TypologieWelcher Urlaubstyp sind Sie?
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Der Getriebene

Der Getriebene

Natürlich habe ich auch schon Urlaub an einem einzigen Ort gemacht. Ich fuhr sogar mehrere Jahre hintereinander an die See. Aber entweder hat es geregnet, oder ich kam zum Strand, und es war Ebbe. Oder beides. Ich habe verregnete Ebben erlebt, die wünscht man seinem schlimmsten Nachbarn nicht. Seither bleibe ich selten länger als zwei Nächte am selben Platz, immer getrieben von der Sorge oder Hoffnung, dass nur wenige Stunden entfernt der Regen vielleicht erst mittags einsetzt oder die Idylle gar noch idyllischer ist.

Gereist wird mit dem Motorrad, dem idealen Gefährt aller Rastlosen. Das Fahrrad – zu langsam. Das Auto – nicht wendig genug. Denn das ungeschriebene Gesetz des Reisens sieht für jede Küstenstraße oder jeden Bergpass mindestens ein überbreites Wohnmobil vor – gelenkt von einem Seniorenpaar, das seinen Lebensabend keineswegs durch eine Geschwindigkeit von über 30 Stundenkilometern zu gefährden gewillt ist. An diesen ziehe ich mit dem Motorrad mühelos vorüber. Weiter, weiter, Straßen runter, Pässe rauf. Mitunter so rasant, dass ich manchmal stoppe und eine Zeit lang innehalte – so wie es die Indianer auf langen Ritten taten, damit die Seele nachkommen konnte. Statt meiner Seele schließt aber zumeist nur das Wohnmobil mit den Senioren zu mir auf. Da fahre ich schnell weiter.

Abends setze ich mich dann vor meine Straßenkarte und zeichne die zurückgelegte Strecke ein. Es gab schon Touren, an deren Ende die Karte weniger nach Reise als nach wirrem Diagramm aussah, mit dem ich die Newtonschen Gesetze beweisen wollte. Danach wohlig-erschöpft ins Bett, und wenn ich morgens verwirrt aufwache und nicht sagen kann, ob ich in Bad Moritz oder St. Tölz bin, dann weiß ich: Es ist Urlaub.

Markus Wolff

Leserkommentare
  1. Denken Sie Urlaub?

    Hierzulande meine ich. Im Jetzt, und nicht im Morgen

    Früher fuhr ich gerne an die See.

    Ich kanns mir nicht mehr leisten. Heuer gehe ich durch die Wälder, sogar Straßen der Städte und DENKE mich in einem Urlaub. Fühle mich in einem Urlaub.
    Ich habe Dauerurlaub, trotz Existenzsorgen und Arbeit , die ich tun muss.
    Ich sage mir einfach, so sollte es sein. Lebensfreude ist das , was Menschen zu Menschen macht.

    Ein obskurer Kontrast zu der modernen Sklaverei (Arbeitsgesellschaft). Aber so sollte es sein, und die mod. Arbeitswütigkeit sollte nicht sein.
    Leben ist dazu da, gelebt zu werden.

    All die Törichten, die Politiker usw. , haben das Leben nicht gelernt oder verlernt, und alle die das Leben nicht gelernt haben, brauchen exotischen Urlaub, um sich zu erinnern, wie schön das Leben sein kann!

    Aber zurück im Alltagsgrau stellt man sich diese Frage nicht, sondern meint, das Grau sei die Normalität. Ich finde das krank, weil es einfach so ist. Es ist eben nicht normal, sondern total ungesund.

  2. Ich buche i.d.R. ein Apartment mit Selbstverpflegung und esse lokal. Ich muss nicht 1000 Euro oder mehr für einen Urlaub bezahlen, um das zu essen, was ich zu Hause auch essen kann. Schnitzel mit Pommes kann ich auch hier haben. Hotelburgen sind mir ein Greuel. Club-Urlaub ebenso und geh mir weg mit Kreuzfahrten.

    Meist lasse ich mich treiben. Es ist eine Mischung aus Aktivurlaub, Sightseeing, Strand/See. Einen festen Plan gibt es nicht. Oft ist der Tag gehälftelt in irgendwas entdecken, bzw. ansehen und am Strand/See erholen. Und abends abseits der Touristenpfade irgendwo einkehren und da essen, wo die "Lokalisten" auch essen gehen.

  3. ...wozu Urlaub?
    (Außer um die Familie und Verwandte zu besuchen habe ich dafür keinen Verwendungszweck.)

  4. Schöner Artikel, der Stil und Humor der Autoren hat mir sehr gefallen! Ich werde bestimmt ein paar Dinge als Anregungen daraus mitnehmen, denn ich habe meinen Typ noch nicht so richtig gefunden. Vielleicht ist es wie so oft die Mischung, die's macht.

  5. Kaufen Sie sich einen eReader... dann können Sie sich Ihre ganze Bibliothek mitnehmen ohne davon erschlagen zu werden.

    • keibe
    • 24. Juni 2012 20:56 Uhr

    welcher Urlaubertyp ich bin:

    Das Haar voll Fett, die Hände schmierig,
    Falten mühsam retuschiert,
    im Strandkorb werden Blicke gierig,
    die Damenwelt Revue passiert.

    Den Bauch verdrängt von straffer Hose,
    müder Augen Dackelblick,
    den Mund verkniffen, der einst lose,
    Sonnenbrille, kess und schick.

    Die Po`s im knackig Dutzendpack
    enteilen, kaum die Form geahnt
    und schmachtend träumt der alte Sack,
    dass er für sich Modell absahnt.

    Genug verirrt in Jugendwelten,
    massiv verwirrt im Liegestuhl,
    Polunder an, wirst Dich erkälten
    und Schlaf erlöst den Sündenpfuhl.

    Ich weiß es nicht. ;-)

  6. wunderbar kurzweilig geschrieben, mit sehr schönen sprachlichen Bildern, was will man mehr?

    Ich weiß nun also, dass ich mit einer Pizza in den Urlaub fahre, die, wenn sie gut durchgebacken, tatsächlich auch für die eine oder andere Entdeckung zu haben ist...

    Nur stellt sich dabei nun die Frage, welcher Typ bin ich? Gebraten werden muss ich nicht, ich mag die noble Blässe und spätestens nachdem zweiten Buch unterm Sonnenschirm am Pool, sehne ich mich nach etwas Abenteuer und wenn das nur eine Industrieruine am Wegesrands eines verwunschenen Pfades ist...

  7. Soll man nur einer Gruppe gehören?
    Ich war schon mal in Sibirien in Februar, in Wadi-Ram in Juli, wandere gerne in den Bergen neben meiner Heimat, und jetzt seh ich seit paar Tagen wie ein Seewrack aus auf dem Couch meiner Eltern.
    Nur einen Urlaub im Hotel mit Verpflegung oder "organisierte Toure" verschiebe ich auf meine alten Tage, vielleicht wenn ich 165 Jahre alt bin oder so.

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