In einer Bar fragte ich den Mann, der neben mir stand, ob er eine Zigarette für mich habe. Er sagte: »Ich habe eine ganze Zigarettenfabrik für dich.« Das war keine Anmache. Er war der Gründer eines Zigaretten-Start-ups. »Antizyklisches Denken, schon immer das Geheimnis unternehmerischen Erfolgs«, lallte er. Es war spät in der Nacht, die Bar, in der wir uns befanden, servierte ausschließlich Jägermeister und Champagner. Er hatte sich für Jägermeister entschieden. Die Barbesitzer müssen sich heute originelle Spezialisierungen einfallen lassen, wenn sie wollen, dass die Geschäfte laufen. Einfach Sand auf den Boden kippen, wie es eine Zeitlang üblich war, reicht heute nicht mehr. Dabei ist eine gute Bar etwas, das sich so wenig planen lässt wie eine glückliche Ehe. Es gibt Bars, in denen alles richtig gemacht wurde, aber genau deshalb sind sie langweilig. Keine Konflikte, das geht bekanntlich nie gut. Es gibt Bars, in denen die Drinks großartig und interessant sind, aber die Einrichtung schrecklich ist. Ein prickelnder Holundercocktail vor weinroter Schwammtechnikwand: Die inneren Werte stimmen, die äußeren nicht.

In manchen Bars führt man jetzt vor dem Trinken Verkaufsgespräche wie früher in der Damenoberbekleidungsabteilung. Das nennt man gourmet drinking . Man holt die Lesebrille raus, um die umfangreiche Karte zu studieren. Dann erklärt der Barkeeper, was man wie um welche Uhrzeit zu trinken habe, was mit Strohhalm, was ohne. Dann muss man lange Minuten zusehen, wie der Barkeeper eine Gurke in Streifen schneidet oder in »Julienne«, was weiß ich. Bis der Drink vor mir steht, ist mir wieder eingefallen, wie müde ich eigentlich bin, zu müde, um nachts in Bars herumzusitzen.

Es gibt in Berlin die neuen Speakeasy-Bars , bei denen man vorher anrufen muss, um hineingelassen zu werden. Das soll ein Zitat der Prohibitionsbars in den USA der zwanziger Jahre und der illegalen Berliner Clubs der neunziger Jahre sein. Der kulturelle Überbau ist mir persönlich zu groß, als dass ich in solchen Bars Spaß hätte. Außerdem komme ich trotz vorheriger Anrufe meistens dann doch nicht rein. »Sorry, ist schon voll.« Es dürfen nämlich immer nur zwölf Leute auf einmal rein.

Die schönsten Erinnerungen habe ich an Bars, die ich nicht unbedingt weiterempfehlen kann. Die Bar im Ritz in Paris , wo ein Klavierspieler für die amerikanischen Rentner klimpert, was man nur schön finden kann, wenn man sehr verliebt ist, aber dann ist es wirklich sehr schön. Oder diese Strandbar in Spanien , in der es die beste Kalte Muschi (Rotwein und Cola) an der gesamten Costa Brava gibt – das konnte ich damals schon mit Sicherheit sagen, obwohl ich noch sehr jung war.