FrauenquoteFlexibel oder starr: Welche Frauenquote wirkt besser?

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Bundesfrauenministerin Kristina Schröder sagt, die von ihr vorgeschlagene Frauenquote für die Privatwirtschaft (»Flexiquote«) werde am Ende mehr weibliche Spitzenkräfte hervorbringen als alle Konkurrenzmodelle. Das ist erstaunlich, denn bisher gilt ihr Konzept meistens als unverbindliche Idee, die weniger Folgen haben werde als etwa die Idee der Bundesarbeitsministerin. Ursula von der Leyens Vorschlag für eine Frauenquote – Schröder nennt diese Quote »starr« – würde ganz allgemein 30 Prozent Frauen für Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen vorschreiben. Dieses Modell wollen auch die EU-Kommission sowie viele weibliche Abgeordnete von CDU und CSU, die kürzlich mit der Bundeskanzlerin über die Quote, das Betreuungsgeld für Kleinkinder und andere frauenpolitische Themen diskutierten.

Für eine Frauenquote
  • Es geht um Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sie sind genauso gut ausgebildet wie Männer.
  • Unternehmen, deren Führungsspitze aus Männern und Frauen besteht, erzielen bessere Ergebnisse.
  • Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen. 
  • Durch einen höheren Frauenanteil verbessert sich das Betriebsklima, die von Männern geprägten Spielregeln in Kommunikation und Karriereverhalten ändern sich mit mehr Frauen an der Spitze. 
  • Männer fördern eher Männer – und weil die Führungspositionen überwiegend mit Männern besetzt sind, rücken Frauen bei der Besetzung der Spitzenposten weniger ins Blickfeld. Es handelt sich um ein sich selbst erhaltendes System.
  • Frauen sind aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisierung oft nicht so stark darin, ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren. Sie machen weniger stark auf sich aufmerksam.
  • Es gibt viele Karrierenetzwerke und Eliteklubs, zu denen nur Männer Zutritt haben. Hier findet informelles Mentoring statt und hier werden die entscheidenden Karrierekontakte gemacht. Weil Frauen keinen oder nur schwer Zugang zu den Männernetzwerken haben, können sie von den Netzwerken kaum profitieren.

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Gegen eine Frauenquote
  • Eine Frauenquote diskriminiert Männer.
  • Eine gesetzliche Quote greift in die unternehmerische Freiheit ein.
  • Durch die Quote wird Geschlecht zum Kriterium für die Besetzung einer Spitzenposition. Dabei sollte die Leistung und die Qualifizierung entscheidend sein.
  • Frauen werden als Quotenfrau in Unternehmen stigmatisiert.
  • In einigen Branchen und Unternehmen gibt es nicht ausreichend qualifizierte Frauen, um eine Quote einzuführen und einzuhalten.
  • Mädchen und junge Frauen wählen immer noch traditionelle Frauenberufe, aus denen heraus eine Karriere in eine Führungsposition unwahrscheinlich ist.
  • Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sondern entscheiden sich bewusst für Familie.

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Mit der Flexiquote hingegen würden Unternehmen per Gesetz gezwungen, sich für den Frauenanteil in Vorstand und Aufsichtsrat selbst Ziele zu setzen. Die müssten sie an einem Stichtag erreichen, andernfalls wäre die Besetzung der Spitzenjobs rechtlich anfechtbar. Außerdem müssten die Unternehmen dann bis zu 25.000 Euro Strafe zahlen.

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Stimmt also, was Schröder sagt – bringt das scheinbar schwächere Gesetz am Ende mehr? Ist die Ministerin demnach eine verkannte Kämpferin für Frauenkarrieren und nicht, wie oft behauptet, eine Frauenministerin wider Willen?

Richtig ist ein Teil von Schröders Kritik an der festen Quote: Sie ist nur für eine kleine Zahl von Jobs relevant und ändert im mittleren Management zumindest kurzfristig nichts. In Norwegen, wo es seit einiger Zeit eine gesetzlich fixierte Aufsichtsratsquote gibt, hat sich die Unternehmenskultur offenbar kaum verändert. Einige Dutzend hoch bezahlte Frauen rückten auf. Bei den Ebenen darunter blieb alles wie zuvor.

Das, behauptet die Frauenministerin, werde bei ihrer Flexiquote anders sein. Offiziell gilt auch ihr Modell nur für die Konzernspitzen. Aber ein Unternehmen, so Schröder, das sich selbst eine Quote gebe, müsse diese vor den Mitarbeitern und vor der Öffentlichkeit begründen. Das werde nicht ohne Engagement der Chefs funktionieren. Wer öffentlich erklären muss, warum weibliche Vorstände großartig sind, kann nach dieser Logik nicht gegen weibliche Abteilungsleiter sein, sondern wird Frauen auf allen Ebenen fördern.

Die Macht der Vorbilder

Das ist ein sehr optimistisches Szenario. In der Vergangenheit haben Selbstverpflichtungen der Unternehmen oft keine Wirkung gehabt. Allerdings interessierte sich die Öffentlichkeit damals weniger für Quotendebatten, es gab weniger qualifizierte Frauen, der Fachkräftemangel setzte den Unternehmen noch nicht so zu wie heute. Inzwischen ist der ökonomische und mediale Druck größer. Daher würde vermutlich auch eine Flexiquote einiges bewegen – mehr jedenfalls, als Kritiker behaupten.

Besser als die feste Quote ist sie deswegen aber nicht unbedingt. Denn auch deren Wirkung wird unterschätzt. Selbst wenn das starre 30-Prozent-Ziel nur Lebensläufe einer kleinen weiblichen Elite beeinflusst, so verändert sich damit langsam das Bild von Frauen in der Öffentlichkeit. Es gäbe zwar nur ein paar Topmanagerinnen mehr, aber die wären sichtbarer als zuvor. Man sähe in den Abendnachrichten häufiger Frauen, die aus schweren Dienstwagen steigen und vor Mikrofonen Unternehmenszahlen vortragen. Junge Managerinnen auf dem Weg nach oben könnten abgucken, welche Kleidung Frauen tragen, die gleichzeitig mächtig und feminin aussehen wollen. Sie könnten deren Körpersprache studieren und sich überlegen, was sie übernehmen – und was nicht. Sie würden sich weniger Gedanken darüber machen, ob es karriereschädlich ist, Kinderfotos ins Büro zu hängen oder wie man eine Teilzeitphase begründet. In angelsächsischen Ländern wird mehr über solche role models debattiert als in Deutschland. Aber Vorbilder helfen überall, Veränderungen durchzusetzen.

Ob die starre oder die Flexiquote mehr bewegt, hängt also stark von Faktoren ab, auf die der Gesetzgeber kaum Einfluss hat: von der Macht der Vorbilder – und vom öffentlichen Druck auf die Konzerne.

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Leserkommentare
  1. Es ist von jeher Problem deutscher Politik, Gesetzgebung nicht zur Abwehr konkreter Gefahren einzusetzen, sondern damit Gesinnungen zu manifestieren:
    Dies und jenes wird verboten, weil der mutmaßliche Wählerwille es unschön findet.
    Und weil umgekehrt die Aufhebung geschmäcklerischer Gesetze "ein falsches Zeichen" setzen würde.

    Gesetzliche Quoten treiben das auf die Spitze: Sexistische Gesetze zum Zwecke des Schaffens von "Vorbildern" können nie und nimmer legal sein. Es ist verfassungsrechtlich nicht erlaubt, persönliche Vorlieben per Gesetz durchzusetzen!

    8 Leserempfehlungen
  2. „Junge Managerinnen auf dem Weg nach oben könnten abgucken, welche Kleidung Frauen tragen, die gleichzeitig mächtig und feminin aussehen wollen. Sie könnten deren Körpersprache studieren und sich überlegen, was sie übernehmen – und was nicht. […] Aber Vorbilder helfen überall, Veränderungen durchzusetzen.“

    Was für ein wunderbares Stück Text, das quasi als Fazit herhalten soll …
    So schreiben also Befürworter der Frauenquote? Noch ein Grund mehr dagegen zu sein. Aber solange es noch kaum weiblichen Führungskräfte gibt, können sie die aufstrebenden Damen ja an Frau Merkels Kleidungstil orientieren. Das hätte Frau Schröder bestimmt auch mal tun sollen, und die ist ja sowas wie eine (inoffizielle) Quotenfrau.

    Aber mal ernsthaft: Die erwähnten Managerinnen werden sich doch wohl nicht irgendwelche Frauen als Vorbild nehmen, die nur aufgrund einer gesetzlichen Quote an ihren Vorstandsposten gekommen sind. Ich denke da gibt es bessere Vorbilder …

    11 Leserempfehlungen
    • ST_T
    • 27. Juni 2012 7:28 Uhr

    Welcher normal gebildeten Frau ohne jeweiligen sozialen Hintergrund wird mit so einer absurden Quote überhaupt geholfen? Keiner?

    Ach, und das die "Quotenfrauen", die die "Quoten" fordern selbst Quotenfrauen sind ist wohl die Ironie dabei...

    4 Leserempfehlungen
  3. eine Frau möchte aus den gleichen Gründen Karriere machen wie ein Mann: sozialen Status erreichen, ein hervorragendes Einkommen, Machtbefugnisse, die das eigene Eogo aufwerten. Das möchten sie erreichen. Für sich - und nur für sich.

    Die männliche Konkurrenz wird dabei genau so beiseite gedrängt wie die weibliche, untergeordnete Männer werden genauso behandelt wie untergeordnete Frauen - als Wasserträger und Zuarbeiter für die eigenen Ziele.

    Karrieristenverhalten wie gehabt. Männlich, weiblich, menschlich.

    Wer meint, viel Geld verdienen zu müssen, kann dafür gerne alles tun. Wenn der Staat aber meint, er müsse sich um das Einkommen und das Sozialprestige vermeintlich benachteiligter Bevölkerungsgruppen kümmern, dann sollte er zuerst bei denen anfangen, die es am dringendsten nötig haben:

    Erzieher/innen, Altenpfleger/innen, Friseure/innen, Verkäufer/innen usw.

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mitten aus dem Leben gegriffen und spiegelt wieder, wofür sich die heutige Regierung berufen fühlt. Nämlich die "Elite" zu fördern und mit noch besseren Konditionen auszustatten. Das gilt auch für die Frauenquote. Sie haben völlig Recht, wenn Sie sagen, daß man lieber die von Ihnen genannten Berufe finanziel so ausstattet, daß es wieder Spass macht zu arbeiten. Hier wäre einer, mit Sicherheit, größeren Anzahl von Frauen geholfen und nicht die schon Bevorzugten ( ich nehme hier ausdrücklich Kinder aus Normalfamilien aus ) noch weitergehend zu bevorzugen.

    • Hickey
    • 27. Juni 2012 7:37 Uhr

    In meinen Augen ist das schon eine kleine Vergewaltigung, der Zwang dazu ist das perverse dran...so als würde man ein Gesetz schaffen das z.b. vorschreibt im Kindergarten müssen so und so viele Männer arbeiten, quasi als Väterliches Vorbild.

    Gerade in solchen Fragen sollte man einfach die Natur entscheiden lassen, wenn es Frauen in Spitzenpositionen schaffen super, wenn nicht, dann halt nicht.

    8 Leserempfehlungen
  4. Vorbilder nehmen an Quotenfrauen... Und das Bild wird geschmückt von der absoluten Traum-Quotenfrau Ursula von der Leyen, die damals als Familienministerin schon soooo frauenfreundliche und -förderliche Politik betrieben hat.
    Natürlich kann man -man sieht es ja an ihr- einen karriereträchtigen Job haben UND eine Familie führen. Leider leider ist das für die "Durchschnittsfrau" mit durchschnittlicher Arbeitszeit und noch durchschnittlicherem Gehalt und Unterstützung von Haushaltshilfen, Kinderfrauen usw doch eher schwierig - zu mindestens aber unheimlich stressig.
    Wollen wir doch mal ehrlich sein: Natürlich kann man Familie und Beruf unter einen Hut bringen, aber irgendwo muss man als Normalsterbliche dann Abstriche machen.
    Also bevor ich mir diese unsere Top-Quotenfrau mit der rosaroten "Frauen an die Macht und an den Herd"-Brille als Vorbild nehme.......

    4 Leserempfehlungen
    • footek
    • 27. Juni 2012 7:54 Uhr
    7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/ds

    3 Leserempfehlungen
  5. ... verfassungskonform ist beides nicht, denn durch die Quote wird im Einzelfall immer jemand wegen seinem Geschlecht benachteiligt, was eigentlich nicht zulässig ist.
    Aber das scheint ja da oben niemanden zu interessieren...

    11 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Frauenquote | Gleichberechtigung | Karriere
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