Der Politiker: Klaus Töpfer, Deutschland

Drei Zuhörer verlieren sich an diesem Sommermorgen im leeren Saal des Bundespresseamtes. Doch Klaus Töpfer benimmt sich, als ob es 3.000 zu überzeugen gälte. Er wirbt und warnt, bittet und scherzt. Er redet, als ob das Thema, das ihn nun schon seit 20 Jahren bewegt, aufregend wäre, spannender denn je zuvor.

Klaus Töpfer, Ex-Umweltminister, Ex-Chef des UN-Umweltprogrammes und Beinahe-Bundespräsident, hat Deutschland vor 20 Jahren auf der ersten Umweltkonferenz in Rio vertreten. Deswegen sitzt er hier, redet über Gerechtigkeit, Klima und die Zukunft. Die Kirchen haben eingeladen, und Töpfer ist natürlich gekommen, um zu helfen. Irgendwie passte der Termin in den Kalender, kurz vor der Reise zur zweiten Rio-Konferenz und zwischen zwei Interviews. Schließlich geht es ja um das Überleben der Menschheit.

Töpfer sagt, dass er der großen Appelle und Utopien langsam müde werde. Denn viel zu oft verstecke sich dahinter nur die Unfähigkeit, konkret zu handeln. Seit der Rio-Konferenz vor 20 Jahren sei doch klar, dass uns der Kollaps der Ökosysteme drohe und dass wir anders wirtschaften müssten. »Wir dürfen aber nicht warten, bis alles perfekt ist«, sagt er. Jetzt und hier müsse jeder etwas tun: »Wir müssen vom Wissen zum Handeln kommen.« Warum nicht die ganz private Energiewende starten? Zum Beispiel einfach den Kühlschrank zwei Grad höher stellen. Das wäre ein Anfang.

Klaus Töpfer ist nicht naiv. Er weiß natürlich, dass man mit einem wärmeren Kühlschrank die Welt nicht retten wird. Dennoch schätzt er das konkrete Arbeiten, die Mühen des Alltags. Deswegen hat er als Chef der Ethikkommission der Bundeskanzlerin geholfen, den Atomausstieg zu schaffen. Deswegen erforscht er als Direktor des IASS in Potsdam, wie Länder nachhaltig wirtschaften können.

Politikmüde ist Töpfer in all den Jahren nie geworden. Im Gegenteil. Der CDU-Politiker verteidigt die internationalen Konferenzen. Schon vor der ersten Rio-Konferenz hätten alle deren spätere Strahlkraft unterschätzt. »Sonst wäre ich, der jüngste Minister im Kabinett, nie hingelassen worden«, schmunzelt Töpfer. Die damalige Reise wurde zu seiner großen Chance. Er verhandelte wie ein Weltmeister, nahm zum ersten Mal die Protestierenden mit in den Saal und stand am Ende als einer der Macher von Rio da. Denn er hatte die »nachhaltige Entwicklung« als Schlüsselwort mitdurchgeboxt und damit die Idee, dass es der Menschheit um mehr als nur um das Wachstum gehen muss.

»Wie euphorisch wir waren«, erinnert sich Töpfer und setzt hinzu: »Zu euphorisch.« Schließlich kämpft er heute immer noch gegen dieselben Probleme, gegen Umweltzerstörung, gegen Armut. Ob diese Rio-Konferenz etwas ändern wird? Töpfer schweigt und wiegt den Kopf: »Weltkonferenzen können etwas bewirken«, sagt er dann: schon weil sie auf ein Thema aufmerksam machten. Und weil sie Leute bewegten. »Jung müsste man sein, man könnte so viel tun«, sagt er dann noch, grinst und verschwindet. Petra Pinzler