Frauenquote : Flexibel oder starr: Welche Frauenquote wirkt besser?

Bundesfrauenministerin Kristina Schröder sagt, die von ihr vorgeschlagene Frauenquote für die Privatwirtschaft (»Flexiquote«) werde am Ende mehr weibliche Spitzenkräfte hervorbringen als alle Konkurrenzmodelle. Das ist erstaunlich, denn bisher gilt ihr Konzept meistens als unverbindliche Idee, die weniger Folgen haben werde als etwa die Idee der Bundesarbeitsministerin. Ursula von der Leyens Vorschlag für eine Frauenquote – Schröder nennt diese Quote »starr« – würde ganz allgemein 30 Prozent Frauen für Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen vorschreiben. Dieses Modell wollen auch die EU-Kommission sowie viele weibliche Abgeordnete von CDU und CSU, die kürzlich mit der Bundeskanzlerin über die Quote, das Betreuungsgeld für Kleinkinder und andere frauenpolitische Themen diskutierten.

Mit der Flexiquote hingegen würden Unternehmen per Gesetz gezwungen, sich für den Frauenanteil in Vorstand und Aufsichtsrat selbst Ziele zu setzen. Die müssten sie an einem Stichtag erreichen, andernfalls wäre die Besetzung der Spitzenjobs rechtlich anfechtbar. Außerdem müssten die Unternehmen dann bis zu 25.000 Euro Strafe zahlen.

Stimmt also, was Schröder sagt – bringt das scheinbar schwächere Gesetz am Ende mehr? Ist die Ministerin demnach eine verkannte Kämpferin für Frauenkarrieren und nicht, wie oft behauptet, eine Frauenministerin wider Willen?

Richtig ist ein Teil von Schröders Kritik an der festen Quote: Sie ist nur für eine kleine Zahl von Jobs relevant und ändert im mittleren Management zumindest kurzfristig nichts. In Norwegen, wo es seit einiger Zeit eine gesetzlich fixierte Aufsichtsratsquote gibt, hat sich die Unternehmenskultur offenbar kaum verändert. Einige Dutzend hoch bezahlte Frauen rückten auf. Bei den Ebenen darunter blieb alles wie zuvor.

Das, behauptet die Frauenministerin, werde bei ihrer Flexiquote anders sein. Offiziell gilt auch ihr Modell nur für die Konzernspitzen. Aber ein Unternehmen, so Schröder, das sich selbst eine Quote gebe, müsse diese vor den Mitarbeitern und vor der Öffentlichkeit begründen. Das werde nicht ohne Engagement der Chefs funktionieren. Wer öffentlich erklären muss, warum weibliche Vorstände großartig sind, kann nach dieser Logik nicht gegen weibliche Abteilungsleiter sein, sondern wird Frauen auf allen Ebenen fördern.

Die Macht der Vorbilder

Das ist ein sehr optimistisches Szenario. In der Vergangenheit haben Selbstverpflichtungen der Unternehmen oft keine Wirkung gehabt. Allerdings interessierte sich die Öffentlichkeit damals weniger für Quotendebatten, es gab weniger qualifizierte Frauen, der Fachkräftemangel setzte den Unternehmen noch nicht so zu wie heute. Inzwischen ist der ökonomische und mediale Druck größer. Daher würde vermutlich auch eine Flexiquote einiges bewegen – mehr jedenfalls, als Kritiker behaupten.

Besser als die feste Quote ist sie deswegen aber nicht unbedingt. Denn auch deren Wirkung wird unterschätzt. Selbst wenn das starre 30-Prozent-Ziel nur Lebensläufe einer kleinen weiblichen Elite beeinflusst, so verändert sich damit langsam das Bild von Frauen in der Öffentlichkeit. Es gäbe zwar nur ein paar Topmanagerinnen mehr, aber die wären sichtbarer als zuvor. Man sähe in den Abendnachrichten häufiger Frauen, die aus schweren Dienstwagen steigen und vor Mikrofonen Unternehmenszahlen vortragen. Junge Managerinnen auf dem Weg nach oben könnten abgucken, welche Kleidung Frauen tragen, die gleichzeitig mächtig und feminin aussehen wollen. Sie könnten deren Körpersprache studieren und sich überlegen, was sie übernehmen – und was nicht. Sie würden sich weniger Gedanken darüber machen, ob es karriereschädlich ist, Kinderfotos ins Büro zu hängen oder wie man eine Teilzeitphase begründet. In angelsächsischen Ländern wird mehr über solche role models debattiert als in Deutschland. Aber Vorbilder helfen überall, Veränderungen durchzusetzen.

Ob die starre oder die Flexiquote mehr bewegt, hängt also stark von Faktoren ab, auf die der Gesetzgeber kaum Einfluss hat: von der Macht der Vorbilder – und vom öffentlichen Druck auf die Konzerne.

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Kommentare

35 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Symbolpolitik auf die Spitze getrieben

Es ist von jeher Problem deutscher Politik, Gesetzgebung nicht zur Abwehr konkreter Gefahren einzusetzen, sondern damit Gesinnungen zu manifestieren:
Dies und jenes wird verboten, weil der mutmaßliche Wählerwille es unschön findet.
Und weil umgekehrt die Aufhebung geschmäcklerischer Gesetze "ein falsches Zeichen" setzen würde.

Gesetzliche Quoten treiben das auf die Spitze: Sexistische Gesetze zum Zwecke des Schaffens von "Vorbildern" können nie und nimmer legal sein. Es ist verfassungsrechtlich nicht erlaubt, persönliche Vorlieben per Gesetz durchzusetzen!

Vorbild Quotenfrau?

„Junge Managerinnen auf dem Weg nach oben könnten abgucken, welche Kleidung Frauen tragen, die gleichzeitig mächtig und feminin aussehen wollen. Sie könnten deren Körpersprache studieren und sich überlegen, was sie übernehmen – und was nicht. […] Aber Vorbilder helfen überall, Veränderungen durchzusetzen.“

Was für ein wunderbares Stück Text, das quasi als Fazit herhalten soll …
So schreiben also Befürworter der Frauenquote? Noch ein Grund mehr dagegen zu sein. Aber solange es noch kaum weiblichen Führungskräfte gibt, können sie die aufstrebenden Damen ja an Frau Merkels Kleidungstil orientieren. Das hätte Frau Schröder bestimmt auch mal tun sollen, und die ist ja sowas wie eine (inoffizielle) Quotenfrau.

Aber mal ernsthaft: Die erwähnten Managerinnen werden sich doch wohl nicht irgendwelche Frauen als Vorbild nehmen, die nur aufgrund einer gesetzlichen Quote an ihren Vorstandsposten gekommen sind. Ich denke da gibt es bessere Vorbilder …

als ob es den Alpha-Frauen um Vorbild für andere ginge

eine Frau möchte aus den gleichen Gründen Karriere machen wie ein Mann: sozialen Status erreichen, ein hervorragendes Einkommen, Machtbefugnisse, die das eigene Eogo aufwerten. Das möchten sie erreichen. Für sich - und nur für sich.

Die männliche Konkurrenz wird dabei genau so beiseite gedrängt wie die weibliche, untergeordnete Männer werden genauso behandelt wie untergeordnete Frauen - als Wasserträger und Zuarbeiter für die eigenen Ziele.

Karrieristenverhalten wie gehabt. Männlich, weiblich, menschlich.

Wer meint, viel Geld verdienen zu müssen, kann dafür gerne alles tun. Wenn der Staat aber meint, er müsse sich um das Einkommen und das Sozialprestige vermeintlich benachteiligter Bevölkerungsgruppen kümmern, dann sollte er zuerst bei denen anfangen, die es am dringendsten nötig haben:

Erzieher/innen, Altenpfleger/innen, Friseure/innen, Verkäufer/innen usw.

Was Sie da schreiben ist...

mitten aus dem Leben gegriffen und spiegelt wieder, wofür sich die heutige Regierung berufen fühlt. Nämlich die "Elite" zu fördern und mit noch besseren Konditionen auszustatten. Das gilt auch für die Frauenquote. Sie haben völlig Recht, wenn Sie sagen, daß man lieber die von Ihnen genannten Berufe finanziel so ausstattet, daß es wieder Spass macht zu arbeiten. Hier wäre einer, mit Sicherheit, größeren Anzahl von Frauen geholfen und nicht die schon Bevorzugten ( ich nehme hier ausdrücklich Kinder aus Normalfamilien aus ) noch weitergehend zu bevorzugen.