Es geschah letzten Sommer, beim Freundschaftsspiel Deutschland gegen Brasilien. Für ein paar Momente fügt sich alles auf so wunderbare Weise, dass es Béla Réthy, dem Kommentator, die Sprache verschlägt. Deutschland führt 1:0, als der junge Mittelfeldspieler Toni Kroos in der gegnerischen Hälfte den Ball zu Miroslav Klose passt, der ihn zu Kroos zurückspielt, welcher schließlich mit einem Pass durch die Abwehr der Brasilianer Mario Götze in Schussposition bringt. Götze beschleunigt, versetzt den brasilianischen Torwart und versenkt den Ball aus halbrechter Position zum 2:0. Erst da findet der Kommentator seine Stimme wieder. »Guter Doppelpass«, schreit er, »klasse gespielt, wow! Jawoll! 2:0! Klasse! So! Geht! Fußball!«

Es ist nicht das erste gute Spiel der Nationalmannschaft in den letzten Jahren. Aber spätestens nach diesem 3:2 ist klar: Etwas hat sich geändert im deutschen Fußball. Nach einem bleiernen Jahrzehnt, in dem das Team mit Kampfgeist und Losglück bei Turnieren meist weiter kam, als es dem menschlichen Gerechtigkeitssinn entsprach, ist eine Generation von Hochbegabten herangewachsen. Die Vorboten des Nachwuchssegens waren Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger bei der Weltmeisterschaft in Deutschland. Dann wurde der damals 20-jährige Thomas Müller Torschützenkönig der WM in Südafrika. Danach griff sogar Real Madrid auf die Dienste zweier deutscher Nationalspieler zurück, Mesut Özil und Sami Khedira. Inzwischen sind Götze, Hummels, Schürrle, die Bender-Zwillinge nachgekommen, alle Anfang 20, alle perfekt in der Ballannahme, präzise im Passspiel, schnell im Kopf.

Und erfolgreich: Noch nie hat sich ein deutsches Team mit zehn Siegen in zehn Spielen für eine Europameisterschaft qualifiziert. Noch nie war die Mannschaft so jung. Irgendetwas, so viel ist klar, muss richtig gelaufen sein im deutschen Fußball in den letzten Jahren. Aber was genau, das ist eine Geschichte, die sich im Verborgenen abspielte. Sie wurde nicht von Männern in maßgeschneiderten Hemden geschrieben, sondern von Funktionären in Karo-Jacketts. Männern, die in Sportschulen tagten und Konzeptpapiere verabschiedeten. Die nicht nach Visionen aussahen, aber welche hatten.

Man muss, wenn man die Genese dieser Mannschaft verstehen will, weit zurückgehen, bis ins Jahr 1990. Der deutsche Fußball ist damals auf dem Höhepunkt: Das letzte westdeutsche Team ist Weltmeister geworden, noch auf der Pressekonferenz in Rom sagt Teamchef Beckenbauer : »Jetzt kommen die ostdeutschen Spieler noch dazu... ich glaube, dass die deutsche Mannschaft über Jahre hinaus nicht zu besiegen sein wird. Es tut mir leid für den Rest der Welt, aber wir werden die nächsten Jahre nicht zu besiegen sein.«

Beckenbauers Worte, in der Euphorie des Sieges gesprochen, hängen in den nächsten Jahren wie Bleigewichte an der Nationalmannschaft. Berti Vogts, der neue Bundestrainer, wird nach jeder Niederlage daran gemessen. Der Verband verlässt sich jahrelang vor allem auf Spieler, die an den Kinder- und Jugendsportschulen der DDR ausgebildet wurden. Ansonsten sollen Fitness und Willensstärke wettmachen, was der Mannschaft an technischen Fähigkeiten fehlt.

Schon bald müssen Halbtalente wie der nicht sehr brasilianisch spielende Brasilianer Paolo Rink und der leichtlebige Südafrikaner Sean Dundee eingebürgert werden. Es reifen immer weniger einheimische Nachwuchsspieler heran, seitdem der Europäische Gerichtshof den Vereinen den Transfer ausländischer Spieler erleichtert. Das sogenannte Bosman-Urteil erlaubt es Spielern aus anderen Nationen, deren Vertrag abgelaufen ist, innerhalb der EU ablösefrei zu wechseln. Bundesligatrainer besetzen fortan ihre Mannschaften lieber mit 28-jährigen Billigimporten, als eigenen Jugendspielern eine Chance zu geben. Selbst die Elite des deutschen Nachwuchses, die Mitglieder der U-21-Nationalmannschaft, hat damals keinen Stammplatz in der Bundesliga. Dabei braucht es in diesem Alter vor allem Erfahrung, damit aus einem Talent ein Berufsfußballer wird.

Der deutsche Fußball brauchte die tiefe Krise

Bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich stehen die Deutschen mit ihrem letzten Aufgebot auf dem Platz: Viele sind über 30, Kapitän Lothar Matthäus ist sogar schon 37. Im Viertelfinale werden sie von Kroatien mit 0:3 aus dem Turnier geworfen, einem kriegsgebeutelten Land mit viereinhalb Millionen Einwohnern. Am Spielfeldrand schlägt sich Bundestrainer Berti Vogts die wie zum Gebet zusammengelegten Hände gegen die Brust. Die Geste drückt Verzweiflung aus. Gleichzeitig weiß Vogts so gut wie wenige andere, dass der deutsche Fußball diese tiefe Krise braucht. Vor dem Turnier hat er einem Jugendtrainer anvertraut, dass ein frühes Ausscheiden für den deutschen Fußball langfristig sogar das Beste wäre.

Die DFB-Zentrale liegt am Rand des Frankfurter Stadtwalds. Der Flur ist so lang wie ein Fußballfeld, 90 Meter. Vom Ende des Ganges nähert sich langsam Bernd Pfaff. Er braucht ewig für die Strecke, weil er an keiner Tür vorbeikommt, ohne in ein Gespräch verwickelt zu werden. Er ist für einen Nachmittag zurückgekehrt an den Arbeitsplatz seines Lebens. In den sechziger Jahren hat er eine kaufmännische Lehre beim DFB gemacht, später wurde er Jugenddirektor und Teammanager, er war einer der Männer im Hintergrund, 45 Jahre lang. Bis Jürgen Klinsmann Bundestrainer wurde und ihn durch Oliver Bierhoff ersetzte, auch aus persönlichen Gründen, wie es heißt. Nach außen sah es so aus, als würde der Mann aus Kalifornien den erstarrten Funktionärsverband endlich aufmischen. Fortan ist der blonde Strahlemann das Gesicht eines frischeren deutschen Fußballs. Dabei arbeiteten Männer wie Pfaff bereits seit Jahren an ihrem Plan zur Abschaffung des schlechten Spiels.

»1996 war das«, sagt Bernd Pfaff, »da hat der Berti Vogts das zum ersten Mal angesprochen.« Obwohl die Mannschaft unter ihm noch einmal Europameister geworden war, habe Vogts darauf aufmerksam gemacht, dass es ein Nachwuchsproblem gebe. Der Bundestrainer wollte ein vom DFB koordiniertes Elitetraining, einen DFB-Coach in jedem Landesverband. »Wir haben das damals als unrealistisch abgetan«, sagt Pfaff.

Zu groß war die Macht der Landesverbände, die ihre Besten zu Auswahlspielen versammelten und sich ansonsten nicht von Frankfurt aus hineinreden lassen wollten. Das eigentliche Training fand damals sowieso vor allem in den Vereinen statt, aber nicht jeder gute Junge konnte darauf hoffen, rechtzeitig auf einen guten Trainer zu treffen.

Noch ist die Krise nicht groß genug für Veränderungen. Erst einmal werden Konzeptpapiere geschrieben. Dietrich Weise wird beauftragt, ein ehemaliger Vereinstrainer, der im Ruf steht, gut mit jungen Spielern zu können. Im Oktober 1997 legt Weise seine »Maßnahmen zur effektiven Talentsichtung und Förderung« vor. Darin nennt er zwei Hauptprobleme, die zum Niedergang des guten Fußballs im Lande beigetragen haben: Junge Spieler werden nicht genug in Ballbehandlung geschult. Und viele Talente entgehen dem Fußball, weil nicht nach ihnen gefahndet wird.

Aber nichts geschieht. Erst als Deutschland gegen Kroatien verliert, ist die Zeit reif. »Es war wie im wirklichen Leben«, sagt Bernd Pfaff. »Dinge ändern sich erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.«

Im August 1998, vier Wochen nach dem Ausscheiden gegen Kroatien, genehmigt das DFB-Präsidium Weises Konzept: Für 3,2 Millionen Mark sollen 120 Stützpunkte aufgebaut werden, an denen ausgebildete Trainer talentierte 13- bis 17-Jährige einmal wöchentlich zusätzlich zum Vereinstraining schulen. Lernziel: Ballgefühl.

Kein Talent ohne Frühförderung

Ein Jahr lang fährt Dietrich Weise, damals Anfang 60, kreuz und quer durch Deutschland. »Ich war noch nie an der Ostsee, ich kannte Schleswig-Holstein nicht, das wunderschöne Rostock, Güstrow hat mir gut gefallen, überhaupt die Natur.« Er dringt bis in die kleinsten Weiler vor, überredet Bürgermeister, ihre Rasenplätze zur Verfügung zu stellen und im Winter ihre Turnhallen aufzuschließen; er macht ehemalige Nationalspieler zu Nachwuchstrainern in ihrer Gegend, verteilt Kopfballpendel und Fußbälle und Fahrgeld für die Eltern. Kein Talent soll mehr unentdeckt bleiben, nur weil es in Kiel oder in Neubrandenburg lebt, abseits der großen Fußballzentren. Und kein Kind soll weiter als 25 Kilometer gefahren werden müssen, um nach fachgerechten Methoden von einem Stützpunkttrainer geschult zu werden. 3.000 Talente bekommen auf diese Weise zwei Wochenstunden zusätzliches Training.

Aber wird es überhaupt etwas bringen? Es gilt damals als Naturgesetz, dass Fußballer in Deutschland nicht mehr so gut gedeihen. Zu viel Ablenkung, zu wenig Bewegung, zu wenig Ehrgeiz, heißt es. Statt Straßenfußball spielten die Kinder jetzt Playstation. Und was war eigentlich zuerst da: das Bosman-Urteil, das heimischen Pflänzchen den Raum zum Wachsen nahm? Oder der bundesdeutsche Wohlstandsjüngling, zu verzärtelt, um sich durchzusetzen?

Bei einer Versammlung von Jugendtrainern 1999 verteidigt Dietrich Weise die Jugend von damals. Sie sei weder fauler noch unbegabter als die alte Generation, sagt er. Sie scheitere lediglich am Bosman-Urteil, am fehlenden Mut der Bundesligatrainer, jungen Spielern eine Chance zu geben. Es ist die erste öffentliche Konferenz zum Thema, aber kaum einer berichtet darüber. Auch nicht, als bald darauf, im Jahr 2000, die Bundesligamanager beschließen, dass künftig jeder Profiverein ein Leistungszentrum einrichten muss, in dem lizenzierte Trainer die Jugendlichen täglich anleiten. So machen es die Franzosen, die zwei Jahre zuvor Weltmeister geworden sind.

Die Fußballnation schaut auf Sebastian Deisler , der Mittelfeldspieler ist bei der Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden der einzige Spieler unter 21. Diesmal scheidet Deutschland schon in der Vorrunde aus. »Rumpelfußballer«, schreibt Franz Beckenbauer in der Bild.

Özil, Müller, Götze gehen da noch in die Grundschule. Aber das größte Talentförderprogramm des größten Sportverbandes der Welt hat bereits ein engmaschiges Netz geknüpft. Im Jahr 2001 wird die Zahl der Stützpunkte auf 366 erhöht. Die Trainer veranstalten Talenttage und schauen sich Spiele an: Kein Junge zwischen zehn und 16 soll unbeobachtet bleiben, kein Talent ohne Frühförderung. (Theoretisch geraten so 600.000 Jungen pro Jahr zumindest kurz ins Blickfeld eines DFB-Trainers.)

Das Problem ist, es ist gar nicht so einfach, in einem Kind einen späteren Profifußballer zu erkennen. Ulf Schott, 42, heute einer von fünf DFB-Direktoren, hat das Förderprogramm gemeinsam mit Bernd Pfaff aufgebaut. In seinen Datenbanken hat er 80.000 Werdegänge gesammelt. Sein Fazit lautet: »Talenterkennung in Spielsportarten ist schwierig. Viele Dinge werden später ausgebildet: Wille zum Beispiel. Oder Neugier. Sich organisieren zu können. Prioritäten setzen zu können. Die koordinativen, technischen, taktischen Fähigkeiten sind fast eher Grundvoraussetzungen.«

Den Fußball in seine Einzelteile zerlegen

1,9 Millionen Jungen unter 18 spielen in Deutschland Fußball im Verein; etwa 200.000 in jeder Altersstufe. Die 800 Auffälligsten jedes Jahrgangs – 0,5 Prozent – können in Leistungszentren der Profivereine wechseln, wo sie dann täglich trainieren. »Wenn wir uns nur auf die konzentrieren würden, gingen uns zu viele verloren«, sagt Ulf Schott. 14.000 Spieler zwischen elf und 14 bekommen deshalb einmal die Woche Training auf den Stützpunkten. Der DFB hat sich vorgenommen: Kein Jugendlicher soll zu früh aufgegeben werden, bis zu vier Prozent jedes Jahrgangs erhalten zusätzliches Training in der Hoffnung, dass es in Deutschland eines Tages keinen Nationalspieler mehr gibt, der nicht die Grundlagen technisch guten Fußballs beherrscht: butterweiche Ballannahme. Ballkontrolle in hohem Tempo. Beidfüßigkeit.

Die Struktur war geschaffen.

Wie aber lehrt man Zauberfußball? Dietrich Weise, der kluge alte Fußballlehrer, der heute 77 Jahre alt ist, wohnt in einer Townhouse-Siedlung am Rande von Heilbronn . Er erzählt, dass er manchmal am Samstagvormittag zu den Spielen der örtlichen F-Jugend gehe. Er mag, was er sieht. Nur was er hört, gefällt ihm nicht. »Wie die Trainer da reinschreien: Geh rein! Spiel ab, bleib hinten – da hat sich gegenüber von vor 50 Jahren überhaupt nix geändert. Und da wird sich auch nichts ändern.«

96.000 Jungenmannschaften gibt es in Deutschland. Die meisten von ihnen werden von Vätern trainiert. Und die Nachwuchstrainer in Profivereinen waren bis vor wenigen Jahren oft ehemalige Profis, die zwar einen Instinkt für das Spiel haben mögen, aber nicht unbedingt in Worte fassen können, wie ein Spieler sich verbessern kann. Erst seitdem es Stützpunkte und Leistungszentren gibt, müssen die Besten von lizenzierten Trainern gecoacht werden – die in der Lage sind, technische Fähigkeiten überhaupt zu vermitteln.

2006 wurde Matthias Sammer Sportdirektor beim DFB. Der perfektionistische ehemalige Mittelfeldspieler, Sohn eines Fußballtrainers, hat sich vor allem der Trainerausbildung verschrieben. »Wir haben«, sagt er, »gar nicht begriffen, was im Detail noch alles möglich ist, wenn wir das Training verbessern.« 2008 holte er deshalb einen Mann zum Verband, dessen Name auch vielen Fußballexperten bis dahin unbekannt war: Marcel Lucassen, dessen Profikarriere jung scheiterte und der sich später zum Physiotherapeuten und Nachwuchstrainer fortbildete. Unter Fußballern galt er als Geheimtipp, seit er 2000 ein Reha-Institut für verletzte Fußballstars gegründet hatte. Viele seiner Patienten kamen als bessere Fußballer zurück zu ihren Vereinen. Bald gingen auch gesunde Spieler zu Lucassen. Weil er ihnen im Detail erklären konnte, was sie falsch machten und was sie tun mussten, um sich zu verbessern. Gemeinsam mit Lucassen begann Matthias Sammer, den Fußball in seine Einzelteile zu zerlegen. »Die Frage, die über allem stand: Was ist Fußball?«, sagt Sammer. »Angreifen, Umschalten, Verteidigen. Woraus besteht Angreifen, Umschalten Verteidigen? Aus Handlungen mit und ohne Ball. Woraus besteht eine fußballspezifische Handlung? Anbieten, Auftaktbewegung, Vororientierung, Stellung, Ballaktion. Folgehandlung...« Und so weiter.

Immer tiefer drangen Sammer und Lucassen in die Materie ein, bis sie schließlich im Training angelangt waren, dort, wo ein Spieler im besten Fall einen klugen Beobachter hat, der ihm sagt, was er tun muss, um ein besserer Fußballer zu werden.

Eine alte Fußballübung, die das Ballgefühl verbessern soll, ist das Pendeln des Balls zwischen beiden Beinen. Wenn der Ball dem Spieler vom Bein springe, ermahnten auch Profitrainer den Spieler gern, sich besser zu konzentrieren, sagt Lucassen. »Aber was ist Konzentration? Und woher weiß der Trainer überhaupt, dass der Spieler nicht konzentriert ist?« Acht Gründe hat er ausgemacht, die dazu führen können, dass einem Spieler bei dieser Übung der Ball vom Fuß springt. Einer der häufigsten ist, dass ein Spieler die Arme nicht symmetrisch hält. »Streit im Körper ist Streit mit dem Ball«, sagt er. Auf einem Video, das der DFB demnächst an alle Stützpunkte verschicken wird, erklärt Lucassen den Trainern, welche Hinweise sie den Fußballern noch geben können außer dem, sich verdammt noch mal zu konzentrieren.

Es könnte das vierte Fußballwunder werden

Der 49-Jährige lebt bis heute in den Niederlanden, zehn Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. In Holland hat man schon immer viel Wert auf eine gute technische und taktische Ausbildung gelegt, nur deshalb bringt das kleine Land so viele gute Fußballer hervor. Umso größer ist dort traditionell die Verachtung für die Kraftanstrengung, mit der sich deutsche Fußballmannschaften jahrelang behaupteten. Doch seit zwei, drei Jahren spürt Lucassen auch in seiner Heimat Respekt für den deutschen Fußball. »Die sehen, dass da mehr Talente den Durchbruch zu den Profis schaffen. Dass die Jugendnationalmannschaften Turniere gewinnen. Dass in Deutschland richtige Fußballer entstehen, nicht nur Kraftbolzen.«

»Diese Reform«, sagt Bernd Pfaff, »ist eigentlich ganz gut gelungen.«

Von den 23 Spielern des aktuellen EM-Kaders sind alle bis auf Miroslav Klose an Leistungszentren oder Stützpunkten traininiert worden. André Schürrle gehörte zu denen, die zehn Jahre lang Stützpunkttraining bekamen, bevor er mit 16 Jahren zu einem Profiverein wechselte.

Es wäre, wenn diese junge Mannschaft ihr Potenzial einlöst, das vierte Fußballwunder in Deutschland. Das erste ereignete sich 1954. Damals gewannen elf Männer in Baumwollhosen den Respekt der Welt zurück. In den siebziger Jahren schließlich führte ein Libero namens Beckenbauer den Deutschen vor, was mit Freiheit anzufangen ist. 2006 erkannte das Land in seiner Fußballmannschaft seine eigene Leichtigkeit wieder.

Und das Wunderkinderteam?

Vielleicht wird es eines Tages ein Beispiel dafür sein, dass es Reformen gibt, die funktionieren – dass eine Gruppe von Funktionären, mit Akribie und Idealismus, tatsächlich die Dinge zum Besseren wenden kann. Es wäre das am längsten geplante Fußballwunder der Welt.

Aber Vorsicht:

»Die Wahrscheinlichkeit für Erfolg ist im deutschen Fußball sicherlich gestiegen. Das ist alles«, warnt Matthias Sammer. Oder um es mit Bernd Pfaff zu sagen: »Gewonnehawwemanochnix.«