gender Wage Gap« (Geschlechter-Einkommenslücke) ist in weiten Teilen das Resultat von anderthalb Jahrhunderten konservativer Arbeitsmarkt- und Familienpolitik.

Die einst innovative Bismarcksche Sozialgesetzgebung sah den Mann als Alleinverdiener vor. Soziale Berufe wurden als Überbrückung bis zur Ehe gefördert, nicht als Karrierewege. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Bundesregierung das Grundprinzip der »Einverdienerehe« aus der Nazizeit und goss es 1958 in ein neues Gesetz – das Ehegattensplitting, das noch heute Bestand hat. Für Kritiker ist deshalb das geplante Betreuungsgeld der heutigen Bundesregierung ein Schritt zurück in die Vergangenheit. Die Prägung der Adenauer-Zeit scheint nachzuwirken.

Was bedeutet das für Arbeitnehmerinnen heute? Laut Statistischem Bundesamt erklären »unterschiedliche arbeitsplatzrelevante Merkmale von Männern und Frauen« rund zwei Drittel der aktuellen Einkommenslücke: Frauen fangen besser qualifiziert an zu arbeiten als je zuvor, entscheiden sich aber häufiger für schlecht bezahlte soziale Berufe und bleiben auf der Karriereleiter früher stehen. Teilzeitarbeit und Babypausen sind in den meisten Branchen immer noch die effektivsten Karrierekiller. Kontinuität und physische Präsenz am Arbeitsplatz hingegen werden belohnt. Selbst klassische »Frauenberufe« sind eigentlich für Männer lukrativer: Krankenschwestern verdienen im Durchschnitt weniger als ihre männlichen Kollegen.

Was die amtliche Statistik nicht abbildet

Doch was erklärt das letzte Drittel der 23 Prozent, das amtliche Statistiken nicht abbilden können? Die Gehaltslücke klafft besonders weit auf Führungsebenen – etwa dann, wenn Verhandlungsgeschick über weitgehend intransparente Gehälter entscheidet. Studien belegen, dass Frauen in Einstellungsgesprächen tatsächlich oft zu niedrige Gehaltsvorstellungen haben. Auch werden Frauen noch immer mit dem Vorurteil konfrontiert, dass sie als Zweitverdiener in der Familie weniger Geld bräuchten. Müssen Frauen also einfach lernen, selbstbewusster aufzutreten und härter zu verhandeln? Nicht unbedingt, meint die Wirtschaftswissenschaftlerin Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung: »Einfach das Verhandlungsverhalten von Männern zu kopieren kann auch ein Problem sein. Hartes Verhandeln bei einer Frau wird anders beurteilt als bei einem Mann in der gleichen Situation.« Das Mannsweib sein oder die liebe Kollegin ist also nach wie vor die Entscheidung, vor der viele Frauen in der Geschäftswelt stehen.

Oft verhindert das Frausein allerdings, dass es überhaupt zum Jobangebot kommt. Führungskreise in Organisationen besitzen die Eigenschaft, sich selber zu reproduzieren und Nachwuchs mit ähnlichen Merkmalen einzustellen. Das hat im Kern wenig mit Geschlechterdiskriminierung zu tun, wirkt sich aber für Frauen nachteilig aus: Manager küren instinktiv ihre eigenen – meist männlichen – Ebenbilder zu Nachfolgern. Auch ist es für Frauen schwieriger, sich in männlich dominierte Seilschaften einzuhängen. Besonders in großen Unternehmen sind informelle Karrierenetzwerke etablierter und für Frauen schwerer zugänglich, aber von essenzieller Bedeutung für den Aufstieg. Der ehemalige Personalvorstand der Telekom, Thomas Sattelberger, räumte im vergangenen Jahr ein: »Zu behaupten, dass Qualität allein entscheidet, ist Hybris.«

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Kommentare

97 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Bei der Überschrift war ich gespannt

Das mag jetzt wie Haarspalterei vorkommen, aber sieht noch jemand den Unterschied zwischen

"Warum verdienen Frauen weniger als Männer"
und
"Warum verfügen Frauen über weniger Einkommen als Männer"?

Nein? In der Tat ist es ein Problem, daß m.E. einige wenige wesentlich mehr verdienen als sie verdienen, und sehr viele Menschen wesentlich weniger verdienen, als sie verdienen.

Im Neofeudalismus, wo der Zusammenhang zwischen Einkommen und Verdienst (!) verloren gegangen ist, sind solche Details vermutlich unerwünscht und werden bewußt aus der Sprache getilgt ...

Umso lustiger, daß gleichzeitig mit so Phrasen wie "Leistung muss sich wieder lohnen" und "Fordern und fördern" geworben wird.

Da sind Mann und Frau dann aber auf jeden Fall gleich(ermaßen angesprochen)...

Viele Behauptungen...

...aber nur wenige Nachweise.

Z.B.:

"Manager küren instinktiv ihre eigenen – meist männlichen – Ebenbilder zu Nachfolgern."

Kann sein oder kann auch nicht sein. Wurde der Instinkt von Managern schon vermessen?

Aber selbst wenn es so sein sollte, was ich ja gar nicht bestreiten will, einfach weil ich es nicht beurteilen kann, ist es dann nicht ebenso denkbar, dass Frauen, wenn sie in die Managerpositionen kommen, nicht so handeln, weil sie ihre weiblichen Ebenbilder eher als Konkurrentinnen sehen?

Würde das nicht erklären, weshalb sich männlich dominierte Herrschafts-Strukturen stabil reproduzieren, während sich weiblich dominierte bisher nicht in umfassendem Maße bilden konnten?

maschinenbau macht, wie in einigen anderen

europäischen ländern, nur einen teil der geldverdienstmöglichkeiten in deutschland aus. warum muss sich eine frau fuer informatik interessieren, die ingenieurinnen welche ich kennenlernte waren nicht schlechter oder besser als ihre männlichen kollegen, einige waren und sind wirklich verdammt gut! da mussten sich die männer echt warm anziehen.
vielleicht ist ihr schulunterricht auch fuer frauen generell langweilig und wuerde bei einer anderen lehrweise die frauen ansprechen. es gibt untersuchungen, dass mädchen und jungen anders lernen.
man sollte, wie in schweden wo ich einblick habe wieviel mein nachbar verdient, die gehälter öffentlich machen. da könnte jeder arbeitnehmer direkt vergleichen

destatis Studie 2006

Ich hätte da eine Idee, woher ein Teil der restlichen 8% beim statistischen Bundesamt kommen:

-die Arbeitnehmer der öffentlichen Verwaltung wurden ausgelassen. Ist aber auch ein seltsamer Zufall, dass der Bereich in dem Tarifbezahlung herrscht, es also 0% Unterschied gibt, und in dem viele Frauen arbeiten, nicht einbezogen wurde. Könnte ja sonst die 8% drücken.
-unbezahlte Überstunden wurden nicht berücksichtigt. Ich kenne keine Studien, die untersucht, ob Männer mehr unbezahlte Überstunden leisten als Frauen, aber ich vermute, das ist so.

Ich hätte gerne eine vernünftige Studie zu dem Thema, dann können wir weiter reden.