DIE ZEIT: Herr Hoenen, Sie haben mit Mitte 30 eine private Altersvorsorge abgeschlossen. Würden Sie das heute noch einmal so machen?

Rolf-Peter Hoenen: Ja, ich würde nur früher beginnen. Je länger die Ansparphase, desto besser. Die Bevölkerung wird zunehmend älter, und es gibt in der gesetzlichen Rentenversicherung immer weniger junge Einzahler. Das macht die private Altersvorsorge unumgänglich.

ZEIT: Derzeit frisst aber die Inflation die Zinsen der Sparer auf. Die sind mager wie nie.

Hoenen: Das ist eine Folge davon, dass die Europäische Zentralbank die Kapitalmärkte mit Geld flutet. Der Altersvorsorgesparer zahlt die Zeche für die expansive Geldpolitik zur Stützung von Banken und Staaten. Dazu kommt die höhere Inflation. Das Geld der Sparer wird täglich weniger wert. Das ist eine schleichende Enteignung.

ZEIT: Die Bundeskanzlerin würde sagen, das ist alternativlos.

Hoenen: Dann müsste die Bundeskanzlerin ihren Sparern aber auch sagen, dass nicht die Regierung für die Schuldenkrise einsteht, sondern jeder deutsche Bürger. Und zwar nicht nur mit seinen Steuergeldern, sondern auch mit seinem Ersparten.

ZEIT: Müssen die Versicherten sich künftig auch auf höhere Beiträge einstellen?

Hoenen: Wenn die Zinsen im Vergleich zu früheren Jahren sinken, müssen Anleger anfangs mehr sparen oder deutlich früher anfangen, um am Ende das Gleiche zu bekommen. Versicherer sind keine Zauberer. Wenn es am Markt keine zehn Prozent Zinsen gibt, können wir die auch nicht erwirtschaften. Das kann im Übrigen auch keine andere Geldanlage.

ZEIT: Staatsanleihen galten lange als sicherer Hafen. Das ist Geschichte. Wie gehen zur Vorsicht gezwungene Lebensversicherer damit in diesen Monaten um?

Hoenen: Das ist für die deutschen Lebensversicherer natürlich eine Herausforderung, denn die Sicherheit der Kapitalanlage steht im Mittelpunkt. Mehr als in Staatsanleihen investieren Versicherer aber zum Beispiel in besicherte Pfandbriefe und Darlehen. Weitere Anlagefelder sind Unternehmensanleihen, Hypotheken oder erneuerbare Energien. Mit diesen Neuanlagen können wir auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld noch Rendite für die Kunden erwirtschaften – mit vertretbarem Risiko.

ZEIT: Müssen die Lebensversichererer das Geld ihrer Kunden künftig riskanter anlegen?

Hoenen: Das spekulative Element ist der Lebensversicherung fremd. Wir investieren nicht für Rendite um jeden Preis.

ZEIT: Sie sind jetzt über 30 Jahre in der Branche tätig, wie hat sich das Versicherungsbedürfnis der Menschen geändert?

Hoenen: Der Wunsch nach Alters- und Gesundheitsvorsorge ist immens gestiegen. Mit der älter werdenden Gesellschaft und der Kürzung einst staatlicher sozialer Leistungen entstehen neue Schwerpunkte. Berufsunfähigkeit war früher kein so wichtiges Thema, heute beendet jeder Fünfte aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig sein Berufsleben, während zugleich die staatliche Absicherung schmilzt. Je früher man mit Alters-, Gesundheits- und Berufsunfähigkeitsvorsorge startet, desto besser, doch gerade als junger Mensch hat man ganz andere Prioritäten.

ZEIT: Wie war das bei Ihnen?

Hoenen: Mir war das Thema lange fremd. Ich hatte anderes im Kopf und habe mir mit 28 Jahren einen 3er BMW auf Kredit gekauft. Ich war stolz wie Oskar. Mir war der Konsum erst mal wichtiger nach der langen Ausbildung. Das Leben lag vor mir, da habe ich nicht darüber nachgedacht, was passiert, wenn ich morgen gegen den Baum fahre. Das änderte sich nach der Familiengründung und dem Kauf eines Hauses.