Schwul reisen : Dubai verbietet sich von selbst

Von "gay only" bis "hetero friendly": Dietmar Malcherek von Dertour hat einen Reisekatalog für Schwule und Lesben entwickelt
Das Hotel Burj Al Arab in Dubai © Julian Finney/Getty Images

DIE ZEIT: Dertour hat für diesen Sommer einen Gay Travel-Katalog aufgelegt, den ersten eines großen Anbieters. Im Vorwort werde ich mit »Liebe Community« angesprochen und geduzt. Warum diese etwas kumpelhafte Ansprache?

Dietmar Malcherek: Das ist so üblich in schwulen und lesbischen Kreisen, deshalb passt das auch zu unserem Angebot.

ZEIT: Nimmt die Zielgruppe den Katalog an?

Malcherek: Wir sind sehr zufrieden. Die erste Auflage von Gay Travel ist schon vergriffen, die Reisebüros melden gute Buchungszahlen. Andererseits ist das natürlich ein Nischenprodukt und kein Massenangebot wie etwa ein Familienkatalog.

Dietmar Malcherek

(46) arbeitet als Produktleiter Mittelmeer bei Dertour

ZEIT: Sie bieten Hotels speziell für Schwule und Lesben an. Wie haben Sie Ihr Angebot zusammengestellt?

Malcherek: Wir haben zunächst mal recherchiert, welche Hotels in Gay-Magazinen und -Foren empfohlen werden. Dann sind wir mit den Häusern in Kontakt getreten und haben gefragt, ob sie an unserem Projekt teilnehmen möchten. Einige Hotels waren schon in anderen Länderkatalogen von Dertour vertreten, viele sind aber zum ersten Mal bei uns unter Vertrag. Wichtig bei der Auswahl war auch das Ziel, Hotels in den schwulen Hotspots und Szenevierteln anzubieten, wie beispielsweise Berlin-Schöneberg, Madrid-Chueca, Paris-Marais oder Gran Canaria. Andere Ziele dagegen, Moskau oder Dubai etwa, verboten sich schon aus politischen Gründen.

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Kommentare

24 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Erkennbare Benachteiligung stoppen.

Wenn ein Hotel mit "straight only" würbe und dafür sorgte, dass Schwule draußen bleiben müssten, bekäme es sofort hochklassige Werbung in Form von name-and-shame-Kampagnen seitens der Leitmedien und vielfacher Erwähnung bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Unterkünften, die stattdessen mit "gay only" im Markt präsent sind, wird jene Publicity jedoch verwehrt. Ich finde, dass diese Art von Diskriminierung im Sinne einer modernen Gesellschaft, die Partnerschaften zwischen Menschen verschiedenen und gleichen Geschlechts als ebenbürtig erachtet, nicht länger hingenommen werden darf!

Kurzsichtig

Und ich finde sie übersehen, dass man als Schwuler in vielen Ländern der Welt rechtlich benachteiligt wird (Gefängnisstrafe für Schwule) und auch in den sog. zivilisierten Ländern der ersten Welt durchaus noch fürchten muss aufgrund seiner sexuellen Präferenzen mal totgeschlagen zu werden. Solange diese Benachteiligung herrscht, haben Schwule alles Recht der Welt der Welt sich innerhalb der privilegierten heterosexuellen Masse kleinere Freiräume zu schaffen.

freiräume

hervorragend und auf den punkt argumentiert. "freiräume zu schaffen" ist genau das, worum es bei diesen - nur vordergründig die mehrheit diskriminierenden - angeboten geht. und das ist absolut gerechtfertigt in anbetracht der eklatanten umstände, unter denen gays, lesben, bis und transgender in den meisten ländern der welt leiden müssen.

grüße aus berlin-schöneberg von einer männlichen hete, die sehr gut damit klarkommt, dass frauen und heteros auch im berliner kiez nicht in allen gay-bars zutritt zu haben.

Wirklich kurzsichtig...

Was könnte denn der Grund für "gay only"sein? Weil sich Schwule und Lesben nicht nur Hotels, auch in Deutschland allgemein, blöde Blicke und Sprüche von Menschen anhören müssen, wie "Also ich habe ja nix gegen Schwule aber Hand in Hand müsst ihr ja jetzt hier nicht gehen... usw." Auch wenn eine polit. Akzeptanz besteht, heißt es ja noch lange nicht, dass die Gesellschaft es toleriert. Und das führt dann dazu, dass es u. a. "gay only" gibt. Da muss man dann nicht drauf achten, dass man sich "straight" verhält (wie es sich manche Heteros wünschen). Heißt: Vertauschen Sie nicht "Opfer-Täter"-Seite der Diskrimminierung...

Ich würde ja mit Ihnen

und mit den Schöpfern manch anderer Kommentare mitsingen, wenn Herr Malcherek das, was Sie soeben schrieben, als Antwort auf die zweite Frage der zweiten Seite liefern würde.
Tut er aber nicht. Wenn jemand im Urlaub nicht mit Heteros und Kindern in Kontakt kommen will und deshalb einen "gay only"-Schuppen aufsucht, vollführt dieser nicht die Rolle eines Schutzraums vor Diskriminierung. In Anbetracht dessen erschließt sich mir auch nicht, warum einige hier den Umstand (den ich nicht leugne), dass es ja in Uganda so schlimm ist, als Gegenargument ins Feld führen.

Diskrimminierung ist leider ein Fakt

Selbst in Deutschland muss man den Gesetzgeber bis vor das BVG zerren, um gleiche Rechte zu bekommen wie Heteros. Also ist nicht einmal der deutsche Gesetzgeber frei davon, Schwule und Lesben zu diskrimminieren. Daben Westerwelle und Wowereit auch nicht durchgreifend helfen können. Dazu die stet und wirklich hässliche Diskrimminierung durch die römisch katholische Kirche. Also, lassen Sie die Kirche mal im Dorf.

Wegen wirklicher oder eingebildeter 'Diskriminierung' ...

... selber zu diskriminieren ... das geht gar nicht. Wenn das hier diskutierte Beispiel Schule macht, kann bald jede gesellschaftliche Gruppe auf jeder andere rumhacken - irgendwo auf der Welt wird sich schon ein Unrecht finden, mit der man das dann begründen kann.

Ich finde ihre Haltung grundsätzlich falsch - Homosexuelle sind eine gesellschaftliche Gruppe wie jede andere auch und stehen nicht über dem Gesetz. Punkt. Das sollte in unserer Gesellschaft Konsens sein. Das die hier in diesem Forum geäußerten Meinungen (von vermutlich Homosexuellen) sich nicht mal auf diesen Grundkonsens einigen könne, sondern meinen über oder neben dem Gesetz zu stehen, finde ich erschreckend.

Gruppenspezifischen Ausschließungen sind in unserer Gesellschaft zurecht verpönt - dass so etwas auch von Homosexuellen ausgeht und dort nicht mal als Problem wahrgenommen wird ... ich bin ehrlich erschüttert.