ForschungAufgerüstet

Militärprojekte bringen die Universität Bremen in Bedrängnis von 

Sie hatte sich freiwillig selbst zu dem verpflichtet, was sie dann nicht eingehalten hat. In einer Zivilklausel legte die Universität Bremen fest, dass sie jede Beteiligung von Wissenschaft und Forschung mit militärischer Nutzung oder Zielsetzung ablehnt – auch wenn es dafür viele Drittmittel gibt. Nun wurde bekannt, dass die Hochschule doch für militärische Zwecke forschte und mit Rüstungsunternehmen kooperierte.

»Ja, es gab Forschungsprojekte, bei denen die Zivilklausel nicht beachtet worden ist«, sagt Rektor Wilfried Müller. Das seien Projekte zur Nachrichtentechnologie und Robotik gewesen. Zu den Verstößen sei es gekommen, weil neue Professoren schlichtweg nichts von der Klausel wussten und Forschungsprojekte mit militärischem Charakter annahmen. In den Jahren von 2003 bis 2012 habe die Uni von Firmen wie etwa dem Bremer Raumfahrttechnologie-Unternehmen OHB, Rheinmetall Defense und Atlas Elektronik rund 480000 Euro erhalten, ein geringer Anteil, bei rund 700 Millionen Euro Drittmitteln, die die Universität in den neun Jahren bekommen hat. Der Rektor, der nach den Vorwürfen selbst die Recherchen zur Rüstungsforschung an der Uni in Auftrag gegeben hat, will in Zukunft über Fachbereichsräte klären lassen, ob angebotene Forschungsprojekte rüstungsrelevant seien. »Wir nehmen die Zivilklausel sehr ernst«, sagt Müller. Forschung mit lediglich militärischem Anstrich will er aber nicht komplett verbieten.

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Kritiker werfen der Uni daher vor, sie nehme die Zivilklausel nicht ernst genug, um Sponsoren zu halten. Studenten plädieren für ein grundsätzliches Verbot militärischer Forschung an der Uni. »Die Zivilklausel soll im Hochschulgesetz verankert werden«, sagt Sören Böhrnsen vom Asta. Es müsse auch viel schärfer hinterfragt werden, was der Rektor unter Rüstungsforschung überhaupt verstehe.

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