Versicherer"Wir sind keine Zauberer"

Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Versichererverbands, über renditearme Zeiten, das Image seiner Branche und das Klischee vom überversicherten Deutschen. von 

DIE ZEIT: Herr Hoenen, Sie haben mit Mitte 30 eine private Altersvorsorge abgeschlossen. Würden Sie das heute noch einmal so machen?

Rolf-Peter Hoenen: Ja, ich würde nur früher beginnen. Je länger die Ansparphase, desto besser. Die Bevölkerung wird zunehmend älter, und es gibt in der gesetzlichen Rentenversicherung immer weniger junge Einzahler. Das macht die private Altersvorsorge unumgänglich.

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ZEIT: Derzeit frisst aber die Inflation die Zinsen der Sparer auf. Die sind mager wie nie.

Hoenen: Das ist eine Folge davon, dass die Europäische Zentralbank die Kapitalmärkte mit Geld flutet. Der Altersvorsorgesparer zahlt die Zeche für die expansive Geldpolitik zur Stützung von Banken und Staaten. Dazu kommt die höhere Inflation. Das Geld der Sparer wird täglich weniger wert. Das ist eine schleichende Enteignung.

ZEIT: Die Bundeskanzlerin würde sagen, das ist alternativlos.

Rolf-Peter Hoenen

Der 65-Jährige ist Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Fast 20 Jahre war er Chef der HUK Coburg Versicherungsgruppe

Hoenen: Dann müsste die Bundeskanzlerin ihren Sparern aber auch sagen, dass nicht die Regierung für die Schuldenkrise einsteht, sondern jeder deutsche Bürger. Und zwar nicht nur mit seinen Steuergeldern, sondern auch mit seinem Ersparten.

ZEIT: Müssen die Versicherten sich künftig auch auf höhere Beiträge einstellen?

Hoenen: Wenn die Zinsen im Vergleich zu früheren Jahren sinken, müssen Anleger anfangs mehr sparen oder deutlich früher anfangen, um am Ende das Gleiche zu bekommen. Versicherer sind keine Zauberer. Wenn es am Markt keine zehn Prozent Zinsen gibt, können wir die auch nicht erwirtschaften. Das kann im Übrigen auch keine andere Geldanlage.

ZEIT: Staatsanleihen galten lange als sicherer Hafen. Das ist Geschichte. Wie gehen zur Vorsicht gezwungene Lebensversicherer damit in diesen Monaten um?

Hoenen: Das ist für die deutschen Lebensversicherer natürlich eine Herausforderung, denn die Sicherheit der Kapitalanlage steht im Mittelpunkt. Mehr als in Staatsanleihen investieren Versicherer aber zum Beispiel in besicherte Pfandbriefe und Darlehen. Weitere Anlagefelder sind Unternehmensanleihen, Hypotheken oder erneuerbare Energien. Mit diesen Neuanlagen können wir auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch Rendite für die Kunden erwirtschaften – mit vertretbarem Risiko.

ZEIT: Müssen die Lebensversichererer das Geld ihrer Kunden künftig riskanter anlegen?

Hoenen: Das spekulative Element ist der Lebensversicherung fremd. Wir investieren nicht für Rendite um jeden Preis.

ZEIT: Sie sind jetzt über 30 Jahre in der Branche tätig, wie hat sich das Versicherungsbedürfnis der Menschen geändert?

Hoenen: Der Wunsch nach Alters- und Gesundheitsvorsorge ist immens gestiegen. Mit der älter werdenden Gesellschaft und der Kürzung einst staatlicher sozialer Leistungen entstehen neue Schwerpunkte. Berufsunfähigkeit war früher kein so wichtiges Thema, heute beendet jeder Fünfte aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig sein Berufsleben, während zugleich die staatliche Absicherung schmilzt. Je früher man mit Alters-, Gesundheits- und Berufsunfähigkeitsvorsorge startet, desto besser, doch gerade als junger Mensch hat man ganz andere Prioritäten.

ZEIT: Wie war das bei Ihnen?

Hoenen: Mir war das Thema lange fremd. Ich hatte anderes im Kopf und habe mir mit 28 Jahren einen 3er BMW auf Kredit gekauft. Ich war stolz wie Oskar. Mir war der Konsum erst mal wichtiger nach der langen Ausbildung. Das Leben lag vor mir, da habe ich nicht darüber nachgedacht, was passiert, wenn ich morgen gegen den Baum fahre. Das änderte sich nach der Familiengründung und dem Kauf eines Hauses.

Leserkommentare
    • Nest
    • 24. Juni 2012 19:54 Uhr

    ...Altersvorsorge: Denn auch sie ist von der Konjunktur abhängig. Auch sie funktioniert nicht ohne junge Leute, die den Mehrwert erwirtschaften. Sie ist nicht sicherer als die Gesetzliche.

    8 Leserempfehlungen
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    Moin,

    stimmt.
    Geld arbeitet nicht.
    Menschen arbeiten.
    Wenn der Anteil des Volkseinkommens der abhängig Beschäftigten wider auf die Anteile zu Beginn der Siebziger wüchse, wären die Renten (wieder) sicher.
    Man könnte natürlich auch den Steueranteil der Rentenversicherung erhöhen und das nötige Geld bei den Dezilen abschöpfen die in den letzten Jahr(zehnt)en überproportional bei Einkommen und Vermögen zugelegt haben.

    CU

    @Redaktion: Der Link "Kommentar empfehlen" verweist auf "komplettansich#"

    Bei der (staatlichen, gesetzlichen) Altersvorsorge per Generationenvertrag finanzieren die jungen Erwerbstätigen
    * die alten Rentner (und Pensionäre)

    Bei der "kapitalgedeckten Altersvorsorge" finanzieren die jungen Erwerbstätigen
    * die alten Rentner (und Pensionäre)
    * Provisionen/Kickbacks an die Vermittler der Produkte
    * Löhne und Gehälter der Angestellten der Versicherung
    * Profite der Aktionäre der Versicherung

    Nun wird der Durchschnitts-"privat-vor-Staat"-Lobhudler einwerfen, daß die korrupte Politik die Rentenkassen ausplündert und für versicherungsfremde Leistungen mißbraucht.
    Da ist auch durchaus etwas dran.

    Angesichts der Finanzkrise mindestens der letzten 5 Jahre und gravierender Fehlentwicklungen sowie krimineller Energie in der sogenannten Finanzbranche, wo man die privaten Institutedank Aufhebung des Glass–Steagall Act zusammen mit der verstrickten, korrupten Politik guten Gewissens in einen Sack stecken und draufknüppeln darf, halte ich immer wiederkehrende Hinweise auf die Überlegenheit der privaten vor staatlicher Altersvorsorge bei den jeweils Betroffenen für Symptome von fortgeschrittener Demenz.

    Fakt ist: wer sich heute die Seele vom Leib spart, weil ihm IRGENDJEMAND oder IRGENDETWAS Wohlstand in 40 Jahren ("Zinseszins-Effekt" und so) verspricht, der schafft damit ganz sicher Lebensglück - aber ganz sicher nicht für sich selbst.

    Private Altersvorsorgeprodukte sind im Großen und Ganzen nichts anderes als staatlich legalisierter Anlagebetrug.

    carpe diem!

    • APGKFT
    • 25. Juni 2012 7:37 Uhr

    da der Staat im Ernstfall einspringen wird!!!

  1. Moin,

    stimmt.
    Geld arbeitet nicht.
    Menschen arbeiten.
    Wenn der Anteil des Volkseinkommens der abhängig Beschäftigten wider auf die Anteile zu Beginn der Siebziger wüchse, wären die Renten (wieder) sicher.
    Man könnte natürlich auch den Steueranteil der Rentenversicherung erhöhen und das nötige Geld bei den Dezilen abschöpfen die in den letzten Jahr(zehnt)en überproportional bei Einkommen und Vermögen zugelegt haben.

    CU

    @Redaktion: Der Link "Kommentar empfehlen" verweist auf "komplettansich#"

    6 Leserempfehlungen
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    • joG
    • 25. Juni 2012 19:49 Uhr

    ... Beschäftigten wider auf die Anteile zu Beginn der Siebziger wüchse, wären ...."

    Bettler Millionäre. Aber das Wort "wenn" gibt es.

  2. ...hat zwei Weltkriege überlebt, die kapitalgedeckte Altersversorgung knickt ein wenn die FED hustet.
    Sie ist sicher ein netter Bonus wenn man zur richtigen Zeit anfängt und rechtzeitig in Rente geht.
    Wer sich aber auf die kapitalgedeckte Altersversorgung verlässt ist verlassen.

    8 Leserempfehlungen
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    • joG
    • 25. Juni 2012 19:59 Uhr

    ....anders als der Generationenvertrag kein Schneeballsystem und Betrug. Das ist doch schon etwas.
    Ich denke es wäre besser Privatgüter (im wirtschaftlichen Sinn) auf effizienteste Art herzustellen statt die teure Art. Aber die Meisten verstehen gar nicht, was ein privates Gut und ein öffentliches sind. Trotz dieser Faulheit wollen sie immer ihre Meinungen zu wirtschaftlichen Fragen abgeben und glauben sogar recht zu haben, was natürlich wenig Intelligenz dokumentiert.

    • keibe
    • 24. Juni 2012 20:31 Uhr

    Prassen in Beschäftigungszeiten, ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt im Alter und Graue Panther wählen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Bei der (staatlichen, gesetzlichen) Altersvorsorge per Generationenvertrag finanzieren die jungen Erwerbstätigen
    * die alten Rentner (und Pensionäre)

    Bei der "kapitalgedeckten Altersvorsorge" finanzieren die jungen Erwerbstätigen
    * die alten Rentner (und Pensionäre)
    * Provisionen/Kickbacks an die Vermittler der Produkte
    * Löhne und Gehälter der Angestellten der Versicherung
    * Profite der Aktionäre der Versicherung

    Nun wird der Durchschnitts-"privat-vor-Staat"-Lobhudler einwerfen, daß die korrupte Politik die Rentenkassen ausplündert und für versicherungsfremde Leistungen mißbraucht.
    Da ist auch durchaus etwas dran.

    Angesichts der Finanzkrise mindestens der letzten 5 Jahre und gravierender Fehlentwicklungen sowie krimineller Energie in der sogenannten Finanzbranche, wo man die privaten Institutedank Aufhebung des Glass–Steagall Act zusammen mit der verstrickten, korrupten Politik guten Gewissens in einen Sack stecken und draufknüppeln darf, halte ich immer wiederkehrende Hinweise auf die Überlegenheit der privaten vor staatlicher Altersvorsorge bei den jeweils Betroffenen für Symptome von fortgeschrittener Demenz.

    Fakt ist: wer sich heute die Seele vom Leib spart, weil ihm IRGENDJEMAND oder IRGENDETWAS Wohlstand in 40 Jahren ("Zinseszins-Effekt" und so) verspricht, der schafft damit ganz sicher Lebensglück - aber ganz sicher nicht für sich selbst.

    Private Altersvorsorgeprodukte sind im Großen und Ganzen nichts anderes als staatlich legalisierter Anlagebetrug.

    carpe diem!

    15 Leserempfehlungen
  4. Ohne diese elende privaten Versicherer hätten wir diese Probleme überhaupt nicht. Ohne den sinnlosen Kapitalstock, den diese Branche aufbaut, um sich von deren Erträgen zu laben, müsste keiner um seine Rente fürchten. Nach jeder Krise, die alle Kapitale weginflationiert, würde die Arbeitskraft der Menschen in einem Umlagesystem die Kassen der Alten füllen.
    Wäre diese neoliberal verblendete Regierung wenigstens ehrlich, würde sie sagen: "Wir mussten die Banken retten, sonst hättet ihr an der Pleite eurer Versicherer bemerkt, das unsere ganze Privatisierungslinie von Riester bis zur privaten Krankenversicherung scheiße ist"

    11 Leserempfehlungen
  5. Ich spare nicht für mein Alter. Keinen Cent. Keinen Sparplan, keine private Rentenversicherung, erst recht keine Kapital-Lebensversicherung (=legaler Betrug). Ich gebe mein Geld heute aus, wo ich was davon habe. Urlaub, Auto, Frauen, Essen,...

    Warum soll ich jetzt 30 oder 40 Jahre lang Konsumverzicht üben, nur damit ich nachher max. 10 Jahre lang (ich als Jahrgang 1975 werde ohnehin bis 70 arbeiten müssen) etwas mehr leisten kann? Und was denn? Einen Rollator mit Ralleystreifen? Dieser Unsinn vom Lebensstandard im Alter kommt aus der Generation, die mit 57 in den Vorruhestand ging und dann mit Reisen und Konsum erst anfing und dafür Geld gebraucht hat. Das wird es bei mir mit 70+ nicht mehr geben.

    Also ist der "Zwang" oder die "Überredung" zur privaten Vorsorge nur ein Ausstieg aus der paritätischen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer heute. Denn meine private Vorsorge müßte ich von meinem eigenen Geld erbringen. Das gebe ich lieber heute aus wo ich was davon habe...

    Mein Opa hatte eine gute Rente, eine gute Betriebsrente und etwas Geld. Für das Pflegeheim ging alles drauf. Die Kosten seines Zimmernachbarn wurden vom Sozialamt getragen. Und ich konnte keinen Unterschied erkennen.

    Auch mich wird der Staat mit 70+ nicht unter einer Brücke verhungern lassen. Und ich habe dann wenigstens schöne Erinnerungen an mein Leben und muß nicht sagen "ich wollte ja immer mal... aber jetzt bin ich zu alt dafür..." Ich kann dann sagen "ich habe gelebt, in vollen Zügen".

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    Der Staat will natürlich, dass Sie ihm im Alter nicht etwa auf der Tasche liegen. Darum lockt er mit staatlichen Zulagen kombiniert mit Steuervergünstigungen und Bedingungen, die der Normalbürger kaum noch verstehen kann.

    Dass die wirklichen Gewinner die Versicherungen sind, die in Wirklichkeit auf diese Weise gefördert werden, ist womöglich kein Zufall. Riester tingelte jahrelang durch Deutschland, um seine Rente anzupreisen. Rürup hatte Beziehungen zu dem bekannten Maschmeyer, Freund zahlreicher Politiker von Gerhard Schröder bis zu Wulff.

    • Bornie
    • 26. Juni 2012 7:48 Uhr

    Wenn man bedenkt was im Interview geäußert wurde...
    Wir haben in Staatsanleihen investiert...
    Griechiche? Die Papiere die nicht zurückbezahlt werden??
    Der deutsche Sparer wird also in 40 Jahren merken, dass er umsonst gespart hat. Er wird dann wirklich keinen Unterschiede zu einem Hartzer feststellen können.

  6. es kostet mich eine menge geld. wenn es klappt, dann kriege ich im alter etwas geld. vielleicht sogar viel geld, wer kann schon sagen ob man in 30 jahren für 3000 euro noch einen kaffee kriegen wird? bei der wahnsinnigen staatsverschuldung derzeit sollte man sich diese frage mit dem gebotenen ernst stellen.

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