LiebeskolumneGibt es den Opferausgleich in der Liebe?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Gibt es den Opferausgleich in der Liebe?

Die Frage: Ellen und Max sind Lehrer. Als Ellen schwanger war, wollte sie, dass Max auf eine halbe Stelle geht, damit sie das Kind zusammen aufziehen könnten, ohne ihre Berufstätigkeit aufzugeben. Aber Max hatte gerade ein attraktives Angebot – eine Fachbetreuung zu übernehmen und eine Gehaltsstufe aufzusteigen. So blieb Ellen zu Hause. Max segelt leidenschaftlich gerne, Ellen wird seekrank. So verbrachte er viele Ferien auf dem Schiff, und sie hütete den Sohn.

Jetzt ist Ellen wieder berufstätig und möchte, dass sich Max vermehrt um Kind und Haushalt kümmert. Sie rechnet ihm vor, wo sie überall zurück- gesteckt hat. Jetzt sei er dran, sich um das Kind zu kümmern!

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Vor solchen Rechnungen kann ich nur warnen. Wer den Partner in der Hoffnung verwöhnt, Gleiches werde mit Gleichem vergolten, ersetzt das psychologische Verständnis durch eine magische Erwartung: Spiele ich lange genug die gute Mutter, wird irgendwann mein Partner übernehmen.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Aber Max hat sich nur daran gewöhnt, dass ihm Ellen den Rücken frei hält. Er ahnt nicht, was sie sich erhofft. Liebesdienste werden nicht nachträglich in Rechnung gestellt. Wer Terrain preisgibt, ohne vorher einen Pachtvertrag auszuhandeln, darf sich nicht wundern, wenn er am Ende sogar Probleme hat, sein Eigentum zurückzubekommen. Ellen sollte den Zähler auf null und klare Forderungen stellen.

Wolfgang Schmidbauer

ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlagshaus erschienen

 
Leserkommentare
    • KarlK
    • 20.06.2012 um 7:17 Uhr

    wenn Klärungsbedarf besteht, ist nie gut, egal ob in der Partnerschaft oder sonst im Leben. Ellen hat sich unterbuttern lassen, als sie schwanger war, das für eine gute Partnerschaft so wichtige Gleichgewicht kam dadurch aus den Fugen. "Den Zähler auf Null stellen" klingt so, als könne das Paar die Zeit zurückdrehen oder Geschehenes ungeschehen machen - das geht nicht. Wichtig wäre jetzt, nachzuschauen, wo das Paar als Paar steht und gleichberechtigt zu verhandeln, wie es weitergehen soll - durch "klare Forderungen" würde Ellen über das Ziel hinausschiessen.

    Eine Leserempfehlung
  1. Oder man trennt sich ganz einfach.

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