Regina Ziegler im November 2011 in Berlin © Steffen Kugler/Getty Images

ZEITmagazin: Frau Ziegler, beim Film heißt es, Sie seien die Mutter der Kompanie.

Regina Ziegler: Um Gottes willen, ganz furchtbar, das hasse ich! Klar kümmere ich mich. Aber wenn das zu selbstverständlich wird, habe ich so meine Probleme. Ich möchte nicht automatisch den Ruf angehängt kriegen: Mit der kann man alles machen.

ZEITmagazin: Sie waren immer hart im Nehmen, risikofreudig. Haben Sie sich nie erlaubt, wehleidig zu sein?

Ziegler: Das bringt doch nichts, ich wusste immer, das zieht dich nur runter. In meiner Jugend bin ich ziemlich gefordert worden. Meine Mutter ist mit meiner Schwester und mir im Kugelhagel der Russen vom Harz ins Schaumburger Land geflohen. Wir waren ziemlich eng zu Hause, was das Finanzielle betrifft, mein Vater war lange in Gefangenschaft. Meine Mutter hat das Schulgeld für mich bezahlt, Buskarten waren nicht drin. Jeden Tag bin ich dann mit dem Fahrrad nach Bückeburg zur Schule und zurück gefahren, 16 Kilometer, auch im Schnee, das härtet ab. Später, in Berlin , habe ich Hormonpillen verkauft und die Morgenpost um fünf Uhr früh ausgetragen, wenn die Schnapsleichen in den Fluren lagen.

ZEITmagazin: Wie haben Sie die Tiefpunkte in Ihrem Leben bewältigt?

Ziegler: Das letzte Tief, wenn es um meinen Beruf geht, war natürlich Henri 4 , ein richtig guter Film, auch wenn das in Deutschland nicht so wahrgenommen wurde. Am Ende war es etwas über eine Million Euro Verlust. Da muss eine alte Omi lange für stricken. Was meine persönliche Situation betrifft: Dadurch, dass mein Mann seit Kurzem sehr schwer an Krebs erkrankt ist, haben sich die Prioritäten verschoben. Letzte Woche flog ich nach Los Angeles . Ich war gerade angekommen, da rief er mich an, weil er Schmerzen hatte und operiert werden musste. Also habe ich die nächste Maschine zurück genommen. Krankenhäuser sind für Einsame ja schon das halbe Sterben. Ich würde Wolf nie allein gehen lassen. Der Tod ist für ihn nicht das Drama an sich, aber es ist so eine tückische Krankheit. Er hat sehr viele Filme gemacht, die mit dem Sterben zu tun haben. In der ARD lief gerade Wer zu lieben wagt , eine Krebsgeschichte. Deswegen hat er, glaube ich, auch eine andere Einstellung zum Tod. Ich muss da erst viel lernen. Er hadert nicht, er will leben. Wolf und ich, wir haben beschlossen, die Angst zuzulassen. Wir können auch gemeinsam weinen.