Der besondere JahrgangWas von ihren Plänen übrig blieb

Fünf ehemalige Abiturienten berichten, wo sie ein Jahr später gelandet sind

Christina Töpfer, damals 18

Die Bekanntgabe der Abi-Noten ließ Christina Töpfer nervös werden. Dann war ihre Erleichterung groß: 13 Punkte in Mathe und in Bio. Eigentlich hatte sie mal Lehrerin werden wollen, dann jedoch fand sie das Verhalten mancher Mitschüler gegenüber ihren Lehrern so respektlos, dass sie keine Lust mehr auf den Beruf hatte. Lieber wollte sie in die Krebsforschung gehen und promovieren. Vorher jedoch plante sie eine Pause vom Lernstress – in ihrem Freiwilligen Ökologischen Jahr

So ging es weiter:

Manchmal vermisse ich die Schule – man hat sich ja jahrelang an den Alltag gewöhnt und konnte jeden Tag seine Freunde sehen. Aber mittlerweile hatte ich viele andere schöne Erlebnisse, zum Beispiel, wie wir unser Ziegenkind mit der Flasche aufgezogen haben. Ich will die Zeit nicht rückgängig machen. Der Kontakt zu den Tieren im Wildgehege, ob Ziegen oder Hirsche, wird mir nach meinem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) sicherlich fehlen.

Anzeige

Dabei ging es eher holprig los. Bei meinem ersten Einsatzort in Cloppenburg sollten wir ursprünglich zu zweit anfangen, aber dann war ich doch allein. Das hat mir so zu schaffen gemacht, dass ich irgendwann gewechselt habe: zurück nach Uelzen. Dort mache ich seit Anfang Dezember mein FÖJ zu Ende. Und wie gesagt: Die Arbeit im Wildgehege macht mir total viel Spaß und ist mir genauso ans Herz gewachsen wie meine Kollegen. Wir kümmern uns um die Tiere, leiten Führungen für Besuchergruppen und kartieren Biotope.

Dass ich wieder zu Hause eingezogen bin, war eigentlich nur ein praktischer Nebeneffekt. Manchmal wünsche ich mir schon, wieder allein zu wohnen. Man hat viel mehr Freiheiten. Dann aber genieße ich es wieder, wenn ich nach Hause komme und das Essen fertig auf dem Tisch steht.

Meine Schwester wohnt eigentlich auch wieder zu Hause, aber demnächst fliegt sie zum dritten Mal nach Amerika. Da habe ich mich daran gewöhnt, sie nicht jeden Tag zu sehen. Und irgendwann bin ich dann vielleicht diejenige von uns beiden, die zum Flughafen gebracht wird. Aber für die Studienzeit bleibe ich erst mal hier. Ich glaube nicht, dass ich das Studium in einer Fremdsprache so gut meistern würde, wie ich es gern hätte.

Nach einem Jahr ohne Lernen freue ich mich auf das Studium. Allerdings möchte ich jetzt doch lieber direkt mit Menschen arbeiten. Deswegen will ich nicht mehr reine Biologie studieren, sondern bewerbe mich für Grundschullehramt mit den Fächern Sachkunde und Mathe.

Ich bin also vollkommen zufrieden mit dem letzten Jahr, egal, wie viele Schwierigkeiten es gegeben hat, es hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Leserkommentare
  1. > 13 Punkte in Mathe und in Bio

    > Der Einser-Schnitt gebe ihr Ruhe

    > Für ein duales Studium bei Douglas brauchte sie einen
    > Schnitt von 2,3

    Das sind wieder alles Streber-Mädchen. Die gibts an der Uni zuhauf und sind alles andere als interessant (=langweilig)!

    Interessanter wäre es, etwas über Schicksale zu hören, die mal nicht so 'genormt' sind.

    16 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Genau, das war meine eigene Impression nach dem Lesen.
    Ein bisschen Heimweh kann ich ja nachvollziehen, aber die Neugier auf die Welt sollte in diesem Alter ueberwiegen. Hoert sich alles sehr nach Sicherheit an. Zu konservativ, erst recht fuer dieses junge Alter. Eben langweilig.

    Sind das die Vorgesetzten von morgen? Bitte nicht.

    Hab mich bei dem Artikel köstlich amüsiert^^ Besonders gefallen hat mir das Bild des braven Mädchens, wie sie das Tier füttert :D So eine klischehafte süße Fee aus gutem Elternhause, Peferde, Wiese 13 Punkte in Bio und Mathe . Irgedwie süß, aber die scheinen alle so perfekt zu sein und zugleich so langweilig.

    wenn jemand im leben scheitert finden sie das also gut weil is ja interessant?
    hier kann man unweigerlich auf ihr vermasseltes leben schliessen und dem kleinbueegerlichem neid der daraus entsteht, schliessen.
    vor so einem lebenslauf ziehe ich meinen hut, wer das in dieser kaputten welt hinbekommt muss charakterlich sehr stark aein, im gegensatz zu so manchem kommentartor hier

    • Elite7
    • 30.06.2012 um 15:51 Uhr

    Ein guter Freund von mir dümpelt jetzt schon seit zwei Jahren herum, weil er trotz 1,1 Abitur und vielem Fleis keinen Studienplatz in Medizin bekommt. Langsam versteh ich echt nicht mehr wo ich lebe. Muss ich denn echt für alles so ein Überfliegerabi haben? Wo dann das Private und die Familie auf der Strecke bleiben. Ob das also ernsthafte Gewinner sind, das mag ich bezweifeln. Wer in den jungen Jahren schon so ausgepowert ist, dass er erst mal ein ökologisches Jahr hinlegt.

    Genau, das war meine eigene Impression nach dem Lesen.
    Ein bisschen Heimweh kann ich ja nachvollziehen, aber die Neugier auf die Welt sollte in diesem Alter ueberwiegen. Hoert sich alles sehr nach Sicherheit an. Zu konservativ, erst recht fuer dieses junge Alter. Eben langweilig.

    Sind das die Vorgesetzten von morgen? Bitte nicht.

    Hab mich bei dem Artikel köstlich amüsiert^^ Besonders gefallen hat mir das Bild des braven Mädchens, wie sie das Tier füttert :D So eine klischehafte süße Fee aus gutem Elternhause, Peferde, Wiese 13 Punkte in Bio und Mathe . Irgedwie süß, aber die scheinen alle so perfekt zu sein und zugleich so langweilig.

    wenn jemand im leben scheitert finden sie das also gut weil is ja interessant?
    hier kann man unweigerlich auf ihr vermasseltes leben schliessen und dem kleinbueegerlichem neid der daraus entsteht, schliessen.
    vor so einem lebenslauf ziehe ich meinen hut, wer das in dieser kaputten welt hinbekommt muss charakterlich sehr stark aein, im gegensatz zu so manchem kommentartor hier

    • Elite7
    • 30.06.2012 um 15:51 Uhr

    Ein guter Freund von mir dümpelt jetzt schon seit zwei Jahren herum, weil er trotz 1,1 Abitur und vielem Fleis keinen Studienplatz in Medizin bekommt. Langsam versteh ich echt nicht mehr wo ich lebe. Muss ich denn echt für alles so ein Überfliegerabi haben? Wo dann das Private und die Familie auf der Strecke bleiben. Ob das also ernsthafte Gewinner sind, das mag ich bezweifeln. Wer in den jungen Jahren schon so ausgepowert ist, dass er erst mal ein ökologisches Jahr hinlegt.

  2. aber die Zeit nicht. Konformität ist das was heute zählt, leider

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Fuer wen zaehlt das?
    Fuer diejenigen selber? Leben kommt von Erleben.

    Fuer wen zaehlt das?
    Fuer diejenigen selber? Leben kommt von Erleben.

  3. Genau, das war meine eigene Impression nach dem Lesen.
    Ein bisschen Heimweh kann ich ja nachvollziehen, aber die Neugier auf die Welt sollte in diesem Alter ueberwiegen. Hoert sich alles sehr nach Sicherheit an. Zu konservativ, erst recht fuer dieses junge Alter. Eben langweilig.

    Sind das die Vorgesetzten von morgen? Bitte nicht.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Der besondere Jahrgang"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es spiegelt wohl nur die Biografien der Journalisten des Geschriebenen wider. Heute braucht man einen aalglatten Lebenslauf und 100% Anpassungsvermögen, um bei den großen Blättern was zu werden. Kritisches Hinterfragen, um die Ecke denken, abweichende Meinungen und Lebensläufe sind heute nicht mehr gefragt. Leider!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Danke. Die Redaktion/ag

    • Kelhim
    • 30.06.2012 um 13:50 Uhr

    ... die restlichen Kommentare klingen leider eher frustiert und trotzig.

    Guter Start - und dann stark abgebaut. Tut mir leid.

    Es spiegelt wohl nur die Biografien der Journalisten des Geschriebenen wider. Heute braucht man einen aalglatten Lebenslauf und 100% Anpassungsvermögen, um bei den großen Blättern was zu werden. Kritisches Hinterfragen, um die Ecke denken, abweichende Meinungen und Lebensläufe sind heute nicht mehr gefragt. Leider!

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Danke. Die Redaktion/ag

    • Kelhim
    • 30.06.2012 um 13:50 Uhr

    ... die restlichen Kommentare klingen leider eher frustiert und trotzig.

    Guter Start - und dann stark abgebaut. Tut mir leid.

  4. 4. @ Nr.2

    Fuer wen zaehlt das?
    Fuer diejenigen selber? Leben kommt von Erleben.

    Antwort auf "um die kümmert sich "
  5. schlechtere Schueler. Nach meiner Erfahrung sind das oft die interessanteren Menschen, schon in der Jugend.

    Nicht neidisch sein. Jeder lebt sein Leben, und muss damit zufrieden sein bzw. sich dahin bewegen. Das dauert manchmal ein ganzes Leben, ob mit oder ohne Einser-Durchschnitt.

    Antwort auf "Schöne Idylle"
  6. Es spiegelt wohl nur die Biografien der Journalisten des Geschriebenen wider. Heute braucht man einen aalglatten Lebenslauf und 100% Anpassungsvermögen, um bei den großen Blättern was zu werden. Kritisches Hinterfragen, um die Ecke denken, abweichende Meinungen und Lebensläufe sind heute nicht mehr gefragt. Leider!

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@ Nr. 1"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sehr richtig, und das wird u.a. sichtbar auch bei Loeschungen hier.

    Ich habe jedoch (immer noch) die Hoffnung, dass es noch (vereinzelte) Idealisten mit Rueckgrat und eigener Meinung und Charakter unter den Journalisten gibt, die nicht nach Schema F und mit angepasstem Gehirn werten und agieren.

    Und sehen Sie, wird sind schon zwei!
    Allerdings an unmaszgeblicher Stelle, aber nicht leise. Sehr gut.

    "Kritisches Hinterfragen, um die Ecke denken, abweichende Meinungen und Lebensläufe sind heute nicht mehr gefragt. Leider!"

    Mir hat einmal ein Unternehmer erklärt, er wolle mit deutschen Hochschulabsolventen nichts mehr zu tun haben. Die deutschen Universitäten hätten Ulrike Meinhof, Rudi Dutschke und Mohammed Atta hervorgebracht. Er gehört mit zu denen, die gleichzeitig den "Fachkräftemangel" bejammern und nach ausländischen Fachkräften rufen.

    Übrigens: eine Bekannte von uns ist Betriebswirtin mit Schwerpunkt "Human ressources". Sind Brüche im Lebenslauf eines Bewerbers, unterstellt sie diesem sofort, er habe im Gefängnis gesessen. Auch für sie stehen deutsche Universitätsabsolventen unter Kommunismusverdacht oder im Verdacht der Industriespionage oder subversiven Unterwanderung. Sie selbst ist sehr christlich, gibt sich sehr deutsch-patriotisch und hat in den USA studiert.

    Sehr richtig, und das wird u.a. sichtbar auch bei Loeschungen hier.

    Ich habe jedoch (immer noch) die Hoffnung, dass es noch (vereinzelte) Idealisten mit Rueckgrat und eigener Meinung und Charakter unter den Journalisten gibt, die nicht nach Schema F und mit angepasstem Gehirn werten und agieren.

    Und sehen Sie, wird sind schon zwei!
    Allerdings an unmaszgeblicher Stelle, aber nicht leise. Sehr gut.

    "Kritisches Hinterfragen, um die Ecke denken, abweichende Meinungen und Lebensläufe sind heute nicht mehr gefragt. Leider!"

    Mir hat einmal ein Unternehmer erklärt, er wolle mit deutschen Hochschulabsolventen nichts mehr zu tun haben. Die deutschen Universitäten hätten Ulrike Meinhof, Rudi Dutschke und Mohammed Atta hervorgebracht. Er gehört mit zu denen, die gleichzeitig den "Fachkräftemangel" bejammern und nach ausländischen Fachkräften rufen.

    Übrigens: eine Bekannte von uns ist Betriebswirtin mit Schwerpunkt "Human ressources". Sind Brüche im Lebenslauf eines Bewerbers, unterstellt sie diesem sofort, er habe im Gefängnis gesessen. Auch für sie stehen deutsche Universitätsabsolventen unter Kommunismusverdacht oder im Verdacht der Industriespionage oder subversiven Unterwanderung. Sie selbst ist sehr christlich, gibt sich sehr deutsch-patriotisch und hat in den USA studiert.

  7. Sehr richtig, und das wird u.a. sichtbar auch bei Loeschungen hier.

    Ich habe jedoch (immer noch) die Hoffnung, dass es noch (vereinzelte) Idealisten mit Rueckgrat und eigener Meinung und Charakter unter den Journalisten gibt, die nicht nach Schema F und mit angepasstem Gehirn werten und agieren.

    Und sehen Sie, wird sind schon zwei!
    Allerdings an unmaszgeblicher Stelle, aber nicht leise. Sehr gut.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@fortunately"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service