Katholische KircheDiskrete Monarchie

Alle Welt kritisiert den Zustand des Vatikans. Aber wie funktioniert er eigentlich?

Als Alois Glück den Papst verteidigen wollte, versprach er sich. Aber sein unfreiwilliger Satz enthielt viel Wahrheit. Der oberste katholische Laie in Deutschland und frühere Landtagspräsident Bayerns wollte seinem Landsmann, Benedikt XVI., beispringen. Als Politiker und Journalisten vor neun Monaten dessen Auftritt im Bundestag kritisierten, hielt Glück ihnen entgegen: »Der Papst ist das Staatsoberhaupt der katholischen Kirche!« Ist die Kirche neuerdings ein Staat? Der Satz beschrieb in seinem Widerspruch überraschend genau das Machtzentrum des Katholizismus. Und er deutete das Spiel an, das sich in der Zentrale der Weltkirche vollzieht: Der Vatikan will mehr sein als eine Kirche, jedenfalls mehr als Konfession, und mehr als nur ein Staat. Der Vatikan versteht sich als der Ort, der die Idee des christlichen Abendlandes durch die Zeit trägt. Mit der Hoffnung, dass sie lebt, solange es ihn gibt. Vielleicht ist er deshalb oft so konservativ, so ängstlich und so verschwiegen.

Auf dem vatikanischen Hügel nordwestlich der Tore des antiken Roms fühlt man sich immer noch als Zentrum des christlichen Universums, eines Gesamtkonzeptes aus Religion, Politik und Recht. Der Vatikan ist das in Dikasterien, Räte und Gerichte gegossene Welterklärungsmodell des Kirchenlehrers Thomas von Aquin, in dem der Glaube wie ein Sternenhimmel die Natur überdacht und erhellt, sich mit ihr verbindet und sie adelt. Geht diese Idee mit den Enthüllungen von Vatileaks zu Ende, unter einem Papst, der ihr mit Scharfsinn, Frömmigkeit und Traditionalismus zu neuem Glanz verhelfen wollte?

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Die Kirche scheint in diesen Tagen in Gefahr. Und die gefühlte Gefahr ist vielleicht auch der Grund für die Häme und das Entsetzen, mit dem die westliche Welt ein paar Indiskretionen in einem Zwergstaat mitten in Italien verfolgt. Ein Säureanschlag auf die Ikone einer vielleicht schon untergegangenen Idee. Und weil der Anschlag aus dem Vatikan selber kommt, ist es, als hätten die Attentäter die Rückseite des Bildes bespritzt, und die Säure fräße sich durch die Leinwand und zerstörte die Gesichter an der Oberfläche.

Bisher hatte der Vatikan es verstanden, politische Symbole dieser alten Idee zu pflegen. So etwa besitzt er den ältesten diplomatischen Dienst der Welt. Daher ist der Nuntius des Heiligen Stuhls in vielen Staaten, vor allem denen mit katholischer Mehrheit, der Doyen des diplomatischen Korps. Bei der Reform der Vereinten Nationen 2004 erhandelte sich der Heilige Stuhl das Recht, in den Jahresvollversammlungen in die Diskussionen einzugreifen, ohne dass er die Zustimmung der Staaten einholen muss.

Leserkommentare
  1. Der Vatikan ist nun mal eine absolutistische Monarchie - wie Deutschland, Österreich, Frankreich.... bis in das 20. Jh. Mit dem Unterschied, die Kinder des Papstes keinen Anspruch auf Nachfolge haben (sollte es welche geben) - woran sich man auch in der Renaissance gehalten hatte.

    Dass den sogenannten Demokratiefetischisten die Argumente ausgehen, trotzt "Demokratie" in Deutschland oder in der EU, wird nichts helfen, den Vatikan anzuschwärzen.

    Die Staats und Regierungsform im Vatikan scheint die richtige zu sein, um den Glauben von mehr als einer Milliarde Menschen und die Politik die daraus entsteht, miteinander zu verbinden.

    Ob diese Form "Demokratiekonform" ist oder nicht, wird die Zukunft zeigen.

    3 Leserempfehlungen
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    keines dieser von Ihnen genannten Laender war eine absolute Monarchie bis in das 20. Jahrhundert.
    Frankreich war ein Republik mit Praesident, Parlament und Wahlen etc.
    Deutschland und Oesterreich waren zwar Monarchien, aber keine absoluten. Es gab Verfassungen die die Rechte des Monarchen einschraenkten (also Monarchie nicht absolut). Es gab Wahlen in Deutschland zum Reichstag und dieser Reichstag hatte auch tatsaechliche Macht (z.B. das Budgetrecht)

    "...woran sich man auch in der Renaissance gehalten hatte."

    Wenigstens das. Päpste haben Frauen und Kinder gehabt, Kriege geführt, Reichtümer angehäuft, Verwandte in kirchliche Ämter geschafft - aber wenigstens ist kein Papstsohn dem Vater auf den Thron gefolgt.

    "...den sogenannten Demokratiefetischisten..."

    Meinen Sie damit diejenigen, die für die Freiheit, Würde und Selbstbestimmung des Menschen eintreten?

    "...trotzt "Demokratie" in Deutschland oder in der EU,..."

    Und ein Papst oder anderer Monarch könnte das Ganze in den Griff bekommen? Wie gut der Vatikan mit wirtschaftlichen Dingen umgehen kann, wissen wir ja spätestens seit den Vorkommnissen um die Banca Ambrosiano...

    "...um den Glauben von mehr als einer Milliarde Menschen und die Politik die daraus entsteht, miteinander zu verbinden..."

    Keineswegs. Der Papst schließt durch sein Vorhandensein schon Milliarden von Christinnen und Christen - abgesehen von all den anderen Glaubenden - aus. Oder bezeichnen Sie nur Katholiken als Glaubende?

    Nein, durch seinen Exklusivitätsanspruch fördert der Papst das Gegen-, nicht das Miteinander in der Welt.

    Ob diese Form "Demokratiekonform" ist oder nicht, wird die Zukunft zeigen.

    Meinen Sie mit Demo

    keines dieser von Ihnen genannten Laender war eine absolute Monarchie bis in das 20. Jahrhundert.
    Frankreich war ein Republik mit Praesident, Parlament und Wahlen etc.
    Deutschland und Oesterreich waren zwar Monarchien, aber keine absoluten. Es gab Verfassungen die die Rechte des Monarchen einschraenkten (also Monarchie nicht absolut). Es gab Wahlen in Deutschland zum Reichstag und dieser Reichstag hatte auch tatsaechliche Macht (z.B. das Budgetrecht)

    "...woran sich man auch in der Renaissance gehalten hatte."

    Wenigstens das. Päpste haben Frauen und Kinder gehabt, Kriege geführt, Reichtümer angehäuft, Verwandte in kirchliche Ämter geschafft - aber wenigstens ist kein Papstsohn dem Vater auf den Thron gefolgt.

    "...den sogenannten Demokratiefetischisten..."

    Meinen Sie damit diejenigen, die für die Freiheit, Würde und Selbstbestimmung des Menschen eintreten?

    "...trotzt "Demokratie" in Deutschland oder in der EU,..."

    Und ein Papst oder anderer Monarch könnte das Ganze in den Griff bekommen? Wie gut der Vatikan mit wirtschaftlichen Dingen umgehen kann, wissen wir ja spätestens seit den Vorkommnissen um die Banca Ambrosiano...

    "...um den Glauben von mehr als einer Milliarde Menschen und die Politik die daraus entsteht, miteinander zu verbinden..."

    Keineswegs. Der Papst schließt durch sein Vorhandensein schon Milliarden von Christinnen und Christen - abgesehen von all den anderen Glaubenden - aus. Oder bezeichnen Sie nur Katholiken als Glaubende?

    Nein, durch seinen Exklusivitätsanspruch fördert der Papst das Gegen-, nicht das Miteinander in der Welt.

    Ob diese Form "Demokratiekonform" ist oder nicht, wird die Zukunft zeigen.

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  2. Selbstverständlich ist der Vatikan ein Staat und dazu noch der kleinste unserer Erde.
    Der Staat ist klein der Glaube aber groß.

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  3. "Der Theologe auf dem Papstthron antwortet mit Erstarrung auf die Umbrüche seiner Zeit. Für jene Reformen, die sowohl die Kritiker als auch die Freunde der diskreten Monarchie für überfällig halten, muss die Kirche auf ihr nächstes Staatsoberhaupt warten."

    Die heutige Zeit ist eine schnelllebige geworden während der Vatikan in Jahrhunderten rechnet rechnet die heutige Zeit in jahrzehnten wenn nicht noch kleiner.
    Die Kirche muss sich nicht an den Zeitgeist anpassen denn für Gläubige ist die Botschaft Jesu zeitlos jenseits des Zeitgeistes.
    Die angemahnten Reformen (Aufhebung des Zölibats, Frauen in priesterämtern usw.) gibt es zum grösstenteils bereits bei den Protestanden bereits, wem also der Katholizismus nicht reicht hat Luther ja freundlicherweise eine Alternative gebracht.

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    • TDU
    • 25.06.2012 um 9:34 Uhr

    Man muss den Ordnungshüter nicht lieben. Aber es ist vorteilhaft, dass er da ist. Hätten die Muslime so einen, gäbs vielleicht keine Attenate auf Sunniten und Schiiten und umgekehrt. Es ist gut, dass Extreme wie Pius Brüder und Opus Dei kontrolliert werden. Und wer weiss, was sich da noch tummelt an selbsternannten Heilsbringern im Namen Gottes.

    Was kümmert die Nicht Katholiken und nicht Religiösen das eigentlich, wie weit da Demokratie herrscht?. Wer da nicht wohnen will, kann jederzeit ausziehen. Intrigen gibts in jeder Organisation und Machtspiele auch.

    Und zur Ökumene: Die Unterschiede bewahren (der ehemalige evangelische Ratsvorsitzende Huber). Alle Veränderung muss am Glauben orientiert sein, sonst ists Partei wie jede andere auch. Wenn die Katholiken Revolution machen wollten, könnten sie das. Ein Heer aus den Katholiken weltweit und der Vatikan wäre Geschichte. Aber man ist nicht blöd und streicht eratzlos das, was man braucht.

    Deswegen gibts auch in Deutschland keine Revolution. Die Bürger wissen, was sie am Staat haben.

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    • TDU
    • 25.06.2012 um 13:51 Uhr

    Wären die Pius Brüder die katholische Kirche, wäre mein Kommentar sicher anders ausgefallen. Vermutlich wären die Protestanten mit der Herrschaft von Calvinismus auch nicht einverstanden.

    Man sollte allerdings Institution und Glaubensinhalte zu trennen. Die Unaufslöslichkeit der Ehe ist ein Dogma, welches nicht so einfach aufgehoben werden kann. Dennoch bin ich für Austeilung der Kommunion an Wiederverhaeiratet Gescheidene.

    Genauso wenig wie die Grünen plötzlich für AKW`s eintreten könnten. Küng und Heinemann wurden nicht aus der Kirche asugeschlossen. Nur wurde ihnen die Lehrbefugnis entzogen. Oslwad Metzger wurde ausgeschlossen aus der Partei.

    Dieses Dogma von der Unauflöslichkeit der Ehe vor Gott jetzt a priori als "rückwärtsgewandt zu bezeichnen führt auch nicht weiter. War das denn mal fortschrittlich?. Die Kategorie passt nicht.

    Die katholische Ansicht von Sexualität, interpretiert man sie unter dem Gesichtspunkt der sexuellen Freiheit, ruft zu nichts anderem auf, als mit dem Anderen verantwortlich umzugehen.

    Problematisch ist in der Tat die Auffassung, das Sexualität nur in die Ehe gehört und nur der Fortpflanzung dienen darf. Da kann jeder Katholik seinen eigenen Deal machen. Das aber grundsätzlich zu ändern, hiesse ja, Zentrales umzukrempeln. Und will man die katholische Kirche als CDU?.

    Ich gehe davon aus, dass viele so denken. Christliche und katholische Moral eignet sich als Grundlage die Dinge und das Handeln zu bemessen.

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  4. Das bedeutet, dass alle vatikanische Staatsbürger, die ihre Staatsbürgerschaft nicht auf Grund ihres Dienstes oder Aufgaben haben, auch dann ihre Staatsbürgerschaft behalten können, wenn sie Muslime, Protestanten, Orthodoxen ... werden, oder ganz einfach aus der Kirche austreten. Sie werden nicht gesteinigt, ihre Kehle wird nicht durchgeschnitten und sie werden per Gesetz nicht staatenlos.

    Dass die 832 Einwohner von Vatikan zur Zeit alle katholisch sind, könnte man nur dem Zufall verdanken. So wie man es dem Zufall verdanken muss, dass alle katholische Bischöfe in Deutschland tatsächlich katholisch sind;-))

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  5. Ich finde ihre Kommentierung sehr treffend, denn sie sagt zu einem aus der Vatikan in formaler Hinsicht ein Staat ist, was nicht zu widerlegen ist. Auch wird deutlich, dass dieser Staat nicht irgendein Staat für Anhänger der katholischen Kirche ist, sondern in ihrem Leben eine besondere Rolle einnimmt.
    Noch eine kurze Kommentierung zu Reformen im Vatikan:
    Ich finde es falsch, wenn sich die Kirche / der Vatikan, denn besonders jungen Gläubigen anpassen würde, denn die Kirche soll doch nicht von ihren Anhängern belehrt werden, sondern ihre Anhänger zu belehren. Jedem steht es frei sich der katholischen Kirche anzuschließen oder es zu lassen. Generell sollte man sich doch nur einer Idee anschließen, wenn man vor ihr überzeugt ist. Außerdem sollen die christlichen Lehren nicht zu einem einfachen, sondern zu einem moralischen Leben führen. An dieser Stelle weiß ich daraufhin, dass Moral in unterschiedlicher Kulturen unterschiedlich definiert werden kann.

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  6. 8. ......

    Der Vatikan KANN nur eine absolute Monarchie sein.
    Denn der Vatikan hat keine bleibenden Staatsbürger.
    Die Staatsbürgerschaft des Vatikans wird nur so lange vergeben solange man im Vatikan oder am Vatikan Dienst tut.
    Was würden Wahlen auch für einen Sinn machen, welcher Angestellte wählt seinen Chef ?
    Vor allem welchen Sinn haben Wahlen wenn das Wahlvolk nur Wahlvolk auf Zeit ist ?

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