Ein Auftrag des Chefs: »Bitte recherchieren Sie die Marketingstrategien unserer drei größten Mitbewerber, und legen Sie mir je eine kurze Analyse vor – bis Freitag.« Was tut der typische Mitarbeiter? Drei Wettbewerber analysieren. Bis Freitag. Eine solche Leistung ist – frei nach van Gogh – so unauffällig wie eine gepflasterte Straße; Blumen wachsen nicht auf ihr.

Dieser Mitarbeiter streicht sich mit asphaltgrauer Tarnfarbe an. Er fällt nicht negativ auf. Aber auch nicht positiv! Wer Erwartungen erfüllt, mag als zuverlässig gelten, aber nie als brillant. Wer tut, was man ihm sagt, wird als bemüht gesehen, aber nie als engagiert.

Wie hätte ein herausragender Mitarbeiter den Auftrag umsetzt? Vielleicht hätte er die Strategien von fünf Wettbewerbern recherchiert und seinen Bericht schon am Mittwoch vorgelegt. Vielleicht hätte er jeweils eine Kurzanalyse und eine längere Analyse verfasst. Vielleicht wäre er auf die Idee gekommen, seine Ist-Analyse mit einer Prognose anzureichern. In jedem Fall hätte er das, was bestellt war, nicht nur geliefert, sondern es übertroffen – in Quantität und Qualität. Leistungs-Blumen!

Malen Sie sich aus, welchen Eindruck das macht: Ein Mitarbeiter überflügelt eine Anforderung aus eigenem Antrieb, und zwar so, dass sein Handeln nicht nach Übermut riecht, sondern nach Mitdenken und Engagement. Solche Ausreißer nach oben prägen sich ein, heben einen Mitarbeiter aus der Masse und machen ihn interessant.

Erst recht, wenn diese Übererfüllung des Solls bei ihm nicht Ausnahme, sondern Regel ist. Wer, denken Sie, fällt dem Chef ein, wenn er ein spannendes Projekt zu vergeben hat? Wen wird er für Beförderungen oder Gehaltserhöhungen ins Auge fassen? Über wen wird er bei seinem Oberboss schwärmen? Wer mehr als der Durchschnitt tut, kommt auch schneller als der Durchschnitt vorwärts.

Es sei denn, Sie haben es mit einem Chef zu tun, der selbst nur ein Soll-Erfüller ist. Dann laufen Sie als hochengagierter Mitarbeiter Gefahr, als »Überflieger« zu gelten und gedeckelt zu werden. Nun lohnt gute Selbst-PR: Sorgen Sie durch Präsentationen, Hausmitteilungen und Mundpropaganda dafür, dass die gehobenen Vorgesetzten Ihre Leistungsblüten im Asphalt sehen. Schon mancher Hochengagierte wurde zum Chef seines (faulen) Chefs ernannt.