Ostdeutsche Provinz: Ein schöner Land
Die Dörfer des Ostens, lange Zeit Inbegriff des Provinziellen, sind allmählich wieder zu Sehnsuchtsorten geworden
Ingo Schulzes Bestseller Simple Storys von 1998 trägt den Untertitel Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz. Das ist sehr suggestiv und ruft sogleich Assoziationen auf. Es klingt anders, markanter, spezifischer, aufgeladener, als wenn die Rede wäre von einem »Roman aus der deutschen Provinz«. Bei einem »Roman aus der westdeutschen Provinz« würde man vermutlich an gewisse depressive Sattheiten denken, durchwirkt von so einer Tschechowhaften Sehnsucht nach höheren Erregungen (»Nach Moskau, nach Moskau!«); die »ostdeutsche Provinz« hingegen klingt deutlich gefährlicher, aber auch verwunschener. Halb Dornröschenschlaf, halb rauer Straßenkampf. Es ist, als wäre die ostdeutsche Provinz eine ganz besonders schillernde Abteilung der Genremalerei, in der sich Idyllik und Grusel unheimlich verbinden.
Wobei der Gruselfaktor das öffentliche Bild lange dominierte. Die Schwäbische Alb mochte als spießig-provinziell gelten, das Elbsandsteingebirge hingegen stand im Ruf einer gemeingefährlichen Zone, deren märchenhafte Schönheit von jungen Nationalpatrioten gegen vorwitzige Neugier von außen verteidigt wurde. Seit Hoyerswerda hatte der Osten seinen Ruf weg. Das, was sonst Provinz auszeichnet, friedliche Verschlafenheit, wurde medial verdrängt von Bildern der Aggression und einer unterschwelligen Atmosphäre von Angst und Schrecken.
Im Rückblick muss man sagen, dass es sich der Westen damit sehr bequem gemacht hatte: Er hat dieses Bild der östlichen Provinz gierig aufgegriffen, um die eigenen Fremdheits- und Superioritätsgefühle gegenüber dem Osten zu rationalisieren. Wer sich nach 1989 aus seinem bundesrepublikanischen, linksliberalen Justemilieu vertrieben fühlte wie aus einem Paradies, wer seine Schwierigkeiten damit hatte, dass auch die Welt der BRD mit der Wiedervereinigung untergegangen war, der konnte jetzt auf die Ostdeutschen zeigen mit erhobenem Zeigefinger (was anatomisch schwierig, mental aber sehr verbreitet ist) und seine eigene Verstocktheit sublimieren, indem er die ostdeutsche Provinz pauschal als rechtsradikales Territorium abtat. Das Bild der Medien, im Westen gemacht, bot ausreichend Anschauungsmaterial. So konnte sich der Westen mit gutem Gewissen in den eigenen Vorurteilen einrichten: Warum sollte man einem Landstrich Kredit an Neugier geben, in dem die zivilisatorischen Mindeststandards nicht gewahrt wurden?
Falsche Hoffnungen und handfeste Verluste
Der Imageschaden verursachte erhebliche Folgekosten. Daneben gab es allerdings auch sehr früh ein geschichtsphilosophisch freudiges Bewusstsein dafür, dass historische Kernlandschaften Deutschlands endlich aus ihrer Isolierung durch den Eisernen Vorhang gerissen worden waren. Der Harz wurde wieder zu einem gesamtdeutschen Mittelgebirge, eine ganze Mythologie kehrte mit wehmütigen Gefühlen zurück, alte deutsche Erinnerungsorte erlebten eine Restauration. Diese Selbstentdeckung des eigenen inneren Reichtums war aber ein langsamer Prozess, der sich mühsam gegen das Gruselbild der Ostprovinz durchsetzen musste.
Doch erst mal hatte die ostdeutsche Provinz in den frühen neunziger Jahren wie auf einen Schlag ihre Unschuld verloren. In Ingo Schulzes Simple Storys erzählt die Figur Danny: »Es ist Februar 91. Ich arbeite bei einer Wochenzeitung. Überall wartet man auf den großen Aufschwung. Supermärkte und Tankstellen werden gebaut, Restaurants eröffnet und die ersten Häuser saniert. Sonst gibt es aber nur Entlassungen und Schlägereien zwischen Faschos und Punks, Skins und Redskins, Punks und Skins.« Da klingen falsche Hoffnungen an und die ersten handfesten Verluste, die Unbarmherzigkeiten dessen, was man bald »Abwicklung Ost« nennen sollte.
Man sieht, wie sich in die pittoresk verfallenden Landschaften der späten DDR die hässlichen Gebrauchsarchitekturen des Konsums (»Supermärkte und Tankstellen«) schieben; der Aufbau Ost kündigt sich zwar in den ersten sanierten Häusern an, aber das Sozialleben wird von merkwürdigen Fraktionen randständiger Gewalt bestimmt. Da hat eine Gesellschaft ihren Ruhepol verloren. Denn davon erzählt Schulzes Roman: Wie die Orientierungskoordinaten wegbrechen und eine Gesellschaft ihre innere Sicherheit und Selbstgewissheit verliert. »An diesem Abend gerieten wir zum ersten Mal in Panik«, heißt es an einer Stelle, als ein junges Paar mit dem Verlust des Arbeitsplatzes konfrontiert ist.In gewisser Weise war die ostdeutsche Provinz mehr »Osten«, als die Städte es waren: Während Dresden schnell an seine kulturellen Traditionen und alten Bürgersinn anknüpfen konnte, Leipzig seine Rolle als Vorreiter der Wende auskosten konnte und Ostberlin zu einem gesamtdeutschen Experimentierfeld der Lebensstile wurde, waren die Dörfer und Kleinstädte der neuen Bundesländer Sinnbilder der Desorientierung: abgehängt, entwurzelt. Einerseits ging über sie die Dampfwalze der Veränderung hinweg, andererseits wirkten sie manchmal, als hätte der Weltgeist sie einfach vergessen.
Es waren Regionen, die unter Abwanderung litten, weil sie ihre eigenen Landeskinder nicht mehr halten konnten. Zurück blieben die Wendeverlierer, Rentner und immobile junge Männer, während die jungen Frauen überdurchschnittlich oft ihr Glück im Westen suchten. Das raubte den Gebliebenen Selbstbewusstsein. Ohne Selbstbewusstsein keine Anmut, keine Schönheit, keine Großherzigkeit.






Ähnlich wie Mangold habe ich auch mal gedacht, vor nunmehr über 15 Jahren, als ich mich zum Umzug in die ostdeutsche Provinz aufmachte. `Simple Storys´ von Ingo Schulz war damals noch nicht auf dem Buchmarkt, aber `Helden wie wir´ von Thomas Brussig. Und unvoreingenommen und neugierig dachte ich mir, dass mit einem so anarchisch eingestellten Menschenschlag vielleicht gut auszukommen wäre.
Nein, nationale Geschichtsromantik wie bei Mangold (Kernlandschaften, Sehnsuchtsorte, innerer Reichtum, Erinnerung, Selbstentdeckung) war mir mehr als fremd, aber ein mitfühlendes Verständnis für Menschen, die durch dramatische Veränderungen gegangen waren, bestärkte mich schon in meiner Entscheidung.
Davon ist aber heute nichts mehr geblieben, im Gegenteil. Schon nach wenigen Wochen war ich schockiert über ein Miteinander, das die Charakterisierung sozial nicht im Geringsten verdient:
Ein neidvolles Beäugen und Vergleichen überall, ein über die Maßen ausgeprägtes Status- und durch und durch autoritäres Hierarchiebewusstsein, schleimende Heuchelei bei hartnäckigem Verdrängen und Beschweigen der eigenen Probleme, eine von Wissen ungetrübte Arroganz bei immer über die Maßen harten Urteilen, hinterhältiges Getratsche und fiese Intrigen, eine brutale Selbstgerechtigkeit im rücksichtslosen Verfolgen der eigenen Vorteile usw. usf.
Und das betraf und betrifft, damit hier keine Missverständnisse aufkommen, nicht nur die "geborenen" Ossis. (Fortsetzung folgt…)
Nein, auch und gerade die zugezogenen Wessis wussten und wissen sich dieser Eigenschaften beim Vorantreiben ihrer Karrieresprünge gut zu bedienen. Und so machten und machen sich Ossis und Wessis in der ostdeutschen Provinz immer wieder gemeinsam daran, auf einen irgendwie imaginierten „äußeren“ Feind all die unterschwellig selbst gepflegte und gehegte Aggression umzuleiten und in regelmäßigen Abständen zur Explosion zu bringen.
Die Zeit berichtet dankenswerterweise häufig über diese Explosionen, ob in Insel, Geithain, Halberstadt, Limach-Oberfrohna, Zossen oder Mügeln, nur um einige dieser unrühmlichen Orte beim Namen zu nennen. Mangold müsste es deshalb besser wissen.
Aber lieber zeichnet er mit altbackenen Ressentiments (ja, ja, die 68er, ähm … das linksliberale Justemilieu) einen bedrückenden und alarmierenden Alltag in der ostdeutschen Provinz schön und bedient dabei doch nur die ausgelutschten Klischees vom arroganten Besser-Wessi und überwältigten Ossi-Opfer.
Ich aber bin nach sieben Jahren aus der ostdeutschen Provinz in die Hauptstadt geflohen und habe sie seitdem nicht mehr betreten. Aber die `Simple Storys´ habe ich mir mittlerweile gekauft.
Nur habe ich es noch nicht geschafft, sie auch ganz zu lesen, zu präsent und bedrückend sind bei mir nämlich noch die eigenen Erfahrungen mit der Welt, die Ingo Schulze in diesem Buch meiner Meinung nach sehr treffend beschreibt.
Und das wird sicherlich auch noch einige Zeit so bleiben.
[...]
Bestes Beispiel: Die ostdeutschen Dörfer und Kleinstädte waren vor 1989 nicht verschlafen sondern vital. Warum?
De facto in jedem Dorf gab es einen Kindergarten und eine vollausgebaute zehnklassige polytechnische Oberschule, plus unzählige Vereine, insbesondere Sportvereine und Heimatvereine.
Mit der ignoranten, arroganten und absolut von Ideologie (!) motivierten Festlegung der westdeutschen Funktionäre*, daß die Einheitsschule in Ostdeutschland zerschlagen werden muß, damit das gegliederte Schulsystem "Lebensraum" erhält, wurde das pulsierende Herz der ostdeutschen Gesellschaft tödlich verwundet. Die Wessis verstehen bis heute nicht, daß die Einheitsschule der Ossis keine profane, stumpfsinnige Halbtagsbildungsanstalt darstellte, die nicht einmal elementare Essensversorgung bietet und in die die Kinder am Vormittags eigentlich nur abgeschoben werden.
Die Einheitsschule wurde 1946 als lebendiger, ganztägiger sozialer Ort gebaut, der die Gesellschaft formen und von der Gesellschaft geformt werden solle.
.
Gekürzt. Bitte gehen Sie sachlicher auf andere Kommentare ein. Danke, die Redaktion/se
Die Schule, vor allem die Dorfschule, war die Mitte der Gesellschaft. Alle gesellschaftlichen Klassen trafen aufeinander, vermengten sich, beeinflußten die Schule und wurden von der Schule beeinflußt. Die meisten Schulen unterhielten eine Schulküche, in der jeden Tag frisch gekocht (!) wurde und das Mittagessen dementsprechend schmeckte. Lokale Handwerksbetriebe oder z.B. Arbeiter von Baustellen kamen daher nicht selten vorbei zum Mittagessen.
Die qualitativ hochwertig ausgebaute Nachmittagsbetreuung und die damit verbundene Kooperation der Schulen mit den lokalen Sportvereinen, Industrie- und Handwerksbetrieben (!) und den Massenorganisationen (FDJ, GST) eröffneten, insbesondere nach westdeutschen Schulstandards kolossale Freizeitaktiviäten und Lerngelegenheiten.
Die Einheitsschule war wie ein großer Kreisverkehr, an dem fünf oder sechs Straßen zusammentreffen. Alle gehen rein, alle kommen raus, es zirkuliert aus und in alle Richtungen.
Die Schließung der Dorfschulen und die Liquidierung des damit verbundenen gesellschaflichen Lebens versetzte den ländlichen Gegenden einen Todesstoß. Die Geburtenrate sank nicht nur auf Grund der Deindustrialisierung von der Ersatzrate von 2,0 auf unter 0,8 (!).
Sehen Sie sich Ostdeutschland 'mal mit Verstand an. Die Dörfer und Kleinstädte, die noch Schulen haben, sind vielleicht nicht superlebendig, aber sie sind vor allem nicht tot. Man sieht Kinder spielen, Familien, junge Menschen, zaghafte kulturelle Szenen.
.
[...]
Bestes Beispiel: Die ostdeutschen Dörfer und Kleinstädte waren vor 1989 nicht verschlafen sondern vital. Warum?
De facto in jedem Dorf gab es einen Kindergarten und eine vollausgebaute zehnklassige polytechnische Oberschule, plus unzählige Vereine, insbesondere Sportvereine und Heimatvereine.
Mit der ignoranten, arroganten und absolut von Ideologie (!) motivierten Festlegung der westdeutschen Funktionäre*, daß die Einheitsschule in Ostdeutschland zerschlagen werden muß, damit das gegliederte Schulsystem "Lebensraum" erhält, wurde das pulsierende Herz der ostdeutschen Gesellschaft tödlich verwundet. Die Wessis verstehen bis heute nicht, daß die Einheitsschule der Ossis keine profane, stumpfsinnige Halbtagsbildungsanstalt darstellte, die nicht einmal elementare Essensversorgung bietet und in die die Kinder am Vormittags eigentlich nur abgeschoben werden.
Die Einheitsschule wurde 1946 als lebendiger, ganztägiger sozialer Ort gebaut, der die Gesellschaft formen und von der Gesellschaft geformt werden solle.
.
Gekürzt. Bitte gehen Sie sachlicher auf andere Kommentare ein. Danke, die Redaktion/se
Die Schule, vor allem die Dorfschule, war die Mitte der Gesellschaft. Alle gesellschaftlichen Klassen trafen aufeinander, vermengten sich, beeinflußten die Schule und wurden von der Schule beeinflußt. Die meisten Schulen unterhielten eine Schulküche, in der jeden Tag frisch gekocht (!) wurde und das Mittagessen dementsprechend schmeckte. Lokale Handwerksbetriebe oder z.B. Arbeiter von Baustellen kamen daher nicht selten vorbei zum Mittagessen.
Die qualitativ hochwertig ausgebaute Nachmittagsbetreuung und die damit verbundene Kooperation der Schulen mit den lokalen Sportvereinen, Industrie- und Handwerksbetrieben (!) und den Massenorganisationen (FDJ, GST) eröffneten, insbesondere nach westdeutschen Schulstandards kolossale Freizeitaktiviäten und Lerngelegenheiten.
Die Einheitsschule war wie ein großer Kreisverkehr, an dem fünf oder sechs Straßen zusammentreffen. Alle gehen rein, alle kommen raus, es zirkuliert aus und in alle Richtungen.
Die Schließung der Dorfschulen und die Liquidierung des damit verbundenen gesellschaflichen Lebens versetzte den ländlichen Gegenden einen Todesstoß. Die Geburtenrate sank nicht nur auf Grund der Deindustrialisierung von der Ersatzrate von 2,0 auf unter 0,8 (!).
Sehen Sie sich Ostdeutschland 'mal mit Verstand an. Die Dörfer und Kleinstädte, die noch Schulen haben, sind vielleicht nicht superlebendig, aber sie sind vor allem nicht tot. Man sieht Kinder spielen, Familien, junge Menschen, zaghafte kulturelle Szenen.
.
Ich bin in so einem Kaff groß geworden, das Sie hier als Ort der Sehnsucht etiketieren wollen, Baujahr 85. Ich habe nie bereut, dass ich weggegangen bin in die Großstadt, und komme auch nur vorbei, wenn es unbedingt nötig ist. Es gibt dort nichts, was mich halten könnte. Vielleicht könnte man dort gut Kinder groß ziehen, weil es so ruhig und grün ist. Aber das war es auch schon. Ich bin kein Freund davon, jahrelang nur mit den selben Menschen rumzuhängen. Doch in der Provinz führt kein Weg dran vorbei, ob Ost oder West. Man schmorrt nur im eigenen Saft. Und in ostdeutschen Käffern kommt noch hinzu, dass es dort fast keine Menschen mehr gibt, mit denen ich etwas anfangen könnte. In meiner Altersgruppe kenne ich niemanden - wirklich niemanden, der ein bisschen gescheit ist und dort geblieben ist.
Ich glaube nicht, dass Ihre Schönschreiberei auch von Fakten gedeckt ist. Sie schreiben: Es gibt immer mehr Rückkehrer. Ah ja, wie viele denn? Warum nennen Sie keine Zahlen? Vielleicht weil Sie einfach nur so ein Gefühl hatten. Ihr Gefühl ist aber Blödsinn. Alle Statistiken sagen, dass es eben keinen Run aufs Land gibt, sondern im Gegenteil ein Ausbluten der ländlichen Regionen (Schauen Sie sich mal die Einwohnerentwicklungen auf Wikipedia an. Da sehen Sie, dass hier außer Leipzig und Dresden kaum noch etwas wächst).
Aber machen Sie doch den ersten Schritt und ziehen Sie von Hamburg nach Geithain. Viel Spaß.
und sie erkennen die Vorzüge.
und sie erkennen die Vorzüge.
und sie erkennen die Vorzüge.
Stimmt, mit zunehmendem Alter erkennt man die Vorzüge:
Der Laden zu, kein Pflegedienst, keine vernünftige Schule, 30km zum nächsten Krankenhaus, kein Arzt, im Winter mit dem Auto eine Himmelfahrt fürs Einkaufen, Handwerker kommen vielleicht mal "nächste Woche"..... dafür natürlich keine "lauten" Kinder, aber eine funktionierende rechte Szene.......
.
Und wenn im "Busch" mal ein Hund heult ist der "Wolf" los!:-))
.
Ich mag Fläche und Natur, zum Entspannen, aber zum Wohnen, im Alltag? ....
.
Für jeden Einkauf 20km fahren, jeder Kinibesuch, jedes Buch das ich haben will, 1-2 Std. nit dem Auto. Danke!
.
Spätestens wenn es im Rücken zwickt wird das Dorf, egal in welcher Ecke zur Falle!
.
Gruss
Sikasuu
(Der aus der flächenmässig 2 oder3..größten Stadt (Fläche: 4.067,65 km²) dieser Welt, mit knapp 12.000 Einwohnern kommt. Bevölkerungsdichte: 3,7 Ew./km² (davon ca. 8-10.000 in der City:-))
.
Reichlich Gegend, aber manchmal mehr Bären als Menschen pro km²:-)))
.
s
Stundenlanges herumgejuckel zum Arzt oder Krankenhaus, was ja gerade für ältere Menschen ein immer größeres Thema wird.
Oder halt auch der PKW-zwang, weil halt nichts gerade um die Ecke liegt. Auch hier gibt es ein Alter, bei dem man ernsthaft überlegen sollte, den Lappen wieder abzugeben.
Aber das ist ja auch eines der letzten Abenteuer: Mit beginnenden grauen Star und Nachtblindheit am Abend bei schlechtem Wetter die Kilometer zum nächsten Krankenhaus abreißen.
In Teilen von Rheinland-Pfalz haben die das Rettungsfahrzeugnetz so stark ausgedünnt, da dann für jeden Mist der Heli vorbeikommt. Auch ein ganz tolles Ding für alte Leute, die sich mal gerade etwas unwohl fühlen.
Wenn die lokale Infra- und Altersstruktur nicht stimmt, dann kann die Gegend noch so schön sein... Urlaub machen: Ja, dort bis um Lebensende leben: Nein.
jammern auf hohem Niveau, oder?
Wenn jeder der wegen Kino, Theater, Konsum, Infrastrukturen wegzieht, braucht sich nicht wundern wenn nur noch der Bodensatz übrigbleibt und Oberwasser bekommt.
In der Stadt ist man auch erst nach 20-30 min im Theater. Nimmt es jedoch kaum in Anspruch, da man es jederzeit haben könnte. Viele Städter leben in ihrem "Bezirk", wie auf dem Dorf - argumentieren meist auch so. Durch die Landflucht wird dann Stück für Stück die Infrastrukturen zurückgebaut - der Osten ist da ein Lehrstück - inkl angehangener Strukturen wie Theater, Kinos, Krankenhäuser in der Nähe - da sie weniger in Anspruch nehmen. Somit hat man sich über Jahre in einigen Gebieten selbst das Wasser abgegraben.
Kleine Gemeinden die sich erfolgreich gegen diese Flucht zur Wehr setzten, bieten alles was ich auch in der Stadt bekomme in der gleichen Zeit. Und da spielt das Alter keine Rolle und das Wehwehchen was einen plagt.
Aber vielleicht empfinde ich es auch einfach nur so, weil ich in vielen Dinge mit der Zeit eine gewissen Gelassenheit und Genügsamkeit gelernt habe.
Stimmt, mit zunehmendem Alter erkennt man die Vorzüge:
Der Laden zu, kein Pflegedienst, keine vernünftige Schule, 30km zum nächsten Krankenhaus, kein Arzt, im Winter mit dem Auto eine Himmelfahrt fürs Einkaufen, Handwerker kommen vielleicht mal "nächste Woche"..... dafür natürlich keine "lauten" Kinder, aber eine funktionierende rechte Szene.......
.
Und wenn im "Busch" mal ein Hund heult ist der "Wolf" los!:-))
.
Ich mag Fläche und Natur, zum Entspannen, aber zum Wohnen, im Alltag? ....
.
Für jeden Einkauf 20km fahren, jeder Kinibesuch, jedes Buch das ich haben will, 1-2 Std. nit dem Auto. Danke!
.
Spätestens wenn es im Rücken zwickt wird das Dorf, egal in welcher Ecke zur Falle!
.
Gruss
Sikasuu
(Der aus der flächenmässig 2 oder3..größten Stadt (Fläche: 4.067,65 km²) dieser Welt, mit knapp 12.000 Einwohnern kommt. Bevölkerungsdichte: 3,7 Ew./km² (davon ca. 8-10.000 in der City:-))
.
Reichlich Gegend, aber manchmal mehr Bären als Menschen pro km²:-)))
.
s
Stundenlanges herumgejuckel zum Arzt oder Krankenhaus, was ja gerade für ältere Menschen ein immer größeres Thema wird.
Oder halt auch der PKW-zwang, weil halt nichts gerade um die Ecke liegt. Auch hier gibt es ein Alter, bei dem man ernsthaft überlegen sollte, den Lappen wieder abzugeben.
Aber das ist ja auch eines der letzten Abenteuer: Mit beginnenden grauen Star und Nachtblindheit am Abend bei schlechtem Wetter die Kilometer zum nächsten Krankenhaus abreißen.
In Teilen von Rheinland-Pfalz haben die das Rettungsfahrzeugnetz so stark ausgedünnt, da dann für jeden Mist der Heli vorbeikommt. Auch ein ganz tolles Ding für alte Leute, die sich mal gerade etwas unwohl fühlen.
Wenn die lokale Infra- und Altersstruktur nicht stimmt, dann kann die Gegend noch so schön sein... Urlaub machen: Ja, dort bis um Lebensende leben: Nein.
jammern auf hohem Niveau, oder?
Wenn jeder der wegen Kino, Theater, Konsum, Infrastrukturen wegzieht, braucht sich nicht wundern wenn nur noch der Bodensatz übrigbleibt und Oberwasser bekommt.
In der Stadt ist man auch erst nach 20-30 min im Theater. Nimmt es jedoch kaum in Anspruch, da man es jederzeit haben könnte. Viele Städter leben in ihrem "Bezirk", wie auf dem Dorf - argumentieren meist auch so. Durch die Landflucht wird dann Stück für Stück die Infrastrukturen zurückgebaut - der Osten ist da ein Lehrstück - inkl angehangener Strukturen wie Theater, Kinos, Krankenhäuser in der Nähe - da sie weniger in Anspruch nehmen. Somit hat man sich über Jahre in einigen Gebieten selbst das Wasser abgegraben.
Kleine Gemeinden die sich erfolgreich gegen diese Flucht zur Wehr setzten, bieten alles was ich auch in der Stadt bekomme in der gleichen Zeit. Und da spielt das Alter keine Rolle und das Wehwehchen was einen plagt.
Aber vielleicht empfinde ich es auch einfach nur so, weil ich in vielen Dinge mit der Zeit eine gewissen Gelassenheit und Genügsamkeit gelernt habe.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Kommentare. Danke, die Redaktion/mk
Bei Anmerkungen und Kritik wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/mo.
Bei Anmerkungen und Kritik wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/mo.
sind nicht von dieser Welt. Man sollte sich hüten, ihr diesseitig reales Pendant aufzusuchen - die ganze an solch schönen Seelenbildern hängende Persönlichkeitsstruktur könnte kollabieren durch zuvel Wirklichkeitskontakt.
Ich kann als Bewohner einer westdeutschen Großstadt eigentlich nicht mitreden; kann folgerichtig auch die leicht angenervten Kommentare 1 bis 3 nicht wirklich einschätzen.
Was mir allerdings auch auffällt, das ist die doch recht schlappe "Beweisführung" von Herrn Mangold. Und nein, ich bin kein Statistik-Freak, der unbedingt "harte" Zahlen braucht. Aber nur ein paar Berliner Austeiger, einige bunte Fassaden und eine Bürgerinititative aus Stendal als Indikatoren für die These zu nehmen, dass sich die Fontane-Welt wieder zurückmeldet, das erscheint mir doch ein wenig dünn.
Schade. Denn es ist mit Sicherheit ein hochinteressantes Thema mit vielen Facetten (Landflucht, alternde Gesellschaft, Aufrechterhaltung von funktionierenden Gemeinwesen, Bewahrung von Bau- und Kulturdenkmälern), denen man mit romantisierendem Blick und verklärtem Feuilleton-Vokabular ("Sehnsuchtsorte") leider nicht viel näher kommt.
"Was in den neunziger Jahren die Brache für Berlin war,
verlagert sich zusehends in den ländlichen Raum.
Künstler richten ihre Ateliers in sächsischen Dörfern ein,
alte Herrenhäuser werden hergerichtet, in denen dann Musikfestivals stattfinden,
und überhaupt nutzen Städter mit ihrer Natursehnsucht die traumhaften Landschaften des Ostens,
wo man noch immer für geringes Geld Grund und Boden erwerben kann, um das Leben eines Landedelmanns zu führen."
Ich bitte den letzten Abschnitt besonders zu beachten. Meine Frage an den Autor - Welch edlen Landwein hat er denn beim
verfassen dieses Artikels genossen ????
Die Randgebiete von Großstädten sind ja wohl noch keine Provinz.
Wenn speziell Dörfer der ostdeutschen Provinz nicht gerade eine gute Verbindung in Großstädte oder größere Industrieansiedlungen
besitzen ( also im Umland liegen ),
sieht es wohl eher mau aus.
Abbruchreife Häuser, schlechte öffentlichen Verkehrsanbindungen,von Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten ganz zu schweigen.
Die meisten der jüngeren Generationen
flüchten verständlicherweise, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Ausbildung zu haben.
Die älteren bleiben zurück und das war`s dann. Das kommt wohl der
Realität näher.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren